Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 13, 1895, Image 9

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    Terrible vills.
üä dem oufitalifitn t'o'.i3:aL'c;'.;be: Von
(Jucjtsi Sch,nd!.
Meinen tfcpf will ich auseffen, wen
Ihr fcal fertig bringt!' sagte Terrib!
Billy.
Dabei macht er ein Gesicht wl in
alter Löwe, der ine Fallgrube bemerkt,
kratzt twal an seinem gelben Lockenkops
herum und sah den beiden Knie, die vor
ihm in den BSschen verschwanden, mit
überlegen schlauer Miene nach.
Hol mich der Kuckuck, wenn ich Euch
den Spaß nicht versalze bekräftigte er
und sah au, roie in Feldherr, der tal
feindliche Heer in den Hinterhalt marsch i
ren sieht.
Aul diesen krlftigen Reden hltte in
Uneingeweiht schließen können, inen
verhärteten E Luder vor sich zu Haien,
, aber dem ar nicht so. Billy hätt ginz
gilt fcal Modell zu inem der tratztn
! jungen Murilloi abgeben können, denn
j tx war rst sieben Jahie alt. Er war der
einzig Sprkßling von William McMal
lan, vula Terrible Bill, und seiner (?(
mahlin Margaret, die wegen der vielen
Sommersprossen, welche ihr Gesicht zier
ten, gewöhnlich Spotto Maagie genannt
wurde. Terrible Bill senior Halle, als
r vor fünf Monaim nach Golden Camp
gekommen war, inen guten Claim
(Goldmini) gehabt, der ihm wöchentlich
zehn bis fünfzehn Psund Sterling abwarf,
' und so litten Weib und Kind keinen Mai
gel. Indessen, die reiche der in Bills
Claim war ausgearbeitet, und er muhte
froh sein, wenn ihm seine wöchentliche
Arbeit den nöthigsten Unterhzlt gewährte.
Dies gefiel seiner Frau schlecht, und all
möhlig gewöhnte sie sich daran, ihren
Gemahl täglich die Nieten und Chilenen
Frau Fortuna als lediglich persönliche
Dummheiten vorzuwerfen.
So kam S, daß Terrible Bill senior
bei AbendS lieber in dem kleinen Hinter
siübchen der .Golden Camp Hotel' saß,
als sich zu Hause von seiner liebenden
Gattin etwas vorkeifen zu lassen. Da
.Golden Camp'Hotel' war in aui
Baumstämmen, Rinde, Leinwand und al
ten Kistenbrettern zusammengefügte Ba
tack, die im Camp allgemein daS Bhanty
hieß. In diesem Bhanty saß jeden
Abend in auserlesene Gelellschaft, be
flehend au den Honoratioren des Gold
gräberlager, die Whiskey tranken und
Poker spielten. Da waren One-eyed-Jack,
so genannt nach seinem Gebrechen
zum Unterschiede von den vielen anderen
Jacki; der .Commodor', ein kleine
Männchen, da sich durch fröhliche We
sen, in rotheS NSSchen und schwimmende
Aeuglein sowie dadurch auszeichnet, daß
er stets di weitesten Höfen und den größ
ten Hut, der im .Store' zu haben war,
trug; Tom Gordon, dem feine Vorliebe
fär da dle Spiel den Spitznamen ,Po,
kerTom' eingetragen hatt ; German
George und Louis lhe Frenchman, Beide
nach ihrer Nationalität genannt, und an,
der edl Männer mehr, die den Wer
dienst deS TageS durchzuringen bestrebt
waren.
In diesem Hafen pflegte Terrible Bill
senior vor dem ehelichen SturmelwlUhen
Schutz zu suchen.
Die Folge davon war, daß er ine
s Morgens verschwunden war und außer
seiner treuen Hälfte und dem kleinen
Billy nur ein paar alte Hosen aus
.Moleskin' und eine verrostete Vogel,
flint mit zerbrochenem Schloß zurückge,
lassen hatte.
Spott Maggie schlug sich schlecht und
recht durch, indem sie die Wäsche der
Goldgräber besorgte; ten Chinesen, der
ihr einige Zeit Concurrenz machte, hatte
sie bald au? dem Felde geschlagen, so daß
sie ihr leidliche Auskommen fand.
Der kleine Bill aber mit dem schmutz!-
gen, von Gesundheit und Lebenslust
strahlenden Gesicht, den treuherzigen
lauen Augen unv ven wehencen, gol
denen Locken wurde der Liebling und
Pflegesohn de ganzen Lagers, und ob
gleich die Mutter, die nach der Hedschra
ihre Mannes äußerst sparsam geworden
war, ihn ziemlich knapp hielt, ging ihm
doch kein in Golden Camp erhältlicher
Leckerbissen ab, denn da war kein Gold,
gräber auf sieben Meilen in der Runde,
der nicht von feinen Aueflügen nach der
Stadt stet in Kleinigkeit für Bill
mitgebracht hatte.
Jetzt stand unser siebenjährig Held
oben am Bergesabhang hinter den dichten
Blutholz, und Wattlebüschen, au denen
nur sein gklbumrahmte Gesicht mit den
leuchtenden Augen heroorsah, und fluchte
Dazu hatte er gerade jetzt einen beson
deren Anlaß. Diese gaben ihm zwei
Männer, dl groß genug waren, um
sieben BillyS aui ihnen zu schnitzeln; und
wahrscheinlich hätten sie Billy in sieben
Stuck zerschnitzelt, wenn sie ihn gesehen
und seine Reden gehört hätten.
Al Billy nach dem Mittagessen auf
den sonnigen BergeSabhavg geschlichen
ar, um in dem alten verlassenen
Schacht, den irgend in Goldsucher vor
Jahren gegraben und wieder aufgegeben,
herumzustöbern, war r dort fest inge
schlafen. Plötzlich aber war r ausge
acht und hatte noch halb im Schlafe
gehört, wie sich di beiden im Camp Übel,
berüchtigten Käuze, di erst vor Kurzem
im Lager angekommen waren und nicht
weit vom .Shanty' ihr Zelt aufgeschla
gen hatten, verabredeten, in der kommen
den Nacht die Hätte CastlemaineJoeS zu
berauben.
Billy spitzte di Ohren, blieb aber
hübsch still liegen und gab keinen Laut
von sich, vis die reisen Hauuvren tco
entfernt Bitten. Während seines sieben
jährigen Dasein hatte Billy Keinem so
vertrauen, Keinen so lieben gelernt ie
Castlemaine Joe. Obgleich all Beooh,
ner de Lager seine Freunde waren, wo
durch seiner Mutter da Waschmonopol
gesichert war, so wandt er sich doch stet
Jahrgang 1.
an Jce, wenn ihm da Schicksal ein
Pöere Tücke aufgetischt hatte. All r
die Schachtel Stärke, die er seiner Mut
ter bringen sollte, auf einen Felsen legte,
um sich un!eh!ndt an eine Klängeruh
samilie heranichlkichen u können, und
Pally RyZv'S Ziege die Gelegenheit be
nutzte und die Släile sammt der Pupp
schachte! auffraß, da war eZ Joe, der ihm
einen Schilling ged, damit er eine andere
Schachtel kaufte; und alt er in Slang
Seife bei der gründlichen Inspektion
eine alten, halb mit Waffer gesüllten
Schachte in diesen hinuntersallen ließ,
da war wieder Joe, ter scherend
sagte, der Nächste, der in den Schacht siele,
würde sauberer wieder heraufkommen,
al er je im Busch gewesen sei; und i
war Joe. der au der Vorraths liste unter
seinem Bett die ZmillingSschwester der
ertrunkenen Seisenstange heroorlangte
und so seinem Schützling au der Klemme
Hai .
Jetzt aber war Joe sei! zwei Tagen
fort aus einer .Prosxecting Tour', auf
der Suche nach neuen goldhaltigen
Stellen, und wurde vor dem nächsten
Zibend nicht zurückerwartet. Das wußte
Niemand besser al Billy, der seinem
Freunde bei den Reiserüftungen geholfen
hatte, der gesehen hatte, wohin er sein
Geld steckte, der den Sattel heraukge
schleppt hatte, um ihn dem Pferde aufzu
legen. Und da faß er nun, machte in
nachdenkliche Gesicht und entwarf seinen
FeldzugSplan.
Gewöhnlich Sterbliche wären sporn
streich hinunter in' Lager gelaufen und
hätten in öffentlicher Versammlung im
Golden Camp Hotel die Gaunerplän
enthüllt.
Nicht so Billy!
Nicht umsonst hatte ihm LouiS, der
Franzof, tr selbst allerlei aufregende
Abenteuer zu Wasser und zu Lande erlebt
hatte, alle Heldenthaten Red KellyZ,
Power, und wie die Herren de austra
lischen Busche sonst noch heißen, in
glühenden Farben geschildert. Billy
fühlte die Kraft in sich, e seinen großen
LandSlenten gleichzuthun, und jetzt war
seine Gelegenheit gekommen. Jetzt konnte
er zeigen, daß er da Zeug eine austra,
lischen .BuschrangelS' in sich hatte.
Diese begeisterungSvollen Betrachtun
gen wurden plötzlich durch ein äußerst
schmerzliches Ereigniß unterbrochen.
Billy fühlte, wie er an seinen langen
Locken gesaßt und unsanft vom Boden
ausgehoben wurde und entdeckt aiSSald,
daß S die Hand feiner Mutter war, di
ihn nach langem Suchen in seinem
Vchlupsvinkkt entdeckt hatte.
Die Nacht war schwarz, wie da In,
ner eines Tintenfasses, der Wind feuzt
und ächzte durch die Fichten, die das
trockene Bett deS BacheS umsäumten, und
eS xsiff und heulte in der Schlucht, als
ob grau Holle mit ihren wilden Schaa,
ren vorüberzöge.
Ein alte Gewehr über der Schulter,
schritt unser kleiner Held aus rauhem
Pfade dahin; da Brausen de Sturme
machte ihn so bange, baß r nahe daran
ar, alle seine RuhmeSgedanken fahren
zu lassen, und sich hinzusetzen, um zu
weinen. Die Entfernung zwischen Gol
den Camp und Hellifh Gully war ihm
von jeher unvernünttta groß vorgelom
men, aber heut war S schlimmer als je,
und immer fester wurde in ihm die ueber,
zeugung, das man das Säckchen Gold,
staub, das Joe in dem volle Mehlsack
verborgen hatte, schon längst geraubt
hatte. Er hatt gehört, wie di beiden
Spitzbuben sagten, sie wollten Aue auf
schneiden, und eS müsse mit dem Teufel
zugehen, wenn sie nicht Castlemaine Joe
Gold fanden. ueroem hatten sie da
von gesprochen, die Hütte von .On,
eyed'Jack zu berauben, während ihr
Bewohner im .Shanty' sei, aber darum
kümmerte sich Lilly nicht so sehr. An
beide Orten zugleich konnt er nicht sein,
uud wenn er nur Joe'S Gold retten
konnte, so möcht Jack zusehen, wo ba
setnig bliebe.
Weiter kämpfte sich Billy durch di
mannigfaltigen Hindernisse, die ihm den
Weg zu versperren suchten, und jetzt evt
deckte er plötzlich, daß er dicht bei der
Hütte Joe' ar. Ohne Verzug machte
er sich daran, sich unter der Hinterwavd
der Hütte durchMgraben und besorgte
dte mit einer Geichiclltcgreit und Echnel,
liakeit, die unerklärlich wär, hätt er sich
nicht täglich aus dieselbe Art au der
Kammer gerettet, In die ihn seine Mutter
zu sperren pflegte. Ein günstige Fa
tum rlaudt ihm, auch feinen schieß
prügel nach sich zu ziehen. Er tastete
nach dem Mehlsack. DaS Gold war aus
der der Wand zugekehrten Seite, und ein
kleiner chnttt brachte eS rasch heraus
Da horch! Ein Geräusch von Fuß,
tritte, einige geflüsterte Worte, die Thür
achit unter dem Gewicht der dagegenae
stemmten Schultern, die Bretter gaben
krachend nach, und die Räuber traten in
die Hütte. Jedermann kennt daS un
sichere Gefühl beim Betreten eines dun,
kein, unbekannten ZimmerS. Während
di Männer ihr Taschen nach Streich
hölzern durchsucht?, um die unheimliche
giv termk zu ver agen. wurde die Stille
plötzlich durch da Zische und Schnalzen
(fj . 1
l'Tl'Ix
Beilage zum Nebraska Ttaatö-Slnzeiger.
einer Schlange gestört. Ja, er war un.
erkennbar, dieser furchtbare laut, dop
pelk furchtbar in der schrecklichen Finster,
niff, wo jeder Schritt den Fuß mit dem
gisugeu Thiere in Berührung bringen
konnte. Vor Schreck erstarrt, standen
Beide regungslos, als aber der Eine
etwa am Bein hingleiten fühlte, und
der Verderben drohende Laut aus nächster
Nähe er choll. da ertönt in Angst ehret,
der da! Mehl im Sacke zittern machte,
und der Pfad dampfte von den eilenden
Fußtritten der fliehenden Räuber.
Terrible Billy ak allein milttn n ver
Hütte auf dem Fußboden, und während
sich fein lange Haar vor Aufregung und
Angst sträubte, lachte, brumm5e und
flüsterte er leise vor sich hin und klarn
merte sich dabei fest an sein Schieß,
eisen n.
.Zum Teufel!' sagte er, .ich habe
mich nicht umsonst die letzten drei Monate
an den Schlangenlöchern im Snak Gully
herumgetrieben. Aber jetzt sert, ehe die
Gauner wiederkommen l Heilige! Rauch
seuerwerk, sind die Kerl gelaufen!'
Al! Castlemaine Jo am nächsten
Morg:n zwölf Stunden früher, al
man tha erwartet über den Berg ritt
und in' Lager hinunterschaute, bemerkte
er in außergewöhnliche Bewegung und
lenkt da Pferd hinunter an da!
.Shanty', o r di Neuigkeiten er
fuhr: Ein paar Hallunken wäre in
.OneE?kd',Jack' Hütt ingebrochen,
hätte aber sonst nicht al in alt sil
bern Taschenuhr erbeutet. Jack ließ
sein Geld ni in der Hütt liegen, son.
dern trug allabendlich pflichtgetreu
hinunter an den Pokern cy. Auch tn
Joe'ö Hütte wären di Spitzbub g
wesen, hätte aber offenbar nicht? Werth
volle gefunden, denn e schien dort Alle
tn Ordnung zu sein. Terrible Billy
aber war verschwunden, und Spotty
Maggie siel in ihrer Hütte au einem
hysterische Anfall ia den anderen.
Joe hörte alle dies an, ohne viel zu
erwidern, und ritt dann nach feiner Hütte,
um sich selbst von dem Zustande der
Dinge zu überzeugen. Unterwegs quälte
ihn ein dunkler Zweifel, der sich durch
nicht verscheuchen ließ, und al er dann
angekommen und vom Pferd gesprungen
war, untersuchte er zuerst den Mehlsack.
Wahrhaftig, da war der Schnitt, und
da Goldsäckche war verschwunden. Da
nahm der Zweifel und der Verdacht feste
Form an und rief laut in ihm: .Ich
wußt ZI Ich sagte e gleich! Nur
Billy wußt, wo Dein Geld war, und
nun ist er verschwunden, mit ihm Dein
Gold!'
Joe ging wie in ingesxerrter Tiger
vor der Hütte auf und ad. Er hatt bei
dieser letzten .Prospecli.ng Tour' an ei
nem sonderbaren Ort nach Gold gesucht,
denn, statt di: wilden Schluchten und
Ravtne zu sondiren, ar r drüben in
Richtown gewesen, wo der alt Werth
wohnt. Dieser alte Bursche war zwar
keinen Ritt von siebzig Meilen werth,
aber bei ihm wohnte Fräulein Besfle
Werth, sin inzige Tochter, die sich
ebenso sehr durch LiebmSmürdigkeit, wie
ihr Vater durch Sauertöpsigkeit auSzeich
nete. Bessie hatte bei dem letzten Be
suche ihrem Bewunderer gestanden, daß
er ihr gefall, und den ganze Heimweg
hatte der Glückliche kalkulirt und btrech,
net, wie viel Gold in dem Söckchen war,
und a S kosten würde, eine neue,
größere und schönere Hütte mit Veranda
und Küche und allem sonstigen Zubehör
zu bauen und sie in einem für Btssie
paffenden Stile zu möbliren.
Aber jetzt war das Goldfäckchen ver
fchwunden, und Joe'S glückliche Träume
vergingen, als ob eS nur in .Mtrage'
di Fata morgana des australischen
Busche gewesen sei. Seine Hände
ballten sich vor Zorn und Verzweiflung
in den Taschen, und die Rechte berührte
etwa Harte. - E war ein Taschenmes
ser, da er in Richtown gekauft hatte,
um Billy damit eine Freud zu machen.
Mit einem Fluche warf er das Messer in
die Schlucht hinab.
Indeß, e war immerhin ei Messer,
da eine halle Krone gekostet hatte, und
der Grundstein zu einem neuen Gold
fäckchen mußte bald gelegt werden. An
Verschwendung und unnütze Ausgaben
durft Joe für die nächste Zeit nicht den
ken. Er klettert mit si iberisch Haft in
die Schlucht hinunter. Dabei stolperte
er über eine Körper.
.Was, Billy, Du lieg hier! Herr,
golt, ie ich nur auf solch Gedanken kom
men konnte! Armer, kleiner Schelm, ich
habe Dir Unrecht gethan! Wach auf,
Billy, wach auf!'
Terrible Billy schlug die Augen auf
und lächelte wie ein sterbender Gladiator,
als er seinen Freund erblickte.
,O Billy, jetzt verstehe ich We!l Die
Gauner haben Dir gedroht und Dir
Angst gemacht, bis Du ihnen gezeigt hast,
wo das Gold war, und bann haben die
Schurken Dich in den Abgrund geworfen,
Du armer Goldjunge Du!'
Aber jetzt richtete sich Terrible Billy
auf. Was lag ihm an einem gebroche,
neu Arm und in paar Beule und Lö
chern im Kopf. Seine Ehr stand auf
dem Spiele!
t
J
.Mir Angst gemacht!'
Ein Welt von beleidigtem Ehrgefühl
leg ia de drei Worten. Tann sank er
Ukück ia die Arm Jie' und erzählte
seine Geschichte. Al er dem Ende sei
neS Berichte vahe kam, sah Joe, wie r
mit inem der vielen Löcher ia German
George'S Hose kämpfte, und nach vielen
vergeblichen Bemühungen kam da Gold,
säckchen, die conditio ins qua non der
Verwirklichung von Joe'S ZukuvflSplä
nen, zum Vorschein.
.Und , war so dunkel,' schloß Billy
seine Geschichte, .daß mich der Teufel
geradeweg; in die Schlucht hineinführte.
Hai! üb Kops fiel ich hinunter, ab
da Säckchen ging mit, denn ich dachte,
wenn ich eS in der Hütte ließe, könnten
die verftirien Hallunken am Ende wieder
kommen und r doch noch finden. Zehn
tausend Alligatoren! Werde die Kerle
fluchen, wenn sie hören, die verfchmeselte
Schlange mit ihrem Zisch! Zisch! war
Niemand ander als Terrible Billy !'
(Ein Siethenscher Husar.
Erzählung von B. Emil König.
Der alte Postmeister Oelner in Ei,
seid saß so recht in der Wolle; denn zu
fetner Zeit trug so In Thurn und
TartSsch Poftmeisterei noch tma ein.
Je schlechter die Weg waren, desto mehr
Ertraposten wurden verlangt, und je
weniger und schlechter di OrdinariPost
wagen waren, desto mehr verdiente die
PostHalter.
Der alte Oelner wollte feinen einzige,
einen wilden Jungen, dermaleinst im
Amt all Nachfolger haben; dem aber
steckt da Soldatenlkben im Kopfe, und
weil jkdeSmal der Alt tobt, wenn er da,
von anfing, gab der Sohn vor, r woll
Medizin studiren, und das war dem Va
ter denn zuletzt auch recht.
Da Etudentenleben gefiel Poftmei,
sterS Fritz übrigen ausnehmend. Er
tollte drei voll Jahr lang in Jena
herum und lernte in der Zeit da Lichten
Hain und Köstritzer Bier besser unter
scheiden, al Muskeln und Bänder, und
handhabte bald den Stoßdegen und Hie
der besser, als di Lanzette.
So lange der Alte brav Geld hergab,
ging das ganz gut. AIS Fritz aber gar
zu viel verthat, schickt Vater Oelner ihm
einmal zu Ende deS Semesters statt des
Geldes ein tüchtige Strafpredigt. -
Das verdroß den Herrn Sohn natür
lich so gewaltig, daß er er feinem ge
strengen Alten durch die Lappen ging und
sich bei den Preußen anwerben ließ, als
eben der siebenjährige Krieg begonnen
hatte.
Al da sei Vater erfuhr, war r
außer sich, schimpfte und fluchte, wollte
hauen und stechen und fing selbst eine
Art siebenjährigen Krieg in seinem Hause
an; e half aber nichts mehr, der Junge
war und blieb einmal Soldat. Zu fei
nem Glück hatte er bei dem wüste Stu,
dentenleben doch in wenig von der Ba
derkunst aufgeschnappt und versuchte da?
zuweilen an verwundeten Kameraden,
und so kam S, daß man ihn bald zum
Feldchirurgen beförderte.
Als Sohn eines PofthalterS ritt ervon
Haufe aus wie der Teufel ; darum stellt
man ihn unter di rothe Husaren de!
alten Ziethen ein.
Al Chirurg hätt er nun eigentlich
bei der Feldmusik und dem Gepäck hinter
der Front bleiben können; allein derTeu
fel hatte ihn immer vorn unter den Frei
willigen, ven der Tanz lo und e zum
einHauen ging. Erst wenn schon genug
Verwundete hinter die Front geschafft
waren, ließ r sich zum Chirurgendienst
beordern.
Aber auch dieses Geschäft ging ihm
rasch von Händen. Er ging mit dem
Verbandzeug im Felde, wie in den Spi
tälern so geschickt um, daß der Alt Fritz,
dem schon on Oelner kriegerischen Un
gestüm, von seiner Unerschrockenheit und
Geistesgegenwart berichtet worden war,
ihn bald auszeichnete, öfter mit ihm sprach
und ihn schließlich zum Oberfeldscher te!
Regiments ernannte.
Oelner schämte sich aber auch nicht,
überall, wo eS Gelegenheit gab, etwas
zu lernen und sollte tS von inem Kur,
fchmied, eintm Scharfrichter oder einer
alte Frau fein, wenn sich da Mittel nur
bewährte.
Einmal e war aus dem Rückzüge
nach der Schlacht bei Koli, aus welchem
er als Husar und Feldscher genug zu thun
gehabt, ging'S twaS drunter und drü
ber. Die Reiterei war in der si elfteren
Nacht durcheinander gerathen. Oelner
war auf feinem Pferd eingeschlafen, und
so wollte der Zufall, daß der Herr Ob,
seldfcher bald unter die Begleiter deS
König, dicht neben ihm, ohne e zu wis,
sen, mit fortritt. Ein General wollte
ihn wecken, der Alte Fritz aber, der eS be,
merkte, hielt ihn ab. .Laß Er'S nur,'
sagte er .der hat heute gut mitge
arbeitet, wiewohl auch umsonst, und dop,
xelt so viel, wie wir; übrigen versäumt
er auch gar nicht mehr, denn feine Ver,
wundeten werden, Gott sei e geklagt, von
unser Gegnern verbunden!'
Al jedoch der Tag graute, schlug der
König Oelner mit der Hand auf dieSchul,
V(
i
No. 4.
ter und sagte, al dies erschrocken au
seinem Halbschlummer auffuhr und dte
Augen weit ausriß, wie er den Monarchen
neben sich erblickte:
.Hat Er endlich auSgeschlafen. junger
Fleischhackerund Hautflicker? Nun. ich
wellte, ich könnt wieder einmal so ruhig
in einem Bette schlafen, wie Er aus
Seinem Gaul l Jetzt reit' Er ab wie
der zum Regiment aus seine Posten!
Abi.!'
Die Wort waren unserm Thüringer
lieber, al hätte ihm der alte Fritz inen
Beutel voll Dukaten geschenkt.
Al der Krieg zu Ende war, erhielt
Oelner einen ehrenvollen Abschied mit der
besonderen Bemerkung, daß e ihm auch
nach Jahren freistehen solle, in jedem Re,
giment mit gleichem Rang und Sold wie
der einzutreten.
Nunmehr kam der königliche preußische
Feldscher außer Dienst wieder nach seinem
thüringischen Heimathstädtchen Eisfeld
zurück und zwar al stattlich Husaren,
chirurg, mit frischem rolhwangigem,
sonngebröuntem Geficht, und seine Uni,
form und der riesige Schnauzbart ftan
den ihm vortrefflich.
In jenen Tagen nun war in den thü
ringischen Landen vielfach der Lakaien,
dienst die erste Stuf zu den meisten
Hof und StaatSämtern. Alle ging
vom Hofe oder vom Stall, nämlich vom
Marftall, bet manche kleinen Fürsten
Höfen aus. Die beste Schulmeisterst!,
len kamen an Bediente, di schlechten
wurden an abgedankt Soldaten ver
geben. Der niedrigste Bediente konnt
zum Küster und von da zum StaatSbür
germeisteramt gelangen, oder er konnte
vom Schreiber zum Kanzliste und Kam
merrath mit Sitz und Stimme im Ver,
walwngSrath emporsteigen. Der Stall
junge stieg zum Stallknecht, dann zum
Vorreiter, Bereiter und Stallmeister
auf, bis zur Mignonstell aa Serenisfl,
muS' Seite.
Selbst ein tüchtiger Organist und
Musikus, welcher bei dem mellberühmttn
Sebastian Bach seine Ausbildung ge
nossen hatte, mußte, um Leiter der sürft
lichen Kapelle und Hoforganist zu wer
den, sich um die Kammerdienerstelle zu,
gleich bewerbe, die er auch bis zu feinem
Ende versah.
So auch unser Oberfeldscher und sxä
ter Postmeister Herr Oelner. So i,
derwillig und böse er darüber auch seinen
schwarze Schnurrbart auf und abdrehte,
er mußte, um Leibchirurg zu werden, den
Kammerditnst bei dem wilden Prinzen
und damaligen Vormund. Regenten Jo
saxhat zugleich mit übernehmen.
Dieser fürstliche Herr war vordem kal
serlicher Feldmarschall und der Kaiserin
Maria Theresia Liebling gewesen, hatte
die Kriegsschule im Türken, und Fran
zosenkriege unter Prinz Eugen durch
gemacht und befehligte im siebenjährigen
Kriege nach der Schlacht bei Roßbach die
Reichsarmee, die bei den Leuten damals
den Spottnamen die .ReißauSarmee'
führte.
Prinz Jofaphat war eigentlich ein ge
müthlicher. freigebiger Herr, aber bis
weilen aufbrausend und jähjornig.
Der Oelner war ihm bald völlig un
entbehrlich geworden und mußt ihn zu
allen seinen prächtigen Jagden begleiten.
Nun hatte der Prinz Josaphat längere
Zit an Schlaflosigkeit gelitte und Oel
n hatte dabei mehr Wochen hindurch
Tag und Nacht bei ihm Dienst gethan
und nach sein Art eine Ehre darin ge
sucht, immer wach und munter zu sein.
Durch Kasse und andere Mittel wurde
er, sowie nach und nach von dem vielen
Wachen, äußerst reizbar und mißmuthig.
In einer Nacht trieb S der Prinz ganz
besonders arg. Oelner war schon sieben
mal bei dem hohen Kranken gewesen und
hatt sich kaum wieder niedergelegt, al
dies schon wieder heftiger als zuvor
schellte.
Der Prinz Josaphat mochte wohl ge
träumt haben, er hab vergeblich zekltn,
gelt. Al Oelner inS Schlafzimmer
trat, saß er aufgerichtet im Bett, roth
vor Zorn wie ein welscher Hahn, di
Kollerader angeschwollen wie ein Peit
schenriemen und schrie ihn mit Donner,
stimm an: .Ihm soll ja in heilige
Donnerwetter in den Leib fahren! Schon
dreimal hatte ich geschellt, und Er fauler
Racker schläft statt zu wache und kommt
nicht. Er ist nicht mehr werth, al
ich schieße Ihn nieder!'
Mit diesen Worten legt der Regent
eine der auf dem Tisch liegenden beiden
Pistolen auf Oelner an. Damit waren
Serenissimus aber an den Unrechten ge
kommen. In demselben Augenblick halte
der ehemalige Ziethen'sche Husar die
ander rgriffen, hielt st schußfertig dem
Fürsten entgegen und sagte mit der größ,
tcn Kaltblütigkeit:
.Jetzt aber treffen, Durchlaucht! Denn
ich werde nachher sicher nicht fehlen.
Geschlafen habe ich nicht, obgleich ich seit
mehr als drei Wochen kein Bett gesehen
und kaum zwei Stunden täglich auf dem
Stuhl schlummern konnte.'
Da legte der Prinz, der während dieser
Rede seine Augen wett aufgerissen hielt,
die Pistole langsam wieder auf den Tisch
und Oelner that dasselbe.
Dann macht der muthige Kammer-
J
dienn in halb Schwenkung zur Thür
hinau, in Vorzimmer zurück, ließ in
ander Diener an seine Stell rufe und
ging dann nach Haus.
Am andern Tage ließ iha der Prinz
sagen, r solle doch zu ihm komm.
Oelner : schien auch, ab nur, um fei
neu Abschied einzureichen. Ruhig sagt
er zum Prinzen: .Ew. Durchlaucht find
hitzig, ich bin hitzig, und da möcht
leicht einmal Unheil absetze; den ich
habe Ehr im Leib und hab bei
große Preußenkönig längst di Furcht
verlernt.'
Er erhielt indeß rst nach inem Iah
seinen Abschied und dte Postmetsterftell
mit ter Erlaubniß, al Hoschirurg sich
niederzulassen.
grin finanziell Studie.
Joha Baldwin, in kühn Spekulant
in St. Loui, dessen Conto bet ein be
freundeten Bank zeitweilig überlastet
war. brauchte zu einem Geschäft 10,000
Dollar, während sein Bankguthab
kaum 100 Dollar betrug. Der asftrer
gab ihm dn Rath, in Anweisung auf
Jemand auszustellen, der nicht zu nah
bei St. Loui ohne. Baldwin klärt,
er wisse Niemand, aus den er iu solch
Papier ausstellen könnte.
,O, auf irgend Jemand,' sagt, dir
gefällige Kasstrer; .wenn der Betreffend
nur weit genug entfernt ist, werde Si
ja Zeit genug haben, da Geld zu decke.'
Baldwin fertigte eine auf Sicht zahlbar
Anweisung über 10,000 Dollar aus de
Sultan der Türkei au. Da Papi
wurde von der Bank honorirt, ging dann
ach New Aork und von hier an ein
Correspondenten der Bank nach London.
Vou diesem gelangt in di Händ
Rothschild', d seiner Filiale in Con
ftantinopel überwies, von welcher eS ord
nungSgemäß dem Schatzmeister de Sul
tan zur Einlösung vorgelegt würd.
Dieser präsentirte e wieder pflichtschul
digft dem Großherrn selbst.
.Wer ist denn dies John Baldwi?'
fragte der Sulta.
.Ich weiß nicht,' versicherte den,'
Schatzmeister.
Sind wir ihm vielleicht etwa schul
big?'
.Nein," erstatte v nvere.
.Dann werd' ich da Geld auch nicht
zahlen,' sagt seine Majestät.
.Einen Augevdltck.... wenn lä) mir
einen Rath erlauben darf,' begann der
verdutzte Schatzmeister noch einmal.
.diese Tratte kommt von de Roth chtlb'.
mit denen in Anleihe vo zwei Millio
nen abgeschlossen werden soll. Würd
unter diesen Umständen wirklich rath
sam sein, da Papier zurückgehen zu
lassen?'
.So lö ' es also tul- nt chttd vr
Sultan.
Da geschah denn auch, doch keiner
war darüber mehr erstaunt al Joh
Baldwin und der gerieben Kasstrn.
Sine fürgliche Wekohnnng.
Winterszeit l Alt und Jung tummelt
sich auf dem Eise. Da ein Krach! Ei
Hilfeschrei! Ein Mädchen ist eingebrochen
und in'ö Wasser gefallen. Am Ufer hat
der Tagschreiber Dörrmann das Unglück
mit angesehen und. in braver Kerl wie
er ist, stürzt er sich tn das kalte Waffer
und zieht da Mädchen heraus, die schön
Rebetka Vctgelblüh, deren Bat eben
unter lautem Jammergeschrei, von dem
Vorfalle benachrichtigt, herbeieilt. Be
scheiden drückt sichDörrmann davon, aber
der dankbar Veigelblüh hat doch seine
Namen erfahren.
Am andern Tag sucht er den Dörr
mann, der mit einem bösen Schnupf
zu Bette liegt, aus, dankt ihm mit über
schwänglichen Worten, daß er ihm fein
Theuerste gerettet und brückt beim Weg
gehen dem gerührten Lebensretter in
verschlossenes Couvert in die Hand. So
bald Veigelblüh verschwunden ist, öffnet
Dörrman, vor dessen Augen etwa mt
di Vision ine Hundertmarkschein
flimmert, da Couvert und erblickt
inen .Bon':
Vorzeig dieses erhält bei
Einkäufe vou 25 Mark an
in meinem Geschäft
10 Prozent Rabatt.
Machaömvar.
Der berühmte Komik Beckmann be
saß in unglaubliches Kopirtalent; er
konnte di Stimm, Bewegung, kurz,
da ganze Wesen in Person nach
ahme, mit der r einmal zusammenkam.
Eine Tage? besucht r seinen Schneider-,
um denselben um Zahlungsfrist zu bitten,
aber bevor er noch sein Anliegen vorbrin
ge konnte, trat in Herr ein, der sich
mehrere Anzüge machen ließ und diese!
be sofort baar bezahlte. Beim Anblick
diese Mannes stieß der Künstler einn
tiefen Seusz aus, so daß der Schneider
auf ihn aufmerksam wurde und ihn
fragt: ,Wa fehlt Ihnen denn, Herr
Beckmann?' .Ach,' versetzt der Schau
spieler mit bitterm Lächeln, .diese Herrn
werde ich nie kopiren können.'
Unter Dienstboten.
.Ueber die Marie aber auch, erst will
st sich vor Schmtrz beinahe umbringe,
weil ihr Untnossizikr ihr untrk gtwor
dk ist, und jetzt singt und lacht fit schon
wied dtn ganzkn Tag!'
- .Ach, dte hat sich jetzt eine neuen
Schatz angeschafft, einen Trompeter, und
seitdem ist ihr Schmz wi egge,
blasen l '
Ausrede.
Onkel : , . .Ich halte Dir versprochen,
Deine sämmtlichen Gläubiger zu bezah
len, wenn Du Dein Examen machen
würdest, und jetzt bist Tu doch durchge
fallen !'
Neffe: .Die unverschämten Kerl
oerdi' auch nicht, Onkell'