Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, August 12, 1897, Image 9

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    Die theure Visa
on Utta Hlck,
.Ich Habe an Den ScabenonUl flt
schnöden. Ctto. wirst sehen, in ein paar
Zaz?n sind mir im Besitz von ;man,ig
Mark ;
,T)ai sieht Dir mal wieder ähnlich.
Better Fritz! Wie konntest Du so un
überlegt handeln? Ersten? weitzt Du.
das; Cnlel Rabenow such?wl!d werden
kann, wenn er angepumpt wird Du
kannst Dich auf eine nette Abkanzelung
gefaßt machen und dann wie lumpig,
jwanzig Mark!"
Anpumpen? Lumpiz? Vetter Otto,
alle Achtung vor Deiner jungen Weis
h::t, aber wer sagt denn, dah ich den
abcnonlel angepumpt habe? Und die
zwanzig Mark find die Einleitung ge
wifsermaßen daZ Entree zu dem. waZ
kommen raub.'
.51. aber wa? lislfi Du denn Mieder
für einen Streich ausgeklügelt? Ich
hoffe, daß Du mich aber cu? dem
Spiele lastest, ich mochte nicht gerne bei
dem adenonkel in Mißkredit kommen."
EiegeZficher lehnte sich Fritz, die lan
gen Beine mit Behagen von sich streckend,
in den Stuhl zurück, mit überlegenem
M&fydv, drehte er fein kleine? Schnurr
bartchen. :l.
.Nun wollen wir über die Sache nicht
weiter reden, di- Du den goldigen Er
folg vor Augen siehst und Du meine
Genialität neidlos anerkennst."
EZ war in einem ReftaurationSgar.
ten feineren StylS. der Universitätsstadt
31., wo sich die beiden Vettern zum
Frühschoppen niedergelassen hatten,
Vetter Fritz wie immer unternehmungS.
luftig.fidel, Better Otto in etwas mehr
gedrückter Stimmung, denn der Erste
war noch weit entfernt, und der lederne
feuer- und diebessichere miniature
Taschentresor ließ tief blicken, ohne
etwas anderes als eine trostlose Leere zu
zeigen. ' M , !
Einige Tage später. Unser Fntz
fitzt bereits an seinem Stammtische im
ReftaurationSgarten und schaut sinnend
in den tiefblauen Himmel und daZ
grüne Blättergewirr der alten Kasta
nienbäume hinein.
Endlich erschien auch Vetter Otto.
Aber warum so sinnend?" fragte er
nach der ersten Begrüßung.
Ich mache Studien über die Farben
Harmonie in der Natur. Siehe diese?
tiefe Blau de? Himmel?, dieses satte
Grün de? KastanienlaudeZ und diese?
goldige Gelb de? Biere Poesie und
Prosa auf'S Schönste vereint." Goldi.
m Gb da fällt mir ein" und er
ariff aleiÄmüthiq in sein Billettäschchen.
entnahm diesem zwei Zehnmarkstücke
und legte eine? dann vor Otto auf den
Tisch. .
Wa? soll da? heißen?"
..Brüderlich getheilt. E? ist die
ftälrte der vom Radenonkel gesandten
zwanzig Mark, da? Entree. wie ich Dir
sagte."
Nun wird mir die Sache aber zu
toll' so laß doch endlich einmal lo? wa?
Du denn gemacht haft, und wa? für
Streiche Du noch machen willst."
Ganz einfach: höre den Brief, den
ich Rabenonkel schrieb, wortgetreu, so
weit ich ihn noch weiß:
Lieber Onkel. Du kennst ja meine
Diva," die dänische Dogghüudin, lei
der muß ich
Du hast ja überhaupt gar keinen
Hund."
Da? thut ja nichts zur Sache, aber
unterbrich mich nicht, Leider muß ich
mich von diesem treuen Thiere trennen,
denn die würdigen Stadtväter haben
eine Hundesteuer von zwanzig Mark de
schloffen, eine solche Ueberdürdung kann
ein Student der Rechtswiffenschaften je
doch nicht gutheißen und ertragen, und
so muß ich denn da? Thier abschaffen.
Aber wie? Infolge der hoaen Hunde
steuer kauft hier kein Mensch einen
Hund, und da habe ich mir gedacht, ob
Du, lieber Onkel, die Diva nicht zu
Dir nehmen willst."
Du weißt doch, daß der Onkel Hunde
nicht leiden mag," unterbrach Otto
wieder den Bortragenden.
.....nehmen willst. ? ist mir
zwar sehr hart, da? kluge Thier man
mm mit ihm sprechen wie Mit emem
Menschen weggeben zu müssen, jetzt
wo ich mich von ilim trennen soll, er
kenne ich erst recht, wie theuer es mir
ist, aber ich weiß keinen anderen Rath.
Vielleicht weißt Du einen! :c. Dein
treuer Neffe Fritz." '
, Und darauf schickte er Dir zwanzig
Mark für Hundesteuer?"
Ich bewundere Deinen Scharfsinn,
Otto."
Mit erhabener Ruhe knippste Fritz
die Asche von seiner Cigarre und fuhr
in gelaffenem Tone fort: Da? war der
erste Streich, und der andere folgt so
gleich. Ich lasse dem Onkel einige
Tage Ruhe, dann erhält er einen zwei
ten Brief. Ist e? nicht gegen alle
Rechtsordnung, einen reichen Onkel zu
besitzen, der keine Kinder hat und sich
seinem studirenden Neffen gegenüber
al? Harpagon, als rechter Rabenonkel
zeigt? Ich fühle die Mission in mir,
ihn von dieser recht?widrigen Idee zu
heilen." tx
511? ob er den Sieg schon errungen,
streckte er die langen Beine von sich,
steckte die Hände in die Taschen und sah
Otto mit einem fragend triumphirenden
Wirf rtrt
0n min (nierle ns IM QtO I
UlUllKllC n
ßen Phlegma,, ich denke mir. daß der
Radenonkel fich doch so leicht nicht von
Dir über'? Ohr hauen laßt, und daß
Der SNntagsgast.
JchGVOOND !.
Beilage ;um Nevraska Staats '.'lilzeiqer.
12.
schließlich Du der Keheilte, oder sagen
mir. Geleimte bist."
' J
Eypr
Herr Radenom. von der Better und
Nichteiikchaar kurzmeg Radenonkel ge
nannt, ein behäbiger Gutsherr mit
freundlichem, gutmüthigem Gesicht,
saß behaglich in seinem Wohnzimmer
im Seffel und rauchte eine lange
Preise Seme Gemahlin, geb. Löwe,
brevi manu die Löwentante genannt,
im Gemüth und GefichtsauSdruck da?
passendste Seitenftuck zum Radenonkel, ;
saß auf dem Sopha und strickte. ES
war so still friedlich im Zimmer: in
langen Wolkenstreifen zog der duftende
Tabakrauch durch den Raum, und um ;
die Stille so recht eindrucksvoll zu ma !
chen, summten ein paar Fliegen ihr
träumerisches Baßliedchen.
Und Herr Radenöw sann und sann.
BumS! donnerte eS plötzlich wie ein
Kanonenschlag in den stillen, tiefen
Frieden. Erschreckt fuhr die Löwentante
in die Höhe, daß die Stricknadeln ihren
Händen entfuhren und klirrend zu Bo
den sielen.
Ader Mann, wie kannst Du einen
so erschrecken ! WaS ist denn los?"
Herr Radenow war mit seinem Sin-
Nieren zu einem eiultat gelangt uno
schloß die Gedankencalkulation mit ei
nem Fauftschlag auf den Tisch. Er hatte
einen offenen Brief neben sich aus dem
Tische liegen, in den er von Zeit zu Zeit
einen Blick geworfen hatte.
Der Junge hat mich angeführt, je I
mehr ich darüber nachdenke, desto klarer
wird mir die Geschichte." und halblaut
laS er den Brief zum wer weiß wievielten
Male durch:
Lieber Onkel! Ach die Schlechtigkeit
der Menschen! Ich glaube, ich habe es
Dir schon mitgetheilt, daß meine gute
Diva vor einiger Zeit fünf Junge ge
warfen hat so reizende Thiere, und
geht da nun ein so schlechter Mensch hin
und macht den Steuerleuten Anzeige von
diesem frohen Ereigniß. Natürlich ist
ein Hundefteuerzettel von fünf mal
zwanzig Mark die Folge dieser schwarzen
That. Hundert Mark für Hundesteuer!
WaS bleibt mir anders übrig, als die
Hunde zu ersäufen. Mit rauher Hand,
aber thränenden Auges mußte ich das
zarte Familiendand zerreißen: ich binde
die jungen Hunde an eine Kordel und
wandere mit ihnen zum Waffer. Da
aber erkenne ich erst, welch' gefühlvolles
Herz ich habe es war mir nicht mög
lich. die armen Thiere umzubringen.
Da kommt mir ein rettender Gedanke !
Der aute Onkel nimmt fte Dir ab, so
mich mit Erkolg um den 'Verkauf der
Hunde denttht. Mein Freund, der
Gutsbesitzer Zitschmeier auf Gut Zitsch
heim, Eisenbahnstation I. hier daft
Du schon die Adreffe will Deine Diva
mit den Jungen nehmen, den Preis
sollst Dn bestimmen und die Thiere gleich
per Bahn an seine Adreffe absenden.
Mit herzlichem Gruß
Dein Onkel.
Mit einem gemiffen Gefühl der Be
sriedigung. daß seine VorauZsagung
eingetroffen, sagte itto
Du hübsch in der Tinte, habe ich doch
Recht behalten, daß Onkel so leicht nicht
anzuführen sei. Und was nun?"
Fritz sah seinen Vetter groß an. aber
in Geldverlegenheit bist, so schreibe e?
lieber geradeaus Deinem
Radenonkel."
5ol&jtoub.
ii nie Erzählung
aus attki
Fürst.
Zc l von Paula
Er war ein armer kleiner Junge, der
Max Kundert. aber er hatte starke?
fmifmrtnmfA3 ?nlmt llnh nlü ?r
da sitzest gurch Vermittlung deS alten Pastor? in
einem großen HandelZhauZ der Haupt'
stadt als Lehrling untergebracht wurde,
fühlte er fich in seinem Element. Gab
8 rti.'fh )lrhiit rtfttltit und Wirt? link
der Schalk und übermüthige Luft blitzte j gyh in m und Fülle, so verschlug
ihm mit hon 4flinm 'ilslfe miffl hm !.. Tjc.. ,r i ... . cmm.-.
ihm aus den Augen. Daß man den
Brief so auffaffen konnte, habe ich gar
ihm oaS nichts. Er kannte keine Müdq
keit und sein Stolz war eZ, die Kautt:
nicht 'mal gedacht der Onkel hat sich i frieden zu stellen. Wie ein Eichhörn
gerade ganz in meine Hlnde gegeben:
er ist nun unrettbar verloren, enn
daß Du weißt, es giebt weder einen
Freund Zitschmeier, noch ein Gut Zitsch
heim, ich bin zum Glück in der Gegend
von . genau orientirt."
WaS willst Du denn nun begin
nen?" Otto sah Fritz ganz Verständniß
loS an.
Nun, die Hunde absenden! Wir
gehen jetzt nebenan zum Schreinermei
fter Spähn und bestellen eine Hunde
versandtkifte : diese Kifte wird dann
hübsch mit Stroh locker gefüllt, so daß
Hunde darin sein könnten, und dann
per Bahn an Herrn Zitschmeier de
fördert." Fritz entwickelte diesen Plan
mit der harmlosesten Miene von der
Welt Otto machte ein dummes Gesicht
dazu und sagte in der schwachen Hoff
nung, Fritz von diesem sonderbaren
Plane abzubringen: Die Sendung
wird doch wieder zurück kommen."
Soll sie auch," erwiderte Fritz.
Und so kam es auch. Nach
Tagen kam die Sendung zurück,
Adressat nicht zu ermitteln war.
zehn
weil
Herr und Frau Rabenow saßen ge
müthlich dei'm Morgenkaffee. Ich bin
doch gespannt." sagte Ersterer, wie
Fritz sich aus der Affaire ziehen wird; er
läßt immer noch Nicht? von sich hören.
Ich hätte doch gar zu gerne sein ver
dlüfftes Gesicht gesehen, al? er meinen
Brief erhielt." Herr Rabenow rieb sich
vergnügt die Hände bei dem Gedanken,
seinen luftigen, übermüthigen Neffen
einmal in die Klemme gebracht zu
haben.
Da kam der Poftbote und brachte die
Briefe und Zeitungen. Ein ungewöhn
lich großer Brief mit der Adreffe von
dachte ich mir, und wirklich, lieber ' Fritz' Hand erregte sofort Herrn Rabe
Onkel. Du könnte noch ein
damit machen, e? find
Thiere
Und wieder schlug Hr. Rabenow mit
der Hand auf den Tisch, daß e? schallte.
Dieser Schlingel! Und er weiß doch,
iti SSiinhn niM rtiiSttVIimt rttrtsr!"
uyp y yHiiw ...wj . jj
Geschüft now? Aufmerksamkeit. Er war doch
werthvolle j ein wenig unsicher geworden, als er den
Brief öffnete: er entnahm dem ouvert
einen Eisenbahnsrachtbrief, eine Rech
nung und Fritz' Brief. Dann begann
er zu lesen. Die gute Löwentante guckte
ihrem Manne über die Schulter und la?
Ja, darum haft Du ihm doch die! mit. Das Schreiben aber lautete:
hundert Mark geschickt, weil Du bange
warft, er möchte Dir die Hunde auf den
Hals schicken. Warum ereiferst Du Dich
nun so gegen ihn!"
Weil ich mich von dem Jungen habe
anführen laffen. Aber," fuhr er fort
und blinzelte vergnügt mit den Augen,
denn ihm war plötzlich ein rächender
Gedanke gekommen, ..nun will ich Dich
in eine Patsche dringen, mein Herr
Studiofu?, daß Du nicht ein, noch aus
weißt. Frauchen," sagte er dann,
meinst Du, der Fritz hätte nur einen
einzigen Hund? Keinen hat er, sage ich
Dir, seinen Onkel schröpfen wollte er,
aber da? will ich ihm 'mal versalzen!"
Da? weißt Du doch nicht sicher,
ob e? nicht dennoch wahr ist mit den
Hunden
Lieber Onkel, da hast Du mir aber
einen großen Kummer und Verlust be
reitet. Vertrauen?selig. wie ich nun
einmal bin, versende ich die Hunde
wohlverpackt in einer Kiste (siehe einlie
gende Rechnung über zwölf Mark) per
Batm an die mir angegebene Adreffe.
Wie aber erstaunte ich. als die Sendung
mit dem Vermerk zurückkommt: Adres
sat ift nicht zu ermitteln" (siehe einl.
Frachtbrief über Frachtau?lage für Hin
und Rückfracht u. f. w. dreiundzwanzig
Mark). Geradezu überwältigend aber
war mein Schmerz, al? ich die Kifte
öffnete die Hunde waren sammt und
sonder? todt verhungert. Meine
Feder fträubt sich, meinen Schmerz über
diesen Verlust zu schildern: dabei ist der
materielle Verlust auch nicht gering.
Die Lömentante befürchtete schon, e? : Die Diva ift unter Freunden einhun
möchten ihrem Liebling?neffep, denn da? dertundfünfzig Mark werth, die fünf
war der Fritz, einige Ungelegenheiten Jungen mindesten? dreißig Mark pro
erwachsen. ! Stück, und da? haft Du , . . , doch ich
Herr Rabenow aber sagte nichts ; er ; will Dir keine Vorwürfe machen
r . v . . t i : jt r ' r-sr.i , . . r jl ..i. o.. ai ....... ..Z
saß wieder behaglich in seinem Seffel
und lann und sann: dann legte er ffch
Briefpapier zurecht und nahm Feder
und Tinte. Herr Rabenow schrieb.
Der Tabakrauch bildete seine zerrissenen
Wolkenftreisen wieder zusammen, die
Fliegen begannen ihr eintönige?Brumm-! hatte er sann und sann
lied wieder. Die traumhafte Ruhe war
im Zimmer wieder hergestellt.
Hier schaute Frau Rabenow auf. sie
zerdrückte eine Thräne in ihrem Auge
i und sah iuren Gatten vorwurfsvoll an.
Der aber lege sich in seinen Seffel zu
rück und that, was er in der DivaAn
gelegenheit schon manchmal gethan
Allmälig
Schön, daß Du kommst," sagte Fritz
zu seinem eben in fein Zimmer eintre
tenden Vetter Otto, Du kannst mir et
was behülflich fein."
WaS giebt es denn, mein Lieber,
hoffentlich etwas Vernünftiges!"
Lies 'mal diesm Brief!"
Otto nahm den Brief in Empfang,
setzte sich und begann zu lesen:
Lieder Fritz!
Dein Brief hat mich gerührt und ge-
Du daft große Dinge vor." I freut: gerührt über da? Schicksal Deiner
.i. ;.;,,HCU im trrt- : (SttUfY
nahm seine sinnende Miene einen fröh
lichen Au?druck an. ., Löwentante.
Lömentante!" sagte er, der Junge hat
mich kurirt zwar das mit dem Fracht
briefe, den er zur Beweislieferung bei
fügte, kann ich mir nicht erklären, doch
er muß mir Aufklärung darüber
machen."
Aber Mann, wa? giebt es da zu
lachen, ich verstehe Dich gar nicht."
Doch Herr Rabenow setzte fich eilendZ
an seinen Schreibtisch, als könnte die
Diva mit ihrer Nachkommenschaft wie-
chen kletterte er bis zu den höchsten Re
galen, um für die Kundschaft das Ver
langte zu holen, stieg bald in die Bo
denräume. bald in den Keller, eifrig be
müht, die Kunden auf'S Beste zu bedie
nen. Durch seinen gleiß erwarb er sich
bald da? Vertrauen seine? Ehefs, avan
cirte nach abgelaufener Lehrzeit zum
wohlbestallten Eommi? und von da an
immer aufmärt? bis zum ersten Buch
Halter.
Vierzehn Jahre mar Max im Hause.
Jetzt erachtete er e? an der Zeit, sich
selbftftändig zu machen. In seine Hei
mathftadt zurückgekehrt, richtete er fich
ein Geschäft ein, da? ihn reichlich er
nährte. Ein Anderer an seiner Stelle
wäre ganz zufrieden gewesen, nicht
aber Max. der immer höher hinau?
wollte. So reich zu werden wie sein
ehemaliger sshef, dahin hing sein Ehr
geiz. E? war vor dem Weihnacht?sefte, und
der Laden voller Käufer. Wie in einem
Bieneiuozwarm azwirrte und surrte er
es da. Aber so Viele ihrer auch waren,
Alle wurden von Kundert und feinem
Lehrbuben mit möglichster Raschheit ab
gefertigt. Das Gros der Kunden ver
lief fich, nur in einer Ecke stand noch ein
kleiner Junge, der sich in dem Lärm
nicht hatte bemerkbar machen können.
..Was willst denn Du. Bursche?"
Mein Meister, Glaser Holm, schickt
mich um Glimmer," antwortete der
Bub faft weinend, und ich krieg Prü
gel, daß ich so lange nichts dring'."
Gleich sollst haben, was Du verlangst.
Pepi," wandte sich Max an seinen Lehr
jungen, geh' in den Keller und hol'
Glimmer." Pepi kehrte aus dem Keller
mit leeren Händen zurück. Herr, ich
hab' ein Faß aufgemacht, aber drinnen
ift kein Glimmer, drinnen ift Goldftreu
fand!"
Max. obwohl auf's Höchste über
rascht, behielt trotzdem feine Geistes
gegenwart. Dummer Junge, Du
kannst auch gar nichts finden !" rief er
und eilte selbst in den Keller.
Wunder über Wunder !
Er öffnete jedes der drei Fäßchen und
aus jedem glänzte ihm nicht etwa werth
loser Goldftreusand, sondern das reinste
Gold entgegen. Er konnte kaum seinen
Augen trauen. War da ein Zauber
im Spiel? Wie ward der werthlose
Glimmer in da? kostbare Metall ver
wandelt? Da gab'? nur eine Erklärung
dafür : Aus dem schiffe mußte eine
Verwechselung vorgekommen sein, was
in diesen bewegten Zeiten gar nicht er-
ftaunlich war. Man zählte 1809, wo
Napoleon? Heere alle Staaten über
flutheten.
Jetzt war Maxens Wunsch erfüllt,
jetzt war er reich. Im höchsten Jubel
dämmerte ihm der Gedanke auf, ob er
denn dieses fremde Gut so ohne Weite
res als sein Eigenthum betrachten
könne ; doch bald wußte er feine Beden
ken zu beschwichtigen. Wer würde sich
in diesen unruhigen Zeitläuften um die
verlorenen Schätze kümmern? Gott
weiß, aus welchen fernen Landen sie
kamen und wem fte gehörten.
Max hatte nicht umsonst vierzehn
Jahre bei seinem Chef zugebracht, wo
er verschwenderische Pracht mit höchstem
Comfort vereinigt sah. Jetzt konnte er
ab die Herrlichkeiten, die ihn ehemals
dort entzückten, für fich anschaffen. Ein
stattliches Haus erhob sich gleich einem
Paläste gegenüber der Brücke, ganz von
Stein und Eisen erbaut, um jeder
FeuerSgefahr zu trotzen, denn zu dama
liger Zeit gab eS nach keine Feuerver
sicherung. Dann gab War diesem
prächtigen Heim eine junge, reizende
Herrin, die er fich auS einer der ersten
Bürgerfamilien holte.
uno ihm eines TageS wieder entrissen
werden könnten, quälte ihn unaufhor
lich und senkte sich wie ein schwarzer
Schatten vor ihm nieder, ihm jeden
Genuß vergällend.
Seine Frau, welche die Ursache sei
neS geheimen Kummers nicht ahnte,
versuchte alle Mögliche, ihren Gatten
aufzuheitern. Sie veranlaßte ihn,
öfters Spazierfahrten zu unternehmen,
besaßen fie ja ihre eigene Equipage und
die edelsten Pferde. So nahmen fte
auch die Einladung eines benachbarten
Gutsbesitzer? zum Erntefest an. In
mitten der landischen Vergnügungen
fühlte sich Max so wohl wie schon lange
nicht. Endlich mußte an die Heimkehr
gedacht werden, und mit Bedauern
schied man von dem freundlichen Wirth.
Al? fie sich auf halbem Wege befan
den. sing die Sturmglocke zu läuten an,
und Feuer, Feuer !" erschall es von
allen Seiten. Auf Maxens Frage, wo
eS brenne, antwortete ein Bursche .
Ueber der Brücke, Euer Gnaden, ein
kleines Haus." Unser HauS ift gott
lob gut geschützt." sagte MarenS grau
und zudem weiß die
fie bei FeuerSgefahr nur
eisernen Läden schließen muß." Schon
näherte sich der Wagen der Stadt, und
da ja was schwirrte da für ein feu
riger Drache durch die Luft, einen pras
feinden Funkenregen herniedersprühend?
Von einem scharfen Windstoß gejagt,
flog eine brennende Schindel gerade in
der Richtung von Maxens HauS.
Max sprang empor. Sieh, sieh !"
rief er aufgeregt, wie der Drache sich
an unserem Hause feftkrallt, wie er
gierig an dem Fensterrahmen leckt, wie
er immer größer und größer wird
der gefräßige Drache !"
Entsetzt blickte die junge Frau auf
ihren Mann, der wie im Delirium
sprach : an das HauS dachte fie nicht,
da fie eS für feuersicher hielt. Aber der
Kutscher hieb wie rasend auf die Pferde
ein, denn er sah, wie die Flammen sei
neS Herrn Haus ergriffen. Zu spät
langte der Wagen an, er konnte nicht
mehr in die Remise, die Pferde Nicht
mehr in den Stall gebracht werden.
Weinend und jammernd umstand die
Dienerschaft ihren Gebieter, der selbst
jedoch jetzt merkwürdig ruhig war. ja
beinahe heiter, während feine Frau ganz
untröstlich schien.
Aber auch fie tröstete fich. Als fie
und ihr Gatte später auf der Brand
ftätte nach den Ueberresten ihrer Schätze
suchten, da fanden fte so viel geschmol
zenes Edelmetall und Brandftlber. daß
Max wieder ein Geschäft wie das frü
here eröffnen konnte. Und aus der
Asche entstand mit neuem Mühen, mit
neuem Fleiße ein neues HauS und
eine glückliche Zukunft deS Besitzers,
denn fie war selbstverdient I
ger Jahren in London mit pneumi
scheu, al'o hohlen und mit Luft gefuü
ten Reifen versehen wurde, wa? ganz
vorzügliche Resultate ergab. Später
wurde diese Idee auch für Fahrräder
aufgenommen, und zwar in folgender
interessanter Weise. Ein damaliger
khierarzt in Dublin, Dunlop, hatte ein
zwölfjährige? Söhnchen, welches ein
Fahrrad bekommen hatte. Er hatte,
vielleicht in Erinnerung an den alten
Wa;en. der längst vergessen wrr. um
da? Rad feine? Sohne? einen mit einem
Ventil versehenen lustdichten und mit
gepreßter Luft gefüllten Gummischlauch
gelegt und denselben mit der Felge
durch Umwinden mit einem Leinwand
streifen feft verbunden. Damit fuhr der
Junge luftig herum, ohne daß die
Neuerung besonder? beachtet wurde.
Da wurde der Ort von einem englischen
Radsahier besucht, der den Knaben vor
fich hatte aus dem steinigen Wege. Er
wunderte fich wie der Knabe so schnell
iind flott den schlechten, unebenen Weg
heraufkam, und erkannte sofort die Be
deutung der Anordnung. Bon da da
tirt der erhebliche Aufschwung der Fahr
rüder. Dunlop ließ fich noch rechtzeitig
den Schlauch Patentiren und hatte so
wirklich Genuß von seiner Idee ; schnell
verbreitete sich nämlich der vergessene
pneumatische Reifen in alle Welk, wüh
rend Cowper seine Verbesserung, denen
da? Rad eigentlich seine Gedrauch?fähig
keit verdankt, auf den Rath seiner
Freunde, die die Bedeutung der Neue
rung nicht erkannten, nicht hatte Paten
tiren lassen.
Die Anfänge des JahrradeS.
Unter den Vorläufern de? heuttgen
Fahrrades werden die vierrädrigen,
durch den oder einen der Fahrer zu be
wegenden Wagen von den Nürndergern
Han? Horntfch und Torfler au? der
Mitte, von dem Pariser Arzt Richard
de la Rochette au? dem Ende de? 17.
Jahrhunderts genannt. Dem gegen
über wird, und wohl mit Recht, darauf
aufmerksam gemacht, daß diese höchsten?
als Vorläufer deS heutigen Dreirades
gelten können, daß aber das Zweirad
wegen seines nicht stabilen Gleichgewich
teS wesentlich von jenen Maschinen ver
schieden sei. Die ersten Zweiräder, so
genannte Rennräder, die mit den Füßen
vom Boden abgestoßen wurden, scheinen
auch nicht, wie allgemein angenommen
wird, auf den Freiherrn von Drais zu
rückzugehen, sondern älteren Ursprunges
zu sein. Die eigentliche Erfindung
stammt auS dem Anfang der fünfziger
Jahre, wo oer im Jahre 1312 geborene
Jnftrumentenmacher Fischer zu Schwein
furt das erfte Zweirad mit Trittkurdcl
am Vorderrad, also ohne Kette, erbaute,
mit federndem Sitz, welches genau die
selben Dienste that wie unser heutige?
Zweirad, nur viel unbequemer war.
Der Apparat kam vor etwa 30 Jahren
nach Paris und von dort nach Amerika,
wo er wegen der unsanften Stöße, de
nen man ausgesetzt war, den Namen
Knochenschüttler" erhielt. Dieser Ap
parat wurde, mehr als Spielerei, län
gere Zeit gebraucht, bis ein besonderer
Fortschritt erzielt wurde von einem ge
wissen E. A. Cowper, der zuerst auf den
Gedanken kam, die schweren, ftarren
Speichen anders zu formen und die
Was in die Luft verpafft wird.
Unter dieser Überschrift veröffentlicht
die Romanwelt" eine kleine Statistik
Dienerschaft, daß ! des TabakverdraucheS in Spanien, wo
überall die im Javre iHttimro oer .aoaicon
sum d? Höhe von rund 62 Millionen
Dollars erreichte: da nach jener Angade
nur etwa ein Achtel der spanischen Be
völterung dem Rauchen ergeben fein
sollte, so ließ ftch für jeden Raucher eine
jährliche Ausgabe von 15 bis 16 Dol
lars für Tabak herausrechnen, eine ganz
hübsche Summe, wahrend, auf den
Kopf der Gesammtbevölkerung berech
net, freilich der bescheidene Satz von
KI. 75 bis KZ herauskommt, da? macht
pro Kopf und Jahr nur U Pfund Ta
bak aus. Da sind andere Nationen
noch ganz andere Raucher. Nach einer
soeben von E. V. Hewaro im Nine
teenth Century" veröffentlichten Sta
tiftik kommt auf den Kopf der britischen
Gesammtbevölkerung mehr als das
Doppelte jener Jahressumme, nämlich
$4.25. Da in England die Zahl der
Raucher ungefähr ein Viertel der Be
vdlkerung ausmacht, so emsällt auf den
einzelnen Raucher britischer Nationali
tät allerdings ziemlich derselbe Jahres-,
betrag, nur ein paar Mark mehr wie
auf den spanischen Raucher. In Groß
britannien und Irland hat der jährliche
Tadakconfum die Menge von 73 Millio
nen Pfund erreicht im Werthe von 123
Millionen Dollars. Da die Ausgaben
der britischen Bevölkerung für Brot nur
um etwa 5 Millionen Dollar? höher
ftnd, so geben die Engländer faft ebenso
viel für Tabak wie für Brot aus. Da
bei sind diese wahre Waisenknaben gegen
die mehr als dreimal so stark rauchen
den Holländer. Während auf die 36z
Millionen Einwohner der vereinigten
Jnselreiche, wie wir sahen, 73 Millio
nen Pfund Tabak jährlich kamen, also
nur 2 Pfund pro Jahr und Kopf der
Bevölkerung, beträgt in Holland der
Durchschnitts Consum 7 Pfund, in
Amerika 3z, in Schweden, Norwegen
2, in Frankreich 2 Pfund, hier also
erst rangirt England ein: und dann erst
kommen Italien. Rußland und Spa
nien mit der bescheidenen Verbrauchs
ziffer von 1 Pfund. Ueber Deutsch
land sagt die Statistik nichts. Es wird
aber wohl unter die Länder mit stark
rauchender Bevölkerung zu reihen fein
und dem freundnachdarlichen Oefter
reich nicht viel nachgeben.
Das Scho.
In einer Provinzialftadt wird der
Freischütz" aufgeführt. Da die Opern
Gesellschaft sehr klein war, so mußte der
Theater -Jnspicient auch den Maschi
nisten bei den Verwandlungen in der
Wokfsschlucht-Scene unterstützen. Der
Jnspicient wandte fich deshalb an einen
der Statisten und bat ihn, beim Kugel
gießen KaZpar'Z dessen Ausrufe mit
dem Echo zu begleiten. Der Statist
war ein Sachse. Als Kaspar nun in
die Schauer der Nacht die Kugelzahl
hineinrief, folgte dem dumpfgrollenden
EinZ ein Eins,' dem Zwei ein Zwei und
so fort, bis Kaspar im tiefen Baß Fünf
hervorstieß. Da schrie der Sachse hell
und schmetternd: Finfe". Natür
lich war das Halloh fertig.
Nabe, die bis letzt durch die unteren
Nun hätte Max eigentlich ganz glück- j Speichen auf der Felge ruhte, durch
lich sein muffen, denn er belaß, was
sein Herz begehrte. Aber sonderbar !
Als er mit allen seinen Einrichtungen
und Anschaffungen zu
HundSsamilie. gefreut habe ich mich,
daß Du ein quteS, weicheS Herz in Dir
entdeckt haft. Aber vergeblich haft Du ' erleiden.
Deinen Onkel nicht angerufen, ich habe
der lebendig werden, und schrieb:
Lieber Neffe, anbei sende ich Dir die sich in Ruhe den Genünen deS Reich
dreihundertfünfunddreißig Mark. Du ! thumS hingeben tonnte, da fehlte e?
sollst durch Deinen Onkel keinen Verlust i ihm plötzlich an aller Leben?freude.
Da? ift mir eine theure Diva ! Der Gedanke, daß seine Besitztümer
geworden. Doch wenn Du mal wieder! nicht auf redliche Art erworben seien
Drahtspeichen aufzuhängen: dadurch be
kam das Rad eine der erforderlichen
Haupteiaenfchaften, die Leichtiakeit.
Ende war und j Dann hatte er damals auch schon einen
Gummirersen aus die Felge gelegt, die
dazu vorbereitet war, und auch dadurch
eine erhebliche Verbefferung erzielt.
Al? ein weiterer Fortschritt ift ein
Wagen anzusehen, welcher in den dreißi
vorweg genommen.
Gatte (der um 3 Mir Morgen? nach
Hause kommt, bevor seine Gattin noch
den Mund zur Gardinenpredigt öffnet):
Ja, so! Ich weiß, ich bin ein unnütz??
Mitglied der Gesellschaft: ich mache
Dir da? Leben zur Qual: e? ist ein
Elend, daß Du mich geheirathet haft.
so, nun kannst Du ruhig schlafen !
Kafenibofbliitbc.
. Wachtmeister (zum Einjährigen Zim
vel, im Civil Opernsänger): Immer
die Schenkel fest anlegen, sage ich.
Denken Sie 'mal: Jl,r Gaul wäre 'n
Schwan und Sie der fliegende Hollün
der im Tannhäuser, und Sie ritten al?
Meldereiter 'rein in Auerdach's Keller. "