Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, December 17, 1896, Image 11

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    f
Theures Sparen.
Humoreske von 'aiil 31. ,iiflei.
Frau Schröder war in letzter Zeit mit
ihre, Gatten gar nicht mehr zufrieden1
Eine solche Knickerigkeit war ihr bei
einem ehrsamen, großen Schlächtermeister
überhaupt noch nicht vorgekommen!
Abgesehen davon, da alle feine Berufs,
aenossen sonst leichtlebig und sroher iWa
tut waren, daß sie selber vergnügt lebten
und leben ließen, er sing auch an, ihr
gegenüber zu knapsen, und zu sparen.
Ihr gegenüber, seiner brauen, tilgend
hasten grau, die ihm erst Dar wenigen
Monaten wieder Zivillinge geschenkt
hatte zu den sonst schon vorhandenen
drei Kindern! Na, das war doch nicht
chön!
Sie sing an, ordentlich mit ihm zu
grollen.
Sonst, wenn sie so im Frühjahr ge
kommen war, um sich die nöthige Garden
rode zu lausen sich und den Kindern,
da hatte er ihr immer einfach in die n
then, runden Backen gekniffen und ge
sagt: Hast recht, Schnuteken kaus'man
wag Du willst, und lag mir die Rech'
nung schicken!" Na, und wenn dann die
Rechnung kam, dann hatte er wieder
so ii bischen süßsauer gelgchelt, seiner Frau
wieder in die Backen gekniffen, I Du
verflixtes " dazu gesagt, und schließ-
lich doch mit einem gewiffen Avec an
standsloS gezahlt. Nachher war er ge
wdhnlich noch furchtbar stolz, wenn er
Frau und Kinder so elegant und chic
angezogen ah.
Und das war nun mit einem Schlage
alles zu Ende! Aiitgehen wollte er jetzt
wenn gekauft wurde, alles mitaniehen
und bestimmen, einen testen Etat inne
halten!
Na, das war doch unmöglich! Denn
wenn er mitkam, und sie sahen etwas so
gar Wunderfchönes. dann hatte er wird
lich die Courage, entweder Nein zu sa
gen, oder i unangenehmster Weise zu
handeln. Frau Schröder schämte sich
schon ordentlich in den Geschäfte, aber
eS half nichts, sie konnte ihn bitten und
beschwören, er ging auf keinen Fall von
seinem Borsak und seiner Gewohnheit ad.
Da half sie sich aus andere Art. Sie
saß gewöhnlich tagsüber an der Kaffe
des gutgehenden Geschäfts, und wenn
dann recht viel gekauft wurde und recht
viel Geld einkam, so brachte ftc sich m
wer davon ein paar Groschen über Seite,
DaS gab im Monat ein ganz hübsches
Sümmchen.
Damit ging fte nun, wenn ihr einmal
etwas recht gut gefiel, kurz bevor sie mit
ihrem Gatten kam, hin und beredete die
Verkäuferin, ihrem Gatten einen niedrv
geren Preis zu sagen, indem sie sich von
vornherein verpflichtete, für den Ueber,
schliß selber aufzukommen.
Das ging so eine ganze Weile. Die
Verkäuferinnen fanden nichts Unrechtes
dabei, denn es machten ja viele Frauen
das ebenso, und Frau Schröder tröstete
sich damit, daß ihr unglaublicher Mann
mit seiner ungerechten Sparsamkeit sie
ja direkt dazu zwang. Sie trieb es also
ruhig weiter. Sie hatte sich sogar ein
bestimmtes System dafür zurechtgelegt,
und um ihr Vorgehen vor sich selber
ganz zu rechtsenigen, gab fte sogar ihrem
Neffen, einem jungen Maler, aus ihren
gewissermaßen erhöhten Einnahmen frei'
willig einen größeren Zuschuß als bis
her, was diesen wiederum veranlaßte,
noch mehr, als es ohnehin schon der
Fall war. für sich zu verbrauchen.
Eines Abends aber, als fte bei
schäftsschluß gerade wieder an der Kaffe
abrechneten, machte ihr Herr Schröder
eine ganz sonderbare Mittheilung. Er
wollte einen neuen amerikanischen Cew
tral.Kaffenapparat anschaffen. , Frau
Schröder war starr darüber. Sie wußte
nicht, hatte er nun etwas gemerkt, oder
war ihm etwas hinterbracht worden?
Aber wie da! immer ist. wenn ftch Je
mand ertappt oder durchschaut glaubt,
fing auch sie gleich instinktiv an. sich
mehr als energisch zu vertheidigen.
DaS sieht ja gerade so aus, als traw
teft Du mir nicht mehr! Wozu brauchst
Du an der Kaffe eine großartige Kon
rroie, wenn 10 immer einiainre? as
ist ja geradezu beleidigend!'
Aber Herr Schröder beruhigte sie bald.
.Das ist ja nicht deswegen, lüde Kind."
meinte er, aber sieh 'mal, erstens ge
t)6U e jeyt zum guten Ton. haben ihn
alle Kollegen und Konkurrenten uud
zweitens wenn wir das Ding haben,
dann brauchst Du eben nicht mehr den
ganzen Tag an der Kaffe zu sitzen und
daran habe ich zuerst gedacht!" Er
kniff sie wieder in die Backen, doch
lächelte er diesmal so pftfsig dabei, daß
man doch glauben konnte, n wiffe Be
scheid. Er ließ sich aber sonst nichts
merken.
Dagegen war nun gar nichts einzn
enden. Im Gegentheil es war
gentlich doch sehr lieb von ihm, ihr so
das Leben zu erleichtern, aber als der
Apparat kam, man 800 Mark baar
dafür aus den Tisch zahlen sollte, da
dachte sich grau Schröder doch im Stil
len. ie viel ihr Mann hätte span kön
nen. nn ehe sie sich soviel herausnahm j
du lieber Gott, da vergingen doch ein j
paar lange Jührchen! I
Ader der Apparat war nun einmal;
da. Er nahm sich ordentlich glänzend
aui, in dem ohnehin nobel und sauber
ingerichteten Beschütt, die Kunden be
staunten und bewunderten ihn. und die
Geselle und Mamsells freuten sich, daß
sie nun wenigsten nicht immer unter
Aufsicht der Prinzipalin arbeiten muß
ten. Selbst der Meister freute sich, wenn
n ihn ansah, und beim Zusammenaddi
reu del Abend! war es ihm. als Hütte
sich mit dem Anschaffen des Apparats
auch sein Geschäft gehoven. it Zay
len wurden immer größer.
Nur einzig grau Schröder die war
nicht recht mit all dem einverstanden.
Nun mußte sie sich mit dem begnügen.
was ihr Mann sür fte ausgab, und
hatte auch gar rein nichts zum Zulegen
Und doch kam ihr Neffe immer noch!
Dem konnte sie doch das freiwillig Wege
bene nicht wieder entziehe. Dazu
mußte fte al!o schon ihr Taschengeld neh
men!
Da beschloß sie, mit ihrem Manne
einmal zu rede.
Sie paßte einen Nachmittag, an dem
er lehr zärtlich und liebenswürdig zu
ihr war, ab und sing dann an, er solle
sie doch wieder allein lausen lallen
Sie wolle ganz gewiß sparen, wo es
nur irgend ging, aber ein bischen mehr
müsse er schon geben, sonst könne sie
nicht auskommen, und sie möchte doch
so gern auch so gehen, wie andere
Frauen.
Er lächelte dazu und strich ihr über
da? blonde Haar, aber er ging nicht
auf ihre Bitten ein. Er könne es nicht,
weil sie ja jetzt fünf Kinder hätten, und
weil fte sparen mützien, um denen ein
mal was ordentliches ins Leben mit
geben zu können. '
Das sah fte ein, aber etwas, meinte
sie, könne er ihr doch zulegen. Er wäre
doch sonst auch fo gut zu ihr !
Sie schmeichelte und schmeichelte, waS
sie nur konnte, aber er gab nicht nach.
Schließlich wurde sie böse und stampfte
mit dem Fuß. Das rührte ihn aber
alles nicht. Er lachte nur auf, und
meinte, sie solle doch von ihrem Taschen
geld. das sonst mit Droschkenfahren
und Conditoreibesuchen aufgebraucht
wurde,' immer einige Groschen sparen ;
die könnte sie ja dann zugeben, und
eines Tages übergab er ihr wirklich ein
thönernes schweinchen zum sparen.
Ein wüthender Blick von ihr war der
einzige Dank. Sie riß es ihm ziemlich
ungnädig aus der Hand, und stellte es
aus ihre Kommode. Die Thränen tra
ten ihr in die Augen. Nicht ein kleine!
Geldstück hatte er i,hr hineingethan ; sie
mochte an dem Schweinchen schütteln,
soviel fte wollte, es regte sich nichts.
Nicht einmal beim Hineinblicken durch
den Spalt sah fte auch nur das
ringste. Vielleicht weil der Spalt zu
eng, und im Innern zu sinster war
wer konnte es mii en !
Aber so ost sie das Schweinchen nun
stehen sah, erfüllte eS sie mit Aerger
und Grauen, denn aus den kleinen at
mallen SchliMgclchen blinzelte es sie
immer noch verstohlen und lustig an
als wollte es so recht deutlich zu ihr
sagen : Siehst Du wohl, das kommt
davon! Vom heimlichen Nehmen,
nämlich !
Auch ihr Mann reizte sie immer noch
extra. So ost der aus seinem Geschäft
in die Wohnung hinauf kam, nahm er
das Schmeinchen auf, schüttelte es, und
machte ihr dann irgend eine boshafte
Bemerkung. Ja, er fragte sie gele
gentlich auch, ob sie denn zum Winter
auch wieder so einfach und bescheiden
angezogen gehen wolle wie jetzt, da fte
so gar nicht für das Schmeinchen übrig
hätte. Es wäre noch so leer im Innern,
Und er schüttelte es wieder aus Leibes,
kräften.
Sie antwortete natürlich nichts, aber
ihr Zorn wurde immer größer. Sie
beschloß jetzt ganz fest und bestimmt.
sich dieses ominösen Schmeinchens zu
entledigen, Sie wußte nur noch nicht,
wie !
Da kam ihr durch Zufall ihr Neffe
in den Wurf. Der wollte sich wie ae
wdhnlich wieder seine Rate holen, doch
die Tante war heute nicht recht in
Stimmung dazu. Immer noch extra
Geld ausgeben, wo sie schon selber nichts
hatte
Rein!!
Sie schrie ihren Neffen an. Was er
denn schon wieder wolle ! Immer wie
der Gelb? Er solle sich etwas schämen
wäre alt genug, um auf eigenen Füßen
zu stehen. Er müffe von dem leben,
was er eben Hütte und verdiente, und
sich nicht auf andere verlassen !
Der Neffe wagte schüchterne Einwen
düngen.
Die Tante hörte nicht. Wenn er
das nicht könnte, solle er eben nicht so
nobel leben, sollte sparen, wo er nur
konnte dann würde er schon auskam
men und genug haben.
Und wie in plislicher Eingebung
drückte sie ihm das Schweinchen in die
Hand: Hier haft Du gleich eine
Büchse dazu I Hier thue jeden über
ftüfftgen Groschen und Pfennig hinein.
dann wirft Du sehen dann brauchst
Du nicht. . . . andere um die Miethe
anzupumpen I"
Sprach s, rauschte hinaus, und ließ
den Neffen verdutzt zurück.
Der sah ich das Ding verwundert
an, schüttelte es klapperte nichts
was wollte die Tante denn von ihm !
Wovon sollte er denn sparen?! Ausge
rechnet - er, sparen !
Aergerlich lief er hinter ihr drein,
aber er sah fte nicht mehr. Das Ding
hatte er immer noch in Händen. Was
sollte er nun damit? Zum G:spött der
anderen tagsüber herumtragen? Das
konnte keiner von ihm verlangen. Zu
Hause hinstellen? Hatte bei ihm doch
auch keinen Zweck. Was also?
Ach er warf eS einfach in die Ecke.
Das war am besten. Und richtig, mit
kühnem Griff da lag eS schon zerschellt
am Boden.
Doch siehe da. oben auf den Scher
den. zusammengelegt, lag ein brauner
Fgnsjig.Markschein. i
Er wußte er I gar nichl, was er
daraus machen sollte, doch dann nahm
er ihn auf, überlegte nicht mehr lang,
und heidi war er weg !
Abends, als der Schlächtermeister
Schröder nach Hause kam, das Schwein,
chen nicht mehr sah und besten Ver
Wendung erfuhr, lachte er, daß ihm die
dicken Thränen über die Wangen liefen.
Er konnte sich kaum soffen. Schnute
len," rief er nur immerzu und kniff
seiner Frau in die Backe, da fte wie
der blutiaroth wurden. Schnuteken.
weißt Du denn, was Du gemacht hast?
Du bat n...."
Und unter Lachen erzählte er ihr
dann die ganze Geschichte.
Sie stand erst starr da vor Erftau
nen. Aber als sie ihn dann so vergnügt
sah, da mußte sie selber herzlich lachen,
umsomehr, als ihr der Meister erzählte,
er Hütte nur darauf gewartet, daß sie
daS Ding einmal im Zorn an die
Wand werfen würde wie es ihr Neffe
gethan , er Hütte sich schon so auf die
Uederraschung von ihr gefreut
Da schlug auch ihr etwas das Gewissen,
und sie beichtete ihm alles. Er war doch
eigentlich zu gut zu ihr.
Da strich er ihr wieder leise über die
Wangen, und sagte: Siehst Du. Kind,
das habe ich längst alles gewußt. Ich
wollte nur einmal sehen, ob es nicht
anders auch gehen würde; od Du nicht
auch, von Dir aus, etwas sparen kön
nen würdest. Aber weißt Du nun
nun laß eS lieber wieder, denn wenn
Du fünfzig Mark so mir nichts dir
nichls gleich verschenkst, wird Dein
Soaren auf die Dauer doch etwas
theuer !"
Sie hat ihm nur einen Kuß gegeben
und nichts gesagt !
Zwei Unglückliche Zwei
Glückliche.
Aus dem Wiener Leben, Von R,
Der stellenlose Buchhalter JonaS
MenkeS hatte ftch der Armee der Dienst-
männer einverleiben lasten. Seine Fa
milie wollte Brod, und so dachte er, daß
er aus diese Weise sich, wenn auch karg
und mühevoll, doch immerhin ehrlich
sein Brod werde verdienen können,
Aber auch diese Hoffnung erwies sich
als eine trügerische. Jonas Menkes
stand den ganzen Tag an der Ecke und
verdiente sast Nichts. Eines Morgens
begleitete ihn seine Frau zu seinem
Standort. Da kam plötzlich ein gut.
fast elegant gekleidetes Mädchen in ficht
licher Aufregung aut Ätenkes zu.
Dienstmann! Haben Sie Zeit?"
Yeioer nur zu viel IKeit, chönes ?rtm
lein!" Tragen Sie den Brief an
die Adresse. Er muß noch heute dort
sein!" Menkes warf einen Blick auf
oie Adresse. Er las den Namen eines
Fabrikanten in der Zieglergasse.
Noch heute? In einer Stunde ist der
Mies leicht abgegeben!" Das ist
nicht nothwendig. So gegen 1l Uhr
wäre es mir am Liebsten, wenn ihn der
perr velommen würbe.
Wie Sie wünschen. Fräulein!"
Das Mädchen drückte dem Dien
mann einen Silbergulden in die Hand;
Menies deinem, daß ihre Augen vom
Weinen geröthet seien. Er ließ daS
Fräulein ruhig weiter gehen, sagte dann
aver zu feiner grau:
Mali! Da geht StwaS vor! Da
haft Du den Gulden. Nimm' Dir einen
Wagen, fahre in die Zieglergnffe und
gieb den Brief ab. Wenn der Mann
Etwas will, so soll er mit Dir in unsere
Wohnung gehen. Dort findet er mich
sparn: r
Ja! Aber, JonaS. Tu hast doch
Nichts gegessen und haft keinen Kreuzer
Geio oei ,i!"
Hör' mir jetzt auf mit solchen Dumm
heilen! Ich muß dem Fräulein nach
geoeni"
Und JonaS MenkeS enteilte, indeß
Frau Mali Menkes einen Wagen bestieg
uno naq oer Jiegiergafte suvr.
Der Brief war kaum an seine Adreff,
avgegeden. als auch schon ein älterer
Herr auf die Frau Menkes, die im Vor
zimmer eines Eomptoirs wartete, zu
stürzte: .Wo hat Ihnen die Paula
den Brief gegeben?" fragte hastig der
viann.
Ja! Ja! Trüben in der Brigit
tenau hat ihn ein Fräulein meinem
Mann gegeben!"
.Wo ist das Mädchen!"
Was weiß ich? Sie ist weaae
gangen!"
.Wo ist Ihr Mann?"
Er ist dortbin aeaanaen. wobin da
Manchen gegangen ist. Das Fräulein
dai mm Nicht gefallen. Deswegen hat
er auch gesagt. Sie sollen in die Ra
pbaelgaffe zu uns kommen und auf ihn
warten. Aber wir haben nur eine
Kammer und ich hab' noch nicht zusam
mengeräumt. Es geht mir leider sehr
schlecht und mein Mann
er alle Herr hörte nicht mebr. Er
zog während des Gehens den ttock an
und sagte: .Kommen Sie! Kommen
Sie rasch!"
Der Mann stürmte auf die Straße,
auf der noch der Wagen stand, der
Frau Menkes gebracht halte. T,e Frau
ane in igrer urregung ganz vergessen,
den Kutscher zu bezahlen, und so war
Ute der Wagen.
Der Herr fiieg ein, die Frau folgte
ihm. in raschem Trabe ging eS nach der
apbaelgaffe in der Brigtttenau und
die Frau führte den eleganten Herrn in
eine öde Kammer, deren kable Wände
den Kummer und die Noth der Insassen
verkündeten. Der Fabrikant ging un
ruhig in dem Kabine! aus und ab.
Eine Stunde verging, eine lange
Stunde. Da fuhr ein Einspänner vor
das Haus.
Der Dienstmann verließ den Wage,
hinter ihm ein Mädchen es war die
Tochter des Fabrikanten. Ein Szene,
die fich schwer schildern läßt, spielte sich
in der öden Kammer der Menkes ab.
Vater und Tochter lagen fich in den
Armen und weinten. Dann reichte der
Mann dem MenkeS und seiner Frau
die Hand und sagte: Ich werde Euch
Das nicht vergessen!" Dann ging er.
Frau MenkeS hatte noch ihren Gulden,
DaS Mädchen war, verfolgt von dem
Dienstmann, einer abgelegenen Stelle
der Donau zugeeilt. Vorsichtig schaute
sich Paula dort um, jetzt wollte sie den
verhängnißvollen Sprung thun. Der
Dienstmann jedoch eilte hervor und
faßte die Verzweifelte um die Taille.
Sie bat ihn unter Thränen, sie sterben
z lassen er drohte mit der Polizei!
Das half und sie ließ ftch willig führen.
Wohin?" Zu mir in meine Woh
nung. Fräulein!" Gut! Aber nach
Hause gehe ich nicht!" MenkeS nahm
einen Einspänner, der leer gegen die
Stadt fuhr, uud so brachte er die Toch
ter dem Vater zurück.
Die atte Ge chlchte! Paula hatte den
Buchhalter des Vaters gern und dieser
liebte auch das Mädchen mit unsäglicher
Gluth. Der Vater war gegen die Ver
bindung und wollte sein Kind glück
lich", das heißt reich verheirathen. Das
überspannte Mädchen gerieth in ihrer
Verzweiflung aus die Idee, ftch das
Leben zu nehmen.
Durch den Scharfblick des Dienst
manns wurde sie gerettet. Aus der
Unglücklichen ist eine Glückliche gewor
den, fte ist heute die Braut des Bnchhal
ters nein, des Prokuristen und daldi
gen Compagnons ihres Vaters.
Tort, wo der ehemalige Buchhalter
gesessen ist, fitzt aber jetzt ein anderer
Mann in sehr guter Kleidung und läßt
die Feder über die Seiten eines großen
Buches fliegen, der neue Buchhalter,
Herr Jonas Menkes.
Zwei Unglückliche zioei Glück
liche.
Bom bösen Kurskrste.
Der französische Diplomat Rothan,
der einige Jahre als Gesandtschafts
sekretär in Kassel lebte, weiß laut Voff.
Ztg." in seinen Erinnerungen" Man
ches über den Kursürsten Friedrich Wil
Helm II. von Heffen zu erzählen. Diese
Schilderungen eines Zeitgenossen lassen
den Fürsten ganz als den Sonderling
erscheinen, als der er in der Erinnerung
seiner Landsleute weiterlebt. Es war
ihm bekanntlich eine Herzensfreude,
seine Macht dadurch sllhlen zu lassen,
daß er berechtigte Hoffnungen und
Wünsche durchkreuzte. Einer seiner
Adjutanten erbat fich Urlaub, um sich
zu verheirathen. Der Kurfllr liettnl
ligte den Urlaub sofort, aber er änderte
dann seine Entschließung, und als der
Adjutant nach der Trauung aus der
Kirche kam, wurde ihm ein Befehl ein
gehündigt, der ihn verpflichtete, stehen
den Fußes und ohne die junge Frau
eine dienstliche Reife anzutreten. Gab
einer der auswärtigen Gesandten ein
diplomat, ches Mahl. Io war die Reael.
daß der Kurfürst ihm durch eine an
demselben Tage erfolgende Einladung
zu Hose alle seine Gäste entzog. Ueber,
gab ein Gesandter sein Adderufunas
schreiben, so wurde er vom Minister des
Auswärtigen höflich gefragt, ob er sich
als Andenken an die am Hose in Kassel
verlebte Zeit ven böchtten he wichen Cr
den oder eine Tabakdose wünsche; wählte
er den Orden, so bekam er regelmäßig
die .oie. und warnte er diese, so bekam
er den Orden; zuweilen bekam er auch
keins von beiden, wahrscheinlich, wenn
man voraussetzte, daß er das Eine so
gern genommen Hatte, wie das Andere
Unter solchen Umstünden waren die
Höflinge darauf eingeübt, den Kurfür,
ften gegebenenfalls um das gerade Ge
gentheil von dem zu bitten, was fte er
langen wollten. Ein junger Gelehrter,
wohl von der Universität Marburg, bat
den Landesherrn um Urlaub zu einer
Studienreise nach dem hohen Norden,
Sein Gesuch wurde rund abgeschlagen,
Er klagte einem der kurfürstlichen Adju
tanken sein Leid. Sie haben es un
richtig angefangen", sagte der Adiu,
tant; ich werde die Sache in die Hand
nehmen und dllrge sür den Erfolg."
Am anderen Tage wußte der Offizier
ie Adiepnung des esuchS vor dem
Kurfürsten zur Sprache zu bringen.
Königliche Höhnt." sagte er. .dieser
Gelehrte verdankt Ihnen sein Leben:
er ist im höchsten Grade druftleidend ;
indem Eure königliche Hoheit ihn der
bindert haben, fich in die Schnee und
Eisregion zu waqen, haben Sie ihn vor
einem sicheren Tode bewahrt." Vier
undzwanzig Stunden später hatte der
Belehrte, dessen Gesundheit ausgeikichnet
war, mit dem Urlaub in der Tasche
feine Reise bereits angetreten !
(hincsischk Tauben, Viuftk.
Chinesische Musik hat mit ihren schril
len Tönen und gellenden Tantams für
europäische Ohren nichts Erbauliches.
Trotzdem bade die ödinesen eS verftan
den. fich mit Hilfe der Tauben eine Art
Sphärenmusik zu schassen. Solche mu
filalilchen Tauben lernte der russische
Reisende W. Obrutschem während seiner
Anwesenheit in Peking kennen. .AIS
wir noch Besichtigung der Tempel" so
erzählt er in seinem kürzlich erschie
nenen Sieisemeik phina". wie
der der Siefidnij zuritten, ließ fich über
uns in der Luft die lieblichste Sphären
musik hören, die sich bald verstärkte, bald
zu ersterben schien, je nachdem sich ein
Schwärm Taube näherte oder ent
fernte. Ich hatte schon früher von die
sen originellen Musilantenchören im
Reiche der Mitte gehört, aber der ent
fetzliche Straßenlärm dieser Stadt be
täubte daS Ohr so, daß ihm sanstere
Töne verloren gehen mußten, und die
Töne dieser Taudenmusil find saust und
weich, wehmüthig stimmend, und wie
ein Eonzert von Aeolsharfen. Und kleine
Aeolsharfen sind die Instrumente in der
That. ES werden nämtich zahmen
Tauben kleine Pfeifen auS dem denidar
leichtesten Stoff, dem Bambus, und von
verschiedener Größe unter die Schwanz
federn gebunden ;s bald die Vögel als
dann in die Höhe steigen, entsteht durch
den starken Lustzug bei schnellem Flug
die anmulhize Musik. Die Chinesen
scheinen diese wohlfeilen Luftconzerte sehr
zu lieben, denn wo man auch hinkommen
mag in der Umgegend der Kaiserstadt,
überall sieht man die geflügelten Musi
kanten mit ihren Hürflein über fich fchwe
den."
Pin Bärenkamps
hat kürzlich im Zoologischen Karten in
Düsseldorf stattgesunden. Man hatte
einen neuen Bären, einen kräftigen
Burschen, in den Zwinger der Bärin
gelassen, in der Hoffnung, daß die bei
den Thiere sich vertragen würden. Der
Bär überfiel aber sofort das Weibchen,
das fich mit aller Kraft wehrte. Die
Versuche, den Bären durch Schläge mit
Eisenftangen, durch Wasserstrahlen von
der Bärin abzubringen, blieben erfolg
los. Schließlich brachte man Feuer
brände herbei, vor denen der Bär zwar
die Flucht ergriff; aber in dasselbe Hin
tergelaß. in das der Bär hineinstürzte,
lief auch die Bärin. Sofort begann
der Kampf von Neuem. Nach längerer
Frist erschien der Bär wieder im Zmin
ger, hochaufgerichtet, im Maul trug er
den verstümmelten Körper des todten
Weibchens. Vor etwa drei Jahren kam
die alte Löwin des Düsseldorfer Zoolo
gischen Gartens, ein gutes zahmes Thier,
das dem Garten eine große Zahl von
jungen Löwen geschenkt hatte, auf ähn
liche Weise um's Leben. In den Käfig
neben dem der Löwin war ein neuer
Löwe gebracht worden, der beim Reini
gen der Käsige, als die Zwischenwand
emporgehoben war, die Löwin sah.
Leider vergaß man beim Herunterlassen
der Zwischenwand den Riegel einzuschie
den. In der Nacht hob der Löwe mit
seiner Pranke die schwere Wand in die
Höhe, kroch in den Käfig der Löwin und
riß diese in Stücke.
in und Künstler.
Eine niedliche Kinder und Künstler
geschichte au? Hamburg dürfte manchem
Leser noch unbekannt fein. Ein Enkel
des berühmten Düsseldorfer Altmeisters
Andreas Achenbach machte eines Tages
in der Schule zu Hamburg die Bekannt
fchaft eines Hamburger Jungen, der
ihm erzählte, sein Vater sei Dekora
tionsmaler. Die Erwiderung des Ka
meraden war, daß sein Großvater auch
Maler sei. Ist er denn aber auch fo
tüchtig wie mein Papa?" fragte der
Hamburger. Ich glaubt, ja," ent
gegnete der Kleine. Aber mein Papa
malt mit zwanzig Gesellen!" Ja, dann
wird er doch wohl bedeutender sein, als
mein Großpapa," meinte der Enkel des
Altmeisters kleinlaut, denn der malt
alle seine Bilder allein.".
tomatische Sparbanken.
Die Idee der Automaten ist in Jta
lien einem neuen Zweck dienstbar ge
macht worden. Man steckt dort ein be,
stimmt Geldstück in den Spalt des
Apparates, zieht dafür eine Quittung
heraus und die Sache ist fertig. Der
Groschen des kleinen ManneS ist damit
einer Bank übergeben, ohne daß man
erst nach einer Sparkasse oder einem
Postamt zu gehen braucht. Nach An,
sammlung einer Anzahl von Ouittun
gen können diese bei der eigentlichen
Sparkasse gegen eine andere Empsangs.
bescheinig ausgetauscht werden. Mi
Depositen werden dort vier Prozent
Linien gewogn, uno autzerdem haben
die Einleger noch Anspruch ans einen
Antheil des Gewinns aus den Bank
operationen.
Unter VienstmZdchen.
.Tu. ich möchte nScbslenS in in
Hafenstadt ziehen !"
.Warum?"
.Ich bade noch nie einen TOarin,!,!.
baten zum Bräutigam gehabt !"
Bedingt.
Tante ii? aus 9Vfifi n?mmn m,k
hat ein vielversprechendes Päckchen, in
eiuer Papiert.ülle. mitgebracht. Nun
Karlchen," frägt sie den kleinen Neffen.
,on iu mr au recht gut?"
KarlchenS Blick streift nnhtiflirfi
das Packet: Ja. Tantchen. das kann
ich doch dnrch'S Papier nicht sehen!"
In der Werkstatt.
Meister: fio.Be nick, thtot M iif
jerade jenießt habe? Warum sagst denn
ich .Wohlsein? Jrodian!"
Meister muß wieder nießen.)
Lehrlinz: Wohlsein. Jrodian!"
Mißveniändnix.
Fräulein: Wa,en Sie schon 'mal in
einer Irren,, stall?"
Herr: Nein: ich bin roch nickt ver
rückt gewesen; Sie?"
Iie Sitfönlieits - Konkurrenz:
Es war einmal wo eine Konkurrenz
Von den allerschönstcn D.inirn.
Oiu berathe, welcher der Preis gebühr'.
Die Herren zusammenkamen.
Und endlich ach mancher langen Red'.
Mit sehr lebhafte Gederden
War man sich denn auch einig darin:
Die sollte Preisträgern! werden !"
Toch wie un die Leute der ganzen Stadt,
Zur Prämiirung gekomine.
Da hat die SchönhcitsKoIrrenz
Ein seltsames Ende genommen.
Denn jeder der Herren born Komite
Meinte kleinlaut: Wenn er genau sei.
Müßt' er sagen, daß eben doch eigentlich
Die Schönste hm seine Frau sei !'
LaUgcsxräch.
JVrr du einer Daniel: Mein
Fräulein, sind Sie schon einmal nge
prast unter Palmen gewandelt?"
vorgebaut,
(Im Klub.) Lieber Hugo.
Du bist eine edle Seele!"
Ja aber nur unter der Bedin
gung, daß Du mich nicht anpumpst!"
logisch.
Dame: Aber Herr Assessor, was fällt
Ihnen denn ein, einen Kuß wollen Sie
von mir haben? Das wäre doch ein
Verbrechen, wir sind ja noch nicht 'mal
verlobt."
Assessor: Die Strafe erfolgt aber
doch erst, nachdem das Verbrechen be
gangen und nicht vorher."
Bei Gericht,
Richter (zum Verurtheilten): Euer
Bitten ist umsonst; nicht ich bin's, wel
cher euch verurtheilt hat, sondern der
Paragraph des Gesetzes."
Bauer: Na' freilich, es schiebt's halt
immer einer auf den andern, und
schließlich will keiner Schuld d'ran
sein !"
Gesucht,
Bauer (liest in der Großstadt die An
noncen der Zeitung): Nee, wat in so
'ne grote Stadt ook Allens verloren
geit!., ,.kiek mal blot, Olsch. wat
se hier AllenS söken doht. Mamsells.
Sniderinnen, Mäkens, Kommis und
sogar Beamten."
Modern
Ihre Nichte, meine Gnädige,
ist ja nun auch heiratsfähig!"
.Ja, sie wird demnächst anfan
gen, sich zu verloben!"
Der größtc jaulpelz,
Der Sepp scheint doch de
Fleißigste von allen Arbeitern zu sein.
Die ander'n machen schon lange Brod
zeit, während er immer noch fest deim
Zeug ist!"
O, der ist blos zu faul, daß er
aufhört!"
Die glücklichsten Menschen
trifft man immer am Bahnhof.
Die einen freuen sich, daß sie forlkom.
men, die andern sind froh, daß sie wie
der da sind.
protzig,
Banquier A.: Wie, dem Lieutenant
Strubelinski haben Sie Ihre Tochter
nicht gegeben, . . .ist doch ein sehr präch
Nger !v!ensch!"
Banquier B.: Allerdings; aber Kerl
hatte nur zehntausend Mark Schulden!'"
Ans der guten alten Seit",
Major: Wo ischt denn der Fähnrich.
Hauptmann?"
Hauptmann: Ja, gucket's, bei dem
wird heint a Sau geschlacht't, da ischt
er halt daheim bliebe."
Aus dem Ämchtssaal.
Präsident: .Sie find abermal tnt.
gen Betteln angeklagt."
Anaeklaater: ?iawokl. Iherr N?,,n.
dent, sch schwöre Ihnen, es nicht wieder
zu ryun.
Präsident: .Der 5err Stnatnnm,,lt
hat gegen Sie eine Woche Haft be
antragt, haben Sie noch etwas z be,
merken?"
Anaeklaater: ,.ck möcht m in.
geringere Strafe bitten."
Präsident: Fangen Sie schon wieder
an zu betteln?"
Fürchterliche träfe.
Klara: .Dieser Treulnkr! ftnt imi
also Beiden einen Heirathsanttag ge
macht!?"
Laura: Ja, es scheint so!"
Klara: . Cl dnfiir miif-t r tn.ft.
lich fürchterlich beftrast werden!"
raura: .Ich habe eine Idee!"
Klara: .Heraus damit!"
Laura: .Du mußt ihn heirath-n!"
Sächsisch,
Ich saae ?tbnen. bald Kt' ifft'a
Reißen in den Armen, kalk in n
nen seit g.gern gar im Rücken, daß
iq oavoniausen möchte."
Ei. säb'n Se. mein stkt, stir.
ckkn. da sin Sie ja. wees Knebl'chen.
der leibhaftige Selbstheirscher aller
Reißen!"
Aus dem Lalle.
Tame: .Sieb' 'mei dnr h rnn
Rentier H.. die baden auch nickt mehr
zu verehren als wir. und sie hat ein
viel kostbareres Kleid als ich an."
verr: .ya, die Kostbarkeit purer
Kleider wöckst eben mit htr II,,!,,,,
genz Eurer Männer."