Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, March 14, 1895, Image 12

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    Rastel Feluns.
Novelle ron A. von P si 1 1 i.
ffllutSrotb in die St-nnt unter,
am
tief blaut Himmel zogen zart, nB
Wölkchen, die wie gehaucht waren von
toflaetn Schimmer. betäubend dufteten
KI l?nr,K,nk,lkcke. und IZoaer streck
fic& die Schatten über die malerische
Waldlichtung, auf der Eastel Feluns
NK Tier SBefife desselben. March
&,fn in Mann in den beste Jahren,
ar nicht sonderlich beliebt bei Alt und
Jung ; er galt für yoqmuiyig. laazoniiB
und hart seinen Untergebenen gegenüber.
(St fintt nur inen Sohn. Carlo. Mitte
der zwanziger Jahre, der ihm körperlich
. 0 0 - -. . w !
rste geistig 0 unayntiq wie mog
Der iuna Marchese war da Ideal
smmil!cktt roeiblickea Wesen der Um
gegend. Eine besonder konnt ihn nur
mit flammenden Augen ansehen, wahren
ihr firn dabei kiüimisck schlug. E
Roftta Munoz, die Tochter eine Vignen
Besitzer in der 5K!h von Castel Felun
die anerkannte sc$onotii lyre, yeimm,
lichen Dorse. Bei der Weinlese in
l.k,.n sterbt! Balte sie der junge Marches
. zuerst erblickt und sogleich stin Hnz an
fit nrrlnrfn. Vit 1 Dr 003 N an. Viun
n,,ikii c klar imifälfn ihnen werden
Ja, sie liebten -sich. Sie tauschten
Schwur ewiger Treue und schieden all
heimliche Benot, vncji lange carnaq
drangen Gerüchte über da iedesveryait
iß big zu dtn Ohren be alten Marchese
r lSchelte zuerst geringschätzig und zuckt,
vornehm die Achseln. Aber al er hörte,
daü kick Rostta fckion al künftige Mar
chese de Castel lShe, ließ er seinen
Knfi kommen.
.WaS muß ich hören. Carlo! Du bist
in Rostta Munoz vertteöl, Was ,ou
daraus werden?
werde sie beiratben.'
.Pah, bist Du närrisch? Die Tochter
ine Vignenbesitzer? So lauge
lebe nickt 1
,0 Vater, Du wirft mit Dir reden
lassen
.Ich wünscht Dich übrigen in einer
anderen Sachezu sprechen, mtta Voyn
J)er Marckese lieft da ihm fatal Gl
sprZchSthema fallen. ,Du mußt Dich
,u einer Reise nack Deut chland rüsten.'
.Ich?' staunte Carlo. ,Wa soll ich
dort?'
.Ein treuer Freund von mir, Oberst
on Bohlen, hat mir angezeigt, daß er
mir ein ihm vor Jahren geborgte
Kumme ,urück,ablen will. Er bittet.
ihm ein geeignete Persönlichkeit zu
senden, welche die Summe in Empfang
nimmt.'
.Aber, lieber Vater, haft Du Niemand
außer mir, dem Du diesen ustrag uoer,
eben könntest?'
.Nein, Carlo,' der Marchese legt
ihm mit Nachdruck die Hand auf die
Schulter, ,e tt Dem, vas laopiiai,
welcbe Du emvsänast und wenn Du
dabei nock einen anderen Wunsch mir
erfüllen würdest, so wär ich sehr glück
lichl' .Vater '
.Kein Wort weit? ! Du wirst mor
en retten : sei llberoeuat. ick babe Dein
Beste im Auge und Du wirst mir einst
danken, wenn ich ich vor einem &eöi
tritt bewahre, der Dein ganze fernere
Lkben vergiften würde.
Carlo sah ernst au, und dennoch
konnte er dem Vater nicht Unrecht geben.
Rostta' Leidenschaftlichkeit begann be.
reit ihn abzustoßen, und er sah die Zeit
nicht mehr fern, de r stin Lieb zu ihr
erloschen sehen werde. Aber er konnte
da Wort, da er ihr einst übereilt je
geben, nicht breche; er mußt sie hei,
rathen. Wie aber würde sie sein Fort
gehen aufnehmen? Er wagte nicht, da
von zu ihr zu sprechen, und verließ heim
lich Castel Feluno.
Al Rosita Munoz die Abreise de
jungen Marchese erfuhr, war sie außer
sich; sie warf sich zur Erde und schlug
wie unsinnig um sich, dann aber schnellte
sie empor und wandt sich an ihren Bru
der, nen Fischer, der mit untergeschlage,
nen Armen ihr usah. O Giulto, Du
mußt zum alten Marchese und ihm erkIS
ren, daß sein Sohn mich heirathen wird,
er hat cä mir versprochen.' .Und Du
bist thöcicht genug, die zu glauben, Ro
flia? fragte der junge Munoz mitleidig.
.Thätest besser. Dich einem ehrlichen
Burschen Deinesgleichen zu verlo'en,
anstatt auf solchen vornehmen Herrn zu
warten. '
.Aber Du mutzt nach dem Castel,
Bruder, ich verlang entschieden!"
beharrte daö leidenschaftliche Mädchen.
Ich hübe Carlo'S Versprechen und loffe
nicht von ihm, hörst Du, noch heute
Abend gehst Du zum Marchese "
Der Marchese Feluno war einiger
maßen erstaunt, als der junge Munoz sich
ihm anmelden ließ, doch befahl er ihn
hereinzurufen. .Du kommst wohl nicht
aus freiem Antriebe?!' fragte er kurz.
.Sprich, was willst Du? Meine Zeit
tfl beschränkt.'
.Ich ich habe nur den Auftrag von
meiner Schwester stotterte der Bursche,
dem jedoch die verächtliche Art deS
Marchese das Blut in' Gesicht jagte,
.der Signo Carlo hat hat ihr die Ehe
versprochen '
.DaS geht mich durchaus nicht an,'
unterbrach der Marchese scharf den
Sprecher, sage Deiner Schwester, sie
soll keine Närrin sein und sich nicht
Dinge einbilden, die ganz unmöglich
sind.'
.Aber sie ist in ihrem Recht
.Und Du, Bursche, bist in meinem
HauSl' brauste Feluno auf. .Wenn
Du Dich aber noch länger hier auf
hältst, werde ich Dir den Standpunkt
schon klar machen und meinen Diener be,
auftragen '
.Signor der Bursche hob drohend
die Faust, .nehmt Euch in acht! Ein
Ticilianer bat kein Taudenblut. und
mein Stile ist scharf geschliffen für den,
ber mick anarent.
.Elender Bube'.' Feluno ftamxste den
Boden. ,ru wagst I, mir zu drohen
vinau oder "
Ein Dolch blitzte in der Lust, ein
Schrei ertönte, und dann fiel ein Körper
dumvf zu Loden. Gleich dorau
rief der Marchese laut um Hülfe, und al
sei ammerdiever herbeieilte, fand er
ersteren über einen bewußtlosen Men
scdeg aebeuat. der am Boden in einer
Blutlache lag.
.Schafft den Munoz hier fort!
herrschte Feluno den Diener an. .Er
hat mich angefallen.
In d:m Häuschen be Vignenbesitzer
herrichte die unbesch-eibliStte Erregung
Der Sohn de Besitzer Gtusexxo Mu
noz. Rosita' Bruder, lag in den letzten
Zügen. Da schöne Mädchen kniete an
seinem Lager und hielt ihm die zuckenden
Hände, während ihre Augen Flammen zu
sprühen schienen.
.Er hat Dich niedergestoßen, Giulio?
fragte sie mit erlöschender Stimme,
.Svrich. erzähl, wi e Umm
.Der all Marchef.' Lchzt der Ster
bende. .stech nach mir al ich oer
langte sein Sohn müsse Dich
heirathen! Wenn ich sterbe. Rostta
bleibt Dir die Vendetta für mich
überlassen '
.Und ich will sie ausüben an dem
Treulosen,' stammelte sie mit vor Wuth
fast unverständlicher Stimme, .an ihm
oder seinem Weibe, bkß Du, Gtulio,
nicht ungeröcht im Grabe bleibst!"
,E ist gut, Schwester, dann werde ich
ruhiger sterben können!'
Am folgenden Lage war der junge
Munoz todt, und der alte Matche er
hielt einen blutrolhen Drohbrief, der
ihm die .Vendetta' ( ölutrache) der ga
milie Munoz ansagt. Verächtlich warf
er da Blatt in die Flammen deS Kamin
feuer.
In einer el.ganten Villa in Wie
baden standen sich zur selben Stunde zwei
junge Leute gegenüber mit klopfenden
Herzen und feuchtschtmmernden Blicken
.Also Sie sind der Sohn des Marchese
Feluno, der mit meinem Vater befreundet
ist?' fragte ine ütje, wtiche Mädchen
stimme, und eine kleine, weiße Hand
streckt sich dem Fremden entgegen.
.Seien Sie herzlich bei un willkommen:
wir haben uns schon alle aus Ihre Be
kanntschast gefreut.'
.Meine Gnädigst ," und Carlo neigte
sich zum Kusse üf e : die schna'e. kleine
Hand. .Sie sind sehr gütig, inen
ffremdltng so warm aufzunehmen, eS
wird ihm in der Heimath kaum mehr ge
allen "
O ich? doch! ES muß wonnig in
Sictlien sein. Wir Nordländer verbtn
den mit dem Gedanken an jenes herrliche
Land einen Vorgeschmack der ewigen Hei
math '
Bald plauderten die beiden wie zwei
alte Bekannte mit einander, und der
Oberst war nicht wenig verwundert, bei
seiner Rückkehr vom Spaziergang helle
Lachen an sein Ohr dringen zu hören
.Potz Blitz, das geht rasch I" nickte er
munter. .Nun mir soll 8 recht sein, und
mein aliu Feluno muß etwas AehnlicheS
wünschen "
Und in der That, Amor'S Pfeil hatte
getroffen.
Al die rstev Veilchen hcroorsproßten,
und die Lerchen jubilirend zum Himmel
emporstiegen, legte der Priester die Hände
deS Brautpaare ineinander zum Bunde
ur'S Leben.
Carlo beschloß, mit Nora in Wie
baden wohnen zu bleiben. Der alte
Marchese war natürlich zur Hochzeit da.
gewesen und hatte Nora mit kostbaren
Geschenken überhäuft; auch er meinte ab,
wehrend: .Kommt lieber nicht nach Castel
Feluno, eS könnte Euch Unannehmlich,
keiten bereiten."
So waren denn zwei Jahre verftrichen,
Jahr be reinsten, schönsten Glücke? sür
das junge Paar, dem der Himmel durch
die Geburt eines Söhnchens neu Freude
und Glück beschenke. Da kam eines
Tage die Nachricht von dem Tode deS
alten Marchese. Er war leicht und
chmerzlo hinübergeichlummert, ohne daß
irgend jemand etwas derartiges vorher
geahnt hätte. Rosita ar, seit ihr
Bruder au dem Lebe ge chieden, ver
chwunden, Niemand wußte wohin; erst
als der alte Marchese in der Grust zu
einen Vätern beigesetzt worden, tauchte
sie plötzlich wieder auf. .Nun mutz er
ja kommen. Ich hatte Zeit zu warten
murmelten ihre blutlosen Lippen. Und
in der That, Marchese Carlo Feluno
kehrte mit seiner jungen Gemahlin und
dem Wlammyatter, welchen fit ihm ot
chenkt, au der gremde zurück in die
Heimath; Oberst von Bohlen begleitete
natürlich die geliebten Kinder. Man
holte den jungen Schlcßherrn feierlich
ei. Glocken läuteten. Jetzt hielt der
Zug vor der Freitreppe des Schlo'
jetzt wollte die Marchese auSfteigen unter
dem brausenden Jubel der Menge da
schwirrte etwas Durch Die Lust, da fiel eS
blutroth vor ihr nieder ein Pfeil mit
rothem Bande umwicktlt und auf dem,
elben stand: .Vendetta I' Carlo er
bleichte, aber er faßte mit starker Har.d
da Band, damit e Niemand sonst er.
bltckle, und bot Scora oen Arm, sie in S
Castel zu führen. .Wa war das, mein
Theurer?' fragte sie arglos, aber er
chüttelte nur da Haupt! Ich werde eS
Dir später sagen, Nora, beunruhige Dich
nicht.' Am nächsten Morgen fand die
unge Frau an dem Fenster ihre? Schlaf,
gemache einen ebensolchen Pfeil, und
nun ward sie ängstlich.
.Carlo', bat ste beim Frübstück den
Gatten, .Du mußt mir Alles sagen; bin
ch doch Dein Weib, vor dem Du nicht
verbergen brauchst.'
Ja, "cani rnia , Bu sollst eS wissen.
Wirst Du auch nicht zweifeln oder zür,
nen?'
.Nein, denn ich liebe Dih,' gab
feierlich zurück.
Feluno hatte auch erst durch den Hau
Hofmeister erfahren, wie um die Mu
voz'scht Blutrache stehe, er war doch de
denklich, denn er kannte den Charakter
te olkeS, er wußte, baß Rosita nie
vergeben werte. .Sei ruh'g. mein Ge
ltebler'. entgegvete Nora ernst, Du soll
sehen, ich werd meine Feindin besiegen
und zwar durch da Kind!'
E war ein warmer, sonniger Märzen
lag. Vie schöne Marche e halt ih
Töhnchen neben sich am Boden sitzen -und
las in einem Buche, doch ohne usmerk
samkett. Horch l Raschelte e da nicht
im Gebüsch? Schimmerte nicht ein rothe
Kopftuch durch die grünen Blätter, und
richteten sich nicht zwei feurige Augen au
da blonde Kind am Boden i Nora
Herz rstarrt fast, doch fi lezwal.g sich
sah ruhig knpor und fragte: .Wer i
da?"
Ich, Signora Marchesa, Rosita
Munoz!"
.Ach, ich weiß. Ihr schwurt Vendetta
weil mein Schwiegervater Euren Bruder
niederstach. Staat. Rosita, was kann
mein GemlihI dasür? WeShalb wollt Ih
nun ihn oder sein schuldloses Kind töd
ten?" Die Eicilianerin senkte da Auge
vor dem freien, offenen Blick der vor
nehmen Dame. ,,Jch ich kann nicht
ander", murmelte sie beklommen, ich
habe g schworen I"
So komm'. Mädchen", und Nora
rgrtff surchtlo die Hand der Zornigin
schau diesem armen, schuldlosen Kinde
tn uze und dann stich eS nieder,
wenn Du noch kannst ! Setk Ihr denn
noch im Herzen Heiden, daß Ihr Ven
detta schwört und darüber den vergißt,
der gesagt hat, .die Rache ist mein, ich
will vergettene"
,.O, Marchesa, Ihr ahnt nicht, was
ich erduldet!" stieß Rostta tonlo her
vor. Ich bin nur ein ungeschicktes
Mädchen, welche! nicht so reden kann.
wie Ihr, aber "
Nun, so komm zu meinem Kinde I'
bat Nora weich. Sieh. eS tränt seine
Vaters Züge, e ahnt nicht, welche Un
bei! ihm bevorsteht entblöße die kleine
Brust, stich zu mit dem blitzenden Dolche.
dann ist Deine .Vendetta' ausgeführt
und Vu haft ein armes, schuldloses ftin
derleben auf Deinkm Gtwissen," Rosita
athmttk schwer, ste wandte sich ob, wäh
und Nora fortfuhr: Der Mörder steht
vor femem ewigen Richter, überlass' dem
da Rächeramt; Dir, einem Weibe steht
es nicht zu!"
Rostta blickte noch finster, abe: ste ant
mortete nicht. Sie verhüllte da Antlitz.
stürzte zu dem Kleinen nieder und küßte
thu auf die Stirn, dann wandte sie sich
zu Nora und nahm deren Hand. Frau
Marchesa, Gott und die heilige Jungfrau
egne such ! Ihr hzbt verhindert, dak
diese Hand unschuldig Blut vergcß.
Was zyr auch von mir hören mozt, be
dauert mich und betet für meine arme
Seel!"
Si war davon geeilt, ehe Nora zn
aütwcrten vermochte. Wie betäubt starrte
diese ihr nach, dann hob sie stürmisch da
Kind in die Arme und küßte eS zSrtlich.
Gott, der Herr sei gelobt!" flüsterte
ne. Du bist mir noch in Mal ae,
chevkr, mein Liebling!"
Ein wackerer junger Mann
Der Cbes deS anaesebeneo BankbauseS
Lebal & (lernn, in der Avenue de l'Onera
zu Pari blickte von den auf dem Sckreib
lizqe ieir.es Prwak Comptoirs vor ihm
uegenven Briesschasten zu einem zungen
Mar.n auf. der so eben nack beickeidenem
Klopfen eingetreten war.
S e sind Herr Paul Duret?" fragte
oer Bankier.
..jawohl. Lerr Lebal." entaeanele
jener, demselben einen Brief überreichend,
aus ven oer alle Herr einen flüchtigen
Blick warf.
..Nun. e freut miö. daö Si tnU&
mitverhkrgeflellt sind; ich hatte auch kaum
i,oq lange aus Vie warten können; denn
eS siebt aeaenwärtia oemaltia viel ,n
thun. Ich wollte mich schon nach einem
Ersatzmann für Sie umsehen, obwohl e
mir leid gethan hätt,, da Sie mir gut
emmcoien nno. os nun iind s e in
glucritch oa," setzte er wohlwollend hinzu.
..uno werthen das Berssumte ickan nack
ho!en. Aber sind Sie denn irklich schon
einundlwcimia abre alt?"
Jawohl," erwiderte der jungt Mann
mir eimis lazwaqer iimme.
So, so; nun, Sie sind augenblicklich
wohl ncch etwa angegriffen und müssen
sich die erste Zeit schonen. Ich werde
Ihnen, rie ich bereits schriet,, zunächst
die englische Corresxondenz LbertraFen,
später werdtn wir dann weiter sehen.
ie bekommen vorläusta 3000 kkranc?:
aber ich hoffe, Ihr Gehalt bald erhöhen
vi ror.nen. va Wie mir trod öftrer
Jugend gtsetzt und verständig erscheinen.'
weroe mich etsrtg bestreben, Ihre
gute Meinung ,u recbtfertiacn. Sittr
Ledall"
..Dann erden m!r Beidk mit klr,and?r
m nec em. &o. nevmen to t iinifiist
einmal diese Briefe, elcke besonder
dringend sind."
BIS der Btinkier dem neu eingetretenen
Corresponbenten sein erste MonatSge,
halt auSnablte. lobte er feinen ffifer
seine G,w,ssenhastigkeit und schnelle Aus.
soung. Weniger zufrieden mit Paul
Duret wen seine Geschäftscollegen, da
der iunae Mann immer e!ma (Änfh
und Zurückhaltendes hatte und es ab.
lehnte, Abends mit ihnen in die WirthS
bäuser Jll aebm oder fi an ibren fnr.rn
täglichen Ausflügen zu beteiligen.
Paul satte kick ein kleine, aber kelle
und freundliches Zimm gemiethet und
eS mit bescheidenen Mitteln, doch über
ou büSsck. ja Fast kokett beraericktet.
Am Tage, nachdem er sein Gebalt
errpfangen eS n Sonntag faß r
früh Morgen schon, mit dem Schreiben
ine Briefe beschäftigt, vor seinem
Schreibtische aus dem zwei Photographien
in hübschen Rahmen standen. Die eine
stellt eine würdige alte Dame, die andere
einen jungen Mann dar; ar wohl
Paul selber, renn seine großen und in
telligentea schwarzen klugen waren un
verkennbar.
Ler Brief lautet:
.Mein lieb Herzenkmama! Heul i
der schönst Tag meine Leben, denn
zum ersten Mal kann ich Dir. dt ich
innig lieb, inen Theil meine felbftoer
dienten Gehalte schicken, damit Du Dir
ferner tn Deiner Sorge sür George nicht
selbst Entbehrungen auszulegen brauchst
Hoffentlich erhall ich bald gut Nach
richten vsa Dir über unseren Patienten
,WaS mich betrifft, so bin ich durchaus
zufrieden; denn ich hätte eS gar nicht
besser treffen können. Ich bilde mi
daß ich zur Erzieherin wie geboren bin
Die iunge Mädchen, mit denen ich
zu
thun habe, sind ober auch so liebenSwür
big und artig, daß ich mich nicht im Min
besten zu beklagen habe.
.Sage meinem Bruder daß er sich keine
Sorgen zu machen braucht und nur sür
seine Gesundheit sorge möge, ch rin
glücklich und man ist sehr mit mir zusrie
den.'
C folgten noch verschiedene kühn er
fundene Detail, dann schloß da schrei
den:
.Mein Herz und alle meine Gedanken
sind immer bet Euch in Bayeux und wie
gerne eilt ich tn Person zu Euch, um
Euch nur ein Mal auf ein Stündchen an
mein Herz zu drücken!
.Leider muß ich mich der al ver tan
dige Mädchen damit begnügen, die nur
im Geiste zu thun und verdletoe mit tau
send Grüßen an Georce
Dein treue uno gehorsame Tochter
Martha Duret.'
Die Erklärung diese seltsam scheinen
den Briefe ist bald gegeben.
grau Duret lebte al Wittwe mit
ihren beiden Kindern, einem Sohn und
tner Tochter, zu Baveur in der Nor
mandie, wo sie ein kleine Landhaus be
saß. Die Zinsen eines mäßigen Kapi,
pitals, das ihr ein befreundeter Bankier
verwaltete, dienten ihr fall nur dazu, den
Kindern eine vorzügliche Erziehung geben
zu lassen, während sie für sich selbst blos
das Allernöthiaste ausgab. Der Sohn
Paul besucht da College in Cain und
ihre Tochter Martha die beste Pension
in derselben Stadt; die glücklichste Zeit
sür alle Drei waren flei dik Ferien,
welche die kleine Familie vkreintev
Martha zäliite in Jahr mehr al ihr
Bruder.
Al Paul zwanzig Jahr zählte, trat
rr in in Bankhaus Le Man', wo er sich
so tüchtig zeigte, daß sein Chef, obwohl
er den strebsamen jungen Mann ungern
verlor, doch bald erklärte, er müsse und
dingt nach Pari, um S zu etwas zu
bringen. Der wohlwollende Chef em
pfähl ihn dringend einem feiner Ge,
chSftSfremide, Herrn Lebal t Paus:
allein bevor der junge Mann die ihm von
diesem offerirte Stellung in seinem Bank
house annahm, wollte r gern noch einige
Wochen bet seinen Lieben verweilen, zu,
gleich auch, um erst in starke und hart,
näckige Erkältung loszuwerden, die er sich
kurz zuvor geholt.
ES war im Juni und nachdem Paul
von Herrn Lebal die Nachricht halten
halte, daß dieser seinen Eintritt pünktlich
am 1. August ntgegensähe, reiste der
Sohn der Wittwe Duret voll froher
Hoffnungen von Le Man nach Hause.
Dort fand r es jedoch nicht so, wie er
erwartet hatte; denn ein schrecklicher
Schlag hattk die arme Frau getroffen:
der Bankier, dem si ihr Vermögen an
vertraut, hatt Bankerott gemacht und
nft da ganze Kapital war rettungslos
verloren.
Noch schlimmer war e, daß Paul bald
nach seiner Ankunft in der Heimath er
krankte; seine Brust war ernstlich ange
griffen und der Arzt verordnete vor Allem
vollständige Ruh. Woche auf Woche
verging, ohne daß sein Zustand sich
besserte; er konnt am 1. August nicht
bei Herrn Lebal eintreten und als darauf
von diesem ein Schreiben eintraf, in dem
der Bankier mittheilte, daß er Herren
Duret höchstens eine Frist von vierzehn
Tagen geben könnte, da vermehrte die
Unruhe noch da Fieber des jungen
Mannes.
Martha hatte eine Stelle als Er
zicherin gesucht, aber nicht gefunden und
die arme Mutter verging fast vor Kum-
mer angesichts dieser schlimmen Lage.
Da faßte das junge Mädchen einen
kühnen Gedanken. .Ich werde in Deine
Stelle eintreten, sagte sie zu ihrem
Bruder; eS bleiben mir noch fast vier
zehn Tage, um mich unter Deiner An
Weisung einzuarbeiten. ES muß ge
schehen, natürlich darf Mama nicht daö
Mindeste davon ahnen I'
Paul hatte ihr den abenteuerl!ch:n
Plan auSreoen wollen; aber ste blieb un.
erschütterlich, da sie fest von seinem Ge,
lingen überzeugt war eS gab ja keine
andere Rettung. So nahm ste denn de
Bruder? Hefte und Bücher und arbeitete
rastlos Tag und Nacht, um während der
Stunden, wo die Mutter nicht um cen
Kranken sein konnte, mit diesem Alles
durchzunkhmen. Martha gebot über tüch
tige Kenntnisse und eine große geistig
Energie und noch bevor die Paul von
Herrn Lebal gestellte Frist abgelaufen
war, fühlte fit tlch ökr uvkrnommkntg
Aufgabt gewachsen.
So war es gekommen, vag Mariya,
nachdem sie ihr Metarmephose mit
großer Gewandtheit vollzogen, als Herr
. , rn f . L
Paul Duret in ras Bankhaus reoar uno
Co. eingetreten war. Herr Lebal lernte
einen neuen Mitarbeiter immer mehr
chShen und nahm bald auch Veranlas,
unk. ihn bei seiner Familie einzuführen,
die aus einer Gattin, einer äußerst wohl,
wollenden Dame, einer hübschen Tochter
von siebzehn Jahren, und seinem Eoh
Martm bestand, der twa dreißig Jahre
zählte und de neuen Corresponbenten
lernt im Geschäft kennen gelernt hatte
Martha, die ihr vom Schicksal aasge
zmuvgene Roll jetzt schon mit wah
rr Virtuosität zu spielen vermochte, fand
ine äußerst liedenimürdigk Aufnahme in
dem Haus ihre Ches und verlebt dort
viele schön Stunden.
Bisher war ja auch Alle wunderbar
gut gegangen; aber eine Tage erzitterte
Martha doch, all Herr Lebal, der in,
immer lebhaft Vorliede für fi zu fas
en cyi'. agte:
.So einen Manu wie Sie hab ich mir
immer sür meine Tochter siewünscht; ich
könnt mich dann ruhig zurückziehen und
meinen söhn an mein Vtklle treten las.
fen. dessen Compagnon Si dann viel
leicht mit verleit wurden.'
Martha wurde bald roth, bald blaß
und suchte rasch auf in andere Thema
überzulenken, hoffend, daß die nur ein
augenblicklicher Einsall ohn besondere
Eonsequenzen gewesen sei. Allein al st
das nächste Mal wieder in da, Lebal'sch
Hau kam, ließ Manche in dem Ver
hallen von Mutter und Tochter nicht län
ger daran zweifeln, daß auch diese dak
Projekt de Bankier kannten und sein
Verwirkltchung nicht abgeneigt seien. Sie
gerieth nun doch in ernste Bedränqniß
als ein unoorhergesehner Zufall sie au
die er schmierigen Lage befreite.
Paul war zu Bazeur gestorben und
Mavam Duret eilte nun zu ihrer Toch
ter, um mit Ihr gemeinsam zu weinen
ohne Lies von ihrem Kommen zu benach
richtigen. Sie kam in da Hau de
Bankier Letal, bei dem sie ihr Tochter
al Erzieherin zu sinken glaubte, und
flgre zu cem Diener:
.Bitten kit doch Fräulein Duret zu
mir zu kommtn, ohn ab zu sagkn,
ca ra."
Der Diener hatt da Wort .,räu,
lein' überhört oder nicht verstanden und
Martha gerusen, bei deren Eintritt Frau
Duret natürlich inen lauten Schrei au
stieß, al sie ihre Tocht plötzlich in
Herrenkleidung vor sich blickte.
Gleichzeitig war durch inn Zufall
auch Herr Lebal eingetroffen, und nun
warf sich Martha vor ihm auf die Kniee
unv vekannle vt Täuschung, zu der Kin
dek und Bruderliebe sie veranlaßt
hatten. Sie weint laut dabei; aber
auch Frau Duret und Herr Lebal konnten
oräncn der Rührung nicht zurückhalten,
i9 wurve vereinvart. das, Martha am
venv stch der Familie des Bankiers zu
erst in Kleidern ihres Geschlecht zeigen
oute, unv man rann m venktn. welches
zurrst an Bestürzung grenzende Staunen
Diese ummanblung hervorrief.
Wie hübsch aber war sie in Ihrem
Kleide, mit dem sie auch ihre ganze
ruyere Grazie wleveraesunlen haitn
Die Tochter deS Bankiers, welche zuerst
oareingeicyauk hatte, al ob fit ihr grollen
wollte, flog ihr nach kurzem Zaudern um
den Hals, und der Sohn betrachtet si
mit ltcken, vak thm der Papa inmal
zusmnerie:
Nun, mein Schwiegersohn kann sie
sretlich nicht werden, aber vielleicht doch
Schwiegertochter wa meinst Du
dazu?"
Heute ist Martha Duret Frau Lebal
, und ihr Gatte saat zuweilen zu der
Cnoiyenvkn:
.Du bist jetzt eine vortreffliche Mamo:
aver du warft auch ein ackerer jun
ger Mann; freilich, so i Du jetzt bist,
habe ich Dich lieber.
Im Invalidenyotek zu aris.
Ein ungesähr 1012 Met lang
unv kaum vier ischritte breiter Keller,
kalt und feucht, einfach mit Kalk getüncht
und ohne jeden Schmuck das ist die
tötte. in der kürzlich der letzte Mar.
chall Frankreichs neben ruhmvollen Ka
meraden und Vorgängern beigesetzt or
den ist. Eine breite Treppe führt ,u
hui, die hinter dem Altar der Kirche St.
Loui und wenige Schritte von der
Bronzepforte gelegen ist, die zum Grabe
Napoleon I. führt, vor der Tag und Nacht
ein Unteroffizier Wache steht. Wenn
man ihre Stufen hinabgefchritten ist, be
tlnvet man sich in einem rechtwinkligen
Saale, an dessen äußersten Ende flch in
einfacher Steinaltar, von einem Kreuze
uverragi, vesrnvet. Die Wönde entlang
stehen Unterfähe von Säulen auö ge
ammtem Marmor, auf denen Urnen
ruhen; diese entHallen das Herz Kleber,
e un Leichnam zu L?trakburq zur letzten
Ruhe bestattet worden ist, deS Generals
von Hauipoul, der bei Eylau tödtlich vir
wundet wurde und der im Panthkon bei
gesetzt ist, deS Frl. v. Sombreuil, die
den Goiioerneur des JnoaltdenholelS,
Grafen von Villelume, geheirathet halte,
a. m. DoS Herz deS Marschall
Vauban, deS berühmten gestunaser
bauerS, liegt in ein großen Urne auö
weißem Marmor uber dEmgangsthür
Auf bkiden Seiten in drei Stockwerken
befinden sich Abtheilungen in der Gruft,
die mit Platten aus fchirarzem Marmor
oerfchlosten t'.riv. Bon den 40 Abthei,
lungen sind 24 besetz!; unter den Haupt,
sächlichsten Inschriften derselben zitiren
wir folgende: BesstereS 1813. Admiral
Duxene 1813, Lobau 1839, Monciv
184S, Oudinot 1347, Bugeaud 1349,
Comte d'Ornano 1853, Pelisster 1864,
Regnault de Saint,Jcan d'Angely 1370
u. a. m. Auch die meisten Gouverneure
deS JnoalidenhotelL liegen hier begraben.
Kuvll und Matnr.
AIS Ludwig Devrient in BreSlau
gaftirte, wurde nach der Darstellung
lies .Franz Moor' stürmisch hnvorgeju
belt, und bedankte sich für den ihm ge,
spendeten Beifall, indem er die Worte
sprach: .Vorhin drückte ich etwas au,
was ich nicht fühlte, jetzt fühle ich, was
ich nicht ausdrücken kann.'
Modern.
.Ich glaube. Spund, mein Schneid
Ignorirt mich l'
Natürlich! Wie kann er auch viel
Achtung vor Dir habin, nachdem Du
ihm so wenig schuldig bist!?'
Vtt mobtrnt Kunft jünger.
Mama: ...Und hast Du Deine schö
nen Malereien schon hergezeigt? '
Wunderkind : ,D Tan! schon ;
aber dem Onkel zeige ich sie nicht !'
Mama: .Warum nicht, Engelchen?
Wunderkind: .Weil... der Onkel
immer gleich wissen will, wa I
vorstellt!'
Zu mißtrauisch.
Bräutigam (der die jüngste drei
Schwestern heiralhet): ....Ich bitte
Dich, lieber Freund, halte Dich stet in
meiner Nähe! Bei meiner Kurzsichtigkeit
fürcht ich tmmr, si schieben mir am
iSnd während der Trauung die öltest
Schwester unter!'
Zn den Flitterwochen.
Sie (im Eisendahncouxe): ...Wirk
lich nach Pari reisen wir auch? H.
zenmZnnchen, dafür kriegst Du einen
Kuß 1
Er: .Ja ab nur jetzt nicht e
kommt gleich der Kondukteur I'
i: .Ach, dem hast Du ja doch ein
Cigarre geschenkt!'
Naive Auffaffung.
Vater: ...Wa. zehntausend Thaler
Schulden haben Sie und da halten
Sie um meine Tochter an? !
Bewerber: Ja., hat Ihr rZulein
Tochter am Ende gar nicht so viel?!'
Rassinirt."
Schuldner (um Gläubiger): .Wollt
Sie heute bezahlen aber denken Sie,
wa mir passilt ist! Ich lege gestern
Abend den Hundertmarkschein für Sie.
und zwei günfmarkbanknoten auf den
Tisch, werfe au Versehen meine Lampe
um, da brennende Petroleum ergießt
stch üb den Ti ch, läuft zwischen den
beiden Fünfern durch und verbrennt mir
gerade Ihren Hundertmarkschein I"
Alöuvtger : .De muß aber schon ein
recht .rasftnirle' Petroleum gewesen
sein!'
Eiifani lerrible.
.Onkel, Dich möcht' ich al Spiel,
zeug haben !'
.Warum denn, HSnSchen?
.Papa sagt immer: an Dir wär'
nicht mehr zu verderben!"
Ein Schauspiel.
.Ab warum ist denn heute der Ge,
richtSsaal voll elegantester Herren?"
.Ach, wlsten ,e : die Prima. Balle
rina wird als Zeugin beeidigt vernom
men: da passen alle auf ihr mirklt,
chS Altirl"
Zur guten Stunde.
Quartierminhin (zum ben zugezog.
nen Studenten): .Und wann kann ich
denn immer die Stute in Ordnung brin
gen, Herr Doktor?'
.Hm, meine verflossene Wirth'
hat da immer Morgen besorgt, bevor
q nach aue ram."
Nach dem Manöver.
Erster Soldat (erzählend): .In einem
Quartier hatten wir sogar Himmelbtt
lkN I"
Zwkit: O, den Himmel haben wir
durch unser Echeunenkach auch sehen tön
nen!"
Der Kopf muß mit.
Zu einem Photographen in Lübeck kam
in Bau und gab dem Wunsch An,
druck, sich photographire zu lassen.
Wünschen Sie Brustbild oder Kn!e
stück?" fragte der Künstler.
Mten ode Herr." antworte! der
Bauer treuherzig, .wenn bat nich so düer
is, will ick doch gern 'n Bild h'.dben, wo
der Kopp mit up wär!"
Im Tifer.
Dame (in Gesellschaft, empört): .Nein
so 'ne Erzählung! Und dabei wird Ihr
Minchen nicht einmal roth I"
Mutter: Kümmern Sie sich doch nicht
um mein Minchen die weiß ganz
genau, wann es Zeit ist, roth zu wer
den!"
Immer beim Geschäft.
Lehr: Also, die Stidenrauve liefert
unS die CccS, Mcier, wa liefert sie
uns?"
Meicr (söhn eines BquiS, hat
nur halb darauf gehört): .Sie liefert
uns die Coupons!"
Seine Vertheidigung.
Richter: Und noch dazu haben Sie
dcn DiebstLhl in der Nacht vollführt
wag haben Sie darauf zu erwidern?"
Angeklagt: Herr Richter wollen
entschuldigen, ab eS war so stockfinstere
Nacht, daß ich M:i:," und Dein"
schwer von einander unterscheiden
konnte."
Faule Ausrede.
.Da sind 'Hit ja, Herr Baron, wir be
fürchteten schon, es sei Ihnen ein Un
glück zugestoßen. Ihr Pferd kam näm
lich schon vor ein halben Stund allein
auf dem Hof an."
.I wo, Gnädigste, habt den Gaul
blos vorausgeschickt, um mich anzumel,
den.
Kundschaft.
Richter: Die Welt würde cufathmen.
wenn ste solche Schurken, wie Sie ein
sind, loS wäre!"
Angeklagter: .Na. dann nürden Sie
doch verhungern, Herr Gerichtshof-.'