Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, August 20, 1896, Image 11

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Die Schlacht bei Trafalgar.
Ein lebensvolles Bild der gewaltigen
Schlacht von Trasalgar im Jahre 1805
liefert Percz (iSalbos ach den Erinne
rungen eines alten Matrosen, der als
lüjahriger Junge an Bord der San
tisima Trinidad" die Schlacht mit
machte, in seinem historischen Roman
Trasalgar", dem wir nach einer Ueber
"fefeunp, Hans ParlowS in der Marine
Rundschau" einige Ausschnitte entneh
men. Die Santisima Trinidad", ein
gewaltiger Bierdeckel von 140 Kononen
und 1115 Mann Besatzung, war da
mals das größte Schiff der Welt. 4
Schiffe stark segelte die vereinigte spani
sche und französische Flotte nach der
Straße von Gibraltar. Am 21. Okto
der Morgens kamen die 3!! Schiffe Nel
sons in Sicht, in zwei Keilen segelten
sie heran, wahrend die verbündete Flotte
eine lange Linie bildete.
Der eine Keil der Engländer hielt
gerade auf die Trinidad" zu; an der
Spitze segelte ein großes Schiff, die
Victvrn" Nelsons. ES war drei Vi?r
tel auf zwölf. Der schreckliche Augen
blick näherte sich. Die Beklommenheit
war allgemein. Plötzlich gab der Kam
mandant der Trinidad" mit erregter
Stimme den Befehl: Back mit den
Segeln!" und fluchte mit großer Encr
gie: Dieser verd,, ,, Kerl will sich
hinter unserem Heck durch die Linie
drllcken." Der Lauf dcr Trinidad"
wurde aufgehalten, um fie mchr gegen
den hinten segelnden Bucentaure" zu
drucken. Nunmehr fiel aus einem Schiff
der Nachhut gegen den Ronal Souver
eign", der an der Spitze des zweiten
Keils segelte, der erste Schuß. Gleich
sam, als wenn das Feuer von einem
Schiff auf das andere Überspränge, so
rollte es von einem Ende der langen
Linie bis zum andern.
Die Victory" griff zuerst den fran
zösischen Rcdoutable" an; von diesem
zurückgeworfen, blieb sie endlich auf un
ferer Luvseite liegen. Hundert Stim
men schrieen Feuer", die Lage wurde
abgegeben und schleuderte fünfzig Ku
geln auf das englische Schiff. Für ei
nen Augenblick verschwand der Feind
hinter dem Schleier unseres Pulver
Kampfes. Endlich tauchte er wieder
auf mit Vierkant gebraßten Raaen
kam er aus uns zu. Dann luvte er an
und schickte seinerseits uns die Lage.
Der Bucentaure", welcher hinter un
serm Heck war, feuerte ebenfalls auf die
Victory" und den Temeraire", ein
anderes mächtiges englisches Schiff. Es
schien, als ob Nelsons Schiff in unsere
Hände fallen würde; die Artillerie er
Trinidad" hatte ihm die Takelage un
klar gemacht; wir sahen mit Begeifte
rung, daß er seinen Besanmaft verlor.
Da warf sich plötzlich der Temeraire"
durch ein außerordentlich geschicktes Ma
növer zwischen die beiden Kämpfenden
und rettete seinen Kameraden vor unke
ren Kugeln. Darauf schickte er sich an,
unsere Linie hinter dem Heck der Tri
nidad" zu durchbrechen.
Es gelang ihm, und nun gab er seine
Lage auf unsere Steuerbordseite ab,
welche bisher nicht gelitten hatte. Zu
gleicher Zeit nahm der Neptun", ein
anderes großes englisches Linienschiff,
die Stelle ein, auf welcher bisher die
Victory" ausgehalten hatte, und diese
glitt leewärts, s daß die Trinidad"
in einem einzigen Augenblick von Fein
den umgeben war, welche ihr von allen
Seiten zusetzten. Durch das Genie
Nelsons in eine entsetzliche Klemme ge
bracht, schlugen sich die Trinidad" und
das französische Admiralschiff, um mit
Ehren unterzugehen.
Das Schauspiel, welches das Innere
der Santisima Trinidad" darbot, war
das einer Hölle. Die Segelmanöver
hatten aufgehört: daS Schiff bewegte
sich nicht, konnte sich auch nicht bewegen.
DaS einzige Bestreben ging dahin, mit
möglichster Schnelligkeit die Geschütze zu
bedienen, um dem Feinde wenigstens
Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Die englischen Kartätschen zersetzten das
Segelwerk, als wenn große, unsichtbare
Krallen darin herumkratzten. Die Stücke
des stehenden Guts, die dicken Hanstaue
wurden abgemäht wie Strohhalme.
In jeder Minute sanken Verwundete zu
Boden oder fielen in das Meer: und
unterdessen vertuschte sich das Lästern
der Kämpfenden mit dem Gestöhn der
Getroffenen. Ich leistete Hilfe bei einer
sehr traurigen Arbeit; sie bestand darin,
die Verwundeten in den Kielraum zu
schaffen, wo fich das Lazareth befand.
Auch half ich den Zimmerleuten. welche
in aller Eile Pfropfen in die Löcher hin
einzuschlagen versuchten, welche durch
die Kugeln in den umpf geschlagen
waren. Doch durch tausend Löcher und
Fugen drang das Waffer und begann
den Kielraum zu überfluthen.
D .Bucentaure", daS Admiral
schiff, ergab fich vor unseren Augen;
Villeneuve hatte die Flaggt gestrichen.
Sosort vereinigte sich das feindliche
Feun gegen die Trinidad" und um
Sonnenuntergang senkte auch fie ihre
Flagge und die Engländer betraten daS
besiegte Schiff. Ader alsbald encholl
der Ruf: .An die Pumpen!" Wer
konnte, eilte herbei und arbeitete mit
Hingebung. Aber die unvollkommenen
Maschinen brachten nur wenig Wasser
heraus. Ich sagte bereits, daß die
Verwundeten in den untersten Raum
geschafft worden waren, also an den
Ort, welcher, unter der Wafferlinie ge
legen, von den kugeln nicht erreicht
werden tonnte. Tort dran jetzt das
Wann ein: einige Matrolen erichier!,
in einer Luke und riefen: Xie äferean
beten ertrinken! Der größere Theil
der Besatzung wußte nicht, was er thun
sollte, ob Wasser herauspumpen oder
iene Unglücklichen dem Verderben ent'
reißen. Ich weiß nicht, was an ihnen
geworden, wenn nicht die Mannschast
eines englischen LinienschiNS uns zu
Hilfe gekommen wäre. Sie schaffte
nicht allein die Verwundeten in die
dritte und zweite Batterie, sondern sie
stellte sich auch an die Pumpen, wäh
rend ihre Zimmerlente einige Havarien
des Rumpfes, so gut es ging, aus
besserten.
Als die Nacht anbrach und die Kano
nade noch immer nicht ganz aufgehört
hatte, konnten wir einige Schiffe unter
scheiden, welche in der Ferne wie Ge
spenster vorllberglitten, einige mit hal
ber Takelage, andere vollständig ent
mästet. Wenn das Licht eines fernen
Schusses Stucke dieses wilden Pano
ramas erhellte, bemerkten wir, daß dort
drüben noch hartnäckig von einigen
Gruppen gekämpft wurde, daß andere
Schiffe, ein Spiel der Wellen, durch den
Wind von bannen geführt wurden, und
daß hier und da ein Engländer eines
von unseren Schiffen nach Süden
schleppte. Ein englisches Linienschiff,
der Prince", versuchte auch die Sri
nidad" zu schleppen; aber seine Anftren
gungen waren unnütz; es mußte sich
entfernen aus Furcht vor einem Zu
sammenstoß, welcher für beide Theile
vcrhäiignißvoll gewesen wäre. Auf
Besehl eines englischen Offiziers wur
den nun die Leichen der Gefallenen
400 in'S Meer geworfen. Die trau
rige Feierlichkeit ging am Morgen des
22. vor sich, zu einer Stunde, welche
der Sturm sich ausersehen hatte, um
mit doppelter Gewalt zu wehen und die
Wildheit der Szene zu erhöhen. Nach
dem die Körper der Offiziere an Deck
gebracht waren, wurden sie, in ihre
Flagge eingehüllt, mit einer Kanonen
kugel an den Füßen in das Meer hinab
gelassen. Die Matrosen warf man mit
weniger Umstünden hinab. Einige
wurden in Segeltuch eingehüllt, wie es
besohlen war; aber die meisten wurden
ohne Kugel an den Füßen in das feuchte
Grab gesenkt, aus dem einfachen Grunde,
weil es Kugeln für Alle nicht gab. Bei
Tagesanbruch versuchte der Prince"
abermals, die Trinidad" zu schleppen,
aber mit so wenig Erfolg wie am Tage
zuvor. Der Tag verging unter Furcht
und Hoffnung. Am Abend wurde es
klar, daß das Schiff untergehen würde;
es hatte bereits 15 Fuß Waffer im
Raum. Die Anzahl der Gesunden be
trug noch 500 das war Alles, was
von dn 1115 Mann übrig geblieben
war.
Sogleich begann in den Booten der
Trinidad", des Prince" und dreier
anderer englischer Schiffe die Ueber
siedelung beim geringen Licht des Son
nenunierganges; es war nicht leicht, da
ungefähr dreihundert Verwundete ein
geschifft werden mußten.
Die Hälste der Besatzung defand fich
noch an Bord, als ein dumpser Alarm
ruf aus den Tiefen des Schiffes drang.
Wir gehen unter! In die Boote, in die
Boote! riefen Einige, und Alle, nur
noch von dem Instinkt der Selbsterhal
tung beherrscht, kletterten auf die
Schanzleitung und suchten niit sehnsüch
tigen Augen die Boote, welche eben zu
rückkehrten. Man ließ jede Arbeit im
Stich, man dachte nicht mehr an die
Verwundeten; und viele der Letzteren,
welche man bereits auf das Deck ge
bracht hatte, schleppten fich darüber hin
und suchten eine Stückpforte, durch
welche sie sich in das Meer weisen kann
ten. Ans den Luken drang ein Klage
gestöhn, welches noch heute in meinem
Herzen widerhallt und das Blut in mei
nen Adern gefrieren, meine Haare fich
sträuben macht.
Es waren die Verwundeten, welche
in der ersten Batterie geblieben waren
und die, bereits vom Waffer bespült,
nach Hülfe schrieen, ich weiß nicht, ob
zu Gott oder zu den Menschen. Aus
den Stückpforten, welche von dem Was
ser noch nicht erreicht waren, stahl fich
ein schmacher Schein hervor, es war die
Laterne, die beim Finfterwerden ange
zündet worden war, und welche noch
glimmte, der einzige unermüdliche
Wächter des verlaffenen Schiffes. Auch
einige Klagen trafen mein Ohr, welche
von den Stuckpforten her ertönten. Es
waren die armen Verwundeten, welche
nicht hatten gerettet werden können und
welche nun über dem Abgrund schweb
ten, während jene? traurige Licht ihnen
erlaubte, einander anzuschauen und fich
mit den Augen die tiefe Angst deS Her
zenS mitzutheilen. Unser Boot ent
fernte fich wohin? Niemand wußte
es. Die Finsterniß war so stark, daß
wir die übrigen Boote aus dem Geficht
verloren, und die Laternen des Prince"
verschwanden hinter dem Nebel, als
wenn ein Windstoß fie ausgelöscht hätte.
Keine Laterne zeigte die Gegenwart ei
nes TchiffeS an. Endlich kam ein Licht
in Sicht, und einen Augenblick später
erschien eine finstere Mesie; eS war die
Tanta Ana", welche ebenfalls eine
Prise der Engländer geworden war,
aber fie wurde am nächsten Tage von
den gefangenen Spaniern befreit, welche
die Englander überwältigten, und ging
nach einem harten Kampfe mit den Be
gleitschiffm den Engländern wieder der
loren.
Dixlcmatcngewandcheit.
In einer Sommernacht deS Jahres
1835 suhr ein Wagen aus den Thoren
I Leipzigs heraus, in welchem zwei Herren
faßen, der Gerichtsrath . Beuft und
dessen Tohn, Auskultator am Kammer
gericht zu Dresden. In letzterer Stadj
hatte der Gerichtsrath noch am Vormit
tag deS folgenden Tages einen Termin
wahrzunehmen. Deshalb waren sie vom
Jilristenball in Leipzig früher aufge
brachen, als sie es unter andcren Um
ständen wohl gethan hätten.
..Und nun verlangst T, Bater, wir
sollen die ganze Nacht hindurch sahren?
DaS magst Tu aushalten, aber meine
mlldegetanzten Beine verlangen nach
Ruhe," grollte der Auslultaior.
Was bleibt uns denn Anderes
übrig?"
Nun, mir übernachten in Döbeln
im Grünen Baum", lassen uns recht
srüh wecken und fahren dann weiter.
Da kommst Du immer noch zeitig ge
nug."
Meinetwegen!" brummte der Ge
richtsrath. Aber das sage ich Dir, mit
solcher Schläfrigkeit wirst Tu keine Pcir
riere machen. Und es wäre schon Zeit,
daß Du Affeffor wirst."
Wird schon kommen, Vater," tröstete
der Sohn.
In Döbeln log das Gasthaus zum
grünen Baum" nicht, wie man erwar
ten sollte, in Mitternachtsruhe da, viel
mehr war es erleuchtet und man be
merkte im Innern ein hastiges Hin
und Herlaufen. Der sonst so geschmei
dige Wirth würdigte die Ankömmlinge
nur einer kurzen Verbeugung und be
deutete, daß kein Zimmer mehr frei
wäre.
Nun hier sehe ich doch zwei prächtig
ausgestattete Zimmer," sagte der Aus
kultator, auf die geöffneten Thüren
deutend, in denen kein Gast zu bemer-
ten ist."
Sie sind für Seine Excellenz den
Herrn Minister v. Lindenau bestimmt.
der leben Augenblick eintreffen kann,"
erwiderte der Wirth mit wichtiger
Miene, aber, meine Herren, ich bitte
um Diskretion, Seine Excellenz reist
inkognito, nur von einem Mmiftmal
beamten und einem Diener begleitet."
Kennen Sie den Minister?"
Habe bis jetzt nicht die Ehre "
Wie können Sie denn wissen, ob
nicht zwei Fremde, die Sie vielleicht
schroff abweisen, die Erwarteten sind?"
fragte dcr AuSkultator und lüftete ein
wenig seinen Ueverrvck, unter weichem
ein Dutzend Kotillonorden herborglitzer
ten.
Die entsetzte Miene des Wirthes war
fehenswerty.
Bitte, Excellenz Euer Gna,
den, wollen Sie nMnäher tteten,'
stotterte er unter beständigen Bück-
Iingen.
Der Gerichtsrath wollte seinen Irr,
thum berichtigen, aber ein Blick seines
Sohnes bestimmte ihn, mit diesem die
Zimmer zu betreten. Ein opulentes
Mahl wurde aufgetragen, und während
sie aßen, hatte der Sohn Mühe, die
Bedenklichkeiten seines Paters zu zer-
treuen. Mitten in diesen Ausemaw
dersctzungen wurden plötzlich Stimmen
aus dem Korridor laut. Der Ausiul
tator lauschte hinaus.
Und ich sage Ihnen, Sie werden es
bereuen, Seine Excellenz abgewiesen zu
haben, trotzdem die Zimmer bestellt
waren," wetterte eine sremde Stimme.
Aber wenn ich Ihnen sage, daß
Seine Excellenz bereits da ist," migeg
nete die Stimme des Wirthes.
Betrüger können es nur sein,"
grollte der Andere.
Nun weiß ich wirklich nicht, wem ich
glauben soll," rief der geängstigte
Wirth. Aber vielleicht find Sie zu
frieden, wenn ich Ihnen eines meiner
Privatzimmer mit zwei Betten ein
räume." Dann aber möglichst schnell,"
Die Stimmen auf dem Korridor er
loren fich.
Jetzt rasch hinaus, sagte dcr Ge
richtsrath. Wir muffen die Zimmer
dem Minister einräumen."
Das will ich auch aber nicht so
fort."
Weshalb denn nicht?"
Sollen wir um unsere Rachtruhe
kommen? Erst wollen wir ruhig warten,
bis die beiden Betten im Privatzimmer
des Wirthes bereitet sind."
.Nun, wir können uns Beide aus
unseren Abschied vorbereiten. Herr v.
Lindenau wird unS diesen Streich nicht
verzeihen."
Der Auskultator erwiderte nichts.
Nach einer Weile aber ging er hinunter.
Der Minister, im Reiseanzug, ging im
Gastzimmer auf und ab. Der junge
Mann stellte sich ihm vor und sagte:
Excellenz, mein Pater und ich haben
von dem Mißgeschick gehört, das Sie
betroffen hat, und wir erlauben uns,
Ihnen als Ersatz unsere Zimmer anzu
bieten, die wir erst vor Kurzem betreten
haben."
.Sehr freundlich, aber wie kann ich
das annehmen "
,C, Excellenz verzeihen, aber mein
Pater und ich würden nicht in den an
genehmen Räumen oben schlafen kön
nen. während unser höchster Vorgesetzter
mit einem elenden Nachlloger vorlieb
nehmen muß."
Nun, dann acceptire ich mit bestem
Tank. Aber zuvor möchte ich doch noch
genau Ihre Namen wiffen."
Der Auskultator nannte dieselben.
und der Minister notirte sie.
Wenige Wochen lpäter war der Aus
kultator v. Beuft zum Affeffor ernannt!
und im diplomatischen Tienft verwen
det. welcher ihn zuletzt auf den Posten
des österreichischen Min-sterxräsidentrn
führte.
(Hn Rede Napoleon I.
Für die Art, mit der Napoleon mit
seinen Truppen verkehrte, ist eine Rede
sehr charakteristisch, die Graf Ehamans,
ehemaliger Adjutant des Marschalls, in
seinen eben veröffentlichten Memoiren
mittheilt. Das vierte Llemfantcre
regiinent hatte bei Austerlitz in einer
Attacke der russischen Reiterei seinen
Adler verlor.m; es war denn auch ohne
dieses Symbol zur Revue ausgerückt,
und ihm galt die Rede des Kaisers,
welche nach einer sofortigen Aufzeich
nung von Ehamans folgendermaßen
lautete:
Wo ist Euer Adler? (Stillschmei
gen). Ihr seid das einzige Regiment
der französischen Armee, welchis ich so
fragen muß. Lieber möchte ich meinen
linlen Arm verloren haben, als einen
Adler! Man wird ihn im Triumph
nach Petersburg bringen, und noch in
hundert Jahren werden die Russen ihn
mit Stolz zeigen. Die vierzig Fahnen,
die vir ihnen weggenommen, sind nicht
so viel werth, wie Euer Adler! Habt
Ihr denn vergessen, Euch gegen Kaval
lerie zu vertheidigen? Wer befehligte
das Regiment? Welche Maßnahmen hat
er getroffen, als er fich von der Reiterei
angegriffen sah? Wo waren Eure Osfi
ziere, Eure Grenadiere? Hättet Ihr
nicht Alle eher sterben muffen, als
Euren Adler verlieren? Ich habe soeben
zahlreiche Regimenter gesehen, die fast
keine Offiziere und kaum mehr Mann
schaft in ihren Reihen haben, aber sie
haben ihre Fahnen, ihre Ehre gerettet.
Und Ihr? Eure Kompagnien sind stark
und zahlreich, aber ich kann in Euren
Reihen meinen Adler nicht wiederfin
den! Was werdet Ihr thun, um
diese Schmach gutzumachen, um Eure
alten Kameraden von der Armee schwei
gen zu heißen, wenn sie bei Eurem An
blick sagen werden: das ist das Regi
ment, welches seinen Adler verloren hat?
(Stillschweigen.) Bei der ersten Gele
genheit muß Euer Regiment mir vier
feindliche Fahnen bringen; dann werde
ich sehen, ob ich ihm seinen Adler wie,
derqeben soll."
Diese Rede so bemerkt Samt
Chamans wurde mit lauter Stimme
und mit größter Heftigkeit gesprochen.
Sie machte auf Alle, die sie hörten.
einen unbeschreiblichen Eindruck. Mich
überlief eine Gänsehaut, und kalter
Schweiß bedeckte meinen Leib. Hätte
man dieses Regiment einen Augenblick
spater in s Feuer geschickt, es hätte
Wunder der Tapferkeit verrichtet. Das
Regiment erhielt ein Jahr später, bei
einer in Berlin abgehaltenen Revue,
seinen Adler wieder.
Die Entstehung er Lokomotiven
pfeife.
Wie Mancher hat schon aus der Ferne
den Warnungsruf der laut schrillenden
Lokomotivenpseise vernommen, ohne sich
zu fragen, wie man aus die praktische
Idee gekommen sein möchte, dieses weit-
hm schallende Instrument in unmitiei,
bare Verbindung mit der Dampf,
Maschine zu bringen, um mit leichter
Mühe drohenden Gefahren auszu,
weichen. Und doch ist die Entstehungs,
geschichte unserer heutigen Lokomotiven,
pfeise so einfach, wie es die meisten
übrigen Erfindungen ursprünglich
waren. Kurz nach der Eröffnung der
neuen Eisenbahn von Leicester nach
Swannington in England (im Jahre
1833) hatte ein mitBIitzesichnelle daher
sausender Zug das Unglück, einen mit
einem Pferde bespannten Karren, der
mit Butter und Eiern beladen zum
Markte nach Leicester auf dem Wege
war und dabei den Bahnkörper über
fahren mutzte, umzustürzen und völlig
zu zertrümmern. Ter Zugsührer hatte
wohl mit seinem Horn, das er an
seinem Halse trag, den Roffelenker auf
die Gefahr aufmerksam gemacht, der
schwache Warnungsrus war jedoch nicht
bis zu dessen Ohren gedrungen, so daß
der Unfall unvermeidlich war.
Dieser erste Unglücksfall auf der
Eisenbahn erregte ein ungeheures Auf
sehen, weshalb fich die Direktion dieser
Bahn veranlaßt sah, an demselben Tage
noch mit Georg SIephenson, der fich in
Alton Gränze aushielt und zugleich
einer der Verwaltungsräthe und der
einflußreichste Aktionär dieser Linie
war, über diese unangenehme Geschichte
Rücksprache zu nehmen. Es wurde hin
und her überlegt, wie derartigen Un
glücksfällen in Zukunft wirksamer vor
gebeugt werden könnte, doch wollte kein
Borschlag recht befriedigen. Da kam
der Direktor der Bahn auf den Einsall,
ob es nicht möglich wäre, an der
Dampfmaschine ein hornartiges Jnftru
ment anzubringen, das durch Dampf
in Thätigkeit gesetzt werden könnte.
Stephenson, der als erfahrener Techni
ker sogleich den hohen Werth dieser Idee
erkannte, erklärte fich mit diesem Vor
schlag einverstanden und gern bereit,
sofort zur Ausführung eines Versuchs
zu schreiten. Ein englischer Fabrikant
von musitalischen Instrumenten stellte
unverzüglich das Versuchsobjekt her,
und die' erste Probe fiel so günstig aus,
daß der Verwaltungsrath jener Eisen
bahn beschloß, an allen Maschinen der
Gesellschaft derartige Instrumente an
zubringen.
Vor allen Dingen aber mußte das
verlorene Pferd, der zertrümmerte Wa
gen, 5 Pfund Butter und 8 Dutzend
zerbrochene Eier vergütet werden. Und
diesen 9t)0 Eiern verdankt die Lokomo
tivenpfeife ihr Dasein. Bald nach die
ser Einrichtung erschien in England
eine Verordnung, welche die Jndienft
ftellung aller Maschinen, die nicht mit
einer Tamvstrompete versehen waren,
strenge untersagte. Denn in der That
handelte es sich, damals mehr um eine
Art Trompete, als um die eigentliche,
wegen ihrer höheren Tonlage weiter
dringende Pfeise. Doch währte eS nicht
lange, biS die gegenwärtige Pfeife die
Stelle des früheren Instruments ein
nahm. Wann dies jedoch geschah, ist
nicht genau zu ermitteln. Allein seit
dem Jahre 1836 finden wir überall die
Lokomotiven bereits mit derselben Pfeife
ausgestattet, wie wir sie heute kennen.
tinen kostbaren Sonnenschirm,
jedenfalls den kostspieligsten der Welt,
besaß Madame Blanc, die Gemahlin
des vorstorbenen früheren Spielpüch
ters. Eines Tages hatte sie bei einem
Ausflug von Homburg nach Wiesbaden
ihren Sonnenschirm vergessen. Das
war kein so großes Unglück für die
Frau deS Millionärs. Sie ließ sich in
Wiesbaden von ihrem Gemahl einen
neuen kaufen, suchte ihn aber natürlich
selbst aus. Er kostete nur dreißig
Gulden. Diese Ausgabe von dreißig
Gulden mußte Herrn Blanc aber ge
ärgert haben ; denn er faßte den Ent
schluß, sich den Betrag an der damals
noch nicht verbotenen Spielbank in
Wiesbaden wiederzugewinnen, wiewohl
er schon längere Zeit dem Spiel entsagt
hatte. Blanc setzte fünfzehn Gulden
auf Schwarz und gewann, verlor aber
beim' zweiten Schlag. Dies Wechsel
spiel ging eine Zeitlang fort, bis ihm
der Eeduldfaden riß, und er den Ein
satz verdoppelte. Jetzt aber verlor er
etliche Male hintereinander. Als sein
Verlust sich auf fünfhundert Gulden
beliet, liefe er sich einen Stuhl dringen,
zog sein Portefeuille und setzte eine
Tausendfranknote: aber weg war sie,
darauf eine zweite, dritte, vierte. Jetzt
gerieth Blanc in Hitze, und da er kein
Geld mehr bei fich hatte, lieh er von der
Bank eine größere Summe, um ihr
ernsthaft auf den Leib zu rücken. Das
gelang ihm aber nicht, und als er sich
vom Stuhle erhob, hatte fich sein Ber,
lust auf einundzwanzigtausend Gulden
gesteigert. Und das war geschehen, um
dreißig Gulden für einen Sonnenschirm
zu gewinnen !
's Wunnerkino.
Das isch in aller Welt bekannt,
Daß alle erschte Kinner
Sin' Wunnerkinner, un' daß 's erscht
Die Mutter lummt dehinner.
Die ganz' Familie kummedirt
E' so e' kleener Krischer ;
Ball will er Thee, ball will er Milch,
E' Schlutzerball e' frischer.
Ziegt nor der Borsch sei' Mäulche
krumm,
Isch 's ganze Haus im Fiewer,
Die Mutter flennt un' fragt sich müd
Was isch, was fehlt Der, Liewer?"
Ja was dem fehlt, das kann des Kind
Halt noch nit deutlich mache;
Es schtreckt nor als sei' ZUngel 'raus
Un' müht fich for zu lache.
Do duht die Mutter über'm Kopp
Die Händ' zufammefchlage:
Ach Gott, was des e ikinv i ch, nee
Das kann, weeß Gott, schun lache!"
Un' wann erscht 's erschte Zühnche
lummt,
To müssen Base, Elchweihe
Sich halb zu tod verwunnere, sunscht
Wär 's nimmi zu verzeihe.
Un' 's letscht, wann 's emol- Datier!"
sagt.
Wann 's laafe kann zwee Elle
To muß die ganz' Gevatterschaft
Stracks uf de Kopp fich stelle.
Noch später zeigt manch' Wunner sich,
Wann 's lese lernt un schreibe
Bis daß es in der Schul' dann heeßt:
Dumm es muß sitze bleibe.
(Fl. B,.)
Sin feiner Unterschied.
A: Ich sage Dir. der Prof. Wür
zelbein hat süns Töchter eine immer
jünger als die andere!"
B: Eine immer lunger als die an-
dere? Na, das ist doch selbstverftünd
lich!"
A: Oho! Es könnte a auch eine
immer älter sein, als die andere!"
Line gute Gattin.
Strau: Heute fahre ich wieder zurück
zu meinem Gatten! Man darf
die Männer nicht zu sehr v e r w ö h
nen !
Bestätigung.
Ihr Barometer zeigt schon seit vier-
zehn Tagen aus Beständig" und
wir haben Regen!"
Allerdings aber d e fl a n dl g !"
Vai richtige Wort.
Nsschldtr Lebemann: .,O mein
ntirthiaes Fräulein, svrecken Sie endlich
das Wort, das mich zum Glücklichsten
aJ Sterblichen macyen rann.
Reiche Erdin (höhnisch): Geld!"
Berichtigung.
Kunde (wüthend zum Barbier, de:
ihn blutig geschnitten hat): .Tonner
Wetter, Mensch Sie wollen ein Bar
bier sein? Ein Barbar sind ie!"
Ivldrrlegt.
T" Innl rnrin
ituitiium. . "",
Frauen seien unberechenbar
gesaue jeuu:
Linziger Iiofi.
Rekrut: Ein Rindvieh hat mich
heut' der Wachtmeister 'heißen. DaS
hätt' mich beinah' verdrossen aber
er hat wenigstens g'sagt: Rindvieh
erster Klaff'!"
?chwcr zu machen.
Er: Kurz und gut, der Stellte
nant und ich wir müssen uns schie
ßen!"
Sie: O, Eduard, um's Himmels
willen nicht! Wenn aber, dann er
sprich mir wenigstens, recht v o r s i ch
tig zu sein!"
Aus einem Reiseberichte.
Ich und mein Begleiter ritten
aus Kameelcn durch die Oase. Plötzlich
trat ein Löwe aus dem Dickicht und
überlegte sich, aus welches Kameel von
uns Beiden er sich ürzen solle!"
?csiition.
Tochter: Du, Mama, was ist
denn eigentlich klassische Musik?"
Mutter: Das ist eine Musik, Ur
die man schwärmen muß, ob sie einem
gefällt oder nicht!"
Sie glückliche Braut.
Herr Lieutenant haben sich
heute mit Fräulein Rosenberq verlobt
was macht denn die Glückliche?"
Sitzt zu Haus und gratulirt
sich!"
Uebereinkommcn.
Wie aufmerksam der Förster dem
Jägerlatein des Jagdgehilfen zuhört!"
Ja, die haben unter fich ausge
macht, sich gegenseitig Alle
zu glauben!"
in doshafter Gatte,
Wie verhält sich denn Dein Mann,
wenn Du mit T h r ä n e n etwas durch
setzen willst?"
O, der Unmensch! Er kauft mir
jedesmal ein Dutzend Taschen
tücher!" Ein schüchterner freier.
Akk ftrsiiilfin Rnsmnd darf
ich's wagen, Sie fllr's ganze Leben als
yr neuer Gatte zu veianige n r
Meiner Zimmernachbarin in's Stammbuch.
Ueb' immer Treu und Redlichkeit,
Ueb' Nachsicht und Geduld!
Ueb' Wohlthat und Barmherzigkeil
Ueb' Rache an der Schuld!
Ueb' Schreiben, Malen inniglich
Ueb' Alles für und für.
Doch übe nicht ich bitte dich,
Ueb' nicht so viel Klavier!
Ausrede.
Ich bitte Sie, leihen Sie mir hun
dertMark!"
Ja, aber bei Ihrer Lebensweise,."
Versichere Sie, daß ich jetzt ein ganz
anderer Mensch geworden bin!"
So?!. ...Nun, Ihnen hätte ich
gern die hundert Mark geliehen aber
ein Anderer kriegt von mir nichts!"
Neugierig.
Hönschcn: Sag' Mama, wenn der
Teufel in der Noth Fliegen frißt, was
frißt er dann, wenn es ihm gut
g e h t?"
LchustcrjungeU'Ivitz.
' Meester, meine Butterbemme is ja
een Verirbild!"
Wat sagst Tu, Schlingel?"
No ja. hier hecßt's doch: Wo is de
Butter?" ,
Unterschied.
Sie warnen mich also vor dem Rei
ten?"
Vor dem Reiten nicht, aber vor dem
Herunterfallen."
Lin pfiffifus.
.Warum haben Sie gerade die Wittwe
Müller geheirathet?"
,Ja, wi ien -ie, deren verstorbener
Mann war Nachtwächter und da fällt's
ihr weiter nicht auf, wenn ich spät nach
HauS komme."
Sein Glück,
ftirni: ..Ader. Ferdinand, iefttfornrnfl
Tu erst nacb flaust und in fnlclvm Qii.
stände? Ich bin einfach sprachlos. "
l'ionn: Gott ,ei Tank!"
vice versa."
Junge Frau: Ach. liebes Männ
chen, kause mir doch diesen herrlichen
Perlenschmuck!"
Ter gestrenge Herr Gemahl (in säuer
lich-süßein Scherztone): .Nein, ncin,
liebes Kind. Perlen bedeuten Thränen!
(Nachdem die junge Frau eine Zeitlang
schweigend und schmollend an seiner
Seite weitergeschritten ist. bemerkt er.
daß ihr Geficht in Thränen gebadet ist.)
Aber Kind, was sollen denn nun diese
Thränen bedeuten?"
Junge Frau: Perlen!"
Beweis,
Förster (zum Sonntagsjäger): .ch
glaube, vor Ihnen. Herr Apotheker,
braucht auch kein Hase Angst zu haben!"
Apotheker: .Oho! Tavon lausen'S
schon, bevor ich noch schieße!"
Dn Grund.
.Sie werden docb icieken hui h.ia
Bier in der Stadt gesunder und beffer
,fl! Ävenn ich dendS neun Maß
trinke, geh' ich ganz hell nach Hause!"
.4.05 giauv i iqon. weil in der
Stadt die Laternen brennen."