Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, March 11, 1897, Image 11

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    in Mßverjiändmß.
Rovcllelli von I a o a st j e r n a.
Inmitten einer friedlichen Landschaft
erhebt sich am Rande deS Sund die
ein Stadt St. Michael, die ihre ge
sicherten Privilegien, ihre eigene Behörde
und ihr eigene; Gnmnafium befitzt.
Der Abend sinkt hernieder, und im
Westen der Stadt vernimmt man die
langsamen Tone eine? Blechinftrumentz,
die wie das Solo eines Kuhreigens fün
ften. Kurze Zeit darauf kehren die
Thiere beim Klangt ihrer Glocken vom
Weidevlade beim. Hinter idnen mp
peln die kleinen Schäfer, von Zeit zu
Seit die läftgen Tbiere antreibend.
Beim Militärgefünzniß, das am süd"
lichen Ende der Stadt gelegen ist, hört
man Ketten klirren, uno die Parole
wird an die wachhabenden Soldaten
ausgegeben.
Etwas weiter, in der großen, zur
Sandebene fuhrende Straße befindet sich
die Kosakenkaserne, ein langer, niedriger
Holzbau. Im Inneren sangen die
Donkosaken melancholisch ihre traurigen
Steppenlieder, und die Einwohner der
Stadt, die ne hörten, sagten zu eman
der: ES giebt Regen, die Kosaken
fingen."
Im zweiten nordwestlichen Stockwerk
des Eetanam es. m dem den fcawoae,
fangenen eingeräumten Theile, saß
Heitekii Heitönen am Fenster. Die
Rötbe deS Himmels war verschwunden,
und er konnte in aller Ruhe die frische
Luft einathmen, denn gegen Gefangene
seiner Art ging man nicht allzu schroff
vor. Die Schuldgeiangenen wurden
nicht zu den gefährlichen Verbrechern
gezählt, was schon daraus hervorging,
daß das Fenster, an dem er saß, halb
ffen stand. Am nächsten Tage hatte
er seine Strafe beendet, er konnte m
seine kleine Besitzung Pjesamikij zurück,
kehren und sich ganz den Erntearbeitcn
widmen.
Heitekij Hejtönen hatte zuerst über die
Grausamkeit seines GMuvigers geyoynk,
der ihn gerade in dem Augenblick in
, das Gefängniß werfen ließ, da er zu
Haufe am meisten gebraucht wurde.
Doch was kümmerte eS ihn schließlich,
daß er im Gefängniß saß, seine Ehre
wurde dadurch ja nicht berührt. Außer
dem würde seine Frau und sein ältester
Sohn schon sehen, wie sie ohne ihn ser
tig würden. Was ihn anbetraf, so war
eS ebenso gut, als wenn er sich im Tage
lohn vermiethet hätte. Morgen hatte
er seine Strase beendet, und er freute
sich schon im Voraus darauf. Im
Jrunde genommen hatte sein Gläubi
ger, der Brückeneinnehmer, doch eine,
seltsame Manier, sich bezahlt zu machen.
Nun, das war eben seine Sache, das
ging Niemand etwas an.
Er streckte die schlaffen Glieder. Ja.
ja, in kurzer Zeit würde er frei sein,
und die Sense in der Hand wieder auf
der Wiese stehen, die seine Strohhlltte
umgiebt.
Zum ersten Mal seit seiner Verur
theilung dachte er an seine Befreiung.
Wozu hätte er auch früher daran denken
sollen ? Doch mit der Aussicht, sich bald
wieder in frischer Luft bewegen zu kön
nen, erwachte in ihm auch ein heftiges,
quälendes Verlangen, das Perlangen
nach Tabak.
Seit er im Gefängniß war, hatte er
Tabak weder gesehen, noch gerochen und
ihn auf das Schmerzlichste entbehrt.
Und je länger feine Gedanken seiner
Hütte zuflogen, in der seine Frau und
seine sechs Kinder saßen, desto deutlicher
sah er ftch selbst, wie er nach dem Abend
effen vor der Schwelle seiner Thür saß
und rauchte. Diese Vision war so klar,
daß ihm das Waffer in den Mund kam
und leine Lippen n ewegien.
Der Kosak Iwan KuSnakow ging am
nordwestlichen Flügel deS GefangniffeS
vor dem Gitter auf und ab. So lange
die Patrouille m der Nähe sichtbar blieb,
ritt er mit peinlicher Regelmäßigkeit.
sein leichtes Kosakengewehr auf der
Schulter, vor dem Gitter auf und nie
der, doch als die fünf anonenschünk,
die iede Abend abaefeunt werden, der
klungen warm, stellte er die Waffe gegen
d e Mauer, schnallte einen uniform,
gürtel ab. setzte sich in sein Schilderhaus
und streckte die Beine der Länge nach
aus.
Ach ja, eS war gar nicht lustig. Kosak
m kein. Mit leiser Stimme fing er
an. eine Nationalmelodie zu trällern.
die er von seinen Kameraden in der Ka
ferne gehört, und seine Gedanken flogen
zu einer weiten Evene, die ein vreiier,
arauaelber Strom durchschnitt.
Drei Jahre vorher hatte er al! junger
Bursche von I Jahren den xsm ver
lassen. Seitdem stand er in St.
Michal in Garnison, im fremden Lande,
und hatte in der neuen Sprache zu
fluchen gelernt; da; war aber auch
Alles, was er wußte. Da! Leben, das
er als Soldat führte, war ziemlich leicht.
Er hielt Wache vor dem Gefängniß,
machte von Zeit zu Zeit Manöver mit
und stieg auch zuweilen zu Pferde. Doch
baohl n sich nicht zu beklagen hatte,
so kochte sein Blut doch manchmal vor
Ungeduld, besonders in den langen
Standen, da einsam Wache hielt,
während ringS umher die ganze kleine
Stadt in tiefn Schlummer lag. In
diesen ruhigen achte, in denen alle!
schwieg, ia denen kein Blatt sich de
wegte, und er doch nicht die Augen
schließen durfte, war dieser Drang nach
Freiheit f heftig i ihm. daß er mit
In Kraft sein Seele eine Zerstreu
ung, ein Abenteuer herbeisehnte. An
diesem Abend hatte er eine Ahnung,
daß ihm ein Abenteuer bevnständ.!
Aufmerksam sah er sich nach allen Sei,
ten uni. Hätte wenigsten ein Gefan,
gcner einen Fluchtversuch gemacht, das
wäre doch wenigstens eine Abwechselung
gewesen. Ader nein, er konnte nicht?
Ungewöhnliches entdecken. Er kreuzte
die Beine, zog einen Tabaksbeutel
aus der Tasche und zündete sich seine
Pfeife an.
Der Sund lag da wie ein blanker
Spiegel und schien, von dem dunklen
Schatten der tiefen Nacht sich abhebend.
zu schlafen. Kein Geräusch ließ ftch
hören.
I diesem Augenblick erbebte Heitekii
Heitönen oben an seinem Fenster. Ta
bakl Woher kam dieser Tabaksduft?
Vorsichtig öffnete er das Fenster, steckte
feinen Kopf mit dem grauen Barte
heraus und blickte sich neugierig nach
allen Seiten um, ohne etwas zu bemer
ken.
Der Kosak nahm plötzlich sein Gewehr
wieder auf und stieß mit langsamer
Stimme, um sich zu zerstreuen, das
Losungswort aus:
Slusch-a-aj!"
Sluschaj!" antwortete eS von den
vier Schilderhäusern an den Ecken deS
Gefängnisses.
In der Kaserne dreht sich der Haupt,
mann, als er seine Leute auf dem Posten
bemerkt, ruhig in seinem Bette um,
während die Gefangenen in ihren Zellen
jählings aus ihren Träumen empor
schrecken; ihre Ketten klirren, und der
Gefüngnißwärter unterbricht seine Runde
durch die Gänge und bleibt einen Au,
gendlick stehen, um durch die Schiede,
fenfter zu sehen.
Heitekij Hejtönen verzerrt den Mund
zu einem breiten Lachen, neigt den Kops,
so weit er nur irgend kann, aus dem
Fenfter und rief mit schmeichlerischer
Stimme dem Kosaken auf finnländifch
zu: Höre, Bruderherz, laß doch dem
armen alten Mann, der nur die leere
Luft einathmet, auch ein wenig Tabak
zukommen!"
Beim Ton dieser Stimme erhob der
Kosak überrascht den Kopf, bemerkte den
Gefangenen und machte ihm zornig ein
Zeichen mit der Hand, sich so schnell wie
mögt, zurückzuzieven.
DaS Verbot, mit den Gefangene
zu verkehren, war unbeugsam, und eS
war der ttrenge Befedl gegeben, notm,
genfalls die Waffe in Anwendung zu
bringen.
Kaum hatte der Alte die Pfeife im
Munde der Schildwache bemerkt, als er
sich vor Freude nicht mehr halten konnte,
Du bist es, Bruderherz, der raucht?
Ich will Dir den Tabak, den Du mir
schenkst, heute Abend dreifach wiederge,
den."
Zurück!" schrie der Kosak und drohte
mit der Faust.
Aber warum bist Tu denn so schlecht
zu mir, Bruderherz? Ich bin doch kein
Dieb..! Der Brückeneinnehmer hat mich
wegen einer elenden Summe in'S Ge
fanamfe werten lai en .... Aber morgen.
wenn ich erst wieder frei bin, sollst Du
Deinen Tabak zurückhaben "
Der Kosak zögerte, er schien nicht zu
wiffen, waS er thun solle, und Heitekij
fubrsort:
Ader so höre doch, Bruderherz, ich
verlange ja nicht viel, nur ein ganz klein
wenig 1"
Zurück!" schrie Iwan von Neuem
und erbob sein Gewehr.
Gott, Gott, wie Tu schreist, ich thue
ja nichts BöseS! Tu wirft doch einen
Menschen deshalb nicht tödten; ich bin
ja Heitekii Heitönen aus Pielsamilij."
Der Kosak verstand kein Wort von
dem, wo! der Andere sprach. Aber ob
gleich ihm der Alte nicht gerade wie ein
großer Verbrecher vorkam, so ärgerte
ihn seine Hartnäckigkeit doch im höchsten
Grade. DaS Gebot, sich mit den Ge
fangenen zu unterhalten, war sehr
streng, und wenn er eS nicht befolgte, so
hatte er mindestens vierundzwanzig
Stunden Arrest zu gewärtigen. Iwan
kannte seinen Kapitän. Er machte noch
letzten Versuch, setzte sein Gewehr ab,
und fing an, mit beiden Armen hin und
her zu geftikuliren, als wenn er eine
Kuh fortjagen wollte, und schrie: Zu
rück, zurück!"
Die komischen Bewegungen deS Kosa
ken schienen dem alten Bauern großen
Spaß zu machen, und er rief: WaS
machst Du denn da für drollige Geschich
ten; erst drohst Tu mir mit Deinem
Gewehr, dann springst Tu wie ein Ver
rückter hin her, und daS alles, statt mir
ganz einfach ein bischen Tabak zu geben."
Iwan nahm wieder sein Gewehr auf.
WaS! Tu fängst schon wieder an,
höre auf. mit dem Gewehr zu spielen. . !
WaS sagst Tu?...." Rein, ich bin
weder ein Mörder, noch ein Dieb; ich
bin Heitekii Heitönen auS "
Heitekij Hejtönen brach plötzlich im
Satz ab. Der Kosak, der die Geduld
verlor, hatte ihn zum letzten Mal auf
russisch aufgefordert, sich zurückzuziehen;
doch da der reil nicht gehorchte, so
hatte er auf da! Fenfterkreu, gezielt und
Feuer gegeben. Heitekij wankte, den
Namen seines Torfes auf den Lippen,
streckte die Arme aus und fiel, ohne einen
Schrei auSzuftoßen, nach hintenüber.
Die Kuael hatte nur eine Ecke bei Fen
fterl gestreift und war in den harten
finnischen Schädel des alten Bauern ein
gedrungen-.
Der Kosak kam vor Gericht, wurde
aber freigesprochen.
Da kleine retaament der onioa
ken bat seit langer Zeit St. Michael
verlassen, und die Stadt besitzt jetzt
andere Mittel. Rege anzukündigen,
al den traurigen Gesang der Soldaten.
Iwan KuSnoko ist nach Afghanistan
gekommen und schießt nicht mehr au
arme finnische Greise. Doch in Piek,
samikii hat eine abgemagerte Frau mit
ihren sechs Kleinen die ärmliche Hütte
Verlagen müssen und der Brückenein
nehmer hat nie sein Geld bekommen
us den txrinnerungc eines Thier,
bündiger.
Der Thierbändiger Henri Martin er,
zählt in seinen Denkwürdigkeiten den
folgenden Vorgang: Ich war im Jahre
1809 nach BoulognesurMer gekom,
men, uirssdaselbst vier Vorstellungen zu
geben. Vor der dritten Vorstellung
sagte ich zu meiner Frau: Höre, ich
glaube, daß ich morgen einige Schwie,
rigkeiten mit meinem Löwen Coburg
hauen werde. Er steht mich so sonder,
bar an.
Sie sagte mir: So ändere den Tag
der Vorstellung; da liegt ja schließlich
nichts daran."
Ich antwortete: Nein, denn wenn
ich hier einmal nachgeben muß,
müßte ich es fernerhin immer thun,
wenn die Thiere Launen haben.
In der That, als ich am anderen
Tage in dem Löwen von Mysore", in
jener Szene, wo die Indianer mich an,
greisen, meinen Löwen und meine
Löwin zu Hülfe rufe, überfällt der Löwe
meine Feinde nicht wie sonst, sondern
duckt sich statt besten plötzlich und gräbt
seine Nägel in die Bretter der Bühne,
Seine Augen waren ganz glühend. Ich
war als Indianer gekleidet, trug einen
Dolch im Gürtel, aber wie gewöhnlich
keine Reitpeitsche. Ich befehle meiner
Löwin durch em Zeichen, wegzugehen.
Sie gehorcht; aber der Löwe macht einen
Satz und springt auf mich zu, um mich
an der Brust zu packen. Ich gebe ihm
mit der linken Hand einen Schlag auf
die Schnauze und breche mir dabei das
Handgelenk und zwei Finger. Ich
mache Coburg daraus das Zeichen, sich
zu entfernen; er schüttelt die-Mähne,
duckt sich em zweites Mal und springt
geradeswegs auf mich zu. Ich will
ihm mit einem Schlag begegnen, be,
merke aber jetzt erst, daß meine Hand
gebrochen ist. Schnell wie der Blitz
drehe ich mich um, damit er mir nicht
in'S Geficht springt. Er haut seine
VorderzShne in meinen Rücken ein, hebt
mich aus und hält mich in die Luft, wie
eine Katze die Maus. Ich gebe ihin
mit der Rechten einen zweiten au,
schlag; daS Fleisch reißt sich loS, und die
Bestie läßt mich fallen. Ich richte mich
auf und blicke um mich, denn ich sah
voraus, daß mein letzter Augenblick ge,
kommen sei. Ich konnte mich nicht zum
dritten Male entgegenstellen. Ich sagte
mir: Wenn ich chreie. Wust Alles da,
von, das größte Unglück kann geschehen.
und ich bin doch Nicht vom Tode erret
tet. Ich wende also dem Löwen den
Rücken, damit er mich packen und mir
im Nachen den Garaus machen kann,
ohne mir das Geficht zu zerfleischen,
Ader zwei Sekunden verstrichen, zwei
Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit
erschienen. Ich kehrte mich wieder um
der Löwe ist wie umgewandelt.
sieht bald das Publikum und bald mich
an. Ich mache ihm mit der Hand das
Zeichen, fortzugehen; er thut eS und
geht, als ob gar nichts geschehen wäre.
Diese Szene hatte keine drei Minuten
gedauert, und jetzt erst fühlte ich ein
Wohlbehagen, wie wenn ich plötzlich
zum Leben zurückkehrte. Ich nahm den
Shawl, den ich trug, umwickelte damit
meine Hand, machte einige Schritte nach
dem Vordergrund und sagte nach einer
Berbeugung: Meine Herren und Ta,
menl . Mir ist soeben ein kleines Un,
glück zugestoßen, wie Sie gesehen haben,
Aber ich hoffe, daß ich morgen oder
übermorgen die vierte und letzte der an,
gekündigten Vorstellungen werde geben
können.
Das Publikum hat aber sür die Fort
setzung gedankt.
Hundeliebhabeeei in Frankreich
Ludwig der Dreizehnte brachte die
kleinen englischen Windspiele in Mode
und schuf eigens für diese den Posten e,
nek "capitaine des levrettes da la
cliarnbre du rtoy," ötn er mit einem
Jahrgehalt von 24(56 LivreS dotirte.
Damit dieser Beamte seinen verantwor
tungSvollen Posten auch ja ausfüllen
könnte, wurden ihm vier Diener unter
stellt, die den Titel ammerwindlpiel
Hüter" führten. Der Posten bestand
auch noch unter Ludwig dem Sechszehn
ten. Als dann im Jahre 1780 der der
zeitige Inhaber des angenehmen Amtes,
Herr v. Vaffan, demisfionirte, wurde
der Posten nicht wieder neu besetzt. Die
Grasen von Provence und ArtoiS besol
deten ihren "capitainedeslevrettes"
mit 1M LivreS. ihren Mathematik
lehrer mit 200.
Ueber daS Hündchen der berühmten
Ninon de LencloS hat der Akademiker
Mercier berichtet: Raton. so hieß daS
Schooßhündchen der bekannten Schön
heit des 17. Jahrhunderts, nahm bei
Tisch stets in einem Körbchen neben dem
Teller seiner Herrin Platz, und über
achte den Diät aus' strengste. Die
Suppe und ein Stück Braten ließ er
ohne Weiteres paffiren; wenn Ninon et
was Ragout nehmen wollte, so knurrte
er warnend. Ein Entrement wurde
geduldet, wenn es nicht zu stark gewürzt
war; wollte sie aber Kaffee oder gar
Liqueur zu sich nehmen, so bellteer laut
los, und hinderte dadurch seine Herrin,
die ihr unzuttäglichen Getränke zu ge
nießen. S lange bet Mahl dauerte,
nahm diese merkwürdige Thierchen (ri
nnt Biffm an. Erst wenn Raton sah.
daß sür seine Herrin keine Indigestionen
mehr zu befürchten wären, verließ er
sein Körbchen, sprang aus Z Tischtuch,
knabberte zwei bis drei Makronen auf
oder verzehrte einen Zuckerkringel.
Mercier steht nicht an, zu behaupten,
daß Ninon die Conservirung ihrer
Schönheit, ihrer Gesundheit und guten
Laune nur ihrem Hündchen Raton ver,
dankte, und fast hundert Jahre alt
wurde, weil sie sich deS Kaffees, der
scharfen Ragouts und der Liqueure cnt
hielt, oder vielmehr enthalten mußte.
wollte sie nicht mit Raton in Conflikt
kommen.
Wörtlich befolgt. ,
ES war in einer Gartenwirthschast,
m der sich August Andier aus einen
Stuhl niederließ und sich dort bei der
Kellnenn ein GlaS Bier bestellte, um
damit seine ausgetrocknete Gurgel anzu
feuchten.
An dem Tisch, an welchen er sich ge
setzt, befand sich bereits eine ältere Frau,
die einen Strickftrumpf in den Händen
hielt und dermaßen fleißig darauf los
strickte, daß eS eine Freude war, ihr
zuzuschauen. Die emsigste Ameise er
schien, mit der Strickerin verglichen,
als Faulthier gegen sie.
Endlich schienen ihre Arme doch durch
die unabläsnge Bewegung müde gewor
den zu sein, denn ganz plötzlich ließ sie
die mit einem tiefen Deuszer schwer in
den Kchoon sauen.
Sie find wohl durch daS fleißige
Stricken recht müde geworden, liebe
Frau?" fragte Andler sie, der ob ihrer
Emsigkeit seyr erstaunt war.
Ja freilich!" sagte sie.
Die Strümpfe müffen wohl heute
noch fertig werden, da sie so fleißig
daran stricken?" meinte Andler.
Ah na." lächelte die Frau, oll
g'rad' nit. Aber i' will dem Wirth 'n
G fallen mit meinem Fleiß thun."
Vem Wirlti?" fragte Andler er
staunt.
Ja. dem Wirth." miederholte sie,
denn schauen S', wie i' in seiner An
nonce g'lesen hab', bittet er um recht
fleißigen Besuch!"
Und das Unglück schreitet schnell'
Die Deutsche Zeitung" berichtet über
folgenden köstlichen Vorfall : Die Gym
nafiasten in K. haben die Erlaubniß,
während der Zehnuhrpause in den An
lagen der Umgebung spazieren zu
gehen. Dabei traf eine Abtheilung
mit einem Eselgeführt zusammen. Im
jugendlichen Uebermuth neckten die jun
gen Leute daS Thier. Auf einmal er
scheint der Kutscher, alle nahmen Reiß
aus ; nur einen, der sich von dem gan
zen Treiben ferngehalten, kann der
Kutscher erreichen. An ihm läßt er
seine Erbitterung und seinen Zorn aus :
er giebt dem armen Schelm zwei derbe
Backpfeifen. Im Gefühl der erlittenen
Beleidigung eilt der Knabe bitterlich
weinend dem Gymnasium zu, um dort
dem Direktor hiervon Anzeige zu machen.
Da widerführt ihm kurz vor dem Por
tal das Mißgeschick, während er von
seinen Augen die Thränen abwischte,
mit Heftigkeit gegen Profeffor Z. zu
nennen, feiet) da: zwei Ovrseigen
sauften um seinen Kopf ! Mit erhöhtem
Schmerzgefühl, unter strömenden Thrä,
nen, eilt der Unselige weiter zum Direk,
tor. Er macht von dem ihm widerfah,
renen Unrecht Anzeige mit den heftig
schluchzenden Worten : Der Herr Pro
senor Z. hat mir eben zwei Ohrfeigen
gegeben, ich Habe ia dem E el nichts ge,
than." Schwapp, da saßen ihm zwei
neue hinter den Ohren I
Theure Pferdegeschirre.
Da! kostbarste Pferdegeschirr, daS
jemals hergestellt ist. war das, welches
der Maharajah Dhuleep Singh für ein
Zweigespann anfertigen ne. s ve
stand auS solidem, getriebenem und
ziselirtem Gold, war sehr reich mit
Türkisen. Rubinen und Diamanten
verziert und kostete die Kleinigkeit von
300,000 Mark. Der gegenwärtige
Gaekwar von Badoda bestellte sür acht
Pserde einen Satz Prunkgeschirre, die
ähnlich angefertigt, doch mit weniger
Edelsteinen besetzt waren; die Kosten
dafür beliefen fich auf 500,000 Mark.
Die Geschirre der Wagenpferde, die an
der Staatsprozesfion gelegentlich der
unlängst ftattgefundenen Krönung deS
russischen Zaren theilnahmen, kosteten
22 Sätze für je sechs Pferde etwas
über 2,000,000 Ms. 200,000 Alark
betrugen die Kosten für ein Paar Ge
schirre, die einst für Napoleon I. herge
stellt wurden, und Napoleon III. besaß
auch ein Paar zu ähnlichem Preise.
Zur Anfertigung des letzteren Satzes
wurden 2000 Saffianleder verbraucht,
die mit Gold überreichlich verziert wa
ren. Der jetzige Khedive von Aegyv
ten schließlich bezahlte 40,000 Mark für
ein Paar in London fabrizirte Pferde
geschirre.
Befolgter ins.
Dem berühmten Schlachtenmaler
Horace Bernet (gestorben 1803) diente
öfters ein ergrauter Krieger, der trotz
bewiesener Tapferkeit mangels Für
prache bei Ordensverleihungen immer
übergangen worden war, als Modell.
Eines TageS nahm König Karl der
Zehnte VernefS für die Galerie von Ver
failleS gemaltes Bild Die Einnahme
von Bona" in Augenschein.
Ist die e Gestalt nach dem Leben?"
ftagte der König den Maler und zeigte
auf einen im Vordergrunde stehende
Gendarmeriewachrmei fter.
Allerdings. Sir. eS ist ein alter
Soldat, welcher zwölf Jahre in Afrika
gedient bat und Schombart heißt. Lei
der habe ich mich aber verzeichnet, den
wie ich vernommen, hat er daS Kreuz
der Ehrenlegion, mit dem ich ihn ge
schmückt, noch nicht erhalten, trotzdem
er mehrere Male dazu vorgeschlagen
worden war."
Lagen Sie eS nur gehen," sagte der
König. Und in der That erhielt
Schombart in den nächsten Tagen seine
Ernennung ausgefertigt.
Boshafte Antwort.
Im Jahre 1831 traf Heinrich Heine
in Frankfurt am Main mit dem Witz
bald Saphir zusammen; Beide besuchten
häufig das altberllhmte Hotel Zum
Schwan", welches Börne für die einzig
lobenswerthe Einrichtung Frankfurt'S
erklärt hatte, wenngleich sich auch dieses
Lob eigentlich auf den Tonnerstag de
schränkte, an dem eS delikates Sauer
kraut gebe. Heine, der Mann des fach
lichen Witzes, hielt wenig von Saphir,
welcher fast ausschließlich die bedeutend
wohlfeileren Wortwitze kultivirte, wurde
aber dafür von dem Anderen mit man,
cher boshaften Bemerkung geärgert.
Einst erzählte ein Fremder bei der
Tafel, daß der Kurfürst von Hessen den
unruhigen Kasselanern dadurch seinen
landesherrlichen Unwillen zu erkennen
gegeben habe, daß er die sämmtlichen
Ruhebänke auf Wilhelmshöhe entfernen
ließ. Da werden sich ja die Kasselaner
in einem permanenten Aufstande denn,
den!" witzelte Saphir. Aber, Saphir,"
rief Heine schnell, wer wird Witze ohne
Honorar machen!" Beffer, als
Honorar ohne Witze," tönte es prompt
zurück.
in Fischdieb.
Der Küchenjunge Goethe'S entwendete
eines TageS aus der Küche einen großen
Hecht. Um ihn unbemerkt fortzuschaffen
erbarg er ihn unter einem Mantel und
schlich durch den dem Herrn StaatSmi,
nifter gehörigen Garten. Zufällig sah
Goethe zum Fenster hinaus und bemerkte
sehr bald an dem unter dem Mantel
hervorhängenden Fischschwanze. was
vorgegangen war.
He, Junge!" rief der große Dichter.
Erschrocken wandte sich der Bursche
nach dem Fenfter und fragte kleinlaut:
Was beseblen Ercellenz?"
Ich befehle," erwiderte Goethe, daß
du künftig, wenn du von meinen Fischen
einen ausführen willst, einen längeren
Mantel oder einen kleineren Fisch neh,
men sollst !"
Jede Uhr ist ein Sompaß.
Dies klingt wohl etwas unglaublich.
ist aber doch thatsächlich der Fall, wie
auS Nachstehendem klar hervorgeht:
Man legt die Uhr derart horizontal hin,
daß der kleine Zeiger nach der Sonne
zeigt. Die Mitte zwischen dem kleinen
Zeiger und der Zahl l des Zifferblat
tes zeigt nun nach Süden. Steht z.
B. der Zeiger um 10 Uhr auf die
Sonne gerichtet, so wird Süden in der
Richtung der Zahl 11 sein. Diese Ge
brauchsweise der Uhr als Kompaß ist
aber sehr wenig bekannt; selbst Stan
ley, als man ihn bei seiner Rückkehr
auS Afrika fragte, ob er diese so ein
fache Methode kenne, gestand zu, nie
malZ davon gehört zu haben.
Beruhigend.
Ein Engländer auf Ceylon, der ein
Bad zu nehmen wünschte, bat einen
Eingeborenen, ihm eine Stelle zu zeigen.
die von Krokodilen frei fei. Der El
geborene führte ihn an einen Platz nahe
der Mündung des Flu eS, und dort er,
freute ftch der Engländer am Genusse
eines Bades. Als er wieder heraus,
kam, fragte er seinen Führer, weshalb
an dieser Stelle sich keine Krokodile auf
hielten.
Krokodil fürchtet fich vor Haifisch!'
antwortete der Singhalefe; zu viel Hai,
fisch hier!"
in Weissagung.
Dem berühmten französischen Staats
mann Herzog von Choiseul (1719
1785) war geweissagt worden, er werde
in einem Ausstände umkommen. Als
er aber nach langer Krankheit in seinem
Bette starb, behauptete man trotzdem,
die Weissagung sei eingetroffen, weil
an seinem Todtenbette zwölf der de
rühmteften Aerzte über die Art der Be
Handlung des Kranken in den heftigsten
Streit gerathen feien. Mitten in dem
Lärm habe der Herzog für immer die
Augen geschlossen.
Zeitgemäß.
A (die Photographie seines Freundes
und deffen Braut betrachtend): ,, .Mir
gefällt nur nicht, daß Du an e i n e m
Ende des Tisches fitzest und Deine Braut
am ander'n !"
B: Diese Stellung ist eben meine
Erfindung! Geht die Verlobung zu
rück, so schneiden wir die Photographie
einfach auseinander, und Jedes behält
feinen Theil !"
Unhöflich.
Herr Doktor, sehen Sie nur meinen
Kopf an dieser rapide HaarSauS
fall !'
.eine Sorge, lieber Freund, es find
nur die Jahre, die Alles in Symmetrie
bringen."
Wie meinen Sie das?"
Run, ei ist jetzt darauf so leer wie
darunter !"
ffrühling. ,.
WaS bewegt mir heut' die Brust?
Bist du, gold'ner Bether,
Schon der nahe FrühlingNuft
Lachender Verräther?
Schwellen wirklich schon am Strauch
Zarte Blättertheilchen,
Meldet sich mit süßem Hauch
Schon da! erste Veilchen?
Horch ! Und welch' ein heller Ton
Scheucht von mir die Sorgen I
Ist es wohl die Lerche schon,
Hoch im Blau verborgen? .
Nein, noch liegt die stille Flur
Tief im Wintereise :
Mir iin Herzen tönte nur
Diese Frühlingsweise.
A. Bessell.
Das ZimstenGSHnche.
Peter (dem daS Auswendiglernen
hart fällt, nachdem sein Bruder Karl
den Eltern einen langen Neujahrs
wünsch vordeclamirt hat). Ich schließe
mich dem Vorredner vollständig an !"
Unverfroren.
Bankier (einen Einbrecher ertappend) :
,,Hlt'. Schurke hab' ich Dich !"
Einbrecher : Donnerwetter, jetzt bin
ich eingegangen (schnell gefaßt)
können Sie mir nicht die Adresse von
einem tüchtigen Vertheidiger sagen?"
MSdchcnZrel,dschaft.
Ella: Findest Du nicht, daß ftch
unsere Freundin Erna seit einem Jahre
auffallend verändert hat?"
Stell : Gewiß aber sehr zu
unserem Vortheil!"
Ein Schwärmer.
Lieutenant (die Vorzüge seiner Braut
schildernd) : , ... Und ihre Stimme ! . .
Versichere Sie, wenn sie spricht, kann
man danach tanzen !"
Splitt.
Du wühnst, weil Keiner widerspricht.
Daß sie fich deiner Ansicht neigen?
Oft aber liegt vergiß daS nicht !
Der größte Widerspruch im
Schweigen.
O. E. W.
Hoftfpielige pasflon.
Der Bankier Goldhcim hat daS Rit
tergut Hochberg käuflich erworben !"
Aber er befitzt doch schon zwei Rit
tergüter !"
Wahrscheinlich ist er S a m m l e r !"
Die kluge Maid,
Zwei Ritter, edel und muthig,
Die schlugen un, eine Maid
Sich beide die Köpfe blutig
Und thaten sich schweres Leid ;
Doch, als sie zuletzt bei dem Zanke
Sich bedeckt mit gefährlichen Wunden.
Sagte die Holde : Ich danke !"
Und wählte sich einen G e s u n d e n.
I. Just.
Schwierig.
Womit wirst Du Deine Frau zum
Geburtstag überraschen?"
Ich lerne heimlich ein Po
aunenStändchen!"
Unter Lrenndinnen.
Johanna: O, Marie, denke Dir.
Arthur hat fich mit mir verlobt !"
Mane : TaS überrascht mich n cbt !
Er sagte ja, als ich ihn zurückwies.
daß er eine Dummheit begehen
würde I"
Auch eine Zwangslage.
, .Herr Radacteur haben dem Dich
ter Reimschmied nun doch Ihre Tochter
zur Frau gegeben?"
Ja! Ließe ich ihn unglücklich
lieben, so würde er mir noch mehr
Gedichte einschicken!"
Kein Sliiüksteund.
Geheimräthin : Lieber Herr Doctor,
wollen Sie nicht Ihr Spiel unterbrechen
und dem Klaviervortrag Ihrer Nichte
Ihre Aufmerksamkeit schenken? Sie
trägt eben ein höchst schmieriges
Stück vor!"
Doctor: Ein böcbft kcdwieri.
98 ! Ich wünschte. eS wäre un
möglich!"
Einziger Ausweg.
Frau (auf den Ball aebends: atbi.
beschäftigen Sie fich recht fleißig, damit
Sie nicht einschlafen, denn Sie müssen
aufbleiben, bis wir heimkommen !"
öchm: Jawohl, Madam'!"
Frau (spät Nachts): .WaS feb' ick,
Kathi, Sie haben ja den ganzen Kalbs
braten aufgezeffen !"
Köchin: Was wollt' ich machen,
Madam'! Mit der Arbeit war
ich fertig da mußt' ich eben essen,
damit ich nicht einschlaf'l"
Aus der Kaserne.
Unteroffizier (,u dem vom Urlaub
kommenden Rekruten): .Na. wieder da.
Huber?"
.Jawohl; ich soll fierrn llntrrnffiiirr
einen Gruß von Vater und Mutter be
pellen!" t ;
,o; ven laden Sie wabl da
Schnupftuch; packen Sie mal aus!
im
Serftrent.
A (zum Herr rokffmr. hn fi mit
seiner Tochter in einer Gesellschaft be
findet): .Ist die Dame Jw Frau?"
Professor: O nein, da, ist die ftraii
von meinem Schwiegersohn!"