Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, July 15, 1897, Image 10

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    Du locht Ivs Rebellen.
lUuH!it
1.
fettem Marpage des oulju? 1865
als fich der Bürgerkrieg seinem Ende zu.
neigte, saßen zwei Münner in dem Zim
mn eineS "iafthofrS mi kleinen Stadt
Boonville am Mffouri. Sie halten
offenbar eine sehr erregte Unterhaltung
miteinander geführt. Ter eitere von
den beiden Männern, der die llnisorm
eine! Quersten der Nordftaaten trug.
erhob fich plötzlich von semem stuhl
mit einer Bewegung, die he'tiqen Un
willen verrieth; dann trat er an daZ
Fenster und trommelte erregt mit den
Singern auf dem Fensterbrett. Der
andere, der mit auf den nieen gefalle
ten Händen dasaß, drehte fich halb von
den, euer ab. daS luftig in dem Kamin
flackerte, und beobachtete ihn mit bt
forgter Miene.
Du dift also zu dieser Heirath fest
entichlossen?" fragte nach einer Weile
der Äeltere.
Der Jüngere antwortete nur mit ei
nem Zucken der Achseln.
Lift Du Dir auch klar darüber,
welche Aussichten Tu Dir damit ver
dirdst. wu Du Alles preiSgiedft?" fuhr
der erste Sprecher fort. Mit der
Blindheit der Jugend wirst Du Deine
ganze Zukunft opfern, um einer vor
übergehenden Leidenschaft zu folgen.
Liebe!" mit verächtlichem Hohn wurde
das Wort hervorgeftoizen was kann
das für eine Liebe sein, die ein Mann
von Deiner Erziehung für diese Hinter
müldlerin fühlt?"
Der jüngere Mann erwiderte Nichts.
Es war recht von Dir, daß Du Dich
westmactS wandtest, um Deinen eigenen
Weg im Leben zu gehen," fuhr der Ael
tere fort. ES war die natürliche Folge
Deiner Eifersucht auf mich. Deine?
Zwistes mit dem Vater und Deines
empfindlichen, unlenksamen Charakters.
Ich habe Nichts gegen den Unabhängig
keitssinn einzuwenden, der Dein Han
dein beeinflußte, aber Tu hast kein
Glück gehabt. Außerdem ist der Vater
alt und wünscht, daß Du zurückkehrst.
Es märe gut für Dich, wenn Tu seinen
Wünschen folgtest."
Und den Deinen, nicht wahr?"
Gewiß, denn ich bin Dein alterer
Bruder. Es ist unS im hohen Grade
schmerzlich, daß Du in diesem furchtba
ren Ringen auf Seiten des Feindes
stehst, doch werden wir Dir Alles ver
zeihen, wenn Du nach Hause zurück
kehrst. Der Krieg ist fast zu Ende,
und ich werde sofort nach meiner Ab
lösung nach New ?)ork gehen. Du thü
test am Besten, wenn Du mich beglei
teteft. Solltest Du bei Deinem Ent
schluffe, hier zu dleidm beharren und
diese Heirath eingehen, so wird Dir auch
nicht ein Dollar des Crawford'schen
Vermögens zufallend ,.
Ich zweifle nicht an der Macht Dei
nes Einflusses auf unseren Vater," er
widerte der junge Mann in bitterem
Tone Er wird Dir mein Erbtheil
zuwenden, weil Du ihm erzählen wirft,
ich sei schlecht und undankbar. Du
warft ja stets fein Liebling."
Tu thust ihm unrecht, wie Du wohl
weißt," war die Antwort. Du warst
e?, den er stets vorgezogen hat.
Wer ist denn dieses Mädchen?"
Es ist die Tochter eines Arzte?, eines
angesehenen Manne?. Er wohnt im
Bezirk Howard, etwa sieben Meilen jen
seit? des Flusse. Lizzie ist ein gutes
Mädchen, auf daS ein Mann wohl stolz
fein kann. Ich liebe fte, und TaS ge
nügt."
Ihr Vater ist ein Rebell."
Er hat an dem Kampfe nicht Theil
genommen ; er ist ein alter Mann.
Allerdings steht er auf Seiten des Sü
dens. und er hatte einen Sohn im Heer
der (onföderirten. Ich habe hier nur
keine Praxis bekommen, weil der Krieg
Alles zerstört hat; meine Aussichten wa
ren anfänglich ganz gut. Ich werde
schon mehr Erfolg haben, wenn das
Land wieder ruhig ift, und werde jeden
falls zufrieden sein. Was kümmert's
D:ch, wie ich mein Loo? gestalte?"
Ich spreche an Stelle unseres Va
ters," war die kalte Antwort. Es ist
fchon schlimm genug, daß Du mit den
Conföderirten gemeinsame Sache machst;
aber diese Heirath würde Dich für im
mcr von Deiner Familie trennen. DaS
Mädchen selbst sollte nicht darauf be
ftchen, wenn sie Dich liebt. Ich werde
meinen letzten Versuch machen, Dich zu
retten ich werde die Leute aufsuchen."
Du willst Lizzie aufsuchen? Wann?"
..Heute sofort."
Das kannst Du nicht. Euer äußer
fter Vorposten ist an der Führe über den
Fluß, und die Wege in Howard find
voll von unseren Freischärlern.
DaS Gesicht des Bruders war von
Zorn geröthet, als er in hartem Ton
fragte: Dein Entschluß ift also unwi
derruflich?" .Ja."
Dann leb wohl!"
Oberst Crawford schritt zur Thür hin
und 'chritt auf die Straße hinab. Der
breite Missouri war voll von Treibeis
und der Wind blies kalt und scharf. Er
zog sich den schweren Mantel über die
Schultern und ging schnell die Straße
hinab zu der Fähre hin.
Eine Gruppe von Soldaten grüßte
ihn. als er in das Boot stieg, und der
Führer desselben, der gerade an das
Steuer treten wollte, stand still, um
ihm ebenfalls einen Gruß zuzurufen.
Doch er achtete kaum darauf ; er nahm
seinen Platz im Bug deS Schiffes und
starrte schweigend auf das Eis. das
von den trüben gluthen hin und her
gestoßen wurde, bis das deftige An
prallen des Boote? am User ihm an
zeigte, daß die Fahrt über den Fluß
zurückgelegt war. Ein Sergeant kam
aus einem der Gebäude am Ufer und
ging. alS die Taue festgelegt waren,
an Bord.
Oberst i'raw'oid trat zu ihm. Wer
führt daS Eommando über den Poilen.
JenningS?"
Lieutenant Poster. Sir."
Wo befindet fich die Abtheilung?'
Der Sergeant zeigte nach einer
Stelle, wo der Pfad fich von dem
ebenen Gebiete aus etwas erhob, um
fich dann in den Wäldern dahinter zu
verlieren.
Hinter der Höhe. Sir," sagte er.
Eine andere liegt eine halbe Meile ab
märtS."
Der Offizier nickte und schritt dann
schnell in der angegebenen Richtung da
von; hinter der Anhöhe traf er auf eine
Abtheilung Soldaten, die etwa? abseits
vom Wege um ein Feuer gelagert
waren.
Der .ommandirende Lieutenant kam
ihm sofort entgegen. Sie, Oberst
Cramford?" sagte er. Wie geht e?
Ihnen? WaS bringt Sie zu uns?"
Guten Tag. Fofter!" antwortete der
Oberst, indem er die Frage ignorirte.
Kann ich Ihr Pferd für ein paar
Stunden bekommen?"
Mein Pferd?" war die erstaunte
Erwiderung. Ein paar Tage, wenn
Sie es wünschen. Brauchen Sie es an
dieser Seite deZ Flusse? ?"
Nur für einen kurzen Ritt. Ich
werde e? spätestens am Morgen zurück
bringen." Der Lieutenant sah ihn einen Augen
blick schweigend a. Nehmen Sie eS
unbesorgt. Oberst," sagte er und wandte
sich dem Gatter zu, an dem die Pferde
angebunden waren, um das seine her
auszusuchen. Sie finden die Pistolen
im Halster." setzte er hinzu, indem er
daS Thier auf den Pfad führte. Viel
leicht sind fie eine willkommene Ergän
zung der in Ihrem Gürtel steckenden."
Danke Ihnen," sagte Oberftssraw
ford und schwang fich in den Sattel.
Sollten Sie bis nach Andruch der
Nacht ausbleiben, so vergessen Sie nicht,
fich dem Posten mit Borficht zu nähern.
Ich werde keinen Dienft haben ken
nen Sie die Parole?"
Ja."
Der Oberst bog fich im Sattel herab
und drückte dem Kameraden einen
Augenblick die Hand: dann trieb er das
Pferd an und ritt schnell davon, wüh
rend der Lieutenant zu feinen Leuten
zurückging.
Wer war das, Lieutenant?" fragte
einer.
Oberst Crawford von einem New
Jorker Regiment. Er war nach St.
Louis conimandirt und kam jüngst
hierher, um seinen Bruder, einen Arzt
in Boonville, zu besuchen."
Ist 'n gefährlicher Ritt nach jener
Seite," meinte der Soldat und schüt
telte sein Haupt. Ich möchte Ihr
Pferd nicht versichern!"
Und ich nicht deZ Obersten Leben,"
erwiderte der Lieutenant. Er hat im
Anfange des Krieges in dieser Gegend
Dienste gethan war, wie ich gehört
habe, mit Zagonyi in Springfield. Er
gilt allgemein als tapferer, besonnener
Mann hoffentlich kommt er zurück!"
Lizzie Haynes verließ da? Haus ihres
Vaters und schritt mit einem Eimer
langsam den Pfad entlang, der zu der
Quelle am Fuße de? Hügels führte.
Sie bot einen hübschen Anblick mit
I ihrem heiteren, gesunden Antlitz und
ihrer schlanken, behenden Gestalt in dem
knapp anliegenden grauen Kleide.
Als sie eben daS Thor hinter sich ge
lassen hatte und den Pfad entlang
schritt, ließ das Klappern von Pferde
Hufen sie stillstehen, und fast unmittel
bar darauf hielt ein Fremder an ihrer
Seite fein Pferd an. Als sie seine Uni
form erkannte, sah sie ihn fast erschrocken
an, während er ruhig vom Pferde stieg.
Mit soldatischer Höflichkeit lüftete er sei
nen Hut und trat zu ihr. Können
Sie mir wohl den Weg zu dem Hause
deS Doktor HayneZ zeigen?"
Ja, Sir. Doktor Haynes ist mein
Vater."
Darauf sah er sie lange und gespannt
an, und sein unverwandter Blick trieb
das Roth in ihre Wangen.
Wünschen Sie ihn zu sehen?" fragte
sie schließlich.
Nur um ein Obdach bei ihm zu
suchen. Ich habe gehört, sein Haus sei
immer für den Fremden offen!"
Kommen Sie mit mir," sagte sie,
indem sie fich schnell umdrehte.
Sie haben Ihre Arbeit noch nicht
verrichtet. Ich will auf Sie warten
oder vielmehr, ich will für Sie gehen."
Er nahm den Eimer aus ihrer Hand
und ging, indem er mit einem Lächeln
ihren angstlichen Blick bemerkte, den
Pfad hinab, wobei er sein Pferd unbe
wacht stehen ließ. Nachdem er den
Eimer gefüllt hatte, kehrte er zu ihr zu
rück und ging, sein Pferd am Zügel
führend, mit ihr auf das Hau? zu.
Lizzie blieb an der Thüre stehen.
Adam!" rief sie mit unterdrückter
Stimme.
Ein Neger kam au? dem Hause und
schaute mit großen Augen verwundert
drein, al? er den Gast bemerkte.
Nimm das Pferd des Herrn," sagte
sie, und gieb ihm Futter!"
Im Stalle?" fragte der Neger.
..Nein; binde e? an in dem Gebüsch
hinter dem Stalle, wo eS nicht gesehen
werden kann. Löse den Gurt ein diS
chen, aber nimm den Sattel nicht ab.
Stellen Sie den Eimer nur dort
hin. " wandte fie fich dann zu dem Offi
zier. Adam kann ihn nachher mit hin
einnehmen, Jetzt gehen Sie am besten
mit uns, denn eS könnte gut für Sie
sein, zu wissen, wo Die Ihr Pferd ohne
Verzug finden können. E? find ge
sährliche Zeiten."
Sie hadkn, wie ich sehe, in der
Gefahr Erfahrungen gesammelt," war
, seine Antwort, während er ihr folgte.
Sie erwiderte Nichts, und schweigend
i kamen fie zu einem Hohlweg, denen
i Wände mit Dickicht besetzt waren, durch
das ein Pfad herabführte. Der Neger
führte das Pferd den Abhang hinab
und verschwand dann vor ihren Blicken.
Dort werden Sie es finden," sagte
fie. indem sie die Hand ausstreckte."
Tort ist ein Pfad, der über die Wiese
führt und nach einer halben Meile auf
; der Landstraße endigt. Meinem Bruder
gelang es einst, auf jenem Wege zu ent
kommen."
Oberst Crawford konnte es nicht ent
gehen, wie traurig der Ton ihrer
j Stimme war. Sie kehrten zu dem
Hause zurück, und er folgte ihr in ein
'' geräumiges Zimmer, in dessen Kamin
j ein Feuer von Holzklötzen brannte. Aus
' einem Stuhl neben dem Feuer erhob
fich ein alter Mann und trat grüßend
! näher. Er war leicht gebeugt, und ein
langer weißer Bart, der auf seine Brust
lierabnel, gab seinem sonst energischen
Gesichte einen wohlwollenden und ehr
würdigen Zug.
Ein Fremder, Vater, der Dich
sprechen möchte," bemerkte Lizzie. auf
ihren Begleiter deutend.
Ich bin Oberst im Heer der Union
und auf einem Dienftritte," sagte die
ser. Ich wurde wegen eines Obdach?
hierher gewiesen und traf Ihre Tochter
am Thore."
Da? Mädchen senkte wie zustimmend
da? Haupt und verschwand hierauf
durch eine Thür, die offenbar zu der
Küche führte.
Sie find willkommen, Sir," ver
setzte Doktor Hayne?. Legen ieJhren
Mantel auf jene? Ruhebett und setzen
Sie fich an's Feuer. Die Luft ift
rauh.
Ich ritt so schnell, daß ich kaum
etwas von der Kälte fühlte."
sie wollen nach gayette?" fragte
der alte Mann.
Ja."
Allein?"
Ja. Eine Kavallerie Abtheilung
ist dort gestern angekommen. Wenn ich
auf dem Wege die Gefahr vermeide,
werde ich in Sicher lieit sein."
Er zog seinen Stuhl an das Feuer
heran und breitete seine Hände vor der
Gluth aus. Ter alte Arzt betrachtete
ihn schweigend. Nach der Sitte seines
gastfreundlichen Haufe? nahm er die
Anwesenheit de? Fremden hin. ohne der
Thatsache Erwähnung zu thun, daß
sein Gast nicht seinen Namen genannt
hatte.
Lizzie trat wieder in da? Zimmer
und deckte den Tisch zum Abendeffcn,
nachdem fie ihn näher an da? offene
Feuer gezogen hatte. Ein Neger half
ihr dabei, und al? Alle? aufgetragen
war. setzte fie fich oben am Tisch nieder
und bat ihren Vater und den Gast,
gleichfall? Platz zu nehmen.
Ter Offizier beobachtete fie aufmerk
sam. Er bemerkte ihr ernste? und
ruhiges Gesicht und sah die ehrerbietige
Art und Weise, mit der sie die Wünsche
ihres alten Vaters befriedigte. Eine
Fülle von Zärtlichkeit lag in ihren
liebevollen Augen, über welche die lan
gen Wimpern herabfielen. Schweigend
wurde das Mahl eingenommen. Nach
her nahmen die Männer wieder ihre
Plätze vor dem Feuer ein. Der Neger
Adam trat ein und legte ein paar neue
Klötze auf: dann half er Lizzie, den
Tisch abzuräumen.
Als die Männer allein waren, frug
der Arzt: Werden Ihre Truppen lange
in Boonville bleiben?"
Ich kann es nicht sagen," erwiderte
der Offizier. Ich gehöre nicht zu jenem
Commando; doch ich glaube kaum, daß
sie fich so bald zurückziehen werden.
Ihre Gegenwart ist nöthig in einem
Lande, wo der Feind so keck und ver
wegen ist."
Es ist nur eine geringe Zahl da die
Ihnen Widerstand leisten kann," sagte
der Doktor.
Sie find ein Rebell, wenn ich recht
unterrichtet bin?" erwiderte der Offi
Zier. Kein Rebell in dem Sinne, daß ich
Waffen getragen habe," war die Ant
wort. Ich bin alt und hinfällig sonst
würde ich vielleichtim Felde gestanden
haben. Meine Sympathie'n gehören
allerdings dem Süden."
Ich bedaure, daß Sie so denken, doch
werde ich Ihre edle Gastfreundschaft
nicht vergessen. Ich werde mit dem
ommandirenden sprechen und dafür
sorgen, daß unsere Truppen sie nicht
belästigen."
Sie sind sehr freundlich, aber ich
bin nicht ohne Freunde, selbst unter
dem Feinde. Ich habe wenig, das mich
an'S Leben fesselt nichts, als die Liebe
meiner Tochter."
Sie ift ein reizendes Mädchen, und
ihr Glück ift natürlich Ihr größter
Wunsch."
Ich sagte schon, eZ ist Alles, das
mich an's Leben fesselt. Sie glücklich
vermählt und unter dem Schutze eines
ehrenwerthen ManneS zu sehen, ist in
der Tbat mein einziger Wunsch. Tann
will ich gern zu jener Ruh, gehen, au? ' Nach dem Raum dort oben Bet
der der Lärm des Krieges mich nicht necken feie 'ich Ichnell rie' der .oiior
wieder wecken kann,
Ich bade in Boonville gehört, daß
der junge Doktor Crawsord bei Ihnen
verkehrt. Lind Sie gut mit ihm de
sannt?"
Doktor Harmes hob den Kops empor
und sah seinen Gast mit ernster Aus
merksamkeit an.
So gut. wie man junge Leute in
dieser Zeit kennen kann. " erwiderte er.
Lizzie hat ilrn selir gern und man hört draußen und eilte schnell die Stufen ein
nur (Mutes von ihm. r ttammt aus por.
seinem Gast zu. Nicht ein Augenblick
ist zu verlieren."
Er zeigte nach der Zreppe im Hinter
gründe des Zimmers und steckte den
blauen Mantel de Offiziers schnell un
ter die Decke deS Bettes. Der Oberst
zögerte einen Augenblick er dachte
daran, den Gürtel mit Pistolen, den er
aus den KamiufimS gelegt hatte, mitzu
nehmen, aber da vernahm er Tritte
, dem Osten
Ich kenne ihn." sagte der Offizier.
Seine Angehörigen find strenge
Unioniften."
ES gereicht ihm zur Ehre, daß er
seine eigenen Ansichten hat," erwiderte
der Doktor mit ruhigem Ernst. Er
ift von Natur mild und dem Streiten
abhold, doch fehlt es ihm nicht an Muth
und. wie ich glaube, auch nicht an
Charakter. Er hat mir von seinen An-
gehörigen erzählt."
Hat er Ihnen auch erzählt.
daß fie niemals
Er wurde unterbrochen, denn
Thur öffnete fich und Lizzie erschien.
..Beunruhige Dich nicht, Bater."
sagte fie. Ein paar Reiter waren aus j
der Straße, aber fie hielten nicht an. j
Ich habe Adam in den Zarten hinabge
schickt, damit er Wache hält."
Sind sie fort?"
Ja. Die Läden find geschloffen. !
und das HauZ ift dunkel." Damit ver '
schwand fie wieder.
Gleich darauf trat ein halbes Dutzend
Männer in das Zimmer, denen der alte
Arzt an der Schwelle entgegenging.
Ah. Frank!" begrüßte er fie. G
ten Abend. Jungen?' Macht eZ Euch
bequem."
Guten Abend. Doktor! Ei. da
brennt ein lustiges euer! Ich d.nte.
Sie kennen die Kameraden He.
Der Führer des kleinen Trupp? war
ein ansehnlicher junger Mann, gleich
seinen l'iesübrten in daS Kostüm der
ir, Miffouri-Freischärler getleidet.
Wir machten Halt, um hnen
die wohl zu sagen," fuhr er fort. DaS
Land ist voll von Yankee?, und wir ver
i lassen unser alteS Howard diese Nacht."
Jlir wollt also fort nach dem Sü
den?" fragte Hannes. Die Gefahr ist
groß."
Das macht Nichts, alter Herr," er
widerte lachend der Freischärler. Wir
werden eine Spur hinter uns lasten, die
unseren Rückzug markiren soll. Hier
sind sechs gute Leute, die dafür sorgen
Das Fehlen des Lichtes wird fie nicht werden, daß Fred Haynes gerächt wird.
zurückhalten," murmelte der alte Arzt Aber wo ist Lizzie?"
vor sich hi. Tann wandte er sich Sie wird gleich hier sein. Esthut
Iiöftich an seinen Gast. Tie Nähe Ihrer ; mir leid, daß Ihr gezwungen seid,
Truppen hat das Land mit Flüchtlingen Howard zu verlassen, doch es kann ja
überschwemmt. Die greuchürler brechen ; nicht aus lange sein. Die Sieger müssen
auf und wenden fich südwärts. Sollten Euch früher oder später Amnestie ge
von diesen umherstreifenden Leuten j währen, und dann könnt Ihr wieder
welche hierher kommen, wie sie öfter ! zu uns zurückkehren."
thun, so würden Sie in Gefahr kom-
men. Aber fahren Sie fort, Sir
Sie sprachen von dem jungen (nan
ford."
Da? Geficht des OsnzierS war nach
Amnestie? Einen Preis wird man
auf unsere Köpfe setzen. Ah!"
Der Sprecher war ausgestanden und
hatte ein Stüff blaues Zeug ergriffen,
daS unter der Bettdecke hervor sah.
denklich. Ihre Tochter Hat den Neger z Jetzt zog er den Mantel dcS unionisti
auf Wache geschickt. Sind diese Vor- j scheu Offiziers heraus ; seine Augen
fichtsmaßregeln meinetwegen?" blitzten durch den Raum und blieben
Sie find unser Gast. ES ist unsere ! hasten auf den Gürtel mit Pistolen und
Pflicht, für Sie zu sorgen."
Sie find edelmüthig. Sir, einem
erklärten Feinde gegenüber.",
Kein Mensch ist mein Feind," er
widerte der GreiZ. Sie find ein Frem-
der. der unter meinem Dache Schutz ge-
funden und von meinem Brode gegeffen j
liat. Ein Jeder glaubt wohl, das!
Rechte zu thun, und so steht der Bruder
gegen den Bruder."
Sie denken gro." sagte der Gast
ergriffen. Ist Ihre Tochter Ihr ein
ziges Kind?"
Sie ift Alles, das mir geblieben ift.
seit mein Sohn dahinging."
Er ist im Kriege gefallen, wie ich
gehört habe?"
l Bei Springfield. Er war ein dra
ver Junge, die Blüthe und der Reich
j thum meines Lebens. Sein Tod brach
I mir fast das Herz. Mit ihm verlor
j Lizzie ihren besten Freund und Schützer.
Armes Mädchen! Sie hat sein Geficht
dem Messingschilde
Was ist das? rief er. Ein Yankee!"
Sofort sprangen seine Kameraden
auf und griffen zu den Waffen.
Wo ift er? Sie haben ihn verbor
gen!" rief der Führer.
Bei'm Himmel, Doktor, das gleicht
Ihnen ganz. Heraus mit dem Spion!"
Kinder!" rief der alte Mann flehend.
Schnell laßt uns daS Haus durch
fuchen!"
Da wurde die Thür oben geöffnet,
und Oberst Crawsord stieg langsam die
Stufen hinab. Er hatte gehört, was
vorgegangen war. Er war unbewaff
net und hilflos.
Der alte Mann hob flehend die Hände.
THU ihm kein Leid, Kinder! Er ist
mein Gast."
Ich bin Ihr Gefangener, meine
Herren," sagte der Soldat mit Würde.
Ich weiche der Uebermacht.'"
Der Führer sagte höhnisch: Getan-
und seine freundlichen Augen; wenn fie gener! Können wir uns mit Gefangenen
mich ansehen, sprechen fie so lebhaft von
ihm, dar, meine Seele erbebt bei der
Erinnerung! Und tapfer war er!
Welche Gluth für unsere Sache strahlte
au? seinen Augen, als er unS verließ!
Er fiel an der Spitze seiner Leute!"
Bei Springfield, sagten Sie?"
fragte der Oberst.
,,Ja. die Stadt wurde angegriffen,
als feine Schwester und ich gerade dort
waren, um ihn zu besuchen. Die
Unionisten wurden zurückgeschlagen, aber
schleppen? Sie haben noch eine Minute
zum Gebet."
TaS Geficht deS Os'izierS erblaßte.
Verschone ihn, Frank," rief der alte
Mann.
Sie bitten vergebens, Toktor", er
widerte der Freischärler rauh. Er hat
nur noch eine Minute zu leben."
Die Freischärler waren im Begriff,
den Oberst zu packen, doch da trat eine
andere Erscheinung zwischen sie. Lizzie
stellte sich mit erhobenen Armen vor den
bedrohten Mann.
Halt Frank Wildmay!" rief fie.
Wenn Du meines Vaters Bitten nicht
folgen willst, so höre auf mich."
Lizzie!" sagte der Freischärler über
rascht. Wa? willst Du?"
Dich bitten, Frank, Dein Gewissen
mit keinem Morde zu belasten. Ich. die
Dich lennt. seitdem wir al? Kinder
zusammen gespielt haben, der Dich be
trachtet !,at wie einen Bruder; ich, auf
des Offizier? war bleich ! deren Haupt Deiner todten Mutter Hand
fast ebenso zärtlich geruht hat, wie aus
Deinem eigenen, ich will sehen, ob Tu
wirklich unschuldiges Blut vergießen, ob
Du einen Wehrlosen ermorden kannst."
Unschuldiges Blut?" wiederholte
Wildmay. ES ist ein Feind, ein Spion
schärler einzeln heran und reichten ihi
ebenfalls die and. Dann gingen sie
,n die Nacht hinaus.
Die Jnsa"en des'ZimmerZ verharrte!,
,!'. Schweigen. diZ auch der letzte Schrit!
verhallt war. Dani. wandte fich Doktor
HayNks an seinen Gast.
Brechen Sie sofort auf." sagten.
ES könnten Andere kommen, und mir
möchten nicht wieder im Stande sein,
Sie zu schützen. Diese Szene hat mcuie
Tochter furchtbar aufgeregt. Gehen
Eie, und der Himmel möge Sie gluck
l,ch zu den Ihren geleiten!"
Der Offizier war zu tief erschüttert.
UM antworten zn kbumn. Erdrückte
T-akx und Tochter warm die Hand und
sagte: Sie werden noch von mir
hören,? :
Mit diesen Worten verließ er da?
HauS.
Der Mond stand hochkam Himmel und
schien saft mit der Helle deS Tages
geftirnS. Der Oberst stand da und
lauschte, als er daS näherkommende
Klappern von Pserdehufen vernahm.
AlS er die Straße hinunterschaute, unter
schied er die Gestalt eines einzeln heran
galoppirenden ReilerS. Er wartete eine
kurze Zeit und kehrte dann nach der
Hinterseite deS HauseS zurück.
DaS HauS lag jetzt ruhig da; doch
war ein Pscrd am Thore angebunden,
dessen Reiter augenscheinlich drinnen
war. Der Oberst ging in da? HauS
und klopfte an die Thür des Zimmers,
das er vor Kurzem verlassen hatte.
Lizzie öffnete mit überraschtem Geficht.
Sie?" sagte fie erstaunt.
Der alte Doktor hatte das Zimmer
verlassen, aber vor dem Feuer stand die
Figur eines jungen ManneS, der beim
Anblick deS Obersten mit einem Schrei
des Erstaunens nähertrat.
Bruder," rief er. Ich fürchtete.
Du würdest hierher kommen, als ich ei
fuhr, daß Du den Vorposten verlaffen
hattest. Lizzie sprach gerade von
Dein Bruder?" ries das Mädchen.
Oberst srawford trat schweigend zu
dem jüngeren Bruder, während ein
krampfhaftes Zucken über sein Antlitz
ging. Seine Arme schlugen fich um die
Schultern des Bruders, und in inniger
Umarmung zog er .ilin an seine Brust.
Verzeih' mir, Red!" sagte er mit
vor Rührung zitternder Stimme.
,John!" war die überraschte und
freudige Entgegnung. So ist alsoAlles
in Ordnung mit uns und Lizzie?"
Ja, Bruder. Du konntest keine bessere
Wahl treffen. Tu wirft von Miß Haynes
erfahren, wie tief ich in ihrer Schuld
bin. Bleib hier und schütze fie während
der schlimmen Zeit, die noch folgen wird.
Ich werde unserem Vater Deinen Gruß
dringen. Ich will ihm von der Frau
erzählen, die Tu eines Tages in sein
Heim bringen wirst und die Dir helsen
wird, sein Leben zu verschönern. Lebe
wohl!" In langem, innigem Druck um
schloffen fich die Hände der Brüder, und
dann war der Oberst fort.
In der Thür des Hauses standen zwei
Gestalten, die fich eng umschlungen hiel
ten und ihm mit den Blicken folgten,
während er im hellen Lichte deS Mondes
davonritt.
mein Sohn wurde dabei getödtet. Wir
fanden ihn außerhalb der Linien unter
einer großen Eiche, den Säbel zerbrochen
in der Hand und sein Pferd wie eine
Schildwacht über seinem Leichnam
stehend. Er war Lieutenant und wurde
von den Leuten Zagornn's erschlagen!"
Zagonyi's? Und er hatte seiner
Schwester Gesicht und sein Haar war
dunkel wie das ihre?"
so ist es.
Das Antlitz
geworden.
Er war selbst bei agonyi an jenem
verhängnisvollen Tag. Und nun machte
er im Geiste den Ritt noch einmal,
während er regungslos auf seinem
Stuhle saß und das Feuer zitternde
Schatten auf den Boden deS Zimmers l Ist er es nicht, der un? aus der Heimath
warf. Wieder sah er das jugendliche! vertreibt, dessen Leute diese Gegend über-
Antlitz des Feindes vor sich, der ihm schwemmten, um uns zu hetzen. unZ zu
gegenübertrat, die furchtlosen Augen, j tödten? Fort, Lizzie, er muß sterben."
dieihm entqeqenblickten. alsihreSchmer- Nein, nein!" schrie sie laut, als man
ter sich kreuzten. Tann
liche Stoß. Selbst in
kam der tödt-
der Hitze des
sie zur Seite drängen wollte. Ber
schone ihn, wenn nicht um meinetwillen,
Kampfes hatte er einen Augenblick an- dann um meines todtemBruders willen.
gehalten, um einen Blick des Bedauerns
auf die leblose jugendliche Gestalt des
Lieutenants zu werfen, die unter der
Eiche lag, wo fie gefochten hatten. Das ! Crawford
Bild war tief in lein Gedächtniß einae ; mann cS
graben, und als er fortritt, dem Sia mich hierher führte
nalruf seiner Kameraden folgend, trüg Wildman stand unentschlossen da ;
er die Erinnerung an das treue Roß mit j man sah ihn an. wie er mit fich selbst
der Dein Freund war. Handle nicht
unedel."
Ich bin kein Spion," sagte jetzt
Mein Wort als Ehren
war eine Pridatsache, die
sich, das fich schützend über den entseelten
Körper seines Herrn gestellt hatte.
Vor dem Hause wurde es plötzlich
lebhast: man vernahm da? Geräusch
von hastigen Schritten, dasZuschlagen
der Thür und unterdrückte stimmen in
der Küche.
Das ist Adam er ist zurückgekehrt,"
rief der Doktor und stand schnell auf.
In demselben Augenblick erschien Lizzie.
Ihr Geficht war bleich und erschrocken
und fie sprach schnell: Die reiichär
ler. Vater! Sie find hier!"
kämpfte.
Du hörst es, Frank! Schone ihn!"
bat Lizzie mit aufgehobenen Händen.
Ter Freischärler konnte nicht länger
widerstehen.
rr . : . o:..:.. ; ,,.
rs, ijjic, oiy wiu
kein schlechte? Andenken bei Tir zurück-;
lassen. Geben wir Kameraden. Lebe
wol. Lizzie!"
Da? Mädchen ergriff seine Hand und
drückte fie mit Thränen in den Augen. ,
Ohne noch einen Blick auf den Feind zu ,
werfen, drängten fich die anderen Frei I
ei, und List.
Von dem vor Kurzem verstorbenen
französischen Dichter Verlaine berichtet
eine französische Zeitung eine luftige
Schnurre: Verlaine kam einst auf einer
Fußreise durch ein südfranzüfischc? Dorf,
dessen eiuzige Schankwirthin ebenso
wegen ihrer Bornirtheit bekannt war,
wie durch ihre Habsucht und ihren Geiz.
Verlaine hatte etwa zehn Marschstunden
hinter sich, er hungerte und durstete,
aber Geld hatte der Dichter nicht. Vor
der.Dorfschänke angelangt, überlegte er,
ob er der geizigen Wirthin etwa? ab
beteln sollt,, oder da fiel ihm eine
glänzende Idee ein. Wenn er sie au?
führen kon,.te, war er gerettet. daS
heißt: gestärkt und gelabt und mit
irischen Kräften zum Weiterwandern
versehen. Verlaine trat ein und wandte
fich scheu an die Wirthin: Könnt Ihr
mir wohl ungefähr sagen, waS ein
j Diamant von der Größe einer Haselnuß
! werth ist?" Die Wirthin stutzte, maß
den halbverhungerten Dichter von oben
; bis unten. Ihre Habsucht war geweckt.
Ter Bursche mußte gewiß einen Dia
manten gefunden oder gestohlen haben,
fie wollte ihn also auf jeden Fall bekom
men. Sofort lud sie ihn ein, Platz zu
nehmen. Verlaine weigerte fich und
gab vor. schon gegessen zu haben. 'Mit
Schmeicheleien und Zureden gelang eS
ihr, den Dichter zu Speise und Trank"
zu zwingen. Verlaine aß aber
wie ein Ausgehungerter. Als er fertig
war, begann die Wirthin wieder zu
bohren, was eö denn eigentlich mit dem
Diamant fei, den er abgeschützt haben
wollte. Wo er ihn denn habe. Ruhig
erwiderte Verlaine: Ich habe keinen,
aber in Marseille habe ich' heute früh
einen im Schaufenster gesehen, und die
Ncugierde quälte mich, seinen ungcfäh
ren Werth zu erfahren." Die Wirkhin
schäumte vor Wuth, sie hatte sich in
ihrer eigenen Schlinge gefangen, denn
fie hatte Verlaine vor Zeugen
zum Essen gezwungen.
parteiisch.
Kleiner Junge (zum Schutzmann
laufendl Ach, lieber Herr, kommen
Sie doch mit, mein Bater schlügt sich
schon seit einer halben Stunde mit dem
Nachbar Lehmann herum."
Schutzmann: Ja, mein Gott,
warum hast Tu mich denn nicht schon
früher gerufen ?"
Junge: Ja bis jetzt hatte mein
Bater die Oderhand gehabt I"