Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, January 02, 1896, Image 9

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    Zn irgend einer Zeit.
lion Jtiiilic 2lrUinadjrr.
Meine Mutter hat Diel Sorge mit
mit gehabt. Ich war ei Masse, be
kümmertes fiintt, hai selten lachte und
stillschweigend Thränen vergaß, ohne
selbst recht z wissen, warum. Wenn
Talent zur Freude in mir lag, so unter
druckten die Verhältnisse, oder die Art,
wie ich sie ausnahm, es völlig. (B
lastete ei dnnller Kummer uns meinem
Gemüth, der mich quälte, lange bevor
ich ihn verstand: Wir waren arm, und
ich schämte mich dessen.
Der angeborene Hochmuth einer im
geprüsteu Meuschenseele in Bcrbindnng
mit jener nnpassendslen Partnerin, der
äußeren Türstigkeit, die ungcschultc
Eiiipiiiidlichfeit eines jungen Herzens,
täglich gereizt und gczcrrt von rohen
kräkugcn, die der mehr oder minder
verzeihliche Unverstand für wirtliche
Demüthigung halt, mißleiten das Ge
niiith eines indes so leicht, wie das
eines (5lmachsencn. Und es ist nicht
selten beider beste Tugend, die natur
liche Bescheidenheit, die aus salscher
(iieringachtung der eignen Lebensvcr
hältnisse zu einer hülstosc Schwäche
wird, zum Mangel an Selbstvertrauen,
der müde, trübselig, unbrauchbar, vcr
liimmert mncht, den Erwachsenen wie
das Kind.
Ost schalt mich meine Mutter, Sie
war stets heiter und hatte den freien,
sicheren Blick, der mir fehlte. Sie sagte,
das; ich thöricht sei, leinen Grund habe,
mich zu verstecke, zu schämen, wenn die
andern vornehm thaten und prahlten.
Aber ich glaubte ihr nicht und weinte
still siir mich.
Wen sie weicher Stimmung war,
holte sie mich N'vhl ans meiner Ecke,
küßte mir die verweinten Augen und
sagte: ('ich', Kind! Sei verständig
und glaube mir: Die Arrnnth ist ein
Stolz, keine Schande ! Irgendwann
und irgendwie später oder früher, zu
irgend einer Zeit hat immer der Arme
dein Reichen gegeben, der Reiche vom
Armen genommen. Tu verstehst es nur
noch nicht !"
Nein, ich verstand sie nicht !
E that so weh, wenn die Kinder in
der Schule lachten über mein zu kurzes
Röckchen und meine alten Bücher; wenn
sie mehrere droschen für des Lehrers
('ieschenk bringen konnten, und ich kam
einen! wenn sie dein Bettler eine Gabe
geben dursten, und ich hatte nichts für
ihn.
Da war eine Kameradin, die quälte
mich bis afs Blut. Nicht, das, sie be
sonders boshaft oder schlecht war; sie
hatte nr eine leichte Art, mich zu über
sehen, wegzuschieben, über das Borhan
dcnscin einer so armen Mitschülerin zu
staunen, die unbeschreiblich verlebte hin
so mehr, als ich im stillen ihre Talente
bewunderte, ihre Fröhlichkeit liebte.
Ach, sie mochte wohl Grund zu der Zu
rücksetzung haben! Sie trug ja feine
Kleider und hatte eine wohlhabende
Mutter, die bei der mcinigcn dann und
.,,, ; fl) i(.lrh..it h..fti.lto
jyuiiu um jtuifmuiii "i11""'
Es machte mein uuausgcNartcs jun
ges Herz ganz matt, Irastlos und krank,
täglich von neuem in diese hulflose Ein
diidnng des eigenen UnivertheS zu er
sinken ;' immer in dem dunkeln Gefühl,
daß ich mich anfrassen und davon be
freien müsse. Aber ich wußte nicht,
wie. Es schlte mir ein Etwas, für
das ich keinen Namen kannte.
So saß ich eines Nachmittags,
verzagt wie immer. in unserer klei
nen Stube, während die NachbarSkin
der fröhlich draußen spielten, und grü
belte über irgend eine Rücksichtslosigkeit
meiner Schulqcsährtin nach. Meine
Mutter, von einem AuSgange heimkeh
rend und meine gerötheten Augen bc
merkend, fragte halb ärgerlich, halb
mitleidig: C Tu thörichtes Mädchen,
wann wirst Tu endlich einmal froh
werden, wie andere?"
Sie erwartete wohl keine Antwort.
Aber mein aufgeregtes Herz war so oll
von seinem Kummer, daß es mit Unge
stiim die Gelegenheit ergrirt, ihn schluch
zend zn gestehen: Wenn ich einmal
stolz sein dürfte, recht stolz, wie die
andern !"
Tie Mutter lachte inich nicht aus,
schalt diesmal nicht und hielt mir nicht
vor, daß Stolz eine Untugend sei ; sie
verstand wobl, was ich meinte: frei sein
von diesem Truck, der mein unverstän
diges Herz demiitlnatk. So kam sie
still zu dein Stuhl, vor dem ich auf
meinem Bäulchen saß, setzte sich und
nahm meine Hand in die ihrige.
jfiör' zu !"
Meine Thränen versiegten. Es war
ein Festtag, wenn Mutter erzählte, und
es geschah sehr selten.
Bor vierzig Jahren, oder früher,
lebte ein Knabe de'scn Eltern viele
Güter besaßen. Als seine Eltern aber
starben, war allcS verloren, und sie
hinterließen ihm nicht?, aber das 'ie
wohnlsein an viele Annebmlichkeiten des
Lebens und eine gute Erziehung. Tas
erstere machte ihm viele Schmerzen ; die
letztere half ihm darüber fort. Er
arbeitete fleißig und tüchtig. Toch
nicht stark genug für übergroße An.
ftrengung. weder mit bedeutende Ta
lenken, noch mit dem derben Egoismus
begabt, der sich auf Kosten anderer be
reichert, konnte er sich nur muhiam
durcb die Welt bringen. Als er ein
Mädchen kennen lernte, das arm und
aus ahnlichen Berbaltni'icn hervorge
gangen war, wie er seil n, veislarüe er
leiß und Ausdauer, wenn das nc
,?ziich war, in dem strebe nach
ei::em e'genen Heim. Beide arbeiteten.
Der
Jahrgang lß.
sparten und darbten und planten und
träumten Tag und Nacht, was sie thun
würden, wenn sie wohlhabend wären,
wie andere Leute, und sich ein Nest
bauen konnte, ähnlich demjenigen, das
ihnen ans der Kinderzeit als Paradies
vorschwebte ; ans die behagliche Art
und in den vornehmen Kreisen ihrer
Eltern.
Tcr Mann hatte einen Jugeudge
fährten, den Sohn seines Principals,
dem er in Freuudschast so scst und innig
ergeben war, wie der Braut in Liebe.
Glücklicher als viele, dürfte dieser, nach
dem er noch vor seines Baters Tode als
Evmpagnon in dessen Geschäft getreten
war, sehr jung die Frau seiner Neigung
heimfuhren, während der arme Buch
Halter und seine Verlobte Jahr aus
Jahr warteten. Sie singen schon an,
ein wenig zu verzagen, als ihnen eines
Tages, wie vom .Himmel gesendet, das
Glück indcnSchooß fiel: eine kleine Erb
fchast und ein Lotterie-Gewi. Alles
zusammen vielleicht wenig nach mancher
Leute Meinung, aber unendlich viel für
sie; genug, um sie frei und unabhängig
zu machen, um den Grundstein zu viet
leichterem Erwerb, zum Emporrücken in
die erwünschten Kreise und zn aussichts
vollen Plänen z legen. TaS war ein
Jubel! Unbeschreibliche Freude! Ueber
reiche Hoffnungen!
Zu derselben Zeit verlor der Freund
seinen Batcr. Sie hatten alles verab
redet, die rosigen Zukunftsbilder festge
stellt, ats der neue junge Ehes plötzlich,
es war einen Tag vor dem Begräb
iß des alten Mannes, zu dein Braut
paar gestürzt kam, todtenbleich verzwei
felt, halb wahnsinnig. Er war ruinirt.
sein Vater och im Grabe ei entehrter
Mann, wen ihm die Hülfe nicht wurde,
um derentwillen er seit zwei Tagen der
geblich an die Thüren seiner vornehmen
Freunde klopstc. Es war ihm nicht
mit einer Geschästsanlcihc, die in die
Bücher Übertrage werden konnte, son
dcrn nr mit einer Gabe aus das bloße
Versprechen der Rückzahlung hin, also
mit einem Freundschaftsdienst ohne jede
Sicherheit z helfen. Tie Thränen lie
fen ihm die Wangen herunter, fein jun
ges Weib jammerte zu Hause, sein klei
es Mädchen war ein Bettcllind, ja,
schlimmer als das, wenn keine Ret
tnng kam.
Er wvr nicht als Bittender, sondern
nur als Berzwciseludcr, als Freund zu
dem Freunde gcloinnicn. Er wußte
och nichts von dein plötzlichen Glück des
letzteren.
Tiescr stand in tiescn Sinnen ; seine
Lippen zitterten, seine Augen glühten,
ein heißer, schmerzvoller Kampf tobte in
feinern Innern. Er blickte die Braut
an und sah, daß sie empsand, wie er.
Sie waren ein Herz und eine Seele.
Und weil sie das waren, weil jeder
wußte, was der andere für recht hielt,
darum war der Kampf auch bald ent
schieden. Nach wenigen Minuten lag alles, was
sie besaßen, in den Händen des jungen
Ehefs.
Tie Miitter schwieg eine Moment,
um in meinen Augen zu sehen, die vor
Staunen und Neugier glänzen mochten.
Hätten sie das Geld lieber behalten
sollen. Elare?"
Was in diesem Augenblick plötzlich
in mir vorging, einen gehcimnißvvllcn
Instinkt zu sicherem, richtigem Gefühl
wandelte, weiß ich nicht; ich weiß nur,
daß mein ganzes Herz voll Ueberzeu
gnng und Begeisterung ausrief: Nein,
o nein !"
Tann saßen wir eine Weile still.
Mein Kindervcrstaiid grübelte.
Aber hat der Mann es ihnen nicht
zurückgegeben?"
ie zogen nach einem anderen Orte,"
tagte die Mutter. Gott segnete ihre!
Arbeit, sie konnte nt knappe Äittcln .
heirathcn und das glückliche Bewur,tlc,n te kampier von Hamburg nach Ber-! Ich bitte Sie. ich habe ja ohne Petro- sagten die Herrfchnften, den sie hätten
dcr guten That machte ihr Leben sorgen suhr. begegnete mir der Ansang nella kein Geld !" Und lächelnd kcbrle sie Ihnen sünfhlindert Mark dazu ringe
reich, daß sie aus einmal der Türstigkeit meines Abenteuers. jchre Börse um, in der nur noch zwei . händigt."
ihrer Beehaltmffe viel weniger einpsan- Es war da unter den Passagieren des Golaftücke glänzten. !
den. als je vordem. Tet Freund Schiffes eine junge Tame von außer-! Herrin, verfuget in Gnaden über Wenn man Schulic lieift.
wartete auf die gute Zeit, die ihm er-! ordentlicher Schönheit. Tie schien aus , das meine '." beeilte ich mich zu sagen. In dcr B.-Straße zu Berlin befindet
laubeii wurde, seine Schuld abzuzahlen.
Aber, gerade als sie gekommen war, !
liuio er. iet i.Muiue uiieu nur io uiei, j
mit anoesgemas mit tyren nwern j
lortleben zu können."
,n meinem lenken wurde etwas l
ttnllar.
-tanoeigema! raqie
sie d
ruck?
tte dem Manne nichts, gar nichts zu-,
Tte Mutter lächelte. Sie Hat die
Sache wohl damals nur fluchtig ge
hört und nun wieder ganz vergefien.
Kind."
Vergessen?" Tas begriff ich nun
gar nicht.
.Ader der Mann, hat er nie etwas
ge'vrdert ?"
Von der Wittwe? Zare das
gangen ?"
Tas ist wabr. nein! Aber ."
Er in auch iedr bald daraus gcnor-!
den. Kind."
Ich sah xlötzl:ch. daß große Thränen
ägnntagsgast
Beilage zum Nebraska Staats-Slnzeiger.
in meiner Mutter Augen getreten wa
ren. Sie weinte so selten. Ich zit
terte. Mein ganzes Herz zuckte lind
schlug zum Zerspringen, ich wußte gar
nicht, was mir war.
Mutter, liebe Mutter!"
Sie legte ihre Hand sanft über mein
Haar,
Weißt Tu, wer die Wittwe ist,
Einte?"
Ich öffnete die Lippen, ohne zum
Berneinen oder nur z einem Kopfschüt
teilt sähig zu sein.
Tie Mutter der Kameradin, um die
Tu Tich kraulst!"
Wir saßen, uns eng umschlungen
haltend. Ter Wind pfiff durch die
dünnen Wände unseres Zimmcrchens;
nur das trübe Licht einer Straßciila
kerne glitt zitternd über den armen,
kleinen Hausrath, Aber es war Plötz
lich alles anders, so wann, so groß
so erfüllt von einem Glanz, den ich nie
gesehen! Eine wunderliche Ahnung stieg
empor in meinem Herze wie von Gluck
und Freiheit,
lind wer wer war der Mann,
Mutter?"
Sie lächelte nicht, sie hob nicht den
Kops; nur ihre Augen glänzten, und
der Schlag ihres Herzens tönte lauter
gegen mein Ohr,
'lein Bater, Kind!"
Es glitt etwas von meiner Seele her
unter, jene häßliche Schale kindisch sal
scher Scham, die alle Lebenskeime in
ihr bedrückt und fast erstickt hatte; es
löste sich etwas vor meinen Augen,
der Nebel des Unverstandes, der mir die
Sonne der wahren Schönheit verhüllte;
und ein anderes trat an seine Stelle, so
groß, so hoch! Ich war plötzlich frei,
reich, vornehm, froh, wie die übrige!
Und über meine Wangen rollten Thrä
neu, wie ich sie niemals, nie geweint.
Gesegnete Tropfen, die mich stark ge
macht haben für das Leben!
O Mutter, Mutter! So stolz darf
ich sein? So stolz, daß wir arm
sind?"
Sie zog mich fester zu sich. Tu
nicht allein, Unzählige dürfen es! ES
giebt tausend Arten, zu geben und zu
nehmen: sichtbare und unsichtbare, frei
willige und unfreiwillige, Kind!"
Damals dämmerte in mir die Ah
iinng der Erkenntniß; aber erst spater,
als meine eigenen Augen in dem weiten
Kreise des LebenS sich umgeschaut hat
ten. wurde mir völlig klar, was sie
meinte. Ta sah ich rund umher an
den unzähligen Punkten der geschlossn
nen Linie jene großen Opfer um er
gefscnen Tank, schwere Mühen um
nichtigen Lohn, jene hohen Verdienste
um knappes Brod. Tausend Arten!
Und ich begriff es ganz, kummervoll
und doch mit Freuden: Zn irgend einer j ihren Arm beim Ansgleiten ihres lait
Zcit. irgendwann und irgendwie giebt gen, schmalen Fußchens ergriff n,'d sie
immer der Arme dem Reichen, nimmt
immer der Reiche von dem Armen:
ie willen es nur nicht!
Eine liebe Freundin bat mir diese l
kleine Geschichte erzählt. Ich schc sie j
nllc 5" iitie in ibrem Iib.iesbubieii Mtin-,
telchen an meinem Fenster vorüber-!
gehen
te hat ein blaues Gencht mit
großen, abgearbeiteten Augen. Aber
wenn sie auf die Schwelle tritt, ist es
immer, als ob ein Sonnenstrahl in das
Zimmer gleitet.
:Nr5. Im5v.
fteiii'abi'nttiicr von (f.
Soeben komme ich aus Norwegen,
und ich habe dort so Mattcherlei erlebt,
was des Erzählens werth ist. Ich er
lebte die lustigste Reisegesellschaft, die
schönsten Wasserfälle, die seltsamsten
Fische und den tieilteu Reinfall meines
Lebens
ckion wahrend ich aus dem elegan-!
vornehmem Haute, an ihrer Hand blitz-
teil zwei Trauringe, ein Zeichen, daß sie ;
injon uuiroe war. und ior encynikn
war ladellos.
-ie war Norwegerin, an einen Eng-
länderverbeirathet qeweien. und besuchte
kni tore rieimain. vin allcrlicvN
itockcndeS Englisch kam von ihren hüb-
sehen, etwas zu Ichmalen Lippen und sie
plauderte in einer grazio'en. halb deqa-
qirten, halb reservirten Weise mit ihren
Tischnachbarn. i
Teutsch konnte sie fast gar nicht.
-viiic vv zaiun au waren
wobl leicht sur sie. sagte sie; aber sie
zöge ihr heimisches Norwegisch und Eng-;
, l Ich vor. An Bord be'anden sich noch
ange-'einige andere Norweger; doch sah sie mit
' uemlich Iiidteri'ieringschatzung bei dieie
, binweg.
Nach etwas stürmischer abrt. wobei
' alle Tamcn mit Rusnabme der ichonen
Mrs. Handv nach und nach ,n dcn
Kajüten verschwunden waren, landeten
wir in Bergen. Mrs, Hadi hatte
mir die Huld erwiesen, mir zn gestat
teil, an ihrer Seite zu bleiben, denn
auch sie wollte nach Stahlheim reise,
wie ich.
Ueber die nächsten Tage gehe ich mit
Stillschweigen hinweg, denn ich habe
nur eine deutliche Erinnerung an die
achenden Annen und blitzenden Zahne
Lucy's, nicht aber an die Landschaft, Eines Nachmittags jedoch nahm sie
die mir in einem verliebten Licht von wieder wie in alten Tagen" meine
Blau und Weiß mit rosa Wölkchen er-1 Arm,
schien. ! Kommen Sie," sagte sie, Heut
Wahrhaftig, die süße Frau hatte ! Abend trifft Pctronella ei, dan,i kann
mich ganz närrisch gemacht. Wir fuh-' ich wieder leinen Schritt thun, ohne
reu auf einem Dampfer, in einem Kar- j kritisirt zu werden. Seien wir heut
riol, ja in demselben Handboot, wenn och einmal leichtsinnig; ich war so lange
cs eine kleine Insel zu besuchen galt, nicht "shoppin"."
Am drolligste war sie, wen sie hier! Und shoppinir ginge wir, TaS
und da ein kräftiges Berliner Wörtchen ; heißt sie siihrte mich in ei halbes
in ihre Rede warf. ! Dutzend eleganter Lüde, wo sie Ei-
Fragte ich sie, ob ihr die Gletscher ge- j täiife machte, Ta waren Fächer,
fielen so sagte sie oft: "splendid'' ; Sljiitvls, Handschuhe, !Schitzcrcicn,
oder "just lovely;" einmal aber rief ! Parfüms, Schuhchen und zuletzt nor
sie ei richtiges verblüfftes Tonner-! wegische Schnnicksachen, die ihr ganz
weiter!" als unvennuthet ein herrlicher
Wasscrfall vor uns aufzischte.
Ich lachte hellauf.
Wo haben Sie das Wort her, gnä -
dige Frau?"
sie war etwas verlegen.
O," sagte sie, das ist meines Ehar-
Ich Schuld. Es machte ihm Spaß,
mich deutsche Kraftausdrücke z lehre,
und ich kann eine ganze Menge."
In Stahlhelm sollte ihre Kummer
srnu sie erwarten sammt mehreren Kof
fern und einer größere Baarschaft.
Ich nehme ' nie gern viel Geld mit
mir," erklärte sie, denn ich verliere zu
oft Etwas und dann kaufe ich so
schrecklich gern unnützes Zeug,"
Und Sie meinen, das könne Sie
in Stahlheim nicht?"
O, Sie werden meine alte Petro
nella ja sehen! Sie war einst meine
Kinderfrau, jetzt ist sie Kammerfrau
und Courier in einer Person. Mein
Batcr wünscht, daß sie mich auf Reisen !
bealeitet; abcr.es ist manchmal unbe-;
(liiern, denn natürlich tnninntfirt sie ! und war hinweggeschwebt, aber nicht,
mich." ! ohne mir vorher mit einem Händedruck
Ihr Herr Pater lebt noch ?" wagte ! eine Rose in die Hand gelassen zu haben,
ich zn fragen. j Am nächsten Morgen wachte ich sehr
Ja, er lebt auf seinem retiro. seit ' früh auf. Ich schlief bei offenem Jen
er den Staatsdienst quittirte," sagte siebter, und von Lucy's Balto, der unter
leichthin. Ans der Rückreise trifft er! mir lag, hörte ich Tafiengctlapper und
mich in Berlin, wir wollen im Herbste l Fraiienstimmen herausschälten,
an die Riviera gehen." Aha!" dachte ich. Madame Petro-
Mit erhöhtem Respekt vor den groß-, nelle hat ihren Einzug gehalten,"
artigen Verhältnissen meiner Aiiqcbcte-1 Gleich darauf quoll Lucy's silbernes,
ten blieb ich in ihrer Nähe. Ich war leises Lache zn mir herauf und ich hörte
sicher, daß auch ich einige Eindruck auf : sie sprechen. Aber, 0 Wunder, sie sprach
ihr Herz gemacht yntte , das sagten !
mir ihre unschuldigen braunen Aiiqen '
...... IV .1 .r.
vil iiilveiviikl. .ill. ein nui. llis in 1
aufrechterhielt, sagie sie leite: tnnnk :
you, dear," und ich glaube, nein, ich j
weiß, daß sie sich ein klein wenig an
- miA iinirfimiftitp.
Tie Tage vergingen mit derjenigen j
?cki,tsi- mit ivr iie ripmehcn metm sie I
angenehm lind, und eines Morgens be- i
fand ich mich in demselben Hotel mit, sagen: Tu, Luzeken, hier sehlt ja noch
Lucy in Stahlhelm. das Packet mit den Schmucksachen?"
Bei der allgemeinen Wirthstaset kam ! Na, so ne Rnppizkeit!" sagte die
sie mir mit einem reizenden Ausdruck ' Tame in unverfälschtem Berlinerisch,
dcs Schreckens und der Unruhe auf der; da hat doch mein alter Esel oben noch
Stirn sie trug keine Stirnlocken 'Jliick N aber raus, es :s die
entgegen, ! höchste Eisenbahn!"
Tcnkcn Sie, wie abscheulich !" sagte j Gleich darauf klappte eine Wagcnthür
sie leise, aber aufgeregt, ich habe weder ! und Räder rollten davon.
Petronclla noch eine Nachricht vorge- Als ich zum Portier hinunterkam,
funden. Ist das nicht ganz außer-1 meldete mir dieser, Mrs. und Mr.
ordentlich unangenehm?
Ich ver ichertc ihr, da ich es im
Gegentheil liebenswürdig von der alten ' ?!r. Handy?" stammelte ich. , hingen über diese originelle Konstruk
Tuenna säudc, sich noch abseits zu! J,:wohl," sagte der Portier mit ei-! tion macht t,je Moderne Kunst" in
halte. :'.eai merkwürdig vergnügten Gesicht. " einem ihrer jüngsten Hefte. Tie Achse
i-, -c n unoeroenetiiq : inciik ,
e halb Ichinollend. Ader mein Geld ! :
Und wer unter Ihnen, meine sehr,
geehrten Leser, hätte anders geantioor-;
teil ,e Letcrinnen naliiriicl, iicyine Ich
aus
Lucy sah mich einen Augenblick ver-
legen an, dann aber zog ein Aiisdrnck
I,d ickicr Nil, onakcit bcr ,br GcnSt-
chen und sie nickte mir sreundlich ,u.
Ich acceptire," sagte sie Sie sind
sehr freundlich. Wollen -ie dcn Zbee
aus meinem Ballon nehmen, so werde
ich mich fedr freuen."
Einiae Stunden spater hatte ich Mrs.
vanoy m einem i'ouverr , 'arl
übergeben, batte von ihr ein liebreizend
neckisches Tanke" entaeqengenommen
und faß jetzt ihr gegenüber iini dem
Ballon, ein seliger Aann. i Runiamen Emma borte, '!ed,:i!s!ag.
Am nach'Icn Morgen Ibeiltc m:r Lu,n Ta nun auch solch' ei Zag n-.A l cchiie
mit, daß ihre alle Pctronella erlran!! die üblichen ieschenle vornberzu leben
gewesen, ibr aber mit d,r Fritbro ge ,p'!eil. so gab e? bei den ?:'7p,l Zchul
schrieben bbe, daß sie v Adkan der zes den ganzen Vormittag über d.e bc.b
Wriie bc'Iimnil einträfe.
No. 33.
Nun begann eine bewegte kurze Zeit.
Luch, umschwärmt von allen Jnngge
seilen und einige Strohwittcnt des
Orts, war die Gefeierte des Tages.
Tie flog buchstäblich von einem Per
gnügen in'ä andere und ein päar Mal
mußte ich rnikmuthig zusehen, wie sie
tanzte, Tennis spielte, Partien machte,
ohne mehr als einen flüchtigen Blick für
mich zu haben.
! besonders genelcn. tete kaufte Broschen
Nadeln, Halsschmuck, Ringe das
Meiste, um es Freundinnen 1 England
z mitzubringen und jedesmal beim
t fortgehen jagte sie zu dein Ladern-
; haver, oyne z vejatjicti:
Senden Sie cs an Herr Fahrow,
siir Mrs. Handy, Zimmer x, Victoria
Hotcl." Es war meine Zimmernuinmer,
Beim Nachhauselonimen insormirten
wir den Portier, daß alle Packele zu
Mrs. Hand zu schasse seien. Ich ging
a jenem Abend zu Bett mit der seifen
festen Ueberzeugung, daß Luch nur noch
auf meinen förmlichen Antrag warte,
um meine Braut zu werden. Als wir
uns i der menschenleeren Halle trenn
ten, hatte ich ihr Hündchen festgehalten
und gesagt:
Ich wollte, all die Packele wären für
Mrs. Fahrow abzugeben, statt fiir MrS.
Hand."
Ta hatte sie m,t einem scheuen rti-
tciimick gesagt: "Patience, dear!"
deutsch, und zwar sließend
Nun aber sir, " sagte sie. sput' Tich
oi:.l. v.. an..'., n.u n
ein ?i'-un , vel 'uucil i uuu :
ten.'
Immer langsam voran," antwortete
eine sonore Männerstimme, wir
habe noch fünf Minuten Zeit."
Ich lag wie erstarrt; unbedingt mußte
icb inirb nnrrt fmbstr hnS ronr tiMif
i'uch's Stimme gernefen sie tonnte ja
misfi nMit TpitHi-h
Plötzlich hörte ich den Herrn wieder!
Handy seien soeben abgereist und ließen
mich noch vielmals gruncn.
uno oie cmnuiigen xtr cie neiiuiiKii :
Sachen würden Sie schon bezahlen
sich ein Haus, besten Wirth, ohne die
Folgen zu bedenken, noch zweien seiner
üjftell,,
Miether erlaubt" hat, den iingewohn-, drucken blitzschnell öffnet und schon wie
lichen Namen Schulze, den er selbst , der gcschto'scn ist, wenn der Schuß er-
... i.vf,.. 'M.i.. . .Mli.il.i.i r-..-w . . " .
tragt, zufuhren. Tiefer Tage sollte!
des Wirthes Töcklerlein" mit Na-
mcn Emma, in den s-tand dcr liciliacn ,
Ehe treten. 2'ie eS bei solchen Gcleaen-
bcitcn stcts dcr Fall zu fein pflegt, wur-
den von den Freunden und Verwandten
die HochzcitSgeichenIe dcr angch, ndcn !
jungen Frau am vorhergehenden Tage'
ins aus des Papas geschickt. Am'
gleichen !.age yalle aver des lurnach-
vars ocylerchcn. das ni.l'I nur den,
ValcrSnamen Schutze iührte. fondcrn
auch - - ein Spiel des ,',uja!!s. auf den
, loieile Verwirrung. Jeden Augentli,
ging die Klingel, bald rechts, bald
liiits, und irgend ei Bote kam mit ei
ei Packet siir Franlcin Emma", bis
eS enolich gegen Mittag, als bereits
mehrere Hochzcitsgcschenke beim Ge
burtStagskiude, verschiedene Gebtttts
lagsangebindc aber beim Hochzcitskinde
abgegeben waren, dem HochzcitSpapa
Schulze den doch die Sache zu arg
wurde. Eine drastische Maßregel machte
der konfusen Geschichte" ein Ende. Als
der nächste Bote kam, um ein Geburts
tags-Gescheiik zu bringen, wurde er vom
Klingeln durch einen an der Thür an
gebrachten Zettel abgehalten, worauf in
riesigen Buchstaben geschrieben stand:
Hatt! Hier wohnt der Hochzeits
Schulze!" Das Beispiel fand beim
Nachbar sofort Nachahmung, denn als
bald Prangte gegenüber ein gleicher An
schlag mit der Bezeichnung, daß hier der
GeburtslagS-Schlllzc" wohne. Wie
ach Becndigiing eines Krieges die Ge-
sangenen, so wurden darauf von beiden
Parteien unter großer Heiterkeit die
Gescheute ausgetauscht. Tas Geburts
tagstiud möchte aber das nächste Mal
am liebsten HochzeitSgcschcnkc entgegen
nehmen. (vine kistorischc 2ck,pftabcksdose
Ter Getrcidehändler Woltrecht in
Roßlau, befindet sich in, Besitz einer
Einailledose, die in der Familie etwa
seit 100 Jahre fortgeerbt worden ist
und ohe Zivciscl ei historisches Anden
kcn an die Schlacht bei Lcuthcn darstellt.
Wahrscheinlich handelt es sich um ein
I'Icschcnk, das Fricdrich der Große einem
seiner Generale gemacht hat. Der
Teckel zeigt sowohl ans der Außen- wie
auf der Innenseite das Bild eines Rei
tcrs. Ueber das Bild af der Außen
feite giebt die beigefügte Inschrift Ans
f mist, indem sie dasselbe bezeichnet als
das des Kgl. Preußischen Eouriers
Herrn Lut. Ban, von Putlitz, welcher
dic srohc Nachricht von dem von Sr.
Kgl. Majestät in Pr. bei Borne in
Schlesien über die große österreichische
Armee von KO.Ooo'Mam, den S. De
zember erfochtenen Siege dein Kgl.
Pr. hoffe nach Magdeburg überbringt."
Tas Bild auf der Innenseite des Te
ckels stellt den nach Wic gehenden öfter
rcichischcnEouricrdar. AnfdciiTchmal
scitcn dcr Tose finden sich ferner fol
gcnde Inschriften: Gesangcnc: 2 Gene-
rals, :!7 Offiziers, :n,5O0 Gemeine"
und Beute: l'M Kanonen, "1 Fahnen
und Standarten, 4000 Bagagcwagen."
Tas preußische Hosinarschallaint unter
handelt iin Austrage des Kaisers wegen
Ankaufs dcr Tose, die dem Hohen-zollcrn-Mnscum
einverleibt werden soll.
Heiteres.
Auf einer Rcifc durch Italic wurde
dcr König Humbert in einem kleinen
Städtchen von Picniont von der Bür
gcrfchaft und dem Bürgermeister em
pfangcn und der letztere drückte feine
Ergebenheit in einer kurze, aber in
haltsrcichen Rcde ans. Alles ging gut
bis der König mit seiner gewöhnlichen
Likbenswürdigkcit und Leutseligkeit die
Hand dcs Bürgermeisters ergriff und
sie krästig schüttelte. Tcr arme Mann
wurde hierdurch so verwirrt, daß ihn
seine Beredsamkeit vollständig verließ
und er nur noch zur großen Belusti
des Königs die Worte stammeln
tonnte: Maienat ickt hn 1 ffip ni
: ' ' ' '
ehe, könne Sie in Frieden sterben
Der bekannte Dr. Heim in Berlin
wurde eines Tages zn einer Dame ge
rufen, die wegen ihres Adelstolzes be
lannt war. Trotzdem Heim dies ge
mußt, sagte er doch beim Eintritt in
: f flfniüthUeljen 2ont: Nun,
! aeht , liebe Frau ?
wie
. 'm' la' .. t"" 'nüin- er
setzte die Tarne empört.
Tas thut mir leid." erwiderte nun
Heim lächelnd, aber von diesem Uebel
taun ich Sie nicht befreien."
Ta pliotograpliircndc ewtlir
ist die sensationellste Ncnbcit aus dem
Gebiete dcs Jagdsports. Tas Gewehr
giebt dem Schützm die Möglichkeit, die
Position des Wildes iin Moment des
Schusses genau festzustellen, rcw. nack-
! zuweisen, ob ein Kern- oder Fehlschuß
aefallcn nt. Etniac ältere Mittkri.
oe pnoioaramntchen .'Ivvarates hi
unterhalb dcr Gewehtinundung ange
bracht ist. ist genau aus den Zielpunkt
: des Gewehres gerichtet und es in somit
zweifellos, daß das entstehende Bild ge
j nciii die Steile wiedcrgicbt, auf welche
! im Moment des Abdruckcns die Miin
i düng dcs Gewehrs gerichtet war. Ter
Apparat ist so mit dem Abzug des Ge
wcbrcs verbunden, daß er sich ieim Ad'
lbzng des Ge-'
sich beim Ad-
folat. so da die Ersck,ii,cr!,n.i .-.
nähme dcs Bildes keinen Eintraa medr
!, I,in ?,r !,,.,,( ., ;....
'Zeit vnm Mmwhr ,,i, ' t.
daß dic'es auch frei gebraucht werden
kann.
an-Dali.
Richter: .War denn dcr O.til,
oen ,e qezioyien vaven, Atigetlagler?'
.'ingeuaqier:
Hrr Richter
Ji'rcr Große."
?,a. Nils in't i , ,
etwa ein Ochs von
,s,!',
Junger Et'enla!nbeainter ,der feiner
?irg,!eleien den ei'lcn .inß gebenl:
.,-!. d: Ä',f,!,'g?'!ü,on n-aie glücklich
i,a"irl'."