Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, February 06, 1896, Image 11

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    Seine Schwiegermutter.
umovtofe 011 ('. 51. :Hnboli braune.
Ich lag auf dem SopHa und las bic
Zeitung, um das Mittagessc besser
erbaue zu können. Ta erhielt ich ein
Telkgrainni. Ein Telegramm ist bei
mir was seltenes. Deshalb warf ich die
Zeitung weg, brachte meinen Körper in
vertikale Richtung und riß das Tele
gramm auf. Natürlich erwartete ich.
die freudige Mittheilung zu lesen, daß
mich irgend ein Vetter iin sechszehnten
Verwandtschastsgrade, von dessen Exi
stenz ich keine Ahnung gehabt habe, zum
Universalerben eingesetzt habe. Ader
nein, noch nicht einmal diese Freude
gönnte mir das Schicksal. Da stand
mit Blaustift geschrieben: Sei 4,34
aus dem Bahnhöfe. Fritz." Nanu,
dachte ich, wo kommt denn der her?
Natürlich war ich halb fünf auf dem
Bahnhofe. Fritz kletterte aus einem
ßoupe heraus, schiittelte mir die Hand
und rief-, Hier bin ich. alter Junge,
kaun ich bis morgen bei Dir bleiben?"
Jawohl," antwortete ich, Über
nachten kann ich Dich, aber "
Fritz schnitt mir jedes weitere Wort
mit dem Ausrus: Warten wir bis zu
au e", av, und o gingen wir schwcia
sam bis zu meiner nahe dem Bahnhvsc
gelegenen Wohnung.
Tort angekommen, wars er sich
laugetang aus das Kopha und rauchte,
Ich setzte mich in den Lehustuhl, zündete
mir auch eine Zigarette an und wartete
auf seine Beichte. Denn das war
mir klar, daß er nicht allein des Logi
rens halber hergekommen war. als viel
mehr das Berlangen, sein Herz einein
Freunde gegenüber erleichtern zu isiii'
en. Und ich hatte mich in dieser An
nähme nicht getauscht. Ach, Junge,"
fing er an, denke Dir, sagt da vor vier
Wochen meine Tante zu mir, ich müsse
reich heirathen, denn ein junger Schrist
fteller ohne Geld könne nie berühmt
werden. Und ich wolle doch berühmt
werden. Und auf ihren meiner
Tante nämlich Tod zu warten, um
dann plötzlich reich zu werden, sei doch
zu langweilig siit einen jungen lcbens
lustigen Menschen."
Jawohl," meine ich, hast Tu schon
Eine für mich?"
Ja, mein Sohn," antwortet sie,
eine Jugendfreundin von mir, Frau
Anna Schulze, weilt mit ihrer Tochter
Luise in Frankcnhausen. Miethe Dich
in demselben Hause ein, und das andere
wird sich schon machen, Du bist ja ein
hübscher Kerl."
Tantchen," sage ich, schmeichle
nicht. Wissen sie von Deinem Plane?"
Nein, ich wollte erst mit Dir spre
chen." Gut, sie brauchen auch nichts davon
zu wissen. Laß mich nur machen. Ich
treffe sie an der Table d'hote, beachte
sie das erste, zweite, dritte Mal gar
nicht das macht Einen interessant
grüße sie am vierten Tage, lasse am
fünften Tage ein paar Worte über das
Wetter fallen, begleite sie am sechsten
Tage zur Kurpromenade, entdecke am
siebenten Tage, daß meine Tante eine
Freundin von Frau Schulze ist, und
bin nach 14 Tagen glücklicher Bräuti
gam," Schäker," ruft meine Tante, reise
mit meinem Segen." und drückt mir
ein Paar blaue Scheine in die Hand.
Ich ließ mir diesen Segen natürlich ge
fallen, da siel mir aber noch etwas ein.
und ich fragte:
Noch eins. Tantchen, wie alt?"
Siebzehn Jahre."
Donnerwetter, dann ist wohl die
, Schwiegermutter auch noch nicht oft?
Wenn sie meine Jugendfreundin
ist!" spricht meine Tante pikirt.
Na, ich reiste also siegcsgewiß nach
Frankenhausen, fest entschlossen, als
Bräutigam das Bad zu verlassen. Es
kam anders, anders. O, ich bin bla
mirt, unsterblich blamirt, ich bin un
möglich sür die menschliche Gesellschaft."
Ich stand besorgt auf. seine Ber
zweiflung war ungekünstelt. Höre,
Fritz, Du hast doch keine Dummheiten
gemacht."
Er sprang wild auf und schleuderte
die erloschene Cigarre von sich. Nun
fang' Du auch noch an. Mache ich mir
nicht schon Vorwürfe genug? Jawohl,
ich habe Dummheiten gemacht, schreck
liche Dummheiten. Ich ich habe
meine zukünftige Schwiegermutter ge
küßt."
.Aber Fritz.' sprach ich mit sanftem
Dorwurf, so 'was macht man doch
nicht!"
Und und ich habe ihr eine Lie
beserklärung gemacht."
Allmächtiger!" ich sank entsetzt auf
den Stuhl.
Eine Weile herrschte Schweigen.
Dann sagte ich:
Und was that sie, Deine Schwie
Schwiegermutter?"
Sie schlug die ande vor 8 westcht
und lief weg. Ta habe ich mein Köf
serchen gepackt und bin ausgekninen
Denn ich schämte mich, als ich ihr Ent
fckm gewahrte."
.Wie konntest Tu aber auch so etwas
thun?"
Fritz stellte sich vor mich und schrie
mich an: Rudolph. lache mich aus.
halte mich für verrückt, aber sagen muß
ich' Dir: ich liebt Frau Anna. Ja
ohl. ich liebe sie. Ta giebt's gar
nichts zu lachen. Sie ist keine glätt
jene Schönheit, aber gewitzt, klug, ja
geistreich. Sie interessirt sich für Lite
ratur, sie kennt alle, sie hat alles ge
lese. Sie schwärmt sür Kunst,...
oh, tine herrliche Frau eine Frau ,
für einen Schriftsteller. , , . eine Frau,
wie ich sie brauche. Und denke Tir
daneben ihre Tochter, ein Backfischche,
das Marlitt'S Goldelse liest und nur an
Kochen und Sticken denkt. Scheint
nach dem cliacu Vater gerathen zu ein, i
der wahrscheinlich auch kein Licht war.
Und dieses Backnschchen, das ,a nicht häß
lich ist, aber nur Ja" oder Nein" sagt,
mit dem man IeinelOzusammenhängcnde
Wörter sprechen kann, so ich heirathen?
Nein, das kann ich nicht, denn es ödel
mich :. Und Anna, die Herrliche, die
Süße weiß der Himmel, wie es kam
ich hielt sie den Armen, Hißte sie
und stammelte ihr von Liebe."
Vielleicht läßt sich och alles ordne.
wenn T ihr sagst, Du hättest sie nur
als Schwiegermutter grüßen und um
die Haud ihrer Tochter bitten wollen."
Junge, Tu iicberst wohl, so grUßt
man doch keine Schwiegermutter. Liest
Tu denn nicht den Torsbarbier"?"
Ja, aber was soll nun die alte Tamc
von Dir denken?" Ich mußte zwar nicht,
ob Frau Schulze schon alt sei Fritz
hatte mir nur ge ant. ne sei eine Ju
gendfrcundin seiner Taute ich wußte
flud) nicht, wie alt be note iamt sei.
aber 50 Jahre gab ich ihr gnt und
acrne.
Alt." lachte er. Ha, ha. ha. Alt?
Weißt Du wie alt sie ist? 30 Jahre.'
Entzückt packte ich ihn am Arme
Fritz, dann wird noch alles gut. Wenn
sie nicht älter ist, heirathest Du sie eben
Du bist 30 Jahre alt und eine Glatze
kr'kgst Du auch schon. Also paßt Ihr
zusammen. Die sechs Jahre, die sie älter
ist, sind kein Ehkhindcruiß.
Meinst Du?" fragte er zweifelnd
Natürlich."
Aber sie verachtet mich, sie lief doch
weg."
Weil sie haben wollte, Du solltest
ihr nacheilen. Weil jedes Weib beim
Anhören eines Liedesgeständnisses die
Verschämte 'rausbeißt. Muß ich, der
Provinziale, Dich, den Großstädter, in
Liebes Angelegenheiten unterrichten ?
Mensch, hundert Mal hast Du in Dei
neu Romanen Liebesgeständnisse ftam
melii lassen. Füllt sie" denn da ihm"
gleich um den Hals?"
Du weißt doch, daß ich nur Ro
mane schreibe, in denen sie sich nicht krie
gen." Na kurz und gut, wollte sie nichts
von Dir wissen, so hätte sie es Dir kurz
uud kalt gesagt."
Er umarmte mich. Hurrah, Du
hast Recht. Morgen sahre ich wieder
nach Frankcnhausen und "
,OH, verschaffe Dir doch heute schon
Gewißheit. Frage sosort telegraphisch
an. Es ist sechs Uhr, heute Abend noch
kannst Du Antwort haben. Begeistert
stürzte Fritz an meinen Schreibtisch und
setzte die Depesche auf.
Frau Anna Schulze. Frankenhau
sen. Darf Ich Sie morgen nochmals
in der bewußten Angelegenheit sprechen
und auf freundlichen Empfang rechnen?
ffritz."
Na, nun die Stunde, die auf die Ab
seudung der Depesche folgte. Fritz war
wie von Sinnen. Einmal war er der
glücklichste Mensch, dann nannte er sich
den größte Esel. Einmal wollte er
Sekt trinken und dann wieder in's Was-
ser springen.
Endlich traf die Antwort ein.
Kommen Sie morgen. Es erwartet
Sie Anna."
Anna!" Er drückte das Papier an
die Lippen. Meine Anna. O, Du
süßes Lieb! Morgen früh mit dem ersten
Zuge fahre ich nach Frankenhausen und
küsse mir das Jawort von ihren Lippen
Rudolph, nun trinken wir aber Sekt.
Und weißt Du, mein Schmiegersohn
mußt Tu werden, in, mein Schwieqer
söhn. Ich weiß. Tu schwärmst für
hausbackene grauen!
Ich lachte. Sekt wollen wir trinken.
Und mit dem Schwiegersohn na,
das wollen wir uns überlegen."
Ich brauchte nicht viel isctt zum
Ueberlegen. Schon beim zweiten Glase
erklärte ich ihm, eine mnge Schwleaer,
mutier zu haben, das wäre schon schlimm.
aber auch einen jungen Schwiegervater
dazu, das wäre nicht zum Ertragen.
Teshalb dankte ich.
Seltsame
olge einer
Imme.
m&
Kaiser Paul der Erste vsn Rußland.
ein Sohn der großen Katharina, der
von itW) lnälÖOl regierte, war ein
sehr launenhafter und eigensinniger
Herrscher. Er hatte mehrere sehr schöne
Paläste. Aber sie geflelen ihm doch
nicht, und so wollte er sich denn ein
neues Schloß den Michailowpalaft
so recht nach seiner eigenen Laune
bauen laffen, und zwar an jener Stelle
des Fontankakanals, wo schon vordem
ein von Peter dem Großen 1711 erbau
ter hölzerner Sommerpalaft gestanden
halte, der aber längst verfault war.
denn die Gegend ist die ungesundeste
und feuchteste in ganz St. Petersburg.
Ter geschickte Architekt Brenna mußte
nach den Ideen und auch nach eigenhän
digen Zeichnungen des Monarchen einen
Plan enlwersen. Er gestattete sich aller
unterthanigft einige Einwendungen ge
gen den unpaffenden Platz und schlug
eine andere, besser geeignete Gegend,
sowie auch eine zweckmäßigere Art des
Baues vor. Aber Paul sagte: So soll
es sein, wie ich es haben will, und nicht,
wie Sie sich die Sache denken!" Damit
mußte Brenna zusrieden sein.
Auf einem tief eingerammten Pfahl-
rolle von ungeheuren Baumstämmen
ein solch war des morastigen Erun i
des Wege nöthig sollten die Keller
gewölbe und das Erdgeschoß von Gra
itguadern errichtet werden, darauf
dann die Mauern theils von gebrann
len Ziegeln, theils von Marmor.
tao!" sagte Paul. Ganz genau
nacki diesem Farbenmuster."
Und er reichte ihm einen grellrothen
Tameuhandschuh, den er vom nächsten
Tische nahm.
Sehr wohl! lurmelte der erstaunte
Architekt. Ein Glück ist wenigstens,
daß der Handschuh nicht himmelblau,
grasgrün oder pechschwarz ist," dachte er
bei sich.
Es war der Handschuh einer Grog-
sürstin, und es hatte damit folgende
Beivandtniß. Damals war beim sran-
zösische Theater in St. Petersburg
eine sehr talentvolle chauspielern en
gagirt, Madame Chevalier aus Lnon,
welche durch ihre außerordentliche Schön
heit und Anmuth, sowie durch ihre
trefflichen Kunstleistuugen alle Welt be
zauberte, besonders auch die kaiserliche
Familie. Sie gab den Modeton au in
der russischen Hauptstadt, so sonderbar
ihre Launen auch zuweilen sein mochte.
Einmal erschien sie mit grellrolhen
Handschuhen. Die Folge war, daß alle
vornehmen Damen, auch die Groß
fürstinnen, sich sofort ganz ähnliche
knallrothe Handschuhe anschafften.
Eigentlich war also Madame Cheva
lier's Laune die Veranlaffung, daß der
neue gigantische Michailow'sche Palast
ei so seltsames knallrothes Aussehen
erhielt. Der kostspielige Bau, welcher
viele, viele Millionen Rubel verschlang,
wurde mit größter Eile betrieben und
in wenigen Jahren fertiggestellt. Die
innere Ausstattung war äußerst präch
tig. Italienische, deutsche und russische
Maler schmückten die Säle, Gallerien
und Zimmer mit herrlichen Deckenge
mälden und Wandmalereien, die aber
in Folge der unüderwindbaren Fcuch
tigkeit größtentheils bald wieder ver
darben.
Viele loyale Bürger in St. Peters-
bürg beeilten sich, ihre Häuser nun auch
nach der herrschenden Aiode Inallroth
anstreichen zu laffen, in der Absicht, da
durch dem Kaiser ein Vergnügen zu be
reiten, und sie erreichten auch wirklich
ihren Zweck, denn Paul sprach sich sehr
lobend darüber aus und wollte von der
Besorgniß vernünftiger Leute nichts
Hörens daß vielleicht Ochsen, welche durch
die Straßen getrieben werden, bei dem
Anblick der vielen grellrothen Häu,'er
gar leicht toll und wüthend werden
könnten. So wäre denn wahrscheinlich
mit der Zeit ganz St. Petersburg knall
roth geworden, wenn nicht des Kaisers
Tod dieser Manie ein plötzliches Ende
bereitet hätte.
Darnach ließen die St. Petersburger
Bürger ihre Häuser wieder grau, gelb
lich, bräunlich oder weiß anstreichen,
zum großen Wohlgefallen der Maler
meister und Farbenhandlungen, welche
bereits alle ihre Vorräthe von Zinnober
und Mennigroth ausverkauft hatten
Was wir berichtet haben, ist thatsäch
lich, so sonderbar es manchem Leser
vielleicht erscheinen mag. Der Lust
spieldichter August v. Kotzebue giebt
darüber eine zuverlässige Notiz im zwei-
ten Bande seines Werkes: Das merk'
würdigste Jahr meines Lebens" (Berlin
1802). Nachdem er bei dem launew
hasten Kaiser in Ungnade gefallen und
mit größter Geschwindigkeit nach teil'
rien transportirt worden war, wurde er
bald darauf mit noch größerer Geschwin-
digkeit wieder nach fet. Petersburg zu
rllckqebracht, um mit Huld und Gnade,
Ehren und Würden, Geld und Gütern
überhäuft zu werden. Paul beaus
tragte ihn allergnädigst, eine ausführ
liche Beschreibung des neuen Michai
low'schen Palastes zu verfassen, welcher
lnterelsanten Aufgabe er sich mit lobens-
werthem Eifer unterzog. Also hatte er
die beste Gelegenheit, den knallrothen
Palast und auch deffen Baugeschichte
grundlich kennen zu lernen.
Paganini's Persönlichkeit
In seinen Erinnerungen an Paganini
giebt der in Baden-Baden lebende greise
Pianist und Tondichter Jaques Rosen
Hain unter Anderem eine böchft anschau,
liche Schilderung des Eindruckes, den
das am 15. August 1834 in Frankfurt
stattgefundene erste Austreten dieses un
üdertroffenkn Meisters aus ihn gemacht
hat. Er chreidt
Ich glaube nicht, daß man le im
Stande sein wird, in mechanischer Hin
sicht diesen Mann zu übertreffen. Ich
kann Euch nicht beschreiben, welchen
Eindruck sein Spiel auf mich gemacht
hat. Ich zitterte am ganzen Körper,
als stünde ich vor einem Despoten, ich
war erstarrt vor Erstaunen, weinte,
lachte, kurz, war ganz außer mir.
Manchmal brach mir der Schweiß aus.
wenn ich die unglaublichsten Schmierig
leiten mit der größten Leichtigkeit vor
tragen hörte. Dtcimenläufe von oben
herab, Terzenpaffagen in der erftann
lichften Höhe, Staccato und welch ein
Staccato! Ein anderer Violinfpieler
kann nicht schneller und nicht deutlicher
geschliffene Noten spielen, als er die
Staceato! Flaqelott-Toppelgriffk (was
die Piolinspieler nicht degreisen können,
wie er sie herausdringt), auch ganze
Paffagen in Flagelott-Variationen, in
denen immer eine Note mit dem Bogen
und die andere pizzicato gespielt wird,
und dies alles mit der größten Schnei
ligkeit. Tann spielte er Variationen
ohne Begleitung, in denen sich selbst
begleitete, 0 daß man glaubte, eine
Violine und eine Guitarre zugleich zu
hrtvn Ml n i.lu. i il tjxraAf,Ai
MVll. Willi IU3IIU11I f lUJllUllUj.
Denkt Eiich einen hageren Mann mit
eingesallenem Gesicht, hcrausstchcnden
Backenknochen, tiefliegende, starren Sin
gen, starkem, langem Bart, der bis n
ter das Kinn reicht, kleinem Kuebelbart,
Finger wie. ein Gerippe, lange, herab
hängende schwarze Haare, und ihr habt
Paganini! Er sieht gerade ans, als käme
er au? den. Grabe! Alle Kenner und
Laien, das ganze Publikum, waren von
seinem Spiele entzückt, begeistert ; das
Maß war übervoll. Zuerst wurde die
Ouvertüre aus Euryanthe gespielt, als
diese beendet, trat eine lauge Pause ein ;
Ihr könnt Euch denken, daß das Pnbli
knm in der höchsten Spannung sich be
saud, besonders, da schon die Musiker,
die ihn in der Probe gehört, llnglaub
liches von ihm erzählt hatte! Endlich
rollte die Gardine ans, Paganini trat
heraus und wurde mit dein GeWirbel
der Pauken und ungeheuren Applau
dissemcnts empfangen! Er spielte ei
großes Allegro eigener Eomposltion,
nnd wie auch alles Folgende, auswen
big. Nach dem ersten Solo furchtbarer
Lärm, allein, sobald er wieder spielte,
lautlose Stille. So war es immer
dasselbe ; als er abging, mußte er wie-
der heraus, so ungeheuer war das Ap-
plaudiren.
Die Kleidung der alten Deutschen
Ueber die Kleidung der alten Deut-
schen bis gegen die Zeit Karls
Großen hielt Prof. Heyne im Göttinger
anthropologisch naturwissenschaftlichen
Verein einen sehr mteres anten Vortrag.
Er warnte davor, den Berichten der
alten Schriftsteller, die über die Deut
schen mehr oder weniger tendenziöse,
durchweg aber sehr mangelhaste Dar
stellungen gegeben hätten, z viel Ge
wicht beizulegen. Beffer sei es, den
Wegen zu folgen, die die Sprache vor
zeichne und die in der Natur der Sache
begründet seien, und die Schriftsteller
bemcrkungeu in das so gewonnene Bild
einzilsügen. Jrrthümlich stelle man sich
die Deutsche als halbnackte Wilde vor.
Die Webekunft und Spinnfertigkcit sei,
wie die Sprache zeige, sehr alt und ge
meingermanisch. Auch habe dazu das
rauhe Klima besonders in Norddentsch-
land gezwungen, das noch zur Zeit des
Heliauddichters und Otfricds so rauh,
unwirthlich und waldbedeckt war. In
solchem Klima war Wollbekleidung
geboten nnd ohne Zweifel auch vorhan
den. Sie bestand bei den Männern in
einem badehoseühnlichen Gewaudstück,
dem Pruah" (tot. Bracca") und ei
nem langen Rock aus Wolle, der wie ein
Kittel über den Kopf gezogen wurde.
Er war mit einem Gürtel gebunden,
ärmellos und so lang, daß er die Bewe
gung nicht hinderte.
Alte in den schleswig'schen Mooren
gefundene Gewandstllcke, sowie die Bild
werke auf der Trajans- und Antonius
säule beweisen das hinreichend. Die
Frauen trugen blos diesen Rock ohne die
Pruah". Beide Geschlechter trugen
außerdem den Mantel, dessen Name la
teinisch ist; der altgermanische Name
war Hahuk", wie er noch im Hakel
berend, d. h. dem Mantelträger, dem
alten Namen für Wodan, enthalten ist.
Früh trugen die Männer auch schon
Hosen, und zwar die strumpfförmigcn
beiden Beinlinge, die dann erst ein ge
nialer Schneider mit dem Bruch der
band und so die Hose herstellte, wie wir
sie kennen. Die Hosen gehen bei den
Ouaden und Markomannen, wie uns
die Bildwerke darstellen, bis auf die
Füße. Die Wcstgermanen trugen noch
lange die Beine frei und umwickelten sie
in der Merowingerzeit mit Tuchstreifen
und Riemen, die schön geschlungen ein
hübsches Ansehen boten. Zum Befefti
gen der Kleider dienten Spangen. Die
Füße trug der Germane anfangs bloß.
doch kamen schon früh auch Schuhe vor,
so namentlich der aus einem Stück be
stehende Bundschuh, der über dem Fuß
zusammengeschnürt wurde. Das Haupt
war unbedeckt. Die Wolfs- und Stier-
Helme sind Trachten in der Schlacht,
nicht im Frieden. Ueber diese hier kurz
angedeuteten Dinge verbreitete sich der
gelehrte Redner ausführlich und gab
dazu schöne sprachliche Erklärungen
Papa Wrangel
Soldat von ganzem Herzen, bethei-
ligte sich Feldmarschall Wrangel, wie
bekannt, als er 1806 kein Kommando
erhalten konnte, als Freiwilliger in
seinem Kürassier-Regiment am Kriege.
Der König hatte ihm das gestattet, und
so suhr denn der alte Herr den vor dem
Feinde stehenden Truppen nach. Wran-
gel wollte zwar in Feindesland hinein
reiten, bestieg aber auf dringendes Bit
ten seines Adjutanten den Wagen.
Na, lut, ich will s trnin, aus Dein
Bitten, aber Tu reitst. Tu reitst!"
Nun allein im Wagen, begann
Wrangel denselben zu untersuchen und
saud dabei allerlei Gutes, wie e iün-
qere Offiziere gern haben. Ta waren
Konserven, Weine, Zigarren u. s. w.
Er warf sie der Reihe nach aus dem
Wagen!
Nun kam der Abend, Schmalhans
war Küchenmeister und die jedem Sol-
daten gelieferte Feldportion machte den
Reichthum der Tafel aus. Schmun
zelnd meinte Wrangel: Scheenes Le-
den, das Soldalenleden, so kinfach, so
gesund!" Nach der Mahlzeit forderte
er seinen Adjutanten aus, zu rauchen.
Ich habe keine Zigarren," antwortete
dieser.
Na, denn werde ich Dich welche
holen!" Stand auf und ging in den
Stall zum Burschen des Adjutanten.
Hn V.X.., Ii . . . l.'l 4.
VIII 11 I "11 'UllCH. yitiiu Ulll I
Du die Zigarren, die D Deinem Herrn
gemopst hast!" in nicht gcringen
Schrecken versetzte und zur Herausgabe
veranlaßte. Mit der Beute erfreute er
dann den rechtmäßigen Eigenthümer.
Viner der best Zheaterdirck
toren,
die ich jemals kannte," so erzählt Brau
don Thomas, der Verfaffer von Ehnr
leys Tante, " war sicherlich Mr. Foresl.
Eines Tages wurde geprobt. Einer der
Statisten hatte auf die Bühne zu stürzen
und zu rufen: Zu den Waffen, zu den
Waffen! Der Feind ist uns aus den
Fersen!" Lieber Freund," sagte Mr.
Forest, das klingt wie ein Waschlap.
pen. Das müssen Sie so sagen" uud
nun rief er die Worte mit seiner weithin
schallenden Stimme. . Herr," sagte
aber der Statist, wenn ich das so sagen
könnte wie Sie, würde ich mich nicht
mit 15 Mark wöchentlich durchhungern."
So." sagte Forest, sünfzehn Mark
haben Sie? Na. misse Sie was, spielen
Sie ihre Rolle gleich mal sir20 Mark die
Woche. Der 'glückliche Statist stürzte
hinaus und mit dem Rufe: Zu den
Waffe, zu den Waffen!" wieder herein.
Viel besser! Na, und nun einmal sür
25 Mark wöchentlich!" Dem Statisten
schwindelte förmlich: Zu den Waffen,
zu den Waffen!" rief er, daß es nur so
schmetterte. Famos," meinte Forest,
für 25 Mark sogar etwas zuviel, Sie
sollen von heute ab 30 Mark haben."
Wo ist der Diogenes." setzte Brau-
don Thomas hinzu, der heutzutage
auch mit der Laterne solche Direktoren
findet ?"
Das Ttubtnmädchcn des Mar
schalle.
In der vor Kurzem veröffentlichten
Biographie Eanroberts von L. Martin
wird folgende Anekdote erzählt: Eine!
Tages wurde der Kaiser mit seinem
Sohne zu einer großen Truppenschau
im Lager von Chalons erwartet, uud
Conroberi hielt es sür geboten, alle dort
versammelten Truppen vor der Anknnst
des obersten Kriegsherrn persönlich ge
nan zu besichtigen. Dabei siel ihm ein
Soldat auf, der nicht gerade allzu große
Sorgfalt auf seine Uniform erwendet
hatte. Ziemlich entrüstet sagte der
Marschall zu ihm: Ich werde Dir
mein Stubenmädchen schicken, damit sie
Dich ordentlich anzieht." Nicht
nöthig, Herr Marschall," entgcgnete der
Soldat, die besuche ich alle Abend."
Darauf im Gefolge Conroberts ein
Ausbruch allgemeiner Heiterkeit, in die
er schließlich selbst einstimmte.
Rekrut peirowiez.
Himmel, Donner und Doria.
Mensch, Petromicz, Kerl, wie sehen
Sie aus. Sie haben sich ja wieder
nicht gewaschen!" Mit diesen uiige-
stuinen Worten schrie Sergeant Knödel
meyer den Rekruten Petrowicz an, als
er eines Acorgens die Ka ernen stube ot-
trat. Der arme Rekrut, ein Pole
und früherer Knecht, geneth ob dieses
Vormnrfes in nicht geringe Aufregung
setzte sich in die vorschriftsmäßige Hal
tung oder versuchte es wenigstens nd
sah seinen ausbildenden Sergeanten so
verdutzt mit seinen waiserhellen Angen
an, daß dieser in seiner Eztase fortfuhr:
Nu stehen Sie da, wie ein aus dem
Nest gefallener Affe. Faustdick haben
Sie es hinter den Ohren zu sitzen!"
Jawull, Herr Sergeant. Hab' ich
mich aber gewaschen, sogar mit Äaffer."
3mmer Geschäftsmann.
Sonntagsjäger (zu einem Treiber,
den er wiederholt angeschoffen): Pier
Thaler Schmerzensgeld wollen Se wie-
der haben? Ich glaub' Se könnten
mer jetzt schon machen einen En gros.
Preis !"
Ei galanter Räuber.
Räuber (zwei Tamen überfallend)
Meine Damen, bitte, geben Sie mir
gesauigst Ihre Werthsachen! Ich werde
Sie dann zum Schutze aus dem Wald
geleiten es ist Sie hier nämlich etwas
unsicher!"
verblümt.
Maler (im Atelier): Warum blicken
Sie denn Ihr Bild so nachdenklich m?"
Besteller: Ich überlege mir nur. wie
ich es wohl anstellen muß, um demscl
den möglichst ähnlich zu werden!"
Aus Erfahrung.
Heirathen willst du?! Weißt
daß eine Frau viel Geld kostet?"
du.
Lieber Papa, keine Frau kostet noch
mevr r ,
3mm: Bankier.
In kiner Stadt ist eine Wafferkata
ftrophe eingetreten. Ein Herr vom
HülsSeomite kommt zu einem Bankier
und fragt ihn, od er nicht ein paar Od
dachlose nehmen will.
Obdachlose?" fragt der Bankier.
.Was kostet eines?"
N?alrscheinlich nicht.
TuSchen: .Nicht wahr. Tantchen.
Tu bist eine alte Jungfer?"
Taute Emma (zögernd): Gewiß,
wuschen: Ader m nicht schön, eine
solche Frage zu stellen."
Suschen: .Ach se, nur nicht böse.
Tantehen ich weiß ja, daß eZ nicht
Teine Schuld ist."
ES wäre viel beffer, wenn eniaer
Mädchen zur Hochschule und mehr
zur Loch schult gingen.
Schmeichklhast.
Hausknecht: Soll ich den Herr
morgen sriih wecken?"
Hvsrnth: Nein, ich danke Nen,
mein Lieder. Zur tetinioe, wann ich
abreisen will, erwache ich jedesmal recht
zeitig von selbst!"
Bausinecht (bewundern):: Zeas,
was wären Euer Gnade sür ' lrnichti
ger HauSkuecht 'worden!"
IVas ist das Celten ohne kiebesglanz?
Richter: Madame, Ihr Gatte klagt
Sie des Angriffs an, Ist die Aullage
begrünbet?"
Fran: Ja: ich teilte ihm die 'Frage,
ob er jemals aushöre werde, mich zu
liebe, nd er besän sich mit seiner
Antwort so lange, daß ich nngeduldig
wurde und ihn mit dem Schrnpper in's
Gesicht schlug. Ich bin nur eine schwache
Frau und (in Thränen ausbrecheud und
schluchzend) welche Werth hat ei Sie
ben ohne Liebe?"
3 der lziße.
Herr Mever," sagte ter Ehef zornig
zum Eommlö, nun hauen sie oie
Fakturen, die ich Ihnen aultrug, wiener
nicht geholt!" So 'was besorge ich im-
mer gleich, wenn ich mich aus meinen
Dnselkopf nicht verlaffen kann!"
Schnell sertig,
..Kein Scherz, Fräulein Irma;,
aus Liebe zu mir sind bereits zwei
Mädchen wahnsinnig geworden und
Sie sollten mich wirklich nicht liebe
können?"
Nein, Herr Lieutenant!" Also
schon drittes wahnsinniges
Mädchen!"
keytks Mittel,
Unterosfizier (zu einem Soldaten, der
vom Pferd gestürzt ist und trotz aller
Zurufe nicht wieder zu sich kommen
will): He, Müller, stehen sie doch end
lich ans . . . . es bläst zumMittngessenl"'
Unsere Dienstmädchen,
Hausfrau (die ein Mädchen engagi
ren will): Wie lange waren sie in
Ihrer letzten Stelle?"
Dienstmädchen (verlegen): In mei
ner letzten Stelle? Ja, da war ich noch
gar nicht eingetreten, Madame!"
Falsch ausgesagt.
Richter: Schämen Sie sich nicht.
Huber? Sie sitzen schon das achte Mal
auf der Anklagebank."
Huber: Na, wat kann ick dafor,
wenn mir die Polizei immer uf de Pelle
sitzt!"
Schnell xarirt.
Dame: Wie kommen Sie denn bei
Ihren Jahren auf den Gedanken, mich
heirathen zu wollen?" .
Herr: Ja, du lieber Himmel, wie
einem halt eben manchmal so unver
hofft cm närrischer Einsall kommt."
vorsichiig.
Juwelier: Sie wünschen in den
Ring also die Worte .Erwin seiner lie-
den Olga' gravirt zu haben?"
Gigerl: Ganz recht, doch laffen Sie
den Namen Olga nicht zu tief einschnei
den!" Baarzahlung,
Schneider: Wenn Sie den Anzug
auf Abschlagszahlung haben wollen,
zahlen Sie zwanzig Mark an, und den
Rest in monatlichen Raten!"
Student: Wenn ich ihn aber gegen
Baar kaufe muß ich da auch etwas
anzahlen?"
Sxitzbubenrache.
Erster Gauner (auf einen Herrn zei-
gend): Tu. Ede, verhauen mir mal
den Kerl da!"
Zweiter Gauner: Warum denn?"
Erster Gauner: Der fabrizirt nämlich
diebessichere Geldfchränke."
Der farvknü im Atelier,
Was kostet's, wenn Sie mir für
meine Ahncngallerie einen Urgroßvater
malen?"
500 Mark!"
Ja, was fällt Ihnen denn ein? Für
200 Mark krieg ich schon den schönsten
Ururgroßvater!"
Begreiflich. 1
Studiosus (vor dem Portrait seines
Onkels): Was. dieser heitere, joviale
Mann soll mein Onkel sein? Ta ist doch
keine Spur von Achnlichkeit!"
Maler: .Aber, mein Lieber, Sie
pumpen a Ihren Onkcl immer an,
und haben ihn daher nochnieheiter
gesehen!"
Ausgexlaudert,
Pater (sich im Zimmer seines
:ohneK
keinen
umsehend): .Haft Tu denn
Wecker?"
Studiosus: Ist gar nicht nöthig, ich
werde Morgens um sechs Uhr durch das
Militär geweckt, welches hier vorüber
zieht!"
Hausmirthin: .Ja, und um elf Uhr
noch einmal, wenn es zurückkommt
nicht wahr, Herr Spund?"
Kürzn.
Lieutenant A: Wir ergingen uns
eben angesichts der steigenden Fluth auf
den Tönen der Nords, als die Gräsin
mir mittheilte, daß von näheren Be
Ziehungen zwischen uns nicht die Rede
sein könne!?
Lieutenant B: .Aber, lieber Kurt.
warum sagst Tu nicht tin'ach: sie gab
mir einen Strandkord!"
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