Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, September 24, 1896, Image 3

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NEBRASKA STAA1T9 - ANZEIGER. Lincoln, Neb.
f
Das Jji'ljpfmniß uon 3Jii
i siciuici).
, Siatr.on van Älorl vd. sllopfcr.
wie eic miiici)cn(" minderte der
!?reil)crr, nl grille es, eine Weifte
franse zu kfdinüchtia,cn. Xonn brückte
CEfllamine Die Hund, sich durch einen
Innigen Blick mit il,r fiiinSigenb.
Die Biuoneije Halle sich Hinter den
Bruder juriiffge zogen. Die Gräfin,
schon im Begriffe, sich ach dem
Wagen jn begeben, wand sich noch
einmal um, wie um von jiällie Abschied
' ' jn nehmen.
.Gebe Gott, daß ich jetzt anch bei
Ihnen ein Geheimnis; errathen habe!"
flüsterte sie lächelnd und strich ihr
kosend iiber die braute verfen. Dann
müsste ich eine herrliche Art, den
Skljimps zu tilgen, der 'ihnen heute
widerfahren ist. Pst! nicht auffahre,
Ich deute mir diefe Purpurglulh auf
Ihre Sstansl.ni hoifcnllich besser, als
Sie jetzt noch selbst. Auf Wiedersehe,
ans Wiedersehe, nein liebes Kind!
riijien Sie mir (ihre Mutter und
entschuldigen Sie uiich bei ihr!"
D riß sich Käthe los, flammend
vor Zorn, und kehrte den Birkenriedern
den Mieten ; sie hatte in dieser Stirn
mmig nicht einmal für die Freundin
einen (Mnijj.
Eine Mimrie später erlieg der Van
dnuer wieder den Gutühof vo Neben
stein.
Als der Wage I'innii war, wandte
sich Briinoiu an die Schwester zurück,
die eben in'8 Haus schlüpfe wollte,
Käthe!"
Was soll's?" fragte sie, ohne sich
umzusehen.
Hat Warna ihr Zimmer verlassen?"
Nein, und hoffentlich schläft sie
mich noch, fo wie ich von ihr gegangen
Im,."
Wut, dann können wir ihr sagen,
, Me Gräfin sei unpäßlich geworden und
überhaupt nicht gekommen. Und wa
da drüben geschehen ist," cr deutete
Mit einer leichten Kopsbewegung nach
dem Schuppe, das darf sie auf keine
, Fall erfahren."
Natürlich," erwiderte die Schwe
stcr kaum hörbar. Wen nnr "
Daß auch ein Anderer schweigt,
dafür werde ich sorgen. Mir aber bist
Du noch eine ausführliche Erzählung
des ganzen Herganges schuldig "
Nur jetzt nicht, letzt nicht! Laß mich
in Frieden, ich bitte Dich!"
Danrit rannte sie davon, als brenne
ihr der Boden unter den Füßen.
Brttnow blieb noch eine Augenblick
stehen, an seinem Schnurrbart nagend.
Dann machte er eine Schwenkung und
ging mit eiligen, strauimcn Schritten
nach dem Stallgcbaude. Als er in das
Ctübchcn Jans hineinsah, erblickte er
den Burschen, wie cr ans seinem Bette
' lag, auf dem Gesichte, die Häude
krampfhaft über dem Hinterkopf ge
faltet, ein Bild stummer Verzweiflung.
.Slalicki!"
Der junge Aicnsch sprang empor
irnb stand in der nächsten Sekunde vor
, icincrn Lieutenant.
Sie werden diese Stube nicht eher
erlassen, als bi ich Ihnen Erlaubnis!
dazu gebe, und mit keinem AIenchen
ein Wort wechseln. Handeln- Sie
dawider, so gnade Ihnen Gott ! Ver
standen?"
Zu Befehl, Herr Lieutenant !"
i Plock war unterwegs wieder bemüht,
eiligsten mit Eglantine ein leid
liches Gespräch in China, zu halten,
fcnitc die Gräfin ihm gegenüber nicht
so ausschließlich mit ihren eigenen Gc
danken beschäftigt gewesen und hätte sie
den Blick zu deute gewußt, den er
von Zeit zu Zeit zu ihr herübersandte,
so hätte sie darin ihr Todesurtheil
gelesen.
.Fühlen S-ie sich wohler. Taute?"
fragte Egla!?linc. '
Die Gräfin sah empor, als müsse
sie sich erst auf ihre Umgebung besin
nen, dann legte sie dem Mädchen einen
im um den Nacken und zog sie scus
jenb an sich.
Ja, mein Kind, so wohl, als hätte
ich nach unendlich langen Mühsalen
den Weg zum Frieden gesunden. Aber
Du, bist Du nickit bedrückt, als laste
ein Kummer aus Dir?"
.Wie Igniitc das fein? Bin ich den
nicht glücklich?"
Das sagte sie aber so mechanisch,
!, einen auswendig gelernten Spruch.
:? Mäfin schüttelte die grauen
ke.
.Du bist zerstreut, mein Kind oder
sollte ich fürchten müssen, das! Dein
wunderliche Geniüth in heimlicher
jjcuc leidet? Bangt Dir etwa vor
den Gedanken an Deine bevorstehende
$odi;rit?"
.0, wenn sie noch heute sein
könnte!" murmelte Eglantinc gepresit.
Vielleicht ist eS morgen schon zu spät
dazu." '
.Was redest Du da? Was soll das
nur bedeuten?"
Sglantinc fuhr auf. Nichts, nichts,
ich träume ain hellen Tage. bitte,
kehre Sie sich nicht daran ! Ich glaube,
die Hie thut mir nicht gut. Ich werde
eine Stunde ruhen, dann ist mein opf
klarer. Was war bas aber auch für ein
tolles Treiben ba drüben auf Reden
steil! Morgen muß uns Hans erst gc
au bnickitcn, was : zwischen Käthe
nnd betn Burschen, bcin Jan. gegeben
hat. Ich war wie betäubt üb bearisf
von betn von;en nur. daß HanS fiirch
terlich aufgeregt wa nb bcn Polen
fast geschlagen hatte."
sitoraen ja morgen! Da wirb
st, Alle Hären. Da wollen wir auch
Tcine qulunft berathen unb sicher
stellen. "Du sollst die neuen Perhall.
Mists in unserer Fainilicnichl allzusehr
zu bellag.-n hakn. O'tbe Gott nur.
daß sich meine Hoffnung erfüllt, bic
zwischen unserem Hai.se und den Brii
no-.vs k!i doppelte. Band schlingen
niceSt:!"
Eziantine tortc kaum auf die WMe
der Taste, ihr raren Her; und Geist
zu ledr vsn dein delicnimenbc Angst
gefüdl eingenommen, das sie mit der
nifcr?uta von dem Bräutigam aus
Heut tx-tallen twtte. Erst als der ,
Waaen ant B'cnried oiirftnr.
athmete sie ein wenig aus.
.Auf ein Wort, HenPlock!" raunte
die Grasin ihrem Begleiter zu, al sie
auSsiiegen,
Hermann folgte ier Schloßherrin
schweigend.
.Geben Sie mir nun die auf Jan
Skalicki bänglichen Papiere!" waren
ihre ersten Worte, l sie sich unter
vier Augen in dem EmpfangSsalon
neben der Bibliothek befanden.
Die habe ich nicht mehr," entgeg
nete Hermann ruhig ; ich glaubte nach
Ihre! Wunsche zu handeln, als ich sie
verbrannte."
Adelgunde unterdrückte eine Regung
deS Unmuths. .'beschämender können
Sie mich allerdings, nicht n die harten
Worte erinnern, mit denen ich Ihre
Nachrichten über ein mögliches Wieder
finden meines Sohnes ausgenommen
habe."
Erlaucht sind min also wirklich
entschlossen, den jungen Mann anzu
erkennen?"
Kann ich denn anders?" fuhr sie
heraus, jetzt den letzten Rest von Zu
rttckhaltung aufgebend Was habe ich
in diesen drei Rächten gelitten o
mein Gott! Und hente Morgen, da
sprach cr vcn cinein Erinnerungsschat
ten seiner Kindheit, von dem blassen
Bild seiner Mutter, das ihm zuweilen
erschien, und da jetzt weiß ich 'S da
war die Brücke zwischen mir und ihm
bereits geschlagen. ÄlS er von mir
ging, da nahm er meine Seele mit,
mein ganzes Mutterherz, Mein Sohn,
mein .Kind warum hat das nun auf
einmal einen Miami, der mein ganzes
Innere erzittern läßt? .Gibt es wirf
lich eine Stimme deö Blute, die der
Befehle einer barmherzige, feigen
und geizigen Permmfl spottet? Oder
ist es eine neue Mutlerliebe, die in
dem Mitleid um den feiner Unglück
lichen Liebe Berschiiiachlenden, um den
Geknechteten, Verachtete und Bedroh
ten ausgeflammt ist? Ich weiße nicht,
ich frage auch nichts weiter, ich fühle
nur, daß ich für mein zeitliches und
ewiges Heil sorge, wen ich dem Ge
bote meines Herzens gehorche. Ich
möchte eS thun, nnd wäre er auch nicht
im Stande, mir Kindesliebe zu scheu
ken, da köstliche Glück, nach dem ich
jetzt lechze. Ich habe mich darum auch
bezwungen, daß ich ihn nicht nach dieser
Kindesliebe fragte, ehe ich ihn nach
dem nüchternen Gesetz in seine Rechte
eingesetzt. Ich will mir jede Rückweg
abschneide. Er ist mein Sohn, auch
wenn sein Herz davon nicht wissen
wollte!"
Ich beglückwünsche Euer Erlaucht
zu diesem Ergebniß Ihrer Erwägungen
gleichviel, ob sie Ihrer Mutterliebe
oder Ihrem Rechtsgesühle entstamm
ten, und ich werde selbstverständlich
Alle thun, Sie in Ihrem Borhaben
zu fördern. Daß ich diese gewissen
Papiere voreilig vernichtete, ist von
keinem besonderen Belang. Der alte
Skalicki ist ja glücklicher Weise noch
am Leben und kann die behördlichen
Nachforschungen unterstützen, die von
Äochanowk ihren Ausgangspunkt neh
inen werden. Und was inir Graf Mow
winski auf dem Sterbebette anvertraut
hat, das wird als meine eidliche Aus
sage nicht weniger in's Gewicht fallen,
als wen ich c uiil Notizen von der
Hand dc Verstorbenen belegen könnte.
Ich stelle mich also zu Ihrer Per
fiigung ! "
Und ich werbe eS Ihnen bauten!"
sagte die Gräfin, ihm die Hand
brückend.
Wollen cS Erlaucht nicht auch gleich
mir überlassen, die uninchr nöthigen
Schritte einzuleiten, um"
Biellcicht obwohl es mir am
besten erscheint, meinen Notar damit
zu beauftragen ich brenne jetzt vor
Ungebulb, meinen Entschluß unter
amtliches Siegel zu legen. Nun, wir
werden uns morgen Früh bnrüber
einigen! Für heute ist genug ge
scheuen."
Sie ließ sich erschöpft in einen
Stuhl nicbcr und verabschiedete Plock
mit einer dankenden Gederde.
Hermann verließ sie mit der Miene
eines Strategen, der schon alle Bor
bcrcitungen zu einer entscheidenden
Schlacht getroffen hat, entschlossen,
durch unvermeidliches Opferblnt zum
Siege zu schreite,
.Heut' Nacht um Eins in der
Bibliothek!" jagte er leise vor sich
hin, als er am Ende des Korridors
bei der Treppe angelangt vor der
Thür stand, die zu den !eiächern des
Fräuleins v. Merkenfeld führte,
AIS er i der Berwalterowohnnng
anlangte, wollten die Eltern von ihm
Aufklärung haben, wie cr dazu gelom
nie sei, die Herrschaften nach R'eben
stein hinüber z begleite, und waS die
Damen bewogen habe, schon so früh
zurückzukehren,
.Der utscher Joseph meinte, Ihre
Erlaucht sei drüben von einem plöiz
lichen Unwohlsein befallen worden,"
sagte der Vater. .Sie sah darnach
aus : so wie henke habe ich sie noch nie
gesehen."
Wahrhaftig," fiel die Frau ein;
Gott verzeih' mir die Sünde man
hätte fast glauben mögen, daß sie nicht
recht bei Bcrslaud sei."
Hermann zuckte die Achseln. Sie
geht mit Plänen um. bereu Aussüh
rung sie. wie e scheint, schwere innere
Kampfe kostet. Ich will meine Muth
maßungen nicht aussprechen, aber bie
siebzehn Jahre eines Einjieblerlcbcns,
baS sie nur den, Kultus um ben tobten
Bat weihte, find gewiß nicht spurlos
an ihr vorübergegangen. Wer weiß,
was wir noch Wunderliches erleben!"
Er machte eine fluchtige Gcbcrbe
gegen die Stirn.
Gott bewahre uns!" rief der
Bater. Wer wird gleich so 'was den
ten!"
.Wslrtnt wir ab!" sagte Hermann
mit philosophischer ?kuhe und zog sich
in feine Stube zurück.
Daielbst verbrachte er den Rest deö
Tages. Er fand tt jur gut, sich im
Hause zunächst so wenig al möglich
bemerkbar zn macheu. Er ty in Zci
lungern und Bachern und wurde erst
beim Adendessr wieder sichtbar. Und
Stimmung, spiach mit Interesse über
Politik und gleichgiltigc Dinge und
wich eder Eiörlerung über die alle
Gräfin an. Die Eltern mußten anneh
men, daß es ihn reue, etwas von
schlimmen Vermuthungen über Adel
gundens Gesundheilszusiaud angedeutet
zu haben, und da beruhigte allmälig
auch ihre Beslirchlunge.
8. Kapitel.
2(19 Frau Plock am Morgen an die
Thür des Sohnes pochte, ihn zum
Frühstück zu rufen, Hang fein Her
ein!" so rnunier, wie es nur aus der
Kehle eines Menschen kommen mag,
der sich in eine, gefunden Schlaf er
quickt hat. Als die Mutter öffnete,
sh sie ihn vor dem kleinen Fenster
spiegel stehe, sich mit aller Sorgfalt
die ravatte knüpfend.
Was gibt's?" fragte cr, ohne sich
umzudrehen.
Waö soll's geben, Du citier
Stutzer? Den Kasfee. Pater wartet
schon,"
Mit gespitzten Lippen, als pfeife er
sich in Gedanken ein Morgen! iedche,
trat Hermann heraus und grüßte
nickend zu, Zische hin, wo der Bater
saß. Sein lauernder Blick stellte sofort
fest : Alles noch in Ordnung !"
Er war ruhig und gelassen. Nur die
Abspannung in seiner Miene konnte er
nicht völlig verberge ; er zog eö daher
vor, sich so z setze, daß cr die beiden
Fenster, durch die das Licht cineö Herr
lichen Soier,orges hereinfluthete,
im Rücken hatte.
Siehst Du, Hermann," begann der
Vater, indem er der Frau die Tasse
hinhielt, um ans der K.'une den damp
senden Kaffee zu cinpsangen, man
braucht nicht gleich fo Zchlimines zu er
warten. Die Gräfin scheint nur mit
Familiensorgen beschäftigt zu sein."
Wie meinst D da?" fragte Her
mann gespannt,
Na, weil es doch nicht bloße Finanz
fachen sein können, von denen ich als
Verwalter doch 'was wissen müßte!
Und um ganz 'was Geringeres wäre es
der Erlaucht doch anch nicht eingefallen,
noch so spät Abends an den Notar zn
schreiben."
Hermann ließ den Kaffeelöffel fal
len, An den Notar? Wer hat an den
Notar geschrieben?"
Unsere Gräsin, Eben erfuhr ich es
von Anton, daß cr noch um zehn Uhr
zur Erlaucht hinausgeklingelt wurde,
um eine eingeschriebenen Brief zu
empfange, den er heute in aller Frühe
in's Städtchen hinüber zur Post tragen
mußte. ES schien sehr viel daran zu
liegen, daß der Brief noch mit dem
ersten Morgenzuge nach Breölau ab
ginge."
Die längere Rede des PalerS gab
Hermann Gelegenheit, sich vvlltom
meu zu sammeln.
Ein schwerer Brief vielleicht mit
Beilagen oder dergleichen?" warf er
dann leicht hin.
Nein. Anton sagt, eS sei nur ein
gewöhnliche Billet gewesen. Sie
hat' in der Bibliothek geschrieben und
dann die Zose gerufen, um sich zur
Ruhe zu begeben,"
Hermann athmete auf. Die ein
fache Einladung zu der Konferenz,"
sagte er sich in Gedanken; Du
brauchst Dich also nicht zu beun
ruhigen; und selbst wenn sie in ihrem
ruhelosen Dränge ihr Anliegen gleich
angedeutet hätte dann muß es eben
als Gefasel einer Verrückten gelten.
Basta!"
Man redete noch eine Weile hin und
her, dann erhob sich Hermann. Ich
gehe jetzt ein biöchen aus," sagte cr,
reckte sich und heuchelte ein verdrosse
nes Whnen. Es ist doch recht lang
wcilig hier, und ich bin heut' schon den
sechsten Tag da und habe mich noch gar
nicht im Städtchen umgesehen. Zu
Mittag bin ich wieder daheim!"
Schön," brummte der Alte, Seine
Herrlichkeit kau sich so eine Tage
einthcilung srcilich gestatten."
Henna klopfte ihm lachend aus
die Schuller, .Wer weiß, vielleicht
bietet mir gleich dieser Gang Gelegen
heit, mich nach einer ersprießlichen Bc
schäftigung umzusehen. Ich werde alte
Bekannte aufsuchen, mich wieder in
Erinnerung bringe und hier und dort
anklopfen, ob man nicht etwa einen
Sprachlehrer braucht. Da würde mir
zusagen, der. da Buinmelleben habe
ich jedenfalls satt
Der Bater machte eine Gcbcrdc, die
genugsam seinen Zweifel in diese
schönen Vorsätze ausdrückte, und Her
mann wendete sich seinem Stübche
zu, um sich Hut und Stock zu holen.
Er hatte jedoch kaun, die Schwelle
überschritte, da hörte man draußen in
der Einfahrt eine hastigen Schritt, der
die Stufen zur Eingangsthür der Ber
walterwohung heraufeiltc. dann
wurde diese Tl:ür aufgestoßen, und
Hanna, die Zofe des Fräuleins v.
Merkenfeld, stürzte herein, mit geister
bleichem Gesicht und gerungenen Hän
den: Jesu Maria! Kommen S,k
nur sehen -ie. helfen Sie ich weiß
nicht, wa anfangen. Ein fiirchter
liche Unglück!'
Da Ehepaar sprang auf. Hermann
blieb stehen, mit dem Rücken gegen di:
Personen im Borfaal.erbiß die Zähne
zusammen und gnss sich an die ehlc.
Daß es so schncll kommen würde, das
Halle er nicht erwartet.
Wa ist denn was ist denn?"
schrien die zwei Alten gleichzeitig.
Da gnädige Fräulein o Du mein
Heiland! Ich gl,b'. sie ist todt!"
Frau Plock kreischte laut auf, ihr
Mann starrte d llnhcilverlundcrin
stumm an, und Hermann fand, daß cr
nicht langer zögern diirfe, an dem allgc
meinen Entlet-en llit zunehme. E
klang aber mehr Zorn al ScZircckc
au den Worten, mit denen cr jetzt
heraustrat.
Unsinn' Wer spricht vcn Tod?"
Er balte ürhaup: eine r.'.dere Nach
richt erwartet.
Hanna berichtete in cbaeriiicr.cn
Worten noch so viel, es sei ihr auwe
falle, daß ba Fraulein heute nicht
ben gewohnte Morgenjpazicrgang
unternommen bade; sie habe darum
rh-tt f., fcini:imnitr
offen, Cf,(oii.'lii:r.S Bett aber leer ge
funden, Troein behauptete man im
Hause, da Fräulein noch nicht gesehen
zu haben ; da war Hanna der Einfall
gekommen, in der Bibliothek Nach
schau zu halten, da Eglamine sich
manchmal am borgen dorthin begeben
habe. U::d da hatte sie die Gesuchte
auch wirtlich getroffen .langhinge
schlagen" auf dem Boden, steif und
kalt wie eine Wachspuppe."
llin deö Himmels willen!" schloß
die Rathlose, was machen nie denn
da? Was soll geschehen? Ihre Er
lauchl zu verständigen wage ich nicht."
Dazu ist auch noch Zeit." fiel der
alte Plock ein. Hoffentlich steht'S
doch nicht so arg mit dem Fräulein."
Vor Allein muß man den Arzt
holen," meinte die Frau, die der
Schreck halb gelähmt hatte,
Ich selbst will ihn holen!" rief
Hermann rtd wollte schon zur Thür,
aber der Va'er hielt ihn aus.
Nein, Du kommst mit uns hinauf;
Du bist doch selber ein halber Medi
ziner, Du kannst un vorläufig am
meisten nützen; in die Stadt zu laufen
ist auch der Anton oder sonst Einer
mit stinken Beinen im Stande.
Kommt nur, kommt !"
Er zog den Sohn mit sich hinaus.
Die Mutter, die nicht so rasch folgen
konnte, übernahm eö indessen, die
Hauölcule zu alannire nd einer.
Knecht nach dem Arzte zu schicken.
Die beiden Männer und Hanna flo
gen die Treppe hinan, über den Korri
bor, durch die beiden nächsten Zimmer
der Gräfin, nach der Bibliothek,
Das Mädchen hatte den Zustand
Eglautinen nicht übertrieben, Sie lag
auf dem Teppich in der Nähe der
Stühle an dem großen Lefetifche, völlig
starr, den Kopf krampfhaft nach hinten
gezogen, und blaß wie eine Leiche.
Die Katalepsie," sagte Hermann,
ehe er sie noch recht angesehen hatte ;
er wußte ja längst, daß man Eglamine
so finden mußte, und ärgerte sich über
daS unnöthige Entsetzen seiner Be
gleiter, Das ist Starrfucht, wie sie
bei Hysterischen mitunter eintritt.
Das Fräulein ist weder todt noch in
besonderer Gefahr. Laßt also das Ge
zeter nd greift lieber zu, sie zu Belle
zu bringen ! "
Der alte Plock kniete neben der
Regungslosen nieder. Sie war in vol
lcr Toilette, nur ohne Schuhe, und
das Haar war aufgelöst,
Kein Herzschlag!" murmelte er.
Hermann schob ihn ungeduldig weg.
Herz nd Pl sind da, nur sehr
schwach. Man bringe sie zu Bett, sag'
ich!"
Eben kamen auch die übrigen Dienst
leute herbei. Haiina und noch zwei
andere Mägde hoben Eglantine auf
und trugen sie hinan. Im Empfangs
salou, der an die Bibliothek stieß, den
tete Frau Plock auf die Tapetenthür
an der Hinterwnnd, die nach dem
Schlafkabinett der Gräfin führte.
.Nur ruhig!" mahnte sie, daß die
Erlaucht nicht erwacht, sie würde sich
gransam entsetze. "
.Ohnehin seltsam genug, baß sie
ber Skandal och nicht aufgeschreckt
hat," bniminte ihr Mann,
Hermann folgte schweigend. Auch er
sandle einen rasche Blick nach der
Thür der Gräsin einen Blick des
Zorne,
Während die Weiber da Fräulein
. Merkcnseld drüben in ihrem Schlaf
zimrner enlkleideteii und auf da zer
wühlte Lager betteten, ging er i dem
laugen Korridor auf und nieder. Er
hielt es nicht einmal mehr der Mühe
werth, nach der ranken zu sehe. Er
wußte, sie ivürde nach einigen Ztunden
erwachen wie ans einem normalen
Schlase.
So wandelte er auch noch ans und
ab, als der Arzt an dcm Städtchen
erschien; Anton hatte zwei Pserde fast
zu Schanden gesahren, ihn herbeizu
holen. .Hysterische Katalepsie," sagle Her
man, den Arzt begrüßeub, indem cr
ihm nach den Gemachern der Patientin
folgte.
Im Vorzimmer blieb er bei den
Männern zurück, seine zunehmende
Nervosität hinter der Maske finsterer
Gleichgilligkeil verbergend. Es dauerte
nicht lange, da trat auch der Arzt wie
der heraus, ein dickes alte Männchen,
sonst überaus phlegmatisch, aber dies
mal einein in seiner schlichte Land
Praxis noch nicht erlebten Falle gegen
über sehr betreten.
.Die Dame scheint doch an einer
recht bedenklichen Nervenstörung zu
laboriren," flüsterte cr Hermann zu.
.Wenn dieser kalaleptijche Anfall anch
an sich ohne besondere Bedeutung ist,
wie ich wohl glaube, so ist e doch ge
rathen, einen Spezialisien heran
zuziehen. Ich halte ie für meine
Pflicht."
Hermann wagte nicht zu protestiren.
Wie hätte cr erklären sollen, daß cr
hier besser unterrichtet sei?
Jetzt muffen wir aber doch die
Erlaucht verständigen," meinte sein
Vater. Um diese Zeit pslcgt sie ja
ohnedies auf zustehen."
Der Doktor nickte, und der Berwal
tet ging mit Hanna und der Zofe ber
Gräfin hinau. Hermann sah ihnen
wortlos ach. Er hörte anscheinend mit
großer Aufmcrkfamleir dem Arzte zu,
der ihm cincn Vortrag über die Er
scheinungen der Hnsteric hielt, ver
nahm aber in Wirklichkeit nicht on
diese Auesührungen. Als er Doktor
noch einmal seine Pilicht betonte,
eine Spczialisicn au Brcslau zu be
rufen, nickte er tcin mechanisch. Er
lauschte nach der orridorthnr hin.
Herrgott! sollte eS denn eine Ewigkeit
währen, bi ber Vater zurückkam, uin zu
berichten, daß
Ah! da! Endlich?
Der Alte trat ein genau mit ber
Miene, genau mit den Worten, wie sie
sein Zolin schon crauegesehen hatte.
Wa? da nur ist? Die ''räs!n
öffnet nichl unb antwortet nicht auf
unser PI,en."
crr beS Himmels!" jammerte
Hamui. Wenn da? nur nicht am Ende
ein neue?' Unglück bebrütet!"
Alle sahen fich entsetzt an.
.Lächerlich!" iaflte Hermann, denn
eS schien, als richteten sich sämmtliche
Blicke ans ihn. Seine Stimme hatte
einen seltsamen metallischen Ton, der
ihn selbst a,u unangenehmsten berührte,
Sieht man heute überall Gespenster?
Vielleicht ist sie schon läugsk auf und
hinaus."
Nein!" schrie der Verwalter bei
nahe. Wir nahmcn auch schon den
anderen Weg dnrch'S grüne Zimmer,
das Sterbezimmer des alten Grasen,
und haben anch dort die Thür zum
Schlaf kabine Ihrer Erlaucht versperrt
gefunden."
Sonderbar!" sagte Hermann, jetzt
ganz unvermittelt von der Skepsis zu
dein Ausdruck einer fast übertriebenen
Besorgtheit übergehend.
Der Arzt wandte fich jetzt dem An
gang zu, und da war für Alle da
Signal, wieder nach den .nördliche
Gemächern hinüberznstürinen. Her
mann wurde von der allgemeinen 'Be
wegung förmlich mitgerissen. Nie
niand dachte jetzt mehr an das Fraulein
v. Merkenfeld,
Auf den, Korridor drängte sich der
alte Plock voran. Er war der Erste,
der wieder den Empsangsfalon eben
der Bibliothek betrat. Wie ein Ber
zwcifelter fchluz er mit den Fäusten an
die kleine, nach innen zu öffnende
Schlafzimmerlhür. Aber kein Laut ant
wartete. Man lauschte in athcnilofer
Stille.
Man hole einen Schlosser!" sagte
dann der Arzt, unruhig an seiner
Brille rückend.
Braucht'S nicht!" brüllte der alte
Plock und warf sich schon mit seiner
stämmigen Schulter gegen die Thür,
daß das alte Holz krachte. Noch nie
hatte der Sechziger so deutlich die
Kraft gezeigt, die noch in seinen Kno
chen steckte.
Roch ein Ruck, ein Stoß und wieder
einer dann war das Mittelfach einge
drückt. Der Mann konnte hineinlangen
und den inneren Riegel an der Tapeten
Verkleidung zurückschieben. Die Thür
flog auf und die Anwesenden sahen
zunächst nur den schwachen Lichtschiin
wer, der durch die Ritzen der nieder
gelassenen Fensterjalousie in das mäßig
große Schlafrabinett eindrang.
Der Arzt ud Frau Plock traten
hinein, Mährens die Änderen in fchwei
gender Regungslosigkeit erharrten.
Einige Sekunden dann gellte ein
markerschütternder Schrei der Berwal
terin durch die Lust.
Alles zuckle zusammen, nur Her
mann athmete auf. Der schrille
Schrei, den er so lange erwartet hatte,
er war ja endlich erschollen. Jetzt halte
er seine ganze Kaltblütigkeit zurück-
gewonnen. Mit festen Schritten betrat
er, den Anderen voran, den Schauplatz
einer anscheinend sehr aufregenden
Entdeckung.
Frau Plock wich schaudernd von dem
Bette zurück, jetzt auch der Arzt.
Todt!" sagte er und schob die An
drängenden zurück. Halt da! Nie
niand rühre sie an ! Herr Plock, Sie
stehen mir dafür, daß hier Alle so
bleibt, wie es ist bis die Kommission
kommt, den Thatbestand aufzuneh
men!" Jetzt hatte man sich s weit an das
tiefe Halbdunkel des Gemaches ge
wöhnt, um den Sochverhalt zu über
sehen.
Gräfin Adelgunde lag nur mit dem
Oberkörper auf dem Bette, die Beine
mit halbgebogenen Knien, von dem
langen, weißen Nachtgewand umschlot
tert, berührten den Boden. Im dunk
lcn Hintergründe de mächtigen alten
Himmelbette sah man die nackten
mageren Ellbogen der Leiche ein wenig
ausragcn, die fälligen Acrmel waren
zurückgefallen; c sah so aus, als
hielte sich die Todte den Hals. Bei
näherem Zusehen gewahrte inan eine
straffgcspannte Schnur, die von diesem
Halse ausging, zur Höhe eine der bei
den Brokat vv, hänge hinanlausend, mit
denen die Front des Betthimmels
drapirt war. Dieser eine Vorhang war
auch so weit als möglich zur Seite ge
zogen, als hätte das eben die Last des
örpers an der Zugschuur bewirkt.
Die Frau war erdrosselt das war
sofort zu erkennen.
Als unten im Hose der Wagen mit
dem Arzte wcgfuhr, r die Pflicht'
gemäße Anzeige zu erstatten eilte, um
stand man da oben noch immer mit
scheuem Schweigen da riesige Himmel
bett.
Gehen wir!" mahnte endlich der
Verwalter mit halb erstickter Stimme.
Ihr habt gehört, was der Dollor ge
sagt hat."
Man zog sich zurück, und der alte
Plock drückte die eingebrochene Thür
zu, einen Sessel in die Thürnische
schiebend, aus dem er sich niederließ,
um auf das tewifsenhaftefle das ihm
übertragene Hütcramt zu erfüllen.
Jetzt erst löste sich das Schweigen
ber Zeugen.
Unglaublich!" lispelte Hermann,
sich an bie Mutter wendend, bie mit
thränenlos brennenden Augen immer
fort die eingeschlagene Thür anstarrte,
Sie hat sich erwürgt!" flüsterte
Hanna, sich ängstlich an den Arm einer
tiactadin klamniernd.
Ein Selbstmord! Wer hätte da?
erwartet!' bcincrkte einer ber Diener.
Hermann sah alle bie blassen (e
jichter der Reihe nach an. In keinem
las er cincn Zwcifcl an dieser Acuße
rung. Ictzt hatte er schon ganz und gar
die Ruhe eines Schachspielers zuriick
erobert, der aus bcm Brette, da ihm
ein Schlachlsclb bedeutet, wohl berechn
cud seine Steine zieht.
.Ach. Goil !" sprach cr mit betrübter
Miene. . Was soll jetzt werden?"
D sah Alle? wie aus ommanda
in die Richtung nach den Gcmack?rn dc?
Fräulein v. Merlenselb. Iebes ver
rielh damit ben (ebanken an die Erbin
bet Todten da drinnen.
Wenn bas Fräulein nur wieder auf
fleht!" seufzte Hanna, den Gefcinle
laut weilersrinnend. Gerechter Hirn- !
mel! Wie iclii sie dann das da aus
nehmen?"
Man nickte sich in schwerer Besorg
nis Zu. SU.:.') Einern siel wohl sehen
bie Erwägung aus .Herz, baß die
Selbstmörderin doch kaum ein Testa
ment gemacht und Leaate ickleicilellr
haben weide,
Nach Rebenstein hinüber muß man
dach auch berichten!" rief da plötzlich
der Gärtner in die Versammlung.
Der allgemeine Aufruhr, der diesen
Worten folgte, ließ erkennen, daß och
Niemand an diese Nothwendigkeit ge
dacht hatte.
Ja, die Briinows der Bräutigam
des gnädigen FmuleinS !"
Reite Einer gleich hinüber!" vrd
ncie der Verwalter hastig an. Aber
daß die Damen nicht zu sehr erschreckt
werden die Baronin soll ja wieder
kraul sein. Für'S Erste braucht' nur
der Freiherr zu erfahren, daß er sofort
herüberkommt."
Freilich, freilich für's gnädige
Fräulein isl'S wohl anch der beste
Trost, wenn sie sich zunächst an den
Mann anschließen kann, der sie ja
heimführen soll."
- Jetzt rassle sich auch Frau Plock
wieder aus, sich daran erinnernd, daß
man Eglantine ganz allein gelassen
hatte. Mit ihr gingen auch die Übrigen
Frauenspersonen zu der Kranken hin
über. Bald darauf verließen ach die
Männer da Zimmer, dem Winke des
Verwalters gehorchend, der mit seinem
Sohne allein zurückblieb,
Ein Sei bsrmord ! ein Selbstmord ! "
murmelte Hermann, den jiops schiit
telnd, al lönne er den Gedanke durch
an nicht fassen.
Was denn sonst?" erwiderte der
Alte beinahe ärgerlich, Muß wohl
'was Wahres d'ran sein, daß e da
oben nicht ganz richtig war bei ihr,"
Hermann ließ sich in einen zweiten
Stuhl fallen. Wirklich Irrsinn?
Aber freilich, anders ließe eö sich ja
nicht erklären! Die arme Frau!"
Golt sei ihr gnädig!" seufzte der
Vater und faltete kummervoll die
Hände vor der Brust,
Eine halbe Stunde spater erschien
wieder der alte Arzt, mit der behörd
lichen Kommission, die außer ihm aus
dem Stadtphyfikus, dem PoUzeivor
steher, dem Bürgermeister nd einigen
untergeordneten Beamten bestand,
Hermann zog fich in eine Fensternische
zurück, a stummer Beobachter,
Der PoUzeibcamte, der bei den Er
Hebungen die anführende Rolle zn über
nehmen hatte, zeigte zunächst aus die
zerschmetterte Thür.
Versperrt gewesen?" '
Ich mußte sie erbrechen," erklärte
der alte Plock, und der Arzt stimmte
ihm bei, den Sachverhalt schildernd.
Man begab sich in da Kabinett,
und einer der Polizisten zog auf einen
Wink seine Borgesetzten vor Allem
die Jalousie am Fenster auf, um dem
vollen Tageslichte Eingang zu verfchaf
fen. Tann wurde noch die Stehlampe
auf dem Nachltischchen angezündet,
um das Innere des Himmelbettes zu
beleuchten. Der Physiku untersuchte
die Leiche mit großer Geschicklichkeit,
oi,ne ,yre vage im M,noeien zu ver
ändern, '
Tod durch Strangulirung," kon
flatirte er mit der klaren Stimme, bie
zu Protokoll zu diktiren gewohnl ist.
Nach der Leichenstarre zu schließen,
dürste er bereits vor sieben bis acht
Stunden eingetreten sein. Wahrschein
lich Selbfttootnng doch ist es auch
nicht unmöglich, daß die Hände, die da
den Hals umklammerten, sich von der
würgenden Schnur gerabe zu befreien
suchten. Bitte, Herr Kommissar!"'
Der Polizeibeamte trat jetzt an
Stelle be Arzte und suchte die er
starrten Todtenfinger zu lösen, was
ihm nicht leicht wurde. Dann hob er
auch ben gegen bie Rückwand gepreß
ten Kopf dei Entseelten auf und schließ
lich den ganzen Oberkörper, um sie auf
den Divan an der anderen Wand des
Kabinetts tragen zu lassen, nachdem er
sorgfältig die Schnur abgenommen
halte, die in einfacher Schlinge um
den Huts der Gräfin geschlungen war.
Während die beiden Aerzle dann dort
drüben bie StrangulirungSniarke an
der Leiche aus's ttenauesie untersuchten,
unterwarscn die Polizcibeamie das
ganze Bett cincr eingehenden Bcsich
tigung. Dann wurdc der Platz vor d?m Belte
untersucht, woraus man sich im Zim
rner umsah.
Dcm Bette gegenüber, nahe an der
Ottomane, worauf letzt die Leiche lag,
befand sich die-Thür nach dem sege
nannten grünen Zimmer, in welchem
Graf Leodegar das Zeilliche gesegnet
hatte.' Sie war versperrt, der Zchliisjel
steckte im Zchloß.
Im Hintergründe des Kabinett
befand sich link, nahe am Ofen, die
kleine Thür, die in da iapeleoralo
rinnt hiuausführlc, recht eine zierliche
Wendeltreppe.
We'mu geht diese Treppe?" sragte
der Konniijsar den Verwalter.
In das Badestiibchen im Erd
nestlisß." Man stieg hinab.
Die Badekaminer stießan die Küche.
Die Thür dahin, die einzige des Gelas
ses, nr gleichfalls auf der Innenseite
versperrt, und das Fenster, das zur
Stirnseite dc Schlosses gehörte, wohl
vergittert. Die Küche war Nachts
natürlich verlassen, und so var es
sofort erklärlich, daß Niemand im
Hause gehört haben konnte, was da
oben in dem einsamen Schlafkabine
vorgegangen ivar.
Wieber oben angelangt, öffnete ber
Kommissar bie Thür zum apellen
ratorim. die nur durch ben einfachen
Drücker zu schließen war. Nachdem cr
sich auch von dcr Solidität dc Fcnsier
gitter in bcm Erkcrchcn ubcrzengl
hatte, staub ber Sclbstmorb bcr Gräfin
für ihn fest, ba da von allen Seilen
versperrte abinett doch angenschein
lich on Niemand betreten worden sein
konnte.
Inzwischen war dcr Freiherr v.
Bruno eingetroffen, schweiß und
staubbedeckt von dcm (ollen Ritte nach
der Unglucksstätlc. Der Bote von Bit
kcnricd hatte ihn nicht getroffen; Hans
war auf einem Morgenritle bequffen
gewesen. Erst bei seiner Heimkunft
halle er die schreckliche Post erfahre,
und da war er, ohne au bem Sattel zu
steigen, sofort heriibcrgccilt.
Sein erster Gang war zu Eglanline
binur. Wo men idm iibcr sie aeiaat
yf
halle, raubte ihm s .) die Besin
nniig. Er glaubte, sie ei todt und man
habe ihm die sürchlerliche Wahrheit
nur schonend verhehlen wollen.
Er tras an bei Lager der Bewußt
losen den Arzt, den der Polizeikoitunis
sar wieder hinüdergefchickt hatte, nach
ihr zu sehen. Der Beamte legle ja
große Gewich! darauf, Fräulein v.
Merkenfeld, über deren seltsamen Zu
stand ihm schon berichtet worden, so
bald al möglich zu vernehmen.
Bei ihrem Anblick brach Brüuow fast
zusammen,
Todt !" schrie er den Arzt an. Dies
gräßliche Wort hatte ihn, af dem
ganzen Wege hierher auf der Zunge
gelegen. Daß e ihm über die Gräfin
gemeldet worden, die hielt cr ja nur
für eine Umschreibung,
Der Doktor beruhigte ihn, so gut cr
cS vermochte. Er sprach wieder von
einem hysterischen Anfalle und daß e
rathfain sei, eine Autorität auf diesem
pathologischen Gebiete anzurufen.
Brünoiv griff daS sofort auf, jetzt, wa
er wieder hoffen durste, eubelebt.
Ja einen Professor ans Brcölaul
Und ich renne einen solchen. Man
muß sofort telegraphiren!"
Haus hatte imOfsizierskasino einen
junges . lehrten kennen gelernt, der
zu den Reserveoffizieren seines Regi
nients gehörte, Doktor Geßner, außer
ordentlichen Professor sür Psychologie
und Nervenpatholvgie an der niedi.zini
scheu Faluliät. Er hatte sich in wahrer
Freundschast an ihn angeschlossen und
einige Bücher von ihm gelesen.
Er riß sein Rolizbnch heraus und
schrieb die Depesche.
O, sehen Sie, sehen Sie dach,
Herr Dvklor!" flüsterte cr dann be
wegt, auf die Bew;tlase zeigend.
Sie athmete deutlich, und das Ant
litz, da eben noch wachsfarbcn gewesen,
zeigte cincn rosigen Hauch,
Sie wird erwache gottlob!"
stimmte der Arzt freudig bei, Ich
denke, wir thun am besten, uns zurück
zuziehen und ihr das Mädchen herein
zuschicken. Sie soll für' Erste durch
keine ungewohnte Ilmgebuiig erschreckt
werden."
Die beiden Herren begaben sich hin
aus.' Da Vorzimmer war zum Theil
wieder von jenen Hauölculen ange
füllt, die bereits ihre Aussagen vor der
Kommission abgegeben halten.
Während dcr Doktor Hanna den Auf
trag ertheilte, dem Fräulei daS fiirch
icrliche Ereign,' ß dieses Morgen zu
nächst noch zu verschweigen, warf Brii
now einem Reilknecht die mit Bleistift
geschriebene Depesche zu nebst seiner
Börse.
Auf'S Telegraphenamt sofort zu
befördern!"
Dann wandte cr sich an den ?lr;,
der wieder an seine Seite trat.
Und die Gräfin?"
., Kommen Sie, Herr Baron ! "
Auf dem Korridor Irat ihnen Her
mann Plock entgegen, der eben aus der
Bibliothek kam, wo die Kommission
das Verhör der Schloßbewohner vorge
nsmrnen halte. Er hatte einfach auge
sagt, ivie er mit dem Vater und der
Zofe Eglantine gefunden. Ueber Grä
fin Adelgunde hatte er sich nur so weit
geäußert, daß sie ihm am gestrigen
Nachmittage eine sehr verstörten Ein
druck gemacht habe. Im klebrigen
deckten sich seine Angaben mit denen
dcr Dienerschaft, die ja nur berichten
konnte, wie matt unier Führung des
Berwalter und des Hausarztes zu der
Todten eingedrungen sei. -
Beim Anblick des Freiherrn befiel
ihn eine gewisse Unruhe, Er begrüßte '
ihn hastig.
Sie kommen von drüben von dem
Fräulein? Wie steht es mit ihr?"
Die Auskunft, die der Arzt gab,
befriedigte ihn. Also am Erwachen
aber doch nicht bei Besinnung. Ah! Er
hatte ja ei brennendes Interesse
daran, dcr erste Wiedcrbcgcgnung des
Brautpaares beizwohnen.
Als die beiden Anderen im nördlichen
Vorzimmer verschwunden waren, begab
er sich i-ilig nach EglanlinenS Ge
mächern. Die Dienstboten bestätigten
ihm, daß ja Fräulei eben von der
Zofe bei der Toilette bedient werde.
Man schickte sich übrigen an, sich
zurückzuziehen, da Eeilantinc ja durch
die Anwesenheit der Leute hier hatte
beunruhigt werden müssen. Hermann
weigerte sich jedoch, zu gehen.
WaS da ! Vleibl um ! Sie muß ja
doch crsahren, ivaö geschehen ist,"
Aber der Doktor meinte"
Der Doktor ist cin Dummkopf, der
nichts bavon versteht, wie man hyftc
rifehc Neroen behandelt."
Er Halle kam ausgesprochen, da
wurde die Thür zu den Zimmern ge
öffnet, und Eglamine erschien ans der
Schwelle, schon völlig -ugekleibet, nur
mit lose aufgestecktem Haar. Das
Stimmengewirr draußen mußte sie her
bciaelockl babeu.
(Fortsetzung, folgt.)
Alle Sorte Whiskies,
BrandieS, Wkine usw,
im retail z mhole
(als Preisen bei
II W0LTEMÄDE,
126 füM. 10. Straf je.
F. Lange & Co
(Fritz Langt ob ftlet Pommer)
llsüdl..Etr. Llneoln
Wein- und Bicr
Wirtbsch'.st. Dick Bro. rjSqliche ?i'r immer
krisch m Zpsk, iiatk Weine un L
gueiin; sei Eigarre f.