Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, March 11, 1897, Image 9

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    wie die Creolin sich rächt.
Mmkanische Siiihluiig vsn 2)1 arte tu
, M a r f 0 i c 4,
Zwischen Palmengruppen, sich an eil
nen Hain von Lorbeer und JoiamiiS,
. brotdäumen lehnend, nicht gar Nieit vom
Golf von Mezico, lag da? reizende
Blockbaus.
Feigenbäume und ildeS Weingeranke
, flnalen ihre Zweige in die mit parken
Laken versehenen Fenster und rothbraune
Lianen krochen Über da Dach bis zu
den hohen dunklen Pinien und von da
zurück zum Dache.
Vom kleinen Wachtthurme, der mehr
zur Zterrath als dem praktischen Zwecke
der Befestigung diente, war die Aussicht
eine entzückende. '
Weit unten die blaue Wasserfläche,
stundenlang spiegelglatt, bis plötzlich
das Meer mächtige Wogen hereinsendet,
die brausend und klagend an den Riffen
und Zähnen der Küste zerschellen das
anmuthige Grün der Fruchthaine
kleine Inseln, die sich wie helle Blumen
von dem dunklen Meeresspiegel abheben,
und nackte graue, von der Sonne durch
glühte Felsen, die steil abfallen und sich
tm Golfe baden.
Die Sonne war im Sinken. Roth
goldene Lichter huschten durch die grüne,
heimliche Dämmerung des Waldes.
Neben einem blühenden Mandelge
büfche bewegte sich langsam eine Hänge
matte auS der ein winziges FllSchen in
goldgestickter Sandale hervorsah. Ein
kecker Sonnenstrahl zitterte jetzt über ei
nen plastisch geformten braunen Arm
und eine zierliche Hand dahin und warf
blendende Funken aus den Juwelen,
die beide zierten.
Hand und Fuß gehörten einem fchlan
ken und doch üppigen Wesen, das da aus
' schwarzen Glühaugen, offenbar unge
duldig, über den Blockzaun hinweg den
Waldpfad hinabschaute.
Wie graciös die Hand den Fächer aus
1 rothen Arraresfedern bewegte! Wie kräf
tig die kleine Fußspitze an oen Stamm
' der Pinie stieß, um die Hängematte zu
schaukeln! Wie zierlich der Kopf mit den
blauschwarzen Haaren sich aus den un
tern Arm stützte. Eine Pariser Mode
dame Hütte das Alles nicht chicvoller ge
troffen.
Und wer war dies schöne Weib?
Eine Farbige, eine Mestize, hervorge
gangen aus dem Bunde eines Weißen
mit einer Creolin.
Man nannte sie Fandohama.
' Sie wandte den Kopf. Neben dem
Mandelgebüsche erschien das schwarze
Gesicht eines Mulatten.
,WaS willst Du, John?" fragte die
junge Frau freundlich.
Der Neger spähte den Wald hinab
und da er dort nichts entdeckte, richtete
er feine großen, weißleuchtenden Augen
auf feine Herrin.
John ist sehr traurig," sagte er
leise.
Yandohama richtete sich halb in der
Hängematte auf.
Warum vin Bu rranng? Was semr
Dir? Svria,!"
John ficht Dich heute noch und
morgen Nicht mehr. Er ist morgen
Abend schon auf dem großen Wasser und
geht mit Colonel MileS dahin, wo die
weisen Menlaen wodnen."
Mit einem Satze war Yandohama
aus ihrem Schaukeldette.
Was sagst Du? Der Herr geht zu
rück nach England, in seine Heimath ?
Du Du begleitest ihn? Und ich-?'
Der Neger bewegte seinen wollhaari
gen Kops hin und her, wie ein Eisbär ;
bei John da Zeichen der Aufregung.
Du, Herrin? Der Colonel hat die
Farm an Mister Well Ouecksaest aus
SüdFlorida verkauft und läßt Dich mit
dem neuen Besitzer. O John ist sehr
traurig."
Zwei große Thränen, die über des
Mulatten schwarze Wangen rollten, be
kräftigten seine Worte.
Yandohama lehnte sich, wie zu Stein
erstarrt, an den Stamm der Pinie, und
wie sie so da stand, die hohe wunderbare
Gestalt in ein eng anliegendes Gewand
von rother chinesischer Bastseide gehüllt,
hätten ihre plastischen Formen jedem
Bildhauer zum Modelle dienen können.
Dai reiche lockige Haar, mit duftigem
Mandelöle gesalbt, hing in zwei schwe
nn Zöpfen übn den Rücken weit hinab,
und Perlenschnüre, sowie kleine Silber
Münzen, schmückten es. Da feine Oval
d Gesichtes zeigte ein liebliches Profil,
der in den schwarzen Eluthaugen, die
du langbewimperten Lid jetzt halb
deckten, loderte das Feuer wilder Leiden
fchaft.
Benathen verkauft, die eine
Waare" kam endlich mühsam aus
der hochathmenden Brust hervor.
Sie sah es kaum, daß der Mulatte
sich zur Erde geworfen hatte und in
Schmer, und Anhänglichkeit seine Lip
per, auf den Saum ihres Kleides preßte.
Endlich kam wieder Leben in die re
gungslofe Gestalt. Yandohama ging
bis zu der kleinen Terrasse, die fich vor
dem Blockhause auf fünf Stufen erhob.
Dort ließ sie sich auf einen der zierlichen
Stühle aus Bambusrohr nieder und
winkte dem Mulatten.
Seit wann weißt Tu vom Verkauf
d Farm und von der Reise des Herrn?'
fragte sie fast tonlos.
Der Reger nahm ein zahmen
mingo, dn aus dem Hause gehüpft kam
und H sich auf seiner Schulter bequem
machen wollte, und ließ ihn hinaus
flattern
.John hat eS erst heute früh ersah,
nn. alS fich der Coll nach San Da
uila hinüberrudern ließ. John, sagte
Ver Agnnlagsgast.
Jahrgang 17.
der Herr ich gehe morgen zurück
nach Euroda. Die arm ist seit ei'
nem Monat an Mister Well Ouecksaest
aus Eüd'Florida verkauft. Wenn Du
Dich entschließen kannst, mich in meine
Heimath zu begleiten Du haft mich
süns Jahre m Treue bedient , will
ich Dir einen Freibrief ausstellen lassen.
ohne den Du in England nicht leben
kannst. Und John war sehr vergnügt
und freute fich aus da große Wasser
und das viele Gute, das die weißen
Menschen .in England genießen. John
küßte dem Eolonel die Haud und hüpfte
wie ein Känguruh vor Freude, während
der Herr weiter sprach.- Ich komme erst
spät am Abend von fcan Dann zurück,
Rüste Alle? ,ur Abreifr meine Klei,
der, die Bücher, die Waffen. Ja, ja,
sagte John, aber eS sehlt uns an Bast,
körben, um das Eigenthum der Herrin
wohl zu verwahren für die weite
Fahrt . Da sah der Eolonel nach
den Fenstern Deines Schlafzimmers und
sagte langsam: Du irrst, Yandohama
geht nicht mit uns. Sie bleibt hier
zurück als da? Eigenthum des neuen
Farmers."
Die weißen Zähne deS jungen WeibeS
knirschten zornig aufeinander, und die
kleine ffaun ballte tt krampsdan.
John sollte bei schwerer Strafe der
Herrin kein Wort von alledem sagen
der Colonel hat'S verboten; aber eS ist
zu traurig, der arme John, zu traurig
da mußte er sprechen. Wenn Du ihn
aber verräthst, bekommt John die
Peitsche und wird neben dem heißen
Schmiedeofen festgebunden.
Yandohama erhob fich.
Sei unbesorgt, ich verrathe Dich
nicht! Jetzt gehl Richte das Mahl für
den Abend. Er i pst kommt der Herr,
sagst Du? Geh' nur, ich muß allein
sein."
Der Neger küßte ihr die Hand, lugte
nochmals auf den Waldpfad hinüber
und verschwand dann im Hause.
Noch immer arbeitete die Aufregung
in Yandohama'Z Jnnem. Die Lippen
fest aufeinander gepreßt, die kleinen
Hände krampfhaft verschlungen, stand
fte ans der Terrane,
Verkaust verschenkt!" schrie es in
ibr auf.
Da? also war der Lohn für Jahre
der treueften und beikesten Liebe. Zum
fünften Male war die Regenzeit vor
über, seit der weiße Mann aus dem
Norden Amerika's nach SlldFlorida
kam. um fich eine prächtige Farm zu
erringen. Sie selbst, Yandohama, war
zur Jungfrau nimm, obwohl kaum
vierzehn Jahre; allein im Süden er
blühen die Frauen so schnell, als sie
bald wieder verwelken.
Sie hatte ihre glückliche Kindheit bei
Mister Walkers, dem Missionär von
Tintolero, zugebracht, der ihre Mutter,
die rechtmäßige Frau eine? Schiffs
capitäns, wenn auch nur eine Farbige,
freundlich aufgenommen, als sie den
Gatten gelegentlich eines schrecklichen
OrkanS verlor. Mister Walkers behielt
auch das Kind und zog es auf, als die
arme MissiS Fitsh, bald darauf ihre
schönen Augen schloß.
Der Misfionür liebte Yandohama
wie sein eigenes Kind. EmeS TageS
brachten zehn Schwarze einen reichen
und vornehmen Weißen in einer Art
Tragbrett. Colonel MileS hatte das
Malariafieber und Yandohama widmete
dem Kranken monatelang die sorgfäl
Ngfte Pflege, verlor indeß bei diesem
Eamariterdienft vollständig ihr kleines
Herz an den schönen blonden Engländer.
Sechs Wochen nach des Colonel'S Ee
nesung gab der Missionär sie zusammen.
MileS, der wissenschaftlichen Studien
lebte, reifte im Lande umher, schlug
bald hier, bald da sein Quartier aus
und errichtete endlich vor Jahren die
Farm am Golf von Mexico.
Daß sie sein Herz nie ausgefüllt
hatte; das mußte Yandohama. In
erster Zeit behandelte MileS sie wie ein
Kind: später wurde sie ihm ein Spiel
zeug; seit Jahr und Tag war er kalt
gegen fie. Oft wie; er ihre Zärtlichkeit
fast brutal zurück. Doch hatte er nie
von einer Trennung gesprochen, auch
selten einer Heimkehr nach dem nebligen
Strande der Themse erwähnt.
Noch gestern, bei der Siesta, als sie
ihm sein LiedlivgSlied auS den irischen
Bergen auf der Laute gespielt, die
Mister WalkerS fie gelehrt, hatte er
einen Kuß auf ihre Lippen gedrückt, sie
sein süßeS Kind" genannt und
morgen morgen um er ne einem
Anderen, dem er fie verschachert, wie
eine Waare.
Wie Schuppen nel Z von ihren
Augen. MileS halte sie nie geliebt
kür lvn eriuim die mu igr geiqionciu
Ehe gar nicht Mister Walters war
todt seit einigen Monaten kein Zeuge
vorhanden. Der Eoloml kam als freier
Mann iu feine Heimath und konnte
unter den weißen Töchtern feines Landes
fich ein Weid nehmen, von deren Stolz
und Schönheit er ihr viel erzählt hatte.
Beilage zum Nebraöka Ttaati-Anzelger.
Yandohama preßte die Hand gegen
das wild schlagende Herz. Glühende
Eifersucht und die Sehnsucht nach Rache
wühlten in ihrer Brust. Sie kannte
MileS zu gut ihn von einem einmal
gefaßten Entschlüsse abzubringen, war
unmöglich. Mit der Thatsache also
munte fie rechnen.
Verstieß er fie daS gelobte fie fich
sollte kein anderes Weib mehr an seinem
Herzen ruhen!
Sie schlang die langen Zöpfe um
ihren Kopf und befestigte fie mit Elfen
beinnadeln. In ihrem Zimmer wech
selte fie die goldenen Sandalen mit ein
fachen dunklen aus Eberleder, hüllte
Haupt und Körper in einen grauen
Plaid und verließ das Blockhaus und
seine Umgebung.
Nicht weit von der Farm hatte MileS
einen Eanal und einen Teich anlegen
lassen. Es hatte das Arbeit und ein
gut Stück Geld gekostet, denn der
Urwald ließ fich jeden Fuß Landes müh
sam abriugen.
Dorthin lenkte Yandohama jetzt ihre
Schritte.
Unten am Teichufer lag ein kleines
bequemes anoe. Der Colonel hatte es
für sie bringen lassen.
Das junge Weib löste die Kette vom
Pflock, ergriff die Ruder und war mit
ein paar kundigen Schlägen auf das
Waffer bald mitten im Teich, in den
Feigenbäume und Weingerank ihre Wur
zeln und Aeste streckten, schwellende Flech
ten, Gräser und Blumen ftch schaukelten,
gigantische Bäume ihr Schattenbild
Marsen.
Ost flüchtete Yandohama hierher,
wenn MileS, sie tag-, ja wochenlang
verließ; hier ttöumte sie offenen AugeS,
lelbte in ihrer eigenen, felbstgefchaffenen
Welt. Auch der Colonel lieble diesen
Theil vergessenen Paradieses.
Rothe und grüne Papageien flatterten
von Ast zu Ast, ein wilder Pfau entfa!
tete sein edelfteinflimmerndes Gefieder,
und drüben am Ufer stand ein asch
grauer Kranich auf einem Bein und
ließ den nackten rothen Hinterkopf nach
vorn nrnen
All' das beachtete heute Yandohama
nicht. Sie trieb das Canoe zu einer
Stelle des Teiches, die es war jetzt
die trockene Jahreszeit einen Sumpf
bildete, eine schwan-grüne breiige Ma e.
auf der Giftpflanzen prächtige Blüthen
entfalteten. Dort lag ein vom Sturme
halb entwurzelter Cypressenbaum, der
beim ffalle auf eine uralte Pinie a
stürzt war und nun über das Waffer
hinmeghing,
Yandohama spähte umher, und da
fich Nichts regte, duckte fie fich im Canoe
und begann eigenthümliche Klagelaute
auszustoken, ähnlich dem Winseln tun,
ger Hunde, dann lauschte fie. Fünfzig
Schritte weiter erhob sich eine dunkle
Masse auS dem Sumpfspiegel, ein lang,
gestreckter Kops zeigte zwei hornige Höcker,
unter denen ein paar große Augen her
vorglotzten, denn kam eine Nasenspitze
und endlich ein halbgeöffneter Rachen
zum Vorschein, dem furchtbare Zähne
etwas Granenbattes verliehen.
Ein Alligator von mindestens neun
niife Länge tauchte auf und Iroffl icriwer,
fällig durch den Sumpf der gestürzten
Eypreffe zu.
Er ist da " flüsterte Yandohama
stockenden Athems.
Kaum warf sie das kanoe herum
und ruderte mit kräftigen Stößen dem
Landungsplatze zu, f sank das Thier
still und langsam unter Waffer.
Hätte der schöne Colonel mits das
Treiben Yandohama'! hier beobachten
können, er wäre etwas weniger sorglos,
die Havanna im Munde, auf Deck des
kleinen Dampfers Limit" heimgekehrt
in das Blockhaus.
Ein Stündchen später empfing Yan
dohama, prächtig gelleidet und mit Iu
welm geschmückt, ihren Gatten, r
hatte ihr ein Kistchen schmerer, altspani
scher Weine mitgebracht, zog fich aber
sogleich in sein Arbeitszimmer zurück
er komme später zu ihr wichtige Ge
schüfte -
Sie liefe ibn aewäbren; aber sie ichiich
sich über den weichen Binsenteppich hin
ter die Portieren der Thüre. MileS
saß vor dem Schreibtisch und zählte
große Banknoten, dann Rollen von
Goldstücken; endlich ordnete er Brief
schaften und legte Alles in eine eisenbe
schlagene Caffette.
John kam und rief den Eolonel aus
dem Zimmer. Sofort stürzte Yando
hema zum Schreibtisch. Link; lag ei
dickes Blatt mit mächtigen Siegeln.!
Fast erstarrte ihr Blut. j
Der Kaufvertrag der Farm an Well
Ouecksaest."
John hatte nicht gelogen! Und ihr
kein Wort von alledem
Ihr Entschluß war endziltig gefaßt.
Betrug gegen Betrug. Er hatte
Liebe, kein Mitleid mit ihr sie wollte
mit gleicher Münze bezahlen. !
tete harrte seiner an prästig ge
schmückt, reich besetzter Tafel: fie cre
denzte ihm den feurigen Rebensaft Spa
liienS, trank ihm zu und benebelte ihm
so die Sinne mit süßem Lächeln und
Schaumwein. Ihm war, als habe er
fie noch niemals so schön, so liebreizend
gesehen. Bald aber wandte er sich ad
und murmelte:
Und doch nur die Schönheit eines
farbigen Weioes!"
Yandohama hatte ihn dennoch ver
standen. Er sah den Blick glühenden
Hasses nicht, der ihn streifte, sonst hätte
er sich nicht bereden lassen, weiter zu
trinken. Wie fie dann die Laute her
überholte und ihm eine kurze Fahrt auf
dem Teiche abschmeichelte ihn zärtlich
umfangend, führte fie ihn zum Wasser
hinab. Mit Mühe stieg der Colonel in
das Boot und legte fein schweres Haupt
auf den Rand des schmalen Fahrzeuges.
Yandohama ergriff die Ruder leise
trieb das Canoe auf dem Waffer.
Der Mond schien in grellem Silber
lichte, gespenstige Schatten warfen die
Bäume, betäubender Blumenduft und
Wasserftand erschwerte das Athmen.
Auf des Colonel'S Verlangen fang Yan
dohama zur Laute mexikanische Weisen.
Leiser und leiser klang ihre Stimme
Yandohama beugte fich über den fest
Schlafenden, und ihre Augen glitzerten,
wie die einer Pantherkatze.
Jetzt löste sie rasch die Seidenschnur
ihres Gewandes, theilte sie in zwei Hülf
ten und band dem vom Wein Be
rauschten Hände und Füße. Als fie
emporsah, gewahrte sie den Kopf de
Alligators, der in weitem Bogen das
Eanoe umschmamm.
Während Yandohama dem Lan
dungSplatze zusteuerte, ließ sie die früher
erwähnten Klagetöne junger Hunde
hören der Lockruf, dem der Alligator
folgte.
5kekt kubr das Boot auf den Sand,
und Yandohama versuchte eS, den Eolo-
nel auszuncdten.
Doch nur eine Sklavin, lallte der
Schlaftrunkene.
Meinst Du ?" schrie fie auf. In
wilder Rachsucht hob fie ihn in ihren
Armen empor und warf ihn über Bord.
Hoch auf spritzte das Waffer der
Rachen des Alligators wurde fichtbar
dann erschien ein schwarzrother Fleck auf
dem Spiegel deZ Teiches.
Wie von Furien verfolgt floh Yando,
hama zurück in das Blockhaus.
TagS darauf nahm Well Ouecksaest
Besitz von der Farm; zu seinem Leid
wesen fand er aber die schöne Sklavin
todt aus ihrem Ruhebette ver
giftet....
Gdol.
Eine bedinkliche Historie von Dr, Omlglaß,
Keinen Tropfen Alkohol mehr, Herr
Wanstler!" hatte , der Doktor gesagt.
Und der Frau Partikulier Wanstler
hatte er vor der Thüre nochmals drin
gend eingeschärft, dem leoerkranken Ge
mahl alle geistigen Getränke vor der
Nase wegzuräumen.
Gehört Himbeersaft auch dazu?"
Nein, Berehrtefte!" verabschiedete
sich der Doktor.
Etliche Tage ging die schwierige An
gelegenheit deZ AbftinirenS recht gut
von Statten. Herr Wanstler, mit
einem lebhasten Sinn für Romantik
ausgerüstet, dünkte fich überaus in
tereffant und ein Musterbild mönn
licher Energie. Freilich, je länger die
Geschichte dauerte, um so ungemüth
licher wurde ihm; und schon begann
er, in seiner Seele bedenkliche Pläne
herumzuwälzen.
Ach was, so ein Biffel Wein hier
und da, nur eben um den Lebens
muth wieder aufzufrischen das wird
doch nichts schaden! Kann
nichts schaden, wenn'Z mit Maß ge
schieht. Natürlich mit Maß; wozu ist
man ein Mann? Und überhaupt: soll
man fich so binden und fesseln lassen?
Nein, nein, das wäre unwürdig."
Er versank in tiefeS Nachsinnen.
So ganz offen konnte er'S natür
lich nicht treiben, denn r hatte ge
waltigen Respekt vor seiner Gattin
Badette. Er mußte fich ein ganz ras
finirteS Mittel auSdenken. Und er
sann mit wildsrbeitender Phantasie
nach.
.... Wie das Ehepaar in der,
Abenddämmerung desselbigen Tages
beisammen saß, hub Herr Wanftler auf
einmal an:
Du, Frau, man geht doch eigen!
lich mit seiner Gesundheit recht leicht
sinnig um."
Die Gattin Babette schaute ihn scharf
an und entgegnete:
Es. Alter, geht Dir doch auch ein
mal ein Licht auf!"
Ich mein'Z nicht so. Ta hab' ich
eben in der Zeitung einen Artikel über
daS Odol gelesen. ES ist ganz unver
antmortlich, wie man seine Zahne der
nachlasfigt; aber die schlimmen Folgen
Ro. 42.
bleiben nicht auS Ich muß ge
stehen, ich spür' auch schon die aller
Hand Beschwerden, die da geschildert
werden. Wenn ich morgen meinen
Spaziergang mache, nehm' ich mir doch
so ein Flascherl mit heim."
Ach was," erwiderte Frau Babette,
wozu so neue Narrheiten?"
Herr Wanftler hatte aber
doch eine Flasche Odol mit nach Haus
gebracht, und zwar gleich eine große.
Man kommt auf diese Weise viel
billiger weg," hielt er, der über den
wenig verschreibenden Doktor so wie so
ärgerlich war, der skeptischen Gattin
entgegen.
Ich danke für derlei Kram," sagte
die, ich bleibe beim Alten."
Um so besser," dachte fich der die
dere Gemahl.
Das vornehme Gefäß wurde nicht auf
dem Waschtisch des Ehepaare? unterge
bracht, sondern im Kleiderkaften des
Herrn Wanftler.
DaS Odol könnte sonst verriechen,"
meinte der hygienische Privatmann.
Aber mit einer Aufopferung und
scheinbaren Selbstüberwindung, die
seiner Frau Verwunderung abnöthigte,
betrieb er die Kultur seines Zahnge
heges und verschwand nach jeder Mahl
zeit im Schlafzimmer, um Mund und
Zähne total vor allen zahnsressenden
Stoffen" zu schützen.
Daß er in unglaublicher Verworfen
heit den Inhalt der Flasche hinter einem
Tannenbaum auZgegossen, die Flasche
gründlich gespült und mühsam beim
prositwüthigen Apotheker um theures
Geld mit Xeres hatte auffüllen laffen,
und daß dies jeden Tag beim Morgen
spaziergang wieder und wieder geschah
das behielt er freilich in seinem verbot,
denen Herzen.
Aber die Nemesis blieb nicht auS.
Als Herr Wanstler wieder einmal
auf seiner Ergänzungspilgerfahrt be,
griffen war, bekam seine Gattin Zahw
schmerzen und wollte eS in ihrer Einsalt
nun doch einmal mit diesem nenmod,,
schen Elixir versuchen. Die Flasche
war zedoch auS dem asten verschwun,
den.
Sehr zur Unzeit kam eben der Ge,
mahl fröhlich lächelnd herein.
Ich kann Dein Odol nicht finden!"
rief ihm die Zaynwehgepeinigie end
gegen.
Verlegen erwiderte Herr Wanftler:
Jaso nun freilich ach ja;
eben habe ich eine neue Flasche geholt.
Aber wozu....?"
Her damit!" Und fie riß ihm da?
blau'weiße Unglücksgefäß aus der Hand
und begann eS krampfhaft gegen ein
leeres GlaS auszuschütteln.
Wie fie aber den bräunlichen Saft
an die Lippen brachte, war mit einem
Schlag daS Weh vorüber, denn eine
viel schmerzlichere Erleuchtung kam über
fte.
Christoph! Was ist denn das .... ?
Ich glaube gar, Du haft da O
Christoph, jetzt komm ich Dir hinter
Deine Geheimgänge! DaS heißt man
also Zähne Pflegen?! Jawohl, Deinen
Weinzahn Du Hallodri.. ..I"
Wir laffen im Gesühl unserer
Unfähigkeit, der nachfolgenden Erör
terung in ihrer ganzen dramatischen
Wucht gerecht zu werden, bescheiden
den Vorhang der Nächstenliebe fallen.
, Der Erschossen.
In dem Feldzuge von 1797. in wel
chem die Oefterreicher in Italien gegen
die Franzosen unter General Bonaparte
kämpften, hatte fich Feldzeugmetfier Bl
vinzq entschlossen, in der Nacht vom 14.
auf den 15. Januar einen entscheiden
den Schlag auszuführen. Ein kluger
Plan war ersonnen, um den Feind auf
den berühmten Höhen von Rivoli zu
umzingeln und diese vielgepriesenen
Linien zu durchbrechen. In aller Stille
rückten die Kolonnen während der Nacht
an die ihnen angewiesenen Punkte, und
damit der Feind von dem ihm drohen
den Schlage völlig , vermuthet über
rascht werde, war jeder Schuß bei To
desftrafe verboten.
Ein Soldat von dem Regiment Jel
lachich, ein vortrefflicher Schütze und
begabt mit einer Sinnesschärfe, welche
selbst die Dunkelheit der Rächt durch
drang, sah fich bei dem Vordringen in
dem okkupirten Terrain plötzlich einem
feindlichen Vorposten gegenüber. Viel
leicht schien es ihm, als ob der Fran
zose ihn ebenso bemerke wie er ihn; ge
nug, n drückte dem ausdrücklichen Be
fehle des FeldzeugmeifterS zuwider fein
Gewehr loS. Kaum war das Geräusch!
des Schusses verhallt, als es fich auch
schon an allen Enden rührte; das Ge
düsch füllt fich mit glitzernden Bajo
netten, und bald begannen die eherne
Schlünde ibr verderbliches Spiel. Gleich
nach dem knall de? Flinte sprengte auch
der greise Feldzeugmeifter herbei und
fragte erzürnt, wer geschossen habe.
Man hatte den uvg'.üZ!ich:n ibitrc bald
ausfindig gemacht, und der General be
fahl, ihn unverzüglich hinter der Froiit
zu erschießen. ES geschah und der Eol
dat siel, von drei Kugeln gekosten, zu
Boden. Die Folge dieses unglücklichen
Schusses war aber, daß die Oefterreicher
sich zurückziehen mußten. Mantua fiel
am 14. Februar in die Hände der Fran
zosen.
Im Jahre 1801, während einer der
kurzen Waffenpausen, welche der stets
wachsende EhrgeizNapoleonS den Oefter
reichern gönnte, besichtigte der Feld
marschall Baron Alvinzh, damals kam
mandirender General in Ungarn, das
Lager, welches ein beträchtlicher Theil
seines Armeecorps im Süden von längst
des Esepeler DonauarmS bezogen hatte.
Unter anderen hatte auch das 53. In
fanterieRegiment früher daS Regi
ment Jellachich dort feine Zelte auf
gestellt. An den Reihen derselben an
gekommen, nahm der Feldmarschall dem
Obersten den Rapport ab. Euer Er
cellenz erinnern ftch vielleicht," sagte
dieser, an einem Mann, der am 15.
Januar 1797 vor Rivoli erschossen
wurde, weil er gegen Ihren Befehl sein
Gewehr abgeschoffen hatte?"
Auf die bejahende Antwort des Mar
schalls ließ der Oberst einen Mann vor
treten und sagte: Erlauben Euere
Excellenz, daß ich Ihnen den Erschösse
nen vorstelle. Er wurde von dem vor
dringenden Feinde aufgehoben, und da
man, trotzdem er von drei Flintenkugelu
getroffen war, noch Lebensspuren an
ihm entdeckte, in ein französisches Feld
spital aufgenommen und geheilt. Seit
her war der Mann in französischen
Diensten in mancher Herren Landen,
aber das Heimweh überkam ihn zuletzt.
und er hat ftch diesen Morgen bei mir
gestellt. Was befehlen Euer Excellenz,
daß mit ihm geschehen soll?"
Z ,1t vier zu bemerken, da damals
noch die lebenslängliche Kapitulation in
Oesterreich bestand.
Der Feldmarschall dachte eine Weile
nach und fragte endlich: Wiffen Sie
aber auch gewiß, ob dieser Mann wirk
lich der Erschossene ist?"
Abgesehen davon, daß ihn alle alten
Kameraden wiedererkennen, hat der Arzt
an seinem Körper die Narben der drei
Wunden aufgefunden!" war die Ant
wort des Obersten.
Todte Leute, Herr Oberst," sagte
der Feldmarschall ernst, kann der Kai
ser in seiner Arme nicht brauchen; Sie
werden demnach Sorge tragen, daß der
Mann seinen förmlichen Abschied be
kommt."
Das merkwürdige Ereigniß nahm
übrigens einen für den Soldaten recht
günstigen Ausgang. Der Kaiser hatte
Alvinzy ein großes Gut im Banate ge
schenkt, und auf demselben lebte der Er
schossene noch manches Jahr als glück
licher Schloßwächter.
Schicksal wer Reujahrswunfch
karte.
Gegen Ende deS letzten JahreS machte
ein neuvermähltes Ehepaar seine Hoch
zeitSreise nach Paris. Angesichts deS
Jahreswechsels gedachten die Beiden an
der Seine ihrer Lieben im schwäbischen
Heimathland und sandten ihnen Neu
jahrswunschkarten. Sie schickten eine
solche auch einem Oheim E. in Münster.
O. A. Cannstatt :
ES wünscht daS junge Ehepaar
Dem lieben Onkel ein gutes Jahr.
Nun stehen bekanntlich die Franzosen
mit der Geographie auf etwas gefpann
tem Fuß. Obwohl die Karte ausdrück
lich mit Münster. O. A. Cannstatt in
Württemberg" adresfirt war, kam sie
nach Münster im Elsaß. Dort fand sie
wirklich Einen, der den gleichen Namen
hatte, wie Onkel E. in Münster. O. A.
Cannstatt. Der Mann hat offenbar ein
gutes weites Herz; denn es war ihm
nicht möglich, die Karte der Post zurück
zugeben, ohne obige Neujahrspoefie als
fortzusetzen :
Ein Namensbruder im Münfterthal
Wünscht eS dem Onkel noch einmal.
Dak nun die Karte. Satt dem Onkel
am Neckar zuzuwandern, nach Münster
in Westfalen kam, ist schon noch begreif
lich: da sie aber von dort noch Mün
chen gelenkt wurde, wäre kaum zu glau
den, wenn nicht, wie der Schwäbische
Merkur" versichert, der Poststempel ti
deutlich und klar auswiese. Nun. an
der Jsar waren sie so helle und gaben
die ane fort aus die oute nach kann
statt. Bon hier fand sie auch mit dem
Boten den Weg hinaus nach Münster.
Ihre Boefie abn traf dort in einem
Herzen verwandte Saiten. Ehe fie an
den Adressaten abgegeben wurde, schloß
irgend Jemand obige Dichtung mit den
Worten :
Den rechten Onkel hat fie nun :
Jetzt darf die arme Karte ruh'n !
vnxlapxert.
Sie: Arthur, Tu bist mir untteu.
ich habe Dich gestern mit einer anderen
Dame gesehen!"
Er: Das ist nicht wehr! UebrigenZ.
warum haft Du mich nicht ange
sprochen?"
Sie: DaS hätte ich gern gethan
aber ich hatte ja einen Herrn dn mir!'
Schnell gtsaßi.
Gnädige Frau (den Diener dabci
treffend, wie er gerade eine Flasche an
den Mund setzen will): Ist das ßd:
lichleit. Jean?"
Diener (stramm): Nein, e scheint
Rosenl'qeuer zu fein!"