Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, November 21, 1895, Image 12

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    Unter Rronzlvind.
Sine Hw,'Ic 011 Cäsar .laufiimmu.
Als bet Ckrft von Schuln mit fei
itet Ftm, uiid feinet zwauzigjährigc
Tochler Hildegard auf bet italienischen
Reise mit bet Gesellschaft, bet et sich
geschlossen halte, ach Mailand kam,
fand et l,iet im Hotel unter seiner
Äbresse einen Kreuzband mit Leitungen.
i5r öffnete ihn imti sah einige Wummern
der Hauptptvvinzzeitung, sowie ichrerc
Nummern des Lokalblattes seiner Garni
, so. Der Oberst suchte zuerst eifrig
' ach, ob itgend ei besonderer Artikel
dct eine Nachricht i ben Zeitumie
angestrichen sei, fand aber nichts Terar
tigcs, Tic Handschrift auf ben, Streif
band war die eincS Mannes, der ziem
lich viel in feinem Leben geschrieben
haben mußte, Es war eine sogenannte
gebildete" Handschrift ; sie war aber
dem Obersten völlig unbekannt, und
nch Frau und Tochter erklärten, sie
iviifitcn nicht, wer der Absender sei.
Die Zeitungen wurden indeß sorgfal-
gelesen. Man war schon langer als
ine Woche von Hanfe fort und hatte so
nir keine Nachrichten über die Kleinig
Zeiten des Lebens und die täglichen Bor
kominnisfc. Die hohe Politik und die
wichtigsten Nachrichte erfährt man ja
nif der Reise ans den Zeitungen, die
man in Hotels undCafeö findet; aber es
interessirt uns unterwegs doch auch,
und vielleicht mehr als sonst, wenn wir
zn Hans sind, Alles, was in unserer
fugen Heiniath nnd deren Umkreise ge
schieht. Es interessirt uns aus das Leb
hafteste, zu erfahre, daß es i dctRach
batschaft eine gtoße Fcuetsbtunst gege
ben hat; eserrcgt unser höchstes Interesse,
ns dem Lokalblatt zu entnehmen, daß
irgenb eine uns bekannte Persönlichkeit
verstorben oder in irgend einer Weise,
durch eine Beförderung oder Ernennung,
ausgezeichnet worden ist. Seien wir
ehrlich nd legen wir die Hand aus's
Herz ; am kleinen Klatsch hängen wir
doch schließlich Alle, wenn wir uns auch
noch so erhaben darüber dünken, und
sind wir auf Reisen, so interessirt uns
das Inserat eines Geschäftsmannes, bei
dem wir zn Hans unseren Bedarf decken,
zuweilen mehr als der wichtigste hochpo
Wische Leitartikel.
Als der Oberst iibcr Turin nach
Genna kam, fand er hier wieder einen
ziemlich dicken Kreuzband, der sogar mit
einer Zwanzigpfennigmarke frantirt
war. Die Adresse zeigte wieder dieselbe
Handschrift : der Band enthielt die fort
laufenden Nummern des Provinz- nd
Lokalblattes.
Der Oberst nnd feine Familie begrüß
"teil diese Sendung diesmal mit nver
Wiener Freude. Sie konnten 'im
Zusammenhang die Nachrichten verfol
gcn, erfuhren Alles, was geschehen war,
'wenn auch die Zeitungsnnmmcrn einige
Tage alt waren, und der Oberst konnte
nicht umhin, mit feiner Frau zusammen
ernstlich zu überlegen, wer wohl der
Absender sei.
Hast Tu Jemanden beauftragt, uns
die Zeitungen nachzuschicken, oder hast
Du vielleicht irgend Jemand gegenüber
den Wunsch geäußert, die Zeitungen zu
lieibc?" fragte der Oberst seine Gattin.
Nein!" erklärte diese; ich habe gar
nicht daran gedacht, daß einem die Lek
tiire dieser Zeitungen uutcrwegs so viel
Vergnügen mache könne."
Ich begreife es icht, wer uns diesen
Gefallen erweist. Es handelt sich ganz
entschieden um eine Aufmerksamkeit, für
die wir dankbar sein müssen. Hoffentlich
treffe diese Sendungen auch auf der
eiteren Reise ein, denn wir bleiben
länger als einen Monat unterwegs, und
in dieser Zeit will man doch erfahren,
wie es im Garnisonnestc aussieht."
Um der Wahrheit die Ehre zu geben,
wollen wir nur konstatircn, daß das
.Garnisonnest", von dem der Herr
Oberst so despettirlich sprach, eine Stab
vo 0,()(I0 Einwohner war. Aber der
Herr Oberst von Schölln war ei sehr
kurz angebundener Herr, der die stnr
Zen Ausdrücke" liebte und mit dem iibcr
Haupt nicht zu spaßen war.
In Pisa war nur ein Tag Aufenthalt,
Aber in Rom fand man nicht nur einen
Streifband, sondern es kam während
des Aufenthalte anch noch ein zweiter
nn. Hier siel dem Obersten erst auf,
daß der Absender dieser Kreuzbänder sich
sehr genau über seine Reiseroute insor
mirt haben mußte. Jedenfalls besaß er
inen Prospekt der Reisegesellschaft und
berechnete genau die Taten der Ankunft
der Reisenden in den vetschiedcnen
Städten. In dem Lokalblatt stand die
se Mal ein sehr wichtige Nachricht.
In einem Geschäft, in dem auch der
Oberst mit seiner Frau Einkäufe lachte,
hatte eine Gaserplosion stattgefunden, es
waren Menschen erlejvt worden, und in
mehrere aufeinander folgenden Num
mern wurde ausführlich über das Un-
glück und das Befinden der Perlenen
berichtet. j
Tas intcressirtc natürlich die Reisen-;
den außerordentlich, und als der Oberst j
mit Gattin und Tochter Abends auf,
feinem Zimmer beim Thee faß und!
eifrig in den Zeitungen las. erklärte er : j
Ich gäbe Etwas darum, wenn ich
wüßte, wer uns diese !esallig!cit lind
Auimcrtfamkeit durch das Zusenden der
Zeitungen erweist. Weiß Gott, ich
vurde mich herzlich freuen, zu erfahren, ,
wer fo liebenswürdig ist." I
Fräulein Hildegard, nebenbei bemerkt
eine lehr liebliche Madchenblnmc (mit
dieser Bezeichnung honen wir uns eine
steckbrieiliche Beschreibung der jungen
Tome zu crivarei,), rauiverte sich einige
Aal und sab dann nach dem geftrei'g
Papa hinüber. Taun begann sie
schüchtern; C j
Ich glaube, Papa, ich weiß, Werder
Absender der Streifbänder ist,"
Nun, wer soll es den sein?"
Ich habe die Handschrift erlannt,
Papa, Nicht gleich beim ersten Mal
kam ich dahinter, aber es find mir her
nach doch gewisse Schristzügc ausgefallen,
und ich habe mir Mühe gegeben, mich
zu erinnern, wo ich diese schon einmal
gesehen habe."
Nun, und wer ist es denn?" fragte
der Oberst etwas ungeduldig.
Ich glaube, eö ist der Lieutenant
von Lübner, Papa,"
Tas Gesicht des Obersten verzog sich,
und zwar nicht zu einem liebenswürdi
gen Ausdruck.
Ach der !" sagte er beinahe vcr
ächtlich und fügte noch ein Wort hinzu,
das wenig Respekt vor diesem Lieutc
nant von Lübner ausdrückte.
Auch die Frau Mama meinte ;
Du irrst Dich wohl, Hildegard."
Hildegard war sehr roth geworden,
Nein, Mama", erwiderte sie; ich
glaube, ich irre mich icht. Ich entsinne
mich eines eigenthümlichen Zuges gerade
bei dem L, das Lübner in seinem Namen
hat. Ich kenne dieses L von meinet
Tanzknrte, in die er sich einzeichnete.
Dieses große L habe ich wiederholt in der
Adresse gefunden."
Der Oberst dachte einen Augenblick
nach und sagte dann :
Ich verstehe Dich nicht. Wie kommt
ein großes L in unsere Adresse? Wir
haben iiiis bisher in keinem Orte befun
den, dessen Name mit einem großen L
anfängt ; Mailand, Gcnna, Rom schreibt
man doch nicht mit großem L ! Und
wenn ich mir die ganze Adresse vcrgegen
wärtige ; Seiner Hochwohlgeborcn dem
Königlichen Oberst nnd Regiment!!-
mandeur Herrn von tcchölln .
Dieser Logik gegenüber wußte Hilde
gard nichts Anderes zn thun, als noch
röther zn werden nnd zu schweigen.
Der Papa schien zu triuniphircn, daß
er Recht behalten hatte, und sagte ;
Dn siehst, wie man sich irren sann.
Der Mensch und mir Gefälligkeiten
erweisen ! Ich glaube wenn et mich bet
giften könnte, et gäbe Etwas darum.
Der dankt Gott; daß sein alter Oberst
icht da ist nnd ihn täglich rüffelt, den
miserablen Soldaten, den unser Herr
gott im Zorn zum Lieutenant gemacht
hat. Der fürchtet sich vor dein Tage, an
dein ich zurückkomme."
Damit war die Sache vorläufig abge
than. Auch in Eatania, in Palermo und
und dann in Neapel trafen diese Kreuz
bänder mit außerordentlicher Regclmä
ßigkeit ein, Gekränkte Unschnld kommt
immer zu ihrem Rechte ; In Neapel kam
ein Kreuzband an, den der Herr Oberst
auf das Sorgfältigste revidirtc. Dabei
entdeckte er, jxijj zu dem Streifband ein
Stück Papier verwendet worden war,
das wahrscheinlich schon früher einmal
als Adresse gedient hatte. Auf diesem
Stück Papier, auf der inneten Seite
des Kreuzbandes, stand deutlich der
Name Lübner. Es war jebenfalls sehr
leichtsinnig von bei Herrn Lieutenant,
derartig beschriebenes Papier zur Adresse
zu verwenden, denn es ist dies postalisch
untersagt, und eventuell hätte der Herr
Oberst ein kolossales Strasporto für die
Sendung zahlen müssen. Zum Glück
hatte man auf der Post das Versehen
des Herrn Lieutenants nicht entdeckt ; der
Oberst nahm aber Bcranlassnng, wieder
über den Unzuverlässigen und Unauf
merkfamen losziiwettern und sich über
ihn in Ausdrücken zu ergehen, die das
gerade Gegentheil von Liebenswürdig
keit und Freundlichkeit Ware,
Wer war den nun eigentlich dieser
schreckliche Mensch, den der Oberst fast
zu hassen schien?
Als Mensch war cr jedenfalls sehr
angenehm, sehr liebenswürdig, sehr
sreundlich. Er war ein schöner Mann,
nnd nichts wäre an ihm auszusehen ge
ivesen, außer daß er Soldat war,
Tazn eignete er sich wirklich nicht. Er
war unter Mittelgröße, war ein wenig
schmerfällig, weil er trotz seiner verhalt
ißinäßig jungen Jahre stark zum Ein
bonpoinl neigte, cr war außerdem phlcg
matischet Natur und Tas, was man
pomadig" im Dienst nennt. Tiefe
pomadige Leute waren aber dem Oder
sten von Zchölln, der zu den schneidigsten
Herren gehörte, ein wahrer Greuel.
Er verlangte von seinen jungen Ojfizic
ren Elastizität, Schneidigkeit und vor
Allem Tienstfrendiqkcit. Er wollte,
wenn er einen dienstlichen Auftrag !
ertheiltc, dem Untergebenen vom Ge-!
sichte ablesen, das ihm die Ausführung
dieses Auftrages Freude machte.
Wenn er aber dem Lieutenant von Lüd
ner einen Auftrag gab, sah dieser so
gleichgültig drein, daß der Oberst fuchs
ieufetwitd wurde. Eicwvhnlich ahm er
dann sofort Vcranlaung, ein dienstti
chcs Tonncrivetter sich über dem Haupte
des pomadigen Lieutenants entladen
zu lassen, wurde jedoch dadurch
gewöhnlich noch wildcr, dcnn auch dicscS
Tonncrwetter rührte dcn Lieutenant gar
nicht. Taß unter solchen Umstanden
zwischm dem phlegmatischen Offizier
und dem schneidigen ommandeur keine
besondere Freundschaft bestand, ist
eigentlich selbstverständlich.
Und doch schickte dieser Mann jetzt dem
Obersten i liebenswürdigster Wciie die' Als man sich aber auf dcr Rückreise . umwickelt und rauchte aus einer blcn
Zeitungen nach? Es war kcin Zwei-, befand, und als Mutlcr und Tochter dendwcißen. langen Zbonpfcife. Dun-
sei, daß Lübner dcr Absender war. allein im Korridor des Durchgangs 'er noch ecnmal, dat is ja min Krischai, (
Frau von Schalln würbe tiefsinnig. Wagens standen, sagte die Mama ihrer Henneinann!" rief Blückicr schon von.
Wir meine!, das nicht im unglücklichsten , Hildegard, daß sie Alles" wine. , Weitem. Kerl, wie siehst Du aus und
Zinne, sondern wollen es nur so ver-i Tarauf blieb das Fräulein aber was machst Tu denn hier?" Ehristian
standen wii'e. daß sie felir nachdenklich . stauuenswerth kübl und sagte: Er hat Hcnnemann war es in dcr That, iah
wurde. Sie war au dcr Ansti! ge- unterdcß seinen Abschied gcuommen und , rccht murri'ch darein nd betrachtete,
ivesen, Hildegard habe sich geirrt, als sie
schon in Rom behauptete, diese Kreuz-
bäiider stammten von Lübner. Nn
hatte sie doch Recht. Sollte sie etwa
schon vorher gemußt haben, daß der
Lieutenant seinen Obersten diese Auf
mertsamk.'it erweisen würde?
Tic Frau Oberst legte sich auf die
Lauer, In Neapel lras noch ein zwei
ter Kreuzband ein, und im sah sie, wie
die Tochter ach dein Umschlag, auf dem
die Adresse stand, griff ud dann mit
einen. Riß die Briefmarke entfernte,
Aber was machst Tu denn da?"
fragte erstaunt die Fron Oberst, d
betrachtete das abgerissene Stück Papier
mit der aufgeklebten Briefmarke, da
sich in Hildegards Händen befand.
scharf. Was willst Du denn mit der
Briefmarke?"
Ich sammle Briefmarken."
Die Frau Oberst schüttelte darauf
den Kops nd sagte;
Es ist ciiie ganz gewöhnliche deutsche
Zwanzigpfennigmarke. Seit wann sam
melst Du denn svlche Dinge?"
Darauf wurde Fräulein Hildegard
sehr verlegen und erwiderte;
Ich sammle seit einiger Zeit alle
Briefmarken. Ich liefere sie an das
Eomike für die Waisenkinder ab."
Nach dieser Erklärung schwieg die
kluge Mutter, obgleich sie wußte, daß
ihre Tochter gelogen hatte. Als aber
Hildegard wenige Minuten spater cr
klärte, sie wolle auf ihr Zimmer gehen
und einen Brief an eine Freundin
schreiben, gab ihr zwar die Fra Mama
die Erlaubniß, stieg dann aber selbst
sehr leise nach dem eigenen Zimmer hin
auf, das sie zusammen mit dem Gatte
bewohnte und das unmittelbar an das
Hildegards grenzte.
Wir entblöden uns nicht, zu erzählen,
daß die Frau Oberst durch das Schliis
seiloch ihre Tochter Hildegard im Neben
zimmer beobachtete. Einen Vorwarf
kann ihr daraus Niemand machen, denn
sie erfüllte in diesem Augenblick nur ihre
Mutterpflicht, Sie sah ganz deutlich,
wie Hildegard die Briefmarke vorsichtig
mit Wasser befeuchtete imd sie nach eini
get Zeit von dem Papier, auf dein sie
klebte, abzog. Die Briefmarke selbst
warf Fräulein Hildegard verächtlich bei
Seite; das Stuck Papier aber, das in
ihrer Hand geblieben war, schien sie sehr
zu intercssircn; die Frau Oberst sah so
gar, daß Hildegard auf dieses noch
feuchte Papier ihre Lippen drückte.
Ebenso sah sie dann, wie Hildegard das
Blällchen Papier sorgfältig in ihrem
Portemonnaie verwahrte.
Die Frau Oberst war zu klug, um
darauf ohne Weiteres ihre Tochter ins
Verhör zn nehmen; sie beschloß, den
nächsten Kreuzband abzuwarten.
Dieser traf ein, als man sich auf der
Rückreise von Florenz befand. Dies
mal griff die Iran Oberst nach dem
Packet nd entfernte mit einem kühnen
Riß die Briefmarke mit dem Stück Pa
pier, auf dem sie festklebte. Sie hatte
dann ihre heimliche Frendc daran, zu
sehen, welche Kriegslisten Fräulein Hil
degard versuchte, um sich in" den Besitz
dieses Stückes Papier zu setze, Tic
Frau Oberst that aber, als stecke sie in
Gedanke das Papier in ihre Tasche,
und entfernte sich dann, ui sich i ihrem
Zimmer einzuschließen.
Tort angekommen, löste sie die Brief
marke vorsichtig ab und fand ans dem
Papier unter derselben mit einer feinen
Feder und in kleinster Schrist gcschrie
ben:
Hunderttausend Küsse sendet der
süßen, süßen, süße Hildegard ihr
Benno."
Beniio hieß der Lieutenant von Lüb
ner. Mit einem Schlage wußte nn
die Fra Oberst Alles. Mein Gott, sie
war anch einmal jnng gewesen, sie halte
auch heimliche Briefe gewechselt, sogar
mit ihrem Gatte, als er ihr Bräutigam
mat. Abct das war ihr doch neu, daß
man eine Eottespondcnz unter einer
Briefmarke führen könne. Sie verstand
auch sofort, wie Alles zusammenhing.
Hildegard nnd Lübner waren ein Lic-
bcspaar. Hildegard schrieb Wahlschein
lich vo der Reise sehr häufig a ihn.
wenn sie erzählte, sie schreibe Briefe an ! Gluck, Im Verlause des Gespräches,
ihre Freundinnen. Lübner konnte nicht j das, weil der Marschall Vorwärts kein
gut an Hildegard schreiben, weil der! Englisch, Wellington aber das vo
Brief in die Hände des Vaters oder der j Blücher sehr gut beherrschte Französisch
Mutter gefallen märe. Er besorgte also icht verstand, niittclst eines Tolmct
unter dcn Briesmarkcn dcr Kreuzbänder i schcrs geführt wurde, erkundigte sich der
die Korrespondenz mit ihr, indem er ihr j englische Heerführer nach dcs Marschalls
wenigstens turze Grüße nd zahlreiche j Stellung am Morgen, die es ihn, er
Küsse znschickte. Man sollte cS nicht, möglichte, einen so meisterhaften und in
glauben, daß hunderttausend Küsse
unter einer einzigen Briefmarke Platz
haben.
Trotzdem die -vtem Oberst das Ge-l doch nicht veionders stark im schildern
hcimniß nn entdeckt hatte, schwieg sie. j geschehener Thaten war, zog bei dieser
Ans dcr Rcife wollte sie mit ihrer Toch-i Frage die Augenbrauen in die Höhe,
ter keine Scene machen. Das abr spuckte seinc Primtabak in wcitem Bo
Überlegte sie. daß Herr von Lübner i gen in die Luft, räusperte sich nd
eigentlich ein Marn war, wie sie ib meinte: Herr Kamerad, das kann ick
sich für ihre Tochter nickt bellet wün- auf der Stelle nicht so genau beschreib
scheu konnte. Er war liebenswürdig, j ben, am besten ist cs schon, wir reiten
solide, angenehm und auch sehr vermö-, hinüber und sehe uns dat Ting mit
gend. Wenn cr nur nicht Soldat ge-l dcn eigene Oogcn an." Damit gab
ivesen wäre! !cr seine, Schimmel die Sporen und;
Auch in Venedig kam och ein Kreuz-1 sprengte Wellington voran, der Stelle,
band an. und die Frau Oberst war fojzit, wo er am Morgen gehalten. Es
großmüthig, die Bricsmarkc der Tochter , war Alles leer auf dem Platz, aber un- j
zu überlasten, ohne vorher nachzusehen. ter dem Baiime, wo dem Acarschall Vor-,
was sich untei ihr desand. Waren es warts die neue Piep" entzwei gegan- j
I doch wahrscheinlich wieder nichts An- j
dcres, als hunderttausend Kllfsc. !
geht aus seine Guter, und ach Weih-
rächten wollen lvir heirailien.'
Nun war die Frau Aiama erstaunt,
wie pomadig die Tochter sein konnte,
Tie Pomaoigkeit ist anscheinend an
steckend, nur ist der betreffende Bazillus
och nicht gefunden
Wir habe Herrn Rittergutsbesitzer
Lübner mit seiner Gattin Hildegard
ebenfalls auf einer Gesellschaftsreise kcn
ncn gelernt und von ihnen Vorstehendes
erfahren, Biclleicht war es Unrecht vo
uns, diese Geheimniß von der Kor
respondenz unter der Briefmarke zu vct-
rathen. Tcnn wenn sich auch die Hcr
j ren Eltern" übet diesen Perrath freue,
o ärgert sich wahrscheinlich die Jugend
darüber.
Mit dieser aber soll liia es nicht der
derben, den ihr gehört bekanntlich die
Zukunft.. ,,
IMüdjers picpcitiitciftcr".
Von des Marschall Vorwärts Pie
penmeister" weiß nach den Erinnern
gen iiiies alten Freiheitskämpfers Joses
Maertl im Deutschen Soldatenhort",
der reichhaltizen und illastrirten Zeit
schrist für das deutsche Heer und Volk
Mancherlei zu erzählen. Der alte Bl
cher war ei leidenschaftlicher Raucher.
Am liebsten schmauchte er aus hollän-
bischen Thonpfeifen; er führte eine ganze
Kiste solcher ilt sich, übet bie cm eigener
Piepenmeister" bie Aufsicht hatte.
Zerbrach eine ber Pfeifen, so war das
ein Ereigniß, das für unsere alten
Helden vielleicht mehr Wichtigkeit hatte,
als ein kleines Scharinützel mit dem
Feinde. Es ward dann in solchen Fäl-
len die Blessirte" genau untersucht,
und war der Stiel nicht zu knapp am
Kopse abgebrochen, so war sie ins Korps
der Invalide versetzt und erhielt den
Namen tummel". Eines solchen
tuinmcls bediente sich der Feldmar-
schall gewöhnlich auf Marsch- und Rc
kognoszirungsritten, und gar mancher
ist ihm, wie Augenzeugen versicherten,
von feindlichen Kugel vor dem Munde
weggeputzt worden.
Zur Zeit der Befreiungskriege war
für den Marschall wieder die Nothwen
digkeik eingetreten, sich wieder einen
neuen Piepenmeister" zuzulegen, nnd
seine Wahl fiel diesmal auf einen Ro
stockcr, Namens Ehristian Hcnnemann,
der ihm über alle Maßen treu ergeben
war. Heniicmann wußte genau, wie
viele komplette Pfeifen, Blessirte und
Stummel vorhanden waren, er zählte
sie jede Sonnabend wie ein Geizhals
feine harten Thaler und gcricth schier
außer sich, wenn er unter den Blcssirtcn
eine fand, die nicht einmal mehr zum
Stummel tauglich erschien. Es war
am Morgen der Schlacht bei Belle
Alliance, Sein getreuer Heniicmann
hatte dem Alten eben, wie vor jeder
Schlacht, eine frisch angebrannte
Lange" überreicht, als dicht neben dein
Helden eine Kanonenkngl einschlüge,
so daß Erde und Kies ihn und den
Schimmel vollständig bedeckten. Der
Gaul machte einen Seitenspurng und
die schöne Pfeife zerbrach, ehe der greise
Held auch nur einen Zug daraus ge
than halte. Tunuermcitcr Lümmels
verdammte, Ench soll doch gleich der
Teubel holen" fluchte Marschall Vor
märts. Ick will Euch liebren de Piep
vört' Mul megtoschccten! Hennemann,
lieber Junge", wandte cr sich darauf an
seinen Piepenmeister", der sich noch
immer de Sand aus den Augen neb;
stopp' mich mal 'ne nenc Piep, brenn'
je mich an nn wart' hier uff mir!" Da
mit riß er den Säbel aus der Scheide
nd mit Vorwärts Jungens!" ging es
los, dem Feinde entgegen, weiter, immer
weiter, so daß die Jagd nicht nur ecncn
Oogenblick" sondern einen ganzen Tag
bis in die Nacht hinein dauerte und der
Marschall Vorwärts selbst seine Pfeife
vergaß.
Nach vielem Ringen war endlich die
Schlacht geschlagen, bei dem zerschösse-
e Wirthshause Bcllc-Alliance trasen
sich die befreundeten Sieger Blücher und
Wellington und wünschten einander
i feiner Wirkung für den Feind so der-
j verblichen Angrifs-auszuführen. Blii-
cher, der, wie gut er auch dreinichliig,
gen. stand ein Mann, das Haupt vcr-
bunden, dcn Arm mit einem Tuch
seinen Herr mit einem böse, vor
wnrfsuollen Blick. Kommen Sie end
lich," sagte cr dann, Den ganzen Tag
habe ich hier gestanden und gewartet,
eine Pfeife ach der anderen haben mir
die verdammten Franzose vons Maul
weggeschossen, einmal hat mir sogar eine
bleierne Bohne ein Stück Fleisch vom
Kopp gerissen nnd die Faust da wird
wohl auch zum Deiibel gehe. Tas ist
die letzte ganze Pfeife." Damit reichte
ihm Ehristian Henncman,die brennende
Pfeife; dieser nahm sie mit dankbarem
Blicke entgegen ud indem er beharrlich
dämpfte, sagte er; Armer Ehristian,
lieber Jniige, es ist wahr, ick habe Dir
lange warten lassen, aber siehst Tu
de Kicrls wullen hüet jo ich gliek
loopeii!"
Rapolcou der Tritte !, Mnsikoi
rcctor Parlow.
An die Geschichlc dcS Pommerfche
Füsilier Regiments Nr, M, welches
jetzt in feiner jetzige Garnison Brom
berg sein 175jährigcs Bestehen und da
iiiit zugleich die Gedenktage von 1870
1 1 feiert, erinnert eine Begebenheit,
die seinerzeit in den weitesten Kreisen
viel dislutirt und belacht wurde. Es
war im Jahre 1867. Napoleon der
Dritte stand ans der Hohe (einer
Macht, nd zu der großen Weltausstcl
lulig in demselben Jahre fanden sich die
europäischen Herrscher fast alle in Paris
ein, Ta mit der Weltausstellung anch
gleichzeitig ein musikalischer Wettstreit
verbunden war, so erhielt die Eapcllc
des Pvmincrschcii Füsilier - Regiments
Nr, 34, welches damals noch in Stettin
stand, de Befehl, sich an dem Wett
streite zn betheiligen. An der Spitze
der Eapellc stand der berühmte Musik
direktor Parlow, der icht allein den
Ruf eines tüchtigen Musikmeisters, so,,
dern auch den eines beliebten Eompoui
sten hatte. Dem Musikdirektor Porlow
wurde nun in Paris die Ehre zii Theil,
eines Tages vor dem damals mächtige
Kaiser Napoleon dem Dritten zu spie
len. Nach Beendigung des Eonzertes
lieb sich Napoleon mehrere Instrumente
der Eapellc zeigen und schließlich die
Infanterie- und Eavalleriesignale der
preußischen Armee vorspiele. Unter
diesen Signale befand sich anch das
alle Soldaten bekannte Avamiren".
Nachdem der Hoboist das Signal abge
geben hatte, forderte Napoleon den
Musikdirektor Parlow auf, das Signal
Retiriren" blasen zu lassen. Parlow
sah den französischen Herrscher groß an
nnd erwiderte ihn, mit der größte
Riihe von der Welt; Majestät, das
Signal wird i der preußischen Armee
nicht geübt," Napoleon lächelte zwar,
Parlow aber merltc, daß ihm die Ant
wort nicht gefallen hatte. Der Kaiser
drehte sich und die Musilaufführung
war sofort zu Ende. Die schlagfertige,
vortreffliche Antwort Parlows machte
damals die Runde durch Europa,
Im s'iscwaarcgeschäft.
Ich möchte ein solches Ting, wissen
Sie, das man an die Thüt befestigt,
damit sie von selber schließt,"
Ja wohl; einen automatischen Thür
schließet, nicht wahr?"
Ganz recht; ud nicht zu theuer,"
P.rlliin mein .fvrr eilten liillinen
automatischen Thürschließer." ' I
Der aber nicht zu tomplizirt sein
soll,"
Ich verstehe. Sie brauchen einen
billigen automatischen Thürschließer von
einfacher Zeichnung."
So ist es. Aber Icins von den
scheußlichen Dingen, die krachend in's
Schloß schnappen."
Das wäre natürlich fatal, ie
brauchen eiuci, einfachen automatischen
Thürschließer, billig und mit leichter
Feder.
Ja, nur darf er die Thür auch nicht
zu langsam schließen."
Kurzum, Sie wünschen einen einka
chcn billigen automatische Thürschlie
ßer, der weder zu schnell, noch zu laug
sam schließt ?"
Stimmt. Freilich darf er wieder
nm so schwer nicht schließen, daß eine
Pferdekraft dazu gehört, die Thür aus
zukriegen." Daß wir uns nur verstehen; Sie
wünschen einen automatischen Thür
schließ, einfach, billig, weder zu schnell,
ach z langsam nd leicht z Hand
haben ?"
stimmt auffallend. Zeigen Sie
mir so einen.
Bcdaurc, mein Herr, aber ich führe
keine automatischc Thürschließer."
5jn Crncii !
(siliern berliner W!ntte hliirt die fnl
acnde köstliche Geschichte erzählt: (s ,
wird Ihnen vicllcichl aus dcn Zeitungen
bekannt sein, daß dcr Odcrft des in
Mita stehenden 1U. Jnfnnteric-Regi-
rnrntn mir Ordre des Mniiteniims
kürzlich dem 114. französischen Zn-'
fantcric-Reqimklit eine Einiadnna zu. ,
Sakiilärfcst des Regiments zugeben
ließ. Tie Franzosen delcgirtcn de
ira,onseden Koiiinl in Riaa. Welcher
Offizier, Oberst odcr Oberstlieutenant
i't. Nacddem man nun ordentlich ae-!
feiert hatte, und der Franzose schließlich '
nach Riga zurückgekehrt war. blieben die j
iiiikei, riniifri' rnil eirn.ien statten
rnick. Einer der leklcrcn hielt nun1
eine Rede, in welcher er keine .Meinung
von dcr Niitzlosigtcit ein franzöfiichcn
Bundniffes dartcgtc und damit moli
virtc, daß Rußland, da cs doch seinen
Angrifis'.ticz wollte, gat kein Biindniß
brauche, sondern sich selber aenlig ci.
Darauf er'.; ob sich ein durch seinen
Deutschenhaß bekannter Offizier des
114. Regiments, gab feiner Meinung
über die nothwendige Bernichtnilg
Deutschlands beredte Ausdruck und
schloß, indem er sei Ellas erhob, mit
dem Ausruf; Sowie ich dieses Glas
zerbreche, so werde wir Deutschland zer
treten nd vernichten." Daraus sachte
er dann mit voller Anstrengung das
Glas mit den Handen zu zerbreche
es gelang nicht. Endlich warf cr das
Glas mit aller Gewalt gegen de Boden
ber anch jetzt blieb das Glas heil.
Es wird versichert, die Herren Offiziere
seien wegen des fatalen Omens i et
was gedrückter Stimiiiuiig heimge-schwankt.
Zin Eifer.
Papa, auf der Z i in in e r d e ck c
kriecht ei Käfer her,!"
Z e r t r i t t ihn, und lass' mich in
Ruhe!"
IX't'pclsuimaes clIftot.
Hausfrau (im Begriff, ein Mädchen
für Alles" zu engagirenl; Verstehen
Sie sich auch ans die feinere Küche?"
Mädchen; O, ich sag' Ihnen, wen
ich für meine letzte Herrschaft gekocht
hab', hat sich immer Alles kraut
gegessen!"
Eiac ivahrc Gespenster Geschichlc.
In einem alten Schlosse geht ein Geist
um. Mr. For beschließt, um dessen
Bekanntschaft zu mache, in dem
Schlosse zu übernachte,
lim Mitternacht erscheint das Ge
spcilst, klirrt mit den Kelten, geht ans
das Lager des Mr. Fox zn und nimmt
ihn, die Börs c weg,
Ui kann brauchen ein Geist
G c l d?" sagt der Euglishman".
Her' Se, mei' Gutestet," autivot
tet das Gespenst, ich bin Se übe
k een g e w eh n I i eh c t Geist!"
Spricht's nd verschwindet.
INalitiös.
Sonutagsjäger; Vetdanimtes Pech,
Miedet muß mit so ein altes Weib be
gkgnen!" Alte Frau; Ist doch einerlei, Herr;
deßwegen tostet der Has anch icht
mehr!"
?xigbbenEhrgeiz.
Den Schmierer Franz hat die Poli
zei schon wieder einmal festgenommen!"
Wohl möglich; der Kerl ist ei sol
cher Freund von Schmeicheleien, daß er
sich fangen läßt, blos um zu hören, wie
ihn sein Anwalt bei det Verhandlung
herausstreicht!"
Zins pioctihaiiü'ij.
Wie geht es Ihrem Sohn,
(fxaa
l-llberberg?'
Tanke, er wird morgen zum ersten
Mal wieder den Salon und die sieben
Zimmer verlassen können!"
Militärisch.
Lieutenant: Ich höre Stimmen im
Salon? Ist denn Deine Kaffeegesell
schaft noch nicht zu Ende?"
Gattin; O ja, längst! Ich habe
nur och einige Damen zur Kritik"
versammelt!"
Unteroffizier (zum Rekruten, der in
seinem Eivilverdältniß Postbeamter
ist ; Wie der Mensch wieder am Reck
da droben baumclt! Mit den Händen
tclcgraphirt cr nnd iit den Beinen trägt
cr Briefe ans!"
üiodcr,
Lehrerin; Tas Zicklein springt von
Stock zu Stock, von Stein zn Stein.
Es ist ein ruhiges Thicrche, das ir
gcnds stille stehen kann. Also Acnnchcn,
wie ist das Zicklcin?"
Acnnchcn; Es ist nervös!"
Kewohnbcitftge.
Freier (Stammgast): ,., .Herr Wirth,
ich möchte Sie um die Hand einer Ihrer
Töchter bitten!"
Gastmirth; Hell oder dunkel?"
Zins dem Lramen.
Wie stellen Sie die Todesursache
fest, Hcrt Enndivat?"
Ich sehe nch, was für Medizinen
der Patient bekommen hat!"
Uiilit.irii'ii'e NVisbeit.
Unteroffizier (iiiflruireuD): Nu paßt
'mal auf, Ihr Tämclslöppe, da doch
keiner von Euch weiß, was 'ne -ektio
is. Eenc Sektion besteht, wie schon der
Name sagt, ans ich mehr als sechs und
ich weniger als vier Mann in der
Regel jedoch ans fünf!
.siiibmorgen?.
Onkcl; Mcin Neffe ist wohl gerade
nach Hause gekommen, ich sah vor mir
"N der Straße nä,
"de Gestalt.
nämlich so eine jchwan-
Hauswirthin: Eine schwankende Ge
stalt C nein, das ist er nicht gewclc.
,nngc ,'crr ,i von zmci irauigcn
Nachtwächtern gebracht worden!"
. A, ,',c & "'.f ..
war. Gronho'bauer. Euer
0llN Itudltt !
er: Ja. aber Die G'schicb, sticht
l'cho' a bisl in's Saufen Hinüber!
1?.'Nl Kjü'nieuiv'
Uiro",ziei: ..': ift linaUuiblieh.
wie fchlapp der W:xl wieder da!,cl,t!
Eine -ch, ;',-, das ritte Eiiüant
cben dage.'.c;'. '