Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, August 12, 1897, Image 12

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    wie ist so etwas möglich?
ES ist eine LumpkNparade" im Ba
taillon. D Herr Major, der von
HauS aus etwas trage lft, und nicht
gern für sem Geld mehr ibui , aiS er
muß. hat eS in Folge eines höheren
FingerzelgeS denn doch für nothwendig
erachtet, sich einmal die Lumpen leinet
, fferlS" anzusehen.
qzach seiner Meinung lft solch ein
Ai pell höherer Unfinn, daS die fünften
Kicke nichts taugen, weis; er ja ganz m
liau davon braucht er sich nicht erft
htm n(rfvni lli MM. 0B
Herr, wollen feie miaz uzer.
drauft der tiapitün aus: DaS kann ich
mir allein sagen, daß der Mann eS ver
genm hat. Wie ift eS aber möglich, daß
er eS vergefsen kann ?"
Wieder rnnkt der Herr Premier in
tieseS Nachdenken, dann sagt er: Dar
am vermag ich wirklich keine Antwort
zu geben. Herr Hauptmann, vielleicht
ift der Mann von HauS auZ sehr ver
änlich!" .. . .1;,.
" Wl m m w Ä. . , ,
Einen Augendiia in oer v"1" i
ftarr solche Frechheit ift ihm denn doch.
in seinem ganzen milltarlicyen neu
nk er dient schon über Zwanzig Jahre
omct den "'che'il zu uoer yn vorgekommen.
idm uei dem Appell von den Compagnie. - zzgraesetzte loS:
öiefS blauer Dunft vorgemacht wlrd " Lieutenant, ich muß doch sehr
b . weik er auch und .d.M. k d ZFZMStzmch,
1 vom Anlehen nicht dener werden. , j fto ,u de-
S. 0 wozu? Balten Soll ich Ihnen sagen, wie eZ
. tf wird höheren 0 jjjn- aß der Mann den obersten
.- Tl.' HEUL LL l.W " . -
v .u-t -w-
Eichen an. ,
Xie Compagniett stellen in izorporai
nfffnnhf ntten hatte ?"
-M '
Du weint e5?" denkt der Lieutenant
an .... f - iR Tm rniA
M r M A lITin K, wnuv.i. i . u
F5fflgftWPgS :a
; LZM?..
& S ; : gg u e.
hi fl nternints der V"J'"
Hinzu gesellt, bei der dritten wanden
auch schon der Hauptniann der zweiten
mit und bei der vierten folgt dem Herrn
Major daS ganze ihm unterstellte Ossi
zier( orps.
Nicht jeder Mensch findet so schnell
Nachfolger. . .
Der Herr Major ist die tyront hin
unter gegangen, ohne viel zu sagen, ihm
hängt' die Sache zum Halle heraus"
und dieselben edcnsarten wieder zu
kauen, verspürt er anch keine Neigimg.
Da macht der Herr Major plötzlich
vor einem Manne der vierten Compag.
nie Halt und mit ihm hült die ganze
Suite. . ,t
Athemlose Stille krampfhafte
Spannung.
Was halt den Schritt des Gewaltigen
auf?
Immer noch tiefes Schweigen.
Herr Hauptmann, wie ist so etwas
möglich?"
Der Herr Major hat gesprochen.
Was ift los?
Neugierig reckt Alles die Köpfe, Einer
sieht dem Anderen über die Schulter
die Aelteren schieben die Jungeren mu
einem Erlauben Sie" bei Seite.
ift loS?
Besonders neugierig, dies zu ersah
ren, sind die übrigen Häuptlinge"
sie haben schon die Notizbücher zur Hand
genommen, um fich zu notiren, maS den
Gewaltigen hntirt, damit dieser spe
zielle Fall bei ihrer Compagnie nicht
vorkommt.
Herr Hauptmann
nur möglich k
Nun denn: nur durch Ihre 'Schuld
ift so etwas möglich!" ...
Durch meine Schu uld?"
Der Herr Premier fallt vor Erstaunen
beinahe aus seinen Stiefeln.
Jawohl. Herr Lieutenant, nur durch
Ihre Schuld, und außerdem bitte ich
Sie, mich nicht zu unterbrechen, nicht
zu sprechen. we..n Sie nicht gesragr
find! Ein so alter Offizier könnte daZ
nachgerade wiffen! Doch nicht davon
wollte ich sprechen, das behalte ich mir
für ein ar,dereS Mal vor; für heute will
ich Ihnen nur sagen, daß ich mit der
Art und Weise, wie Sie Ihre Inspektion
führen, in der letzten Zeit absolut nicht
einverstanden bin. absolut nicht!"
Der Herr Premier macht vor lauter
Erstaunen ein derartig dummes Gesicht,
daß der Vorgesetzte für eine Sekunde un
willkürlich schweigt.
Ich habe es Ihnen schon lange ein
mal sagen wollen, Herr Lieutenant,
aber es bot sich mir keine Gelegenheit."
DaS Gesicht des Herrn Premiers wird
immer dümmer; eS hat dem Hauptmann
an Gelegenheit" gefehlt, seinen Unter-
i thanen zu reißen und ooaz yar er iyn
Was reißen wollen ?"
Wie ift Ifi etwas möglich l
Sie kümrlern sich nicht genug um
thre Leute t'err Lieutenant das füh-
len die Leute sie merken, daß sie nicht
genug unter Aufsicht sind sie werden
ackläksta und sanaen an. zu bummeln.
Tier heutige Nall beweist eS eklatant.
hätten Sie cd um den Anzug der Leute
wie ist so etwa ' gekümmert, so wäre so etwa- gar nicht
' ' i mÄrtltA Iiotnos-N "
l.lnu, Hy,v,v...
.. "-T- , . ... J... ,,cv vllle ,eyr um erzeiqung w
ÄZ&TKB-' w,
dritten öffnet den obersten Haken seines l iMm"""' ,
verreN' NU einige -wor e: - -
BUT8.T0urn i i. mvK u i R . m. f ,,,
f-.mn cnnen kkraacns. um den tein
des Anstoßes entdecken zu können.
Herr Hauptmann, ich frage Sie
zum dritten und letzten Mal: wie lft so
etwas möglich?"
Einer schiebt und drängt den An
deren, man tritt sich auf die Füße, ohne
daran zu denken, für diesen unliebsamen
Auftritt" um Entschuldigung zu bitten!
man sragt gegenseitig: WaZ giebt's?
Was ist los?"
Und vlöklicb wiffen fie es Alle; der
linke Flügelmann der dritten Eorporal
schaft hat den obersten Rockknopf offen!
Die Welt geht unter!
Wie ift so etwas möglich?
DaS hätte der Häuptling" aber doch
sehen müffen!
Der Herr Major hat auch endlich den
letzten Mann bewundert und ruft nun
die Offiziere zusammen.
Meine Herren, nur einige ÄZvrie
WaS mn
Dri und Stelle erwähnt und halte es
für überflüssig. eS ift noch einmal durch
zusprechen. Sie. meine Herren Haupt
leute. werden die Schäden, auf welche
ich Sie aufmerksam machte, abstellen."
Stumme Verbeugung Seitens der
vier Häuptlinge".
Nur Eines möchte ich gern wissen.
Der eine Mann in Ihrer Compagnie,
Herr Hauptmann, hatte den obersten
Rockknopf offen. Wie ift so etwas mög
iich? Ich muß Ihnen ganz ehrlich ge
stehen. Herr Hauptmann, daß mir so
etwas völlig unverständlich ift! Ich
danke Ihnen sehr, meine Herren."
Im Bewußtsein, seine Pflicht treu
erfüllt zu haben, bcgiebt sich der Herr
Major nach Hause, wo die theure
Gattin und oer Kaffee auf ihn warten.
Für ihn ift der Lumpenappell" vorbei.
Nicht so für die vierte Compagnie.
Der Herr Major hat eine Frage auf
geworfen, die noch nicht beantwortet
worden ift.
Und diese Frage lautet: Wie ist so
etwas möglich?" ,
Zunächst erkundigt sich der Häupt
ling: Zu welcher OffizierZinspektion
gehört der Mann?"
Der Herr Premier tritt vor. Zu
meiner. Herr Hauptmann."
Ich danke den anderen Herren sehr.
Sie, Her? Lieutenant, möchte ich
noch einen Augenblick sprechen. Nun
sagen Sie mir nur, wie ift es möglich,
daß der Mann den obersten Rocklnopf
offen hatte?"
Für eine Minute versinkt der Herr
Premier in tiefes Nachdenken, dann
spricht er gelaffen das große Wort: Er
wird verzeffen haben ihn zuzuknöpfen!"
Aber nickt gründlich aenua."
Dagegen läßt sich nichts einwenden
über das Wort gründlich" kann man
verschiedene Auffassung haben.
Der Herr Premier gleicht in feinem
Innern einem feuerspeienden Krater.
Und der Häuptling fährt in seiner
Strafrede fort und setzt seinem Unter
gebenen auseinander, was er unter
. gründlich" verstehe; er wolle m zwar
nicht behaupten, daß seine Ansicht die
allein richtige sei aber maßgebend wäre
sie wenigstens für seine Offiziere, und
ich muß doch sehr bitten, Herr Lieute
nant, daß Sie. so lange Sie bei meiner
Compagnie stehen, meine Ansicht zu der
Ihrigen machen. Ich danke Ihnen sehr.
Herr Lieutenant."
Der Hüuptliug" geht und läßt sei
nen Lieutenant wie einen begossenen
Pudel auf dem Kasernenhofe stehen.
verwundert blickt der unlergeoene
pen flüstern
möglich?"
"Taut de bruit pour utie
ornelete " bös Alles, weil ein Kerl in
seiner Schafsdämlichkeit vergessen hat,
den obersten Rockknopf zuzumachen!
Und doch ift eS so leicht, daß man es
vergißt. Wenn der Soldat sich den
Rock angezogen hat. schließt er zuerst
den Rockkragen, indem er denselben
nicht mit der bloßen la main, sondern
i w . . i . mr . . . ,, r.ti rrs. ,
mn oen aioa ajiappen aniaizi. vaim
macht er zuerst den untersten Knopf zu,
dnnn dn .weitunterfte'.! und so weiter.
Sieben Knöpfe muß er zumachen aber
e niht sg viele Menschen aus der Welt.
die nicht bis drei zählen können, wie soll
man daS von einem Soldaten, der nach
Meinung feiner Vorgesetzten doch mei
ftenS ein Rindvieh mit Eichenlaub und
Schwertern" ift, verlangen, daß er mit
tödtlicher Sicherheit bis sieden zählen
kann ? Und sieben" ist dazu noch eine
böse" Zahl !
Der Herr Premier geht endlich auch
nach Haus. Er gehört zu den glllckli
chen Naturen, die der Ansicht find, der
Mensch im Allgemeinen und der Soldat
im Besonderen habe zwei Ohren, damit
zum anderen hinaus ginge, was in das
eine hinein geht. Für ihn ist der Dienst
in dem Augenblick vorüber, in dem er
dem Kasernenhof den Rücken dreht
im Dienst Soldat," außer Dienst
Mensch", da ift sein Grundsatz.
Wie find die Menschen zu beklagen,
die den Dienst mit nach Hause neh
men," die in ihren vier Wänden nichts
Anderes sprechen und denken, als nur
Kommiß, Kommiß, Kommiß !
Solche Leute nennt man Kommiß-
henzfte und ein solcher ist der Haupl-
mann der Königlichen Vierten.
Am nüchft.n Morgen stebt die ßom
pagnie auf dem Kasernenhof zum erer
zieren bereit. Der Feldwebel, der meift
mit Unrecht den Beinamen: die Mutter
der Compagnie" führt laßt mit Sektto
nen abschwenken und flucht wie ein Ber
itrUr mei! bei dieser Gelegenheit die
Leute ftch verlaufen, oder, wie es dei'm
Kommiß heißt, weil die Schafe ihren
Ktnll nickt nnden können.
Manche sagen auch: Da rennt solch'
i ein I5,e .nieder ein voco IN oie 'Aaiur !
Nun erscheint der Herr Hauptmann
auf der Bildflachc. Der Feldwebel
läßt ..einschwenken", der Herr Premier
commandirt Stillgestanden richt
Euch!" und geht dann dem Haupt
mann entgegen, um ihm die Com
pagnie in der Starke von so und so viel
Unteroffizieren und Mannschaften zu
melden."
Ich danke sehr, bitte, lassen Sie
rühren !"
, Zu Befehl, Herr Hauptmann.
Rührt Euch !"
T)?t Feldwebel aedt auf den Hüupt-
ling zu und meldet: Der Musketier
Harfen hat heute Nacht die Kaserne,
wie eS scheint, auf verbotenem Wege
verlassen und ift bis zur Stunde noch
nicht wieder zurückgekehrt."
Armer Häuptling, daS raubt Dir für
die nächsten acht Tage den Schlaf ! Du
mußt die Sache dem Bataillon melden
und das Bataillon dem Regiment. Das
Regiment wird sich bei'm Bataillon er
kundigen und das Bataillon ftch bei der
Compagnie und die Compagnie, armer
Häuptling, bist m, oer u vor oer
Fronte stehst und nicht stolz wie einft
Ludwig ein l'et&t c'est moi sprichst,
sondern ängstlich ob der unangenehmen
Dinge, di. da kommen. Deinen Feld
wedel fragst : Wie ift so etwas nur
möglich?"
Der Kerl hat wahrscheinlich mitten
in der Nacht Durft bekommen," flüstert
der Premier seinem Sekond zu.
Der Häuptling hört das ganz genau,
aber er thut, als ob er gar nichts ge
hört Hütte ; daS ift fo oft das Aller
bequemste. Die Unteroffiziere!" ruft der Haupt
mim die Untergebenen eilen herbei.
Ich möchte mit Ihnen zwei Fülle
besprechen, die in den letzten vierund
,w,in,il7 Stunden in der Compagnie
vorgekommen sind, und die ich einfach
nicht verstehe ; zwei Fälle, bei denen ich
mich vergebens frage : Wie ift fo etwas
nur möglich?"
Gestern Nachmittag erschien bei dem
Appell ein Mann, der den obersten
Rockknopf offen hatte !"
Der Herr Premier bekommt im
Innern epileptische Krämpfe aber
aS hilft's, er muß zuhören.
Wäre eS ein gewöhnlicher Appell
gewesen, fo wollte ich nichts dazu sagen
aber es war ein Appell, den der Herr
Major persönlich abhielt. Ich habe
mir die Sache gestern zu Haus reichlich
überlegt -"
Solcher Unfinn sieht Dir ähnlich."
denkt der Herr Premier.
H und ich werde den Menschen be
strafen. Damit ist aber der Fall für
mich noch nicht erledigt. Ich möchte
nielmebr an Sie Alle die ffraae richten.
wie es möglich ist. daß ein Mann in
solchem Anzuae zum Dienst kommen
fnnnl"
3Vr Mensck bringt mich unter die
Erde," stöhnt der Premier, ich kann eS
nickt mebr mit empören oder im oe
komme einen Gehirnfchlaa !"
So führt er denn dll!chnell em
Taschentuch an die Nase: Ich bitte den
Herrn Hauptmann, einen Augenblick
wegtreten zu dürfen.
ikte ebr." antet die Antwort.
Nach einer guten Viertelstunde kommt
der en Premier auS dem Kasino, wo
er mimischen einen oanac getrunken
bat zurück. DaS Ereriieren bat schon
begonnen, der Hauptmann spricht nur
noch mn seinem Feldwebel und als oer
Lieutenant sich zurückmeldet, hört er ge
rade noch, wie der Hauptmann sagt :
Aber unverständlich bleibt es mir doch,
wie in etwas möglich ift "
Und unverständlich wird es ihm blei-
den, bis er eine? schönen Tage? den
Abschied bekommt, und wenn er ihn de-
kommt, so fragt er ftch :
Wie ift fo etwas nur möglich?
m , nhtr txni W.infc tiM 9tn Limonade reiAer.. Ader was war
morgin an koche ich selbst." tai( Die Limonade schmeckte gar nicht
Der junge Arzt erschrak, denn die süß. DaS kam daher, weil sie vorher
Mazensrage spielte bei ihm irklich so viel genascht hatte. Eine verzmeiselte ;
eme wesentliche Rolle. Jedoch gleich Idee! DaS Süße, nach dem Süßere:',
daraus lächelte er. Diese zierliche Figur genossen, geht im Geschmack verloren,
mit den flatternden blonden Locken ! folglich auch daZ Bittere, nach dem.
konnte man sich nur schwer als Kuchen- Bitteren genossen. Vor einigen Zagen
Beherrscherin vorstellen. Sie. war die hatte fte einen leichten Fiederansalt ge
jüngere Tochter ein.S OberförfterS. ! habt, und ihr Gatte gab ihr Chinin. ,
AD. w . . - M TM ii - 1
Die altere war sreillch in alle ucgen. on oieiem omernen cmer uiver rour i
Geheimnme eingeweiht morden, denn noch ein men uorlg. ven launeie r,c
e lag doch nahe. Saß sie zuerst das in das lerglas ivre, scanne;.
väterliche HauS verlassen werde; aber
eS kam anders. Hertha heirathelc
zuerst, und da der Freier durchaus nicht
warten wollte, so mußte fie direkt von
den Noten und Paftellftiften in daS ehe
liche Heim Übersiedeln, ohne die Zwi
ichenftufen der häuslichen Arbeiten ken
nen gelernt zu haben.
A lo Tu Will elVN locyen? n.,er
Nun saß daS Ehepaar bei Tuch.
So läute doch, damit das Essen ge
bracht wird."
Erst trinke ein GlaS Bitrt
Du weißt, ich trinke immer erft nach
dem Essen.
Ader mir zur Gesellschaft
SmolliS!"
Ja. dann kann ich nicht widerstehen.
nHVft!6 .ntiiisft mich. Wodcr willst rüulem Studentin! ,idu.it!
Du aber die nöthig. Weisheit nehmen?" Brrr! Was ift Das? Das ift ja höllen
Ralbsbraten und aringssalat
Und ich will es !"
Ich werde es aber nicht thun."
..Sertba !"
O. Du bist abscheulich, Oskar."
sagte die junge Frau, mühsam ihre
Thränen niederkämpfend. Ein hal
bes Jahr find wir erst verheirathet und
schon spielst Du den Tyrannen."
Aber ick "
Sei nur still und laß mich aus-
reden. Es handelt ftch nicht um die
ffleininkeit. weaen der wir uns auaen-
blicklich entzweit, die Sache ift einfach
die : Du zankst, sobald Dir das Mit
tagessen nicht schmeckt. Ich würde DaS
erklärlich finden, wenn ich es gekocht
Hütte, aber weshalb soll ich die Sünden
der Adlerwirthin auSbaden?"
Die Adlerwirthin ift ihrer Kochkunst
wegen berühmt."
.Mag fein. Trotzdem war heute
das ganze Essen total versalzen. Und
ich habe es Dir angesehen, wie sich
Deine Miene verfinsterte und wie Du
darüber nachdachtest, auf welche Weise
Du mir nun die gute Laune versalzen
könntest."
Liebchen, ich sehe mein Unrecht ein
und"
?IS dem Srickduck."
iDas ist gewagt, aber es sei. Laß
im einen Bakt macken. Du kochst drei
Tage lang zur Probe; mißlingt fie, so
bleibt AlleS bei'm Alten."
Damit war Hertha einverstanden.
Eine Schauspielerin kann ihre Debüt-1
Rolle nicht mit größerem Eiser aus-;
mahlen, als die iunae ftrau das Ge
richt, welches sie als Erstes selbst kochen
wollte. Endlich war sie entschlossen:
Kalbsbraten und HäringSsalat ! Ihr
Gatte bemerkte einmal, daS wäre daS
einzige Gericht, welches die Adlerwirthin
nie nach seinem Geschmack anfertige.
Nun gut. jetzt wollte fte einmal be-
weisen, daß aber nur nicht ver-
rathen!
Eisrig ertheilte sie Marie, dem Dienst
Mädchen, ihre Aufträge. Diese Marie
war noch jünger, wie ihre Herrin, und
Das wollte viel sagen. Sie war, um
mit dem Dienstbuch zu reden, freundlich
und willig, nur dachte sie zu langsam.
Sie kapirte die Befehle, die fie erhalten,
immer erft einige Minuten später,
machte sich dann aber mit wahrem
Feuereifer an die Arbeit. Sie sollte
bei'm Metzger eine Kalbskeule, bei'm
Vittualienhündler Häringe und saure
Gurken holen. Langsam und feierlich
schritt fte aus der Thür.
Marie," rief die junge Frau ihr
nach, bald hätte ich's vergessen, wenn
i?kt für Kälber Schonzeit sein sollte.
dann bringen Sie eine Hammelskeule."
So, nun tchlug fte oie Ä.yur zu uno
eilte an'S Fenster, um zu sehen, ob
Marie ohne Aufenthalt ihren Weg gehe.
DaS Dienstmädchen ging noch immer
im langsamen. Schritt. Die ertheilten
Aufträge wirbelten ihr im Kopf herum.
Hüringe Gurken und wenn für
Kälber schon Zeit sein sollte, eine Ham
melkeule. Das begriff fie im Leben
nickt, aber sie faßte einen plötzlichen
Entschluß, und nun rannte fie zur Be
friedigung ihrer nachschauenden Herrin
wre ein Wie?el davon, feie war auch
sehr scknell lllrück und brachte die
Hüringe, die Gurken und ein Viertel
Pfund Ausschnitt.
..Ader wa toll ich denn mit dem
Aufschnitt?"
Ja, das Andere war o schwer zu
behalten, und wie ich bei'm Metzger
war
Nun aut. ick werde ?übnen auf-
schreiben wa Sie dringen sollen."
Nachdem fte mit dem Zetlet erri in
die Avotbeke gelaufen war iweil sie ftch
erinnerte, vor einigen Tagen mit einem
ähnlichen Zettel, einem Rezept, in oer
Apotheke gewesen zu sein) gelangte fte
richtig zum Metzger, von dem fie die
Ka'.dskeule erhielt. Diese wurde nun
mit vielen Kerernonie'n in den Bratofen
geschoben, und Hertha ertheilte ihrem
Unterfeldherrn folgenden Auftrag:
..etet ckneiden U die Vännge uno
die Gurken ganz klein aber daß Sie
eS ftch nicht einfallen lassen, den aivs
braten ebenfalls klein zu schneiden! Die
sen müssen Sie vielmehr von Zeit zu
Zeit begießen. Wenn etwas Wichtiges
nnrsällt. rufen Sie mick."
Damit ging fie in die Stube, sah sich
das Modendlatt an und knavverie dazu
ssnnkekt.
Marie überlegte indessen hin und her
und stürzte sich endlich mit einer wahren
Raserei auf die Häringe. dann auf die
Gurken. In ihrem Eifer beachtete fie
nicht den brandigen Geruch, der plötzlich
die Küche erfüllte, und als Hertha her
aus kam und ausrief, es riecht ja so ge
brannt bis in die Stube hinein, sagte
Marie mit der heitersten Miene, das sei
ihr auch schon aufgefallen und fte
glaube, eZ sei jetzt Zeit, den Kalbs
braten zu beziehen. Und eS war wirk
lich Zeit, denn um den Braten herum
hatte sich bereits eine schwarze Kohlen-
krufte gebildet. Die Kruste wurde mög
lichft abgekratzt und der Braten
einmal in den Ofen geschoben.
Nun vollendete Hertha eigenhändig
den HäringSsalat. AIS sie ihn aber
kostete, war er ganz bitter. Die Ursache
wurde in den sauren Gurken entdeckt,
welche verdorben waren.
O Marie." jammerte die junge
Frau, waS haben Sie da wieder zufam
men gekauft?" H
Gnädige Frau," betheuerte das
Dienstmädchen, Ich will mich nicht
selbst loben, aber die Gurken waren
wirklich schön, als ich sie kaufte."
Da hilft nun Nichts, es ist schon
Mittagszeit, der Herr wird gleich kam
men. Ich will doch einmal den Braten
kosten." 'Vw
Ach, auch er war so bitter wie der
HäringSsalat. er war durch und durch
angebrannt. Hertha war einer Ohn
macht nahe. Sie ließ sich ein GlaS
bitter
Ach. wie zerstreut ich bin! Mir war
vorhin etwas fieberhaft zu Muthe, da
wollte ich Chinin nehmen und benutzte
Dein Glas."
Pfui Donner! Jetzt wird mir daS
Essen nicht schmecken.
Wird schon, Männchen, wird schon."
Sie läutete, und Marie brachte Bra
ten und Salat. Während fte es auf
den Tisch setzte, kicherte fte unablässig.
Marie." rief Hertha streng. maS
soll DaS beißen?"
( 3tt jch hihihi unser Braten
ift - hihihi , .
Machen Sie mal, daß Sie schleu
nigft hinaus kommen," sagte der Ehe
Herr, und Hertha bekräftigte diesen Be
fehl mit einem Kopfnicken. Die arme
Marie entfernte sich bestürzt, denn fie
wollte wirklich eine unerhörte Neuigkeit
mittheilen. Wir werden dieselbe gleich
erfahren.
Hertha warf einen erstaunten Blick
auf den Kalbsbraten und bereute sofort.
Marie so ungnädig behandelt zu haben.
Was doch in diesem Mädchen für Ta
lente stecken! Dem Braten war äußer
lich nicht? Angebranntes anzumerken,
ia er sah reckt aüuehtltdj auS.
Nun. wie schmeckt txr jxa$it ne
den Gatten gespannt.
Ich weiß nicht, wenn ich nur
nicht den bitteren Geschmack im Munde
hätte!"
Ach. laß nur gut sein, dafür koche
ich Dir auch morgen und übermorgen
nur ganz zuckersüße Sachen."
Sehr freundlich, aber ißt Du denn
gar nicht?"
O ja. ich esse schon."
Zagbaft steckte fie ein ganz kleines
Stückchen Fleisch in den Mund. Ein
Wunder! Es schmeckt tadellos. Nun.
der HäringSsalat! Auch an ihm war
Nichts auszusetzen."
Nein. Das ist aber komisch."
Was haft Du. liebes Frauchen?"
ch hatte doch in den HäringSsalat
nichts Rothes genommen, und er steht
doch roth aus, und dann schmeckt
Alle? ganz anders, als ich es zubereitet
habe."
Schiechter?"
Viel, viel besser."
Der Arzt begann nun zu lachen, uno
lachte so lange, bis ihm die Thränen in
die Augen traten. Hertha ,ay lyn er
staunt an. ,S
Nimm's nicht übel, mein kleines
iirancken. aber in Vorausficht deö
Kommenden habe ich Dir einen Streich
gefpieit. Jch habe einen Kalbsbraten
nd ,f,rrinassalat bei der Adlerwirthin
bestellt und in die Küche bringen lassen."
Also deshalb moxmi Qtnmni.
Dann wäre auch die Geschichte mit dem
Chinin unnöthig gewesen." j-
Sie berichtete nun Alles, uno Mioe
waren mit ftch und mit einander recht
zufrieden. An den folgenden beiden
Tagen kochte aber Hertha eigenhändig
und fo schön, daß ihr die Kuchenherr'
schaft unbedingt verblieb.
Unlrr I,plomtkn,
Sprechen Sie doch nicht so laut,
lieber Baron. Dem neuen Gesandten
ift nicht recht zu trauen der
macht mir ein viel zu ehrli
cheZ Gesichts
surrogIl,
Herr: A.'iffen Frau Medizinalrath
auch schon, daß Herr RechtZanwalt
Strampler feit neuester Zeit Rad
führt?"
Frau Medizinalrath: . Da? mag ich
der guten Frau gönnen; jetzt ift sie
wenigstens Frau Jilftijradlkr"r
Schlau.
Bei Doctor Merker wollte sich der
erste Patient durchaus nicht sehen lassen.
Da erließ er folgende Annonce:
Gestern find bei mir in der Tprech
stunde fünf Stöcke uno sechs Damen
Sonnenschirme stehen gedliednu
Dr. August Merker, prakt. Arzt.
Moftgasse 6.
Vier Wochen später hatte
der Doktor alle Hände voll
zu thun.
reundschaftsdienft im congofiaate.
Nun, Minko, warum fo traurig?"
Ach, meinen besten Freund habe ich
verloren !"
Wo lft er denn geblieben?"
Ach. er war zu gutmüthig für
diese Welt, und da hab' ich ihn aufge
fressen, damit ihn nicht ein Anderer
frißt '."
Zweierlei.
... Denkn Sie nur ftfliifHli
Irma, mein Freund sagte mir,
gestern, er sei rasend in Sie verliebt !"
So ein Unsinn l"
Dasselbe sagte ich auch!"
Mein Hr. . I
in pferdckenner.
I' Handel' scho' lang mit Roß. hab'
selber immer Roh g'habt. und hab' no'
Roß. kenn' aa' was von de Roß aber
an Fehler mirk i' halt allwei' erst,
wann S Roß mein g hört!"
verfchnapxt.
Bursche (zur Braut seines Herrn):
Der ,0err Lieutenant sckicken dem anü-
digen Fräulein mit ehrerbietigem Gruß
einen seivngepnuccien Wlliooiumen
ftrauß !"
Braut : Wie poetisch! Das muß
aber viel Zeit in Anspruch genommen
haben!"
Bursche : Beinah' drei Stunden
hab' ich dazu gebraucht !"
Uleine GefSUigkcit.
Fräulein (zum Liedhaber): Ach,
denke Dir nur, lieber Ernft, erst muß
meine ältere Schwester heirathen,
bevor ich heirathen darf !"
Herr : Gibt es denn da gar keinen
Ausweg?"
Fräulein: ,.O doch! Danit Jch hci-
rathen darf,, heiratheft Du eben meine
Schwester !
Einen Korb bekommt.
Wie die Rede Einen Korb bekom
men" entstand, wird in Nachstehendem
erzählt: Eine Jungfrau Namens Ku
nigunde, hatte viele Verehrer. Unter
diesen hieß der Eine Bernard, ein an
derer Bruno. Der Erstere betheuerte
ihr. daß fte an seiner Seite ein seltenes
Glück haben werde. Kunigunde ver
sprach ihm ihre Hand, wenn er den
Sinn der Buchstaben entziffere, die mor
gen an der Front ihres Hauses zu lesen
sein würden. Als Bernard am andern
Morgen vor das Haus trat, stand dort:
K. O. R. B." Komm, o redlicher
Bernard", las er und stand im nächsten
Augenblick vor Kunigunde. Sie aber
belehrte idn. daß die Buchstaben bedeu-
nock teten: Keinen oder Ritter Bruno!
" " . J .1, x. nx ...u;Ai .
Bernaro enirernie ruy yciuuiv
Vorübergehenden aber lasen: K. O.
R. B. Korb !"
Unzuverlässig.
A (Studiosus, zu seinem älteren Col
legen): Die kiesigen Nachtwächter find
doch sehr unzuverlässig!"
B. Wieso?"
A: Denke Dir, diese Nacht bin ich
in einer ganz unrichtigen Wohnung ab
gegeben worden !"
Der Schmerenother,
..Scherz bei Seite, meine Gnädige,
aus Liede zu mir find bereits zwei
Mädchen wahnfinnig geworden und
Sie sollten mich wirklich nicht lieben
können?"
Nein. Herr Baron !"
Also dritte Wahnsinnige !"
Lenüyte Gelegenheit.
Neffe : Na, Tantchen. Kur gut an
geschlagen?"
Tante : O. ich bin eine ganz andere
geworden !"
Neffe : Da kann ich also annehmen,
daß Du mir einen kleinen Pump nicht
abschlägst?"
Lin neues Instrument.
Unteroffizier (beim Eintragen in die
Compagnierolle): Rekrut Meher, was
find Sie?"
Meuer: Pianist!"
Unteroffizier : Schulze, was find
Sie?"
Schulze: Flötist!"
Unteroffizier : Vehinann, was find
Sie?"
Lehmann (professioneller Radfahrer) :
Bicyclift !"
Unteroffizier: Gefreiter, schreiben
Sie auf : Meher, Schulze, Lehmann
Musikanten !
Boshaft.
Aelterer Herr (zu einer jungen Dame,
die ihren neben ihr während eines Kon
zertes eingefchlafenen Liebhaber aufzu
wecken sucht): Laffen Sie ihm doch
das Bischen Ruhe wenn er erft ver
heirathet ift, ist's doch damit vorbei !"
Ein Pessimist.
Wie viel Jahre hat Ihr verftorde
ncr Onkel gelebt?"
SechSundzwanzigJahre die übrige
Zeit war er verheirathet."
Gekrankt.
Kellner (zum Trinker, der fein GlaS
leer hat): Trinken S' noch ein GlaS
Bier?"
Trinker : WaS fragen S' denn erft,
feb' ich vielleicht aus wie einer, der keinS
mehr trinkt? I"
Boshaft.
Frau (qerlich): Der ganze Thea-
. .. ia hdfXftrhun nnrhert' fifat
leraoenv in u" ,i"wi 77 . . .
h, mir hie Nostmeitterin Nllt ! tchwindelt. Können fcte
UU UUUUi w " f-i" , w t 0h
ihrem neuen großen Hut!" rungsgrund angebcn
Mann: War der Hut denn fo
hübsch?"
Milderungsgrund.
Richter : Sie haben dem Klavier-
Händler Meier ein Klavier herauSge-
einen Mlioe-
Gauner : ..3ch bitte. Herr Wer.
ich habe niemals darauf gespielt !"