Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, February 14, 1895, Image 9

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    I
I
"X
Die IPunidampc.
T'SN 'l'lfttC s0l(5.
Ti Familie Perronnet. feibenb aul
Herrn Ja! Peuonnet fluchet Mützen,
machkr seiner Fiau Leontine und der
bereu ici heiraihIiShigen filier befind,
licheu Tochter Xsulie, halte sotten ihr
Nachtmahl deer.det.
mclie Perirr.nkt. die von ihm Mut
ter sehr virlhlchasllich erzogen war, hilf
dem Dicr.fi mädchen teim AdrSumen ttt
Tisches. Frau Perronnet griff nech
ihrem umfangreichen Coniobuch, in vel
che sie die Ausgaben Ui Tage ge
wissei'hoft zu verzeichnen pflegte, indeß
der Hausherr nach einem flüchtigen Blicke
auf den ComSzetlel sich mit feiner Zei.
turg in den Wl"kel am Kamin setz!,, um
sich dort in die Politik zu versenk"'- Lei
PerroimetS blieb man bei dem Essen noch
im Speisezimmer; nur am Dinstag.
,3out, zog man sich in den Salon zu.
ruck. Während der übrigen Tage der
Woche blieb er mit seinen sorgfältig
kberg,,og.nen Möbeln geschlossen. ur.d
wenn man ihn einmal betreten v'.uhie, so
geschah die nur aus den Fusjsv'öeü, um
den theure Teppich zu schonen.
Daraus jedoch den Schluß zuziehen,
daß die Perronriel geizig feien, wäre
verfehlt gewelen. C waren im Gegen,
theil brave Mensch,, die sich durch harte
Aibett ein hübsche, Sümmchen erspart
und die Gewohnheiten ihrer früheren
Tage auch während de Wohlstandes bei.
behalten hatten. Sie hatten früher kei.
nen Salon gehabt, und so benutzten sie
denselben auch nicht, als st: das Haus be
zogen, das Herr Perronnct in Ru, de la
Condamtne gesaust halt und daZ ihnen
an zmolstausend Franc jährlich Micth.
in brachte.
Bereit dreimal hatten sich Bewerber
um die Hand ihrer Tochter eingestellt,
aber sie waren mchtrauisch. Sie glaub,
ten. die Bewerbungen gälten mehr de
hunderttausend Franc, Mitgist und dem
Hause in der Rue de la Condamine, als
ihrer Tochter, soivie den wetteren Zwei,
hunderttausend, welche die Kleine, um im
Stile der HeirathSoermiltler zusprechen,
.einmal warten durste.
Sie wollten weise und sicher ihre Wahl
treffen. Aber dennoch hatten sie Eile
damit, denn sie sehnten sich beide danach,
sobald al möglich Enkelkinder zu haben,
die sie verhätscheln konnten.
Amelie war mit dem Abräumen de
Tisch'S fertig. Sie brachte ihrem Vater
In Kläscken Coanac und vrttefie sich in
hi, 4rtfir ibri Modeisurnals. Von
Zeit zu Zeit, wenn sie ganz davon in An.
fpruch genommen zu fein schien, Wechsel
ten Herr und Frau Perronnet mit halb
lauter Stimme ein paar mysteriöse Worte.
Sobald sie aber den Kops hob und zu,
härte, schmiegen sie oder sprachen von im
Hause nsthsendigen Reparaturen.
Gegen halb z'hn Uhr wurden alle
Drei auf einmal still und schienen auf
etwas zu horchen. Dieses Etwas war
das Geräusch von Schritten auf der
Treppe, festen und regelmäßigen Schrit.
ten, die sie vom untersten bis zum
sechsten Stocke verfolgten. Sie sagten
n'cht, aber alle Drei dachen mit einer
gewissen Befriedigung: .Er ist h:im.
gekehrt.'
Gleich daraus sagte Amelie den Eltern
gute Nacht und zog stch zurück.
Al sie allein waren, sagte der Vater:
.Welche Pünktlichkeit!' Und die Mutter
stimmte ihm bei: .Ja, es scheint ein sehr
ordentlicher Mensch zu sein.'
Um zehn Uhr klopfte eZ a" der Thüre.
ES war die HauSmetsterin, die da EaS
ausgedreht hatte und nun kam, um dem
Hausbesttzirpaar den Bericht über die
Bcrkommr.isie des Tage abzustatten.
Dieselben waren so geringfügiger Art,
daß m,n sofort von dem nenen Miether
im sechsten Stock zu sprechen begann, ab
seh? leise und nachdem man sich davon
überzeugt hatte, daß die Thür zu Ame.
lien Zimmer fest verschlossen war.
.Nun, ffrau Mayiur?"
.Ja wohl, er hat mir noch t)n;!i Mor
gen seine Petroleumkanne gegeben mit
dem Auftrags sie ihm für den Abirrt) zu
füllen." m
,DaZ ist unerhört faste grau Per
rönnet.
H?rr Perronnet schob den Fenstzro,
hang zur Seite und blickte zu einem k.'e!
nen Fenster im sechsten Stocke dcS Sei.
tenflgels euixor.
.ES ist schon hell sg'e er.
.Welche Energie!" bemerkte Frau Per
rönnet beV'indernd. .Wie fleht denn
eigentlich die Lampe aus?'
cÄ iab sie. alS er einzog, erwidert:
die Haukmeisterin. .Es ist eine einfache
Lampe von blauem Porzellan.'
.Die Lampe des Arbeiter!' sagte
Herr Perronnet feierlich. ,Ah, dort ist
er; er schöpft Luft am Fenstcr-jeyt steckt
er sich eine Cigarrette an.'
.Nun, daS wird er sich doch wohl gön
nen dürfen, bevor er die Nacht an seinem
Arbeitstische zubringt!' warf Frau Per.
rönnet fast gekränkt ein. .Und waS ich
sagen wollte, Frau Mayeur, Sie richten
S ihm ganz bestimmt aus, daß er mor
gen bei ur.S vorspricht, um seinen
MiethSkontrakt zu unterzeichnen. Gute
Nacht!'
Eine Stunde später war da ganze
HauS Perronnet in tiefeS Dunkel gehüllt
di, auf da? kleine Fenster im sechsten
Stock, das bis zum Morgen hell erleuch
tet blieb.
Als am frühen Morgen die Sonne
durch die Fenster schien, lag Her Sta.
niölaS Menorval noch im tiefen Sch'af.
Er erwachte endlich und stand auf. Seine
erste Sorge war, die brennende Lampe zu
löschen, dann machte er sich an die Berei'
tung feine einfachen Frühstück 3. Er
war zu arm, sich dasselbe vcn der HauS'
Meisterin besorgen zu lassen. Mit Vc.
Der
Jahrgang 15.
-riifcinura blickte er aJ leine Lamce und !
fantf -it brennt dock! auSaettildnei.
Ich kann mit dem neuen Szftem ganz zu
lricden sein.' Dann stieg er frisch und
vergnügt d!t Treppen ö,ncv, um sich in
sein Comptoir zu beged:n, denn r war
,?,ik!tell!er eines aroken GeiiäfteS. von
dem er elnhnderlachtzig Francs monat
ltcheS Sehalt bezog.
16 hie sv.u5meriif.vin ibrr. mitteilte.
daß es im Hause Sitte sei, den MietkzS.
certißg ein, :5ntz Um h'1 ur:i:rze:q
nen. erwiderte er: .E, ist cut, ich erde
h'.ute Abend hinkommrn.'
U.id er gtng, ohne Daran zu verirrn,
sich umzuschauen. Hätte er sich nämlich
umgeschaut, so hätte er bemerkt, daß ihm
aus sein jZeniier von grurem Amerie
ein braunes Köpfchen nachblickte. Und
wknn er 'sriiit Kälte. waS ditS braune
Köpfchen von ihm dachte, wäre er wohl
sehr stolz geworven, cerni ,zraureia
Amelie sprach vor sich hin: .Wirklich in
hübscher junger Mann!'
DaS war er in der That. Freß und
spinnt emacbsen. brünett, mit einem
zierlichen Schnurrbärtchen. DaS Schönste
an ihm aber varen 'eine rumgen rügen,
in denen eine ganze Welt von Gutmüthig
seit lag.
Bus seinem Büreau war er der Erste.
Als seine Kolleaen eintrafen, fragten sie
ihn, wie er mit seiner neuen Wohnung
zufrieden sei.
.Ausgezeichnet,' erwiderte er. Ein
stilles HauS, und während der Nacht
oourommcne iKuye.
ffr arbeitete denTaa über unverdrossen.
ohne an etwa, anderes zu denken, al an
seine Arbeit. DaS einzige, waS ihm,
mit auck an anderen Taaen. durch den
Kopf ging, war die Hoffnung, daß am
Ende de JahreS sein Gehalt auf zwei
hundert Franc, erhöht würde, wenn er
fleißig sei. DaS war im Augenblick sein
einziger Ehrgeiz.
Am Abend, nacheem er em ernsaqes,
r.fitr krä?tiaeS Ellen eingenommen batte.
kurack er bei der Kamille Verrönnet vor
in dem Glauben, daß er nichts zu thun
habe, als durch seine n.iuqajnri ven
Mieibkcsntrakt ,u vollüehen. Er hatte
keine Ahnung davon, daß er die Neugierde
der drei gamurenmirgileoer in o yoyem
Krade erreat batte.
Man führte ihn in den Salon, der aus
diesem seitlichen Ama'e ueu trieuqiel
war. Herr und Frau Perronnet, die ihn
dort bereits erwarteten, und Amelie, die
hinter dem Bor hange tauicyle, ranoen,
daß sein Auftreten an einnehmender Ge
m.indkkcit nickt ,ir wünlcken übria lieke.
Er wurde sorgfältig ausgefragt über
fein i.'even, feine t.ern, oie in ver Pro.
ainx Knien, über seine Arbeit. Lerr
Perronnct sazte ihm ein Eompliment
über den Etser, mit rem er feine Tluvien
betriebe, und Frau Perronnet gab ihm
den Räch, seine Gesundheit zu schonen.
Er dankte höflich i.mx, aber doch etmaö
erstaunt über dteses vü!en,cye mgegen
kämmen, an da seine früheren öaus
mirtbe lbn nickt acirZbnt batten. unter
zeichnete den Contrakt und stieg dar.n in
leine Wobnuna binauf. Bald strahlte
Kort feine LL!:,pe in gewohntem Glänze
und leuchtete vehanü? vts zum yeuen
!.'torg:n.
Ein Monur ging vorüber, die Neu
stierte der ivsmilt: Verrönnet stieg auf
den G.pkl. Man sprach sogar offen
darüber in ezenwart von Amelie.
Die ArbettSlampe htie StaniSlaZ
Menvival in einen ganz wünderbaren
Ruf gebracht. Man nahm an, daß ec
sur den Unterhut feiner armen iuern z!
sorgen Härte, oder stellte ihn sich vor atö
einen Forscher, einen ErsinKer. al einen
inlün ttien WchrihSter Der Mü-.lchkett,
und Herr Perronnet rief ein über fcaS
andere Mal mit dem Auköruck: grenzen
loser Bewundermig: ,Er besihl einen
Körper von Eisen. Di ga ?ze acht zu
arbeiten und am Morgen füsch auszu
sehen eö ist erstaunlich!'
Denn eS muß gesazt werden, trotz sei
ver Arbeilsmenge erfreute sich StaniölaS
Mönorval des blühendsten Aussehens.
WaS war da naheliegender als der (St
danke, daß er der geeignetste Mann für
Fräulein Perronnet fct?
Amelie wurde zwar nicht gefragt, und,
um die Wahrheit zu fazcn, ihr imponirte
die wunderbare Lampe nicht sonderlich;
aber sie wußte ftetS einen Verwand zu
sinken, um auf die Treppe hinauSzu
gehen, wenn der Miether auS dem sechsten
Stocke in seine Wohnung hinaufstieg.
Er kam fehr regelmäßig heim, denn er
hatte kein Geld, um draußen seinem Wer
gnügen nachzulaufen. Und Amelie fand
seine Art, sie zu grüßen, entiückend.
Als der Erste kam, dachte Madame
Pnronnet im Stillen, er würde vielleicht
die Miethe schuldig bleiben, aber nein,
er erschien pünktlich und zahlte. ES war
ein geradezu vollkommener Mensch.
Endlich eines ÄbendS sagte Amelie,
der die Sache zu lange dauerte, zu ihrer
Mutter: ,Lede Mama, der Herr muß
stch doch all' die Abende in seiner Ein
samketi fürchterlich langweilen'. . . .
grau Perronnet ging ein Licht auf.
Sie sprach zu ihrem Gatttcn: .Peron
net, da? Herz unserer Tochter hat ge
sprechen!'
Somtagsgast.
Beilage zum Ncbraska Ttaats-?ln;ciger.
StaniSlaS Menorral war ans' Höchste
überrascht. a'.Z er am nächsten Taae etr.e
Einladung erhielt, bei Perronr,el'S mit
noch einigen Freunden zum h zu er
che'.mn.
Er kam. war sehr litkenSü-dig, fang
einige Lieder, begleitete Amelie auf dem
Klavier und machte dabei die Bmer
kung, daß dieselbe ein sehr nette, junge,
'lochen sei. grau Perronnet glaubte
ihren Ohren nicht zu trauen; dieser ernste
Mensch, dieser Arbeiter, dieser ermüd'
lich: Forscher sang schsärrnisch: Lieder!
Er wurde in ihren ugen zu einem wag
ren Romanheldcn, und zärtlich blickie sie
aus ihn ur,d ihre Tochter. Herr Perron
vet konnte von setner frren J?ee nicht
lassen und murmelte nur vor sich hin:
.WaS muß dieser Mensch für eine Kou
st,tution haben!' Nsch diesem kleinen
Feste aber, so dachte er, würde der lunge
Mann stch doch etwa? Ruhe gönnen.
Aber er halte sich geirrt, in di:ser, wie in
den anderen Nächten blieb daS Fenster
dieses unermüdlichen Arbeiter hell bis
x.um Morgen.
melie ging giusiig zu Beile unv
hatte wunderbar fuke Traume.
Diesem ersten Famtlienadend folgte
b-ilv ein seiler und noch andere mehr
Amelie und VtaniklaS übten Duette ein,
spielten vierhändig, einmal gingen sie
sogar in die komische Oper, bei welcher
Gelegenheit StaniZlqS Frau Perrennet
ein Bouquet, Amelie etne Düte mlt!Uon
bonS überreichte.
Unterdessen zog Herr Perronnet al.
vorsichtiger Geschäftsmann Erkundigun
gen über StaniSlaS ein. Ec erfuhr,
daß derselbe in seiner geschäftlichen Auf
sührung ebenso tadellos war, wie in fei
ner häuslichen, und daß ihm nicht,
fehlte, als ein Anlagekapital, um sich
selbstständig zu machen und ein stattliches
Vermögen zu erwerben. DaS führte d?n
Guten naturgemäß auf den Gedan?en:
.Die Mitgift von Amelie I'
Alle Freunde der Familie, deren Uo
theil man einholte, fanden den jungfn
Mann entzückend. Man hatte sie auch
von seiner nächtlichen Arbeit ii Kenntniß
gesetzt, ober Niemand machte in seiner
Gegenwart eine Anspielung darauf auS
leicht vearelflichcm artae uhi : mau
glaubte ziemlich sicher zu wissen, daß er
für seine armen Eltern so angestrengt
thätig war.
Im Uebrigen bewies er auch irklich
einen hohen Grad von setd!Ilosttttt.
Er hatte zur Amelie eine starke Zu
neigung gesaßt. Da er aber wußte, daß
sie reich war, wagte er eS nicht, ihr feine
Liebe zu gestehen. Amelie selbst mußte
ihm daher zu Hilse kommen. Sie
merkte wohl, aS in seinem Herzen vor
ging, und eines Abends, als sie gerade
ein Lied gesungen hatten, sagte sie ganz
unvermittelt zu ihm:
.Weshalb eigentlich heirathen wir uns
beide nichts
Er erröthete lebhaft, erwiderte jedoch
ohne Zögern, die? sei sei lebhaftester
Wunsch; da er aber nicht mehr hätte, als
seine be cheidcne Anstellung. . .
Diese Freimüthigkeit zusammen mit
dem zärtlichen Blicke, mit dem er Amelie
in die Augen sah, gewannen ihm voUflan
dig vas Herz beS jungen Mädchens.
Die Hochzeit wurde beschlossen.
Während der nun folgenden Vorberel
tunam, während deS EinkaufenS dei
Ausstattung, ja selbst in der Nacht vor
dem Hochki:Sksste brannte immer die
Lampe.
.DaS ist zu viel, ' grollte Herr Perron
net, .jetzt hat er kein Nechi mer, seine
Gesundheit so zu umerzrabe.'
Nach der sehr fröhlich gefeierten
Hochzeit begab sich da? jange Paar aus
die Reise und Herr Perronntt konnte nun
endlich in daS Zimmer ssmeS schwicger.-
soqneS eindringen.
Er war zwar ein!germsfen überrascht,
dort nur etmge rsenize Büqer, e:n paer
verrostete Federn und e::t eingetreckuete
Tintenfaß zu finden, erklärte sich jedoch
diese auffallende Thalsache damit, daß
Herr Menorval wohl .nur mit dem
Kopfe' gearbeitet habe. Dann ergriff er
mit seiner Art von Respekt die ander
bare Lampe und trug sie vorsichtig hinab
in dasjenige Zimmer der zu'üuftigm
Wohnung seiner Kinder, daS er zur
, Ätudirftube' bestimmt hatte.
Dann wartete er ungeduldig auf d!e
Rückkehr seiner Kinder.
Sie kamen endlich wieder, strahlend
vor Glück. Sie ein Bischen müde von
der Reise, er frisch, wie immer.
Nach einem vergnügten Abende im
Kreise der Familie, zog daS junge Paar
stch zurück. StaniSlaS fragte nach feiner
Lampe.
.Was,' rief der Vater entrüstet au,
.Du willst doch nicht schon wieder arb:i
ten?'
.Arbeiten,' erwiderte StaniSlaS mit
dem Ausdrucke grenzenlosen Staunen.
.Ja. wie kommst Du auf diesen Gedan
ken?'
.Nun, da ist doch naheliegend ge,
nug weil Du wieder nach Deiner Ar
beitSIampe fragst!'
.Nach meiner ArbeitSlamxe?'
Ueber das Gesicht de, jungen Eheman
neS glitt ein Schimmer des aufkeimen'
den VerftändniffeS. Er begann fürch
terlich zu lachen. .Aber das ist gar keine
ArbtitLlamxe,' sagte er endlich, sondern
eine ganz gewöhnliche Lampe.'
.Eine ganz gewöhnliche Lampe ii'
.Nun ja. nenne sie meinetwegen eine
Nachtlamxe, denn al solche hat sie mir
gedient. Ich kann nämlich im Dunkeln
nicht schlasen. Und dann,' fuhr er
fort, .hat eine solche Lampe, die NachtS
über brennt, nicht zu unterschätzende Vor-
üge.'
Paxi Perronnet fließ einen gmnzenden
Laut auS, der etwa für eine Frage ge'.ken
konnte.
Ja, gewiß,' erwiderte sein Schwi
gersohn. .Emmal ist man sicher vor
etwaigen Spitzbuben und Einbrechern
und zweitens kommt man bei feinen Nach
barn in einen guten Ruf. Sie halten
Einen für einen fleißigen Menschen, der
die Nach',, über studirt und Gott weiß,
welche schwierigen Arbeiten ausführt, in
deß man ruhig in feinem Bette liegt und
den Schlaf des Gerechten schläft.'
Altlsikallsche Geschichten.
Von H. Behrend.
Die Blätter der Geschichte gewähren
keinen Raum für jene kleinen und mit,
unter so überaus bezeichnenden Züge,
welche wir in Memoiren und ähnlichen
Aufzeichnungen zerstreut finden, für
Anekoken und Bonmot, die bis auf
uns gelangt sind. DaS gilt wie von der
allgemeinen, so auch von der Literatur
und Musikgeschichte. Gerade auf dem
Gebiete der letzteren aber ist die Ausbeute
an solchen Anekdoten, die sich IS Ära
beSkkiisum die strengen Linien geschicht
licher Darstellung schlingen lassen, über,
aus reich, und zum Beweise dafür lassen
wir eine kleine Blüthenlese hier folgen,
wobei wir unS jedoch bloS auf das vorige
Jahrhundert und den Anfang deS jetzigen
beschränken.
Wir beginnen mit einem hübschen
Seitenflück zu der Geschichte deS unseren
Lesern wenigstens aus glokows melodie
reichen Oper bekannten Aleffandro Stra,
della, dessen hinreißender Gesang die zu
seinem Morde gedungenen Banditen be
wog, ihm reumülhig zu Füßen zu fallen.
Ein noch größeres Wunder hat nämlich
seiner Zeit der italienische Componist
Siloeftro diPalma (1762-1334) fertig
gübrncht. Dieser war oft in Geldver
legenheit, und eines Tages drang ein
besonders erboster Gläubiger in sein
Zimmer, um den leichtfertigen Schuldner
vor Gericht zu schleppen. Palma aber
verlor nicht den Kops; rasch setzte er stch
an fein Klavier und sang als einzige
Antwort auf alle Drohungen die reizende
Polonaise "Santo ehe son vicino'' auä
seiner Oper "La Pietra sirnpatioa".
Anfang schimpfte und knurrte cet Ma
chinäer noch dazwischen, dann aber glätte,
ten sich seine Mienen mehr und mehr,
und ds Ende vom Liede war, daß der
ganz hingerissene Zuhörer nicht nur nicht
mehr von ayien und Alreticenlanen
sprach, sondern dem Künstler sogar eine
neue summe vorstreckte, um ihn ars am
dermei'ige Verlegrnhütcn zu befreien.
Doch nicht nur die Machinäer waren
im vorigen Jahrhundert musikalisch: euch
die Großen dieser Erde, ie relch aus
gestatteten Hofkpellen und Hofthealei
jener Zeit xogen vielfach hervorragende
Regcnteu oder begabte Glieder ihrer
Veriilyeryauier zu nuzrrer pkvoritcii
Antheilnahme an dem höfischen Mus,!'
treiben heran, und niemals wieder hat e?
so viel als Componisten oder ausübkLde
Tcn?ü,silzr hervorragende Fürstlichkeiten
gegcdcn, wie damals. Vekannilich hui
digie auch Friedrich II. de: Tonkunst nicht
nur durch sein meisterhaftes FlZtenspil l,
sondern war nicht minder als Tonsetzer
mit Erfolg thätig, wt die jetzt in vier
Bänden bei Breitkopf & Härtet in Leipzig
erschienenen musikalischen Werke deLMo
narchen beweisen. Sie enthalten 25
Sonaten für Flöte oder für Clavier
und Flöte, sosie vier Concerte für Flöte,
Streichorchester und Generalbaß, unter
denen sich gar manche Nummer befindet,
die durchaus den Stempel künstlerischer
Vollendung trägt.
Wohl nur Wenige haben aber eine
Vorstellung daoon, wieviel Friedrich
außerdem noch componirt hat. Es
würd: lange Zahre hindurch tn Benin
kaum eine neue italienische Oper ge
geben, für di: er nicht eine Einlage qe
chrieben hatte, o lieferte er z. A. sur
die 1747 gegebene Oper ,J! Re Pa-,
störe' die Ouvertüre und zwei Arien.
Zur O?:r .Koriolan', die Graun com
ponirte, halte der Koma zunächst selbst
den ganzen Entwurf versaßt, den dann
Algarotti und Villati ausführten.
Die Comxo itton des berühmten Met
fter gefiel aber im Allgemeinen dem
Publikum nicht sonderlich, dagegen zur
bete eine von Friedrich herrührende einge
legte Arie derartig, daß sie alsbald in
Berlin auf allen Straßen gepftffen
wurde, wie heute etwa die berühmte
.Holzauktion im Grunewald'. Wenn
sich das Opus noch au sindig machen
ließe, so müßte seine NeuherauSgabe
ohne Zweifel Aufsehen erregen.
Gleich tn den ersten Jahren semer Ne
gierung that Friedrich II. ungemein viel
No. 31).
für die Tonkunst, wobei sein ehemaliger
Lehrer, der berühmte Flötist Quantz,
einen maßgebende Einfluß auf ihn auS
übte. Damals ging in Berlin folgfnde
Scherzwort um: .Wer regiert eigentlich
den preußischen Staats' Antwort
DaS Schooßhündchen der Mudame
O'tantz; denn der König läßt sich con
Ountz, Quant) von feiner rau uvv
diese von ihrem Schooßhunde regieren.'
Bet Weitem hervorragender IS Mui
ker noch wie der .alte Fritz' war aber
sein Neffe, Prinz LouiS Ferdinand von
Preußen, ein von keinem Fürsten vor
oder nach ihm überlroffener, hoch genialer
Elavierspieler und gediegener Eomponist
(feine Hauptschöpsung ist daS große F
moll'Ouartett).
Der Prinz, der sich durch seinen Hel
dentod bet Saalfeld am 10. Oktober
1806 die Unsterblichkeit errungen hat,
war ein solcher Meister auf dem Klavier,
daß selbst ein Beethoven von ihm aner
kannte, .er spiele gar nicht königlich oder
prinzlich, sondern wie ein echter tüchtiger
Klavierspieler'. LouiS Ferdinand halle
den großen Meister bei dessen Aufenthalt
zu Berlin im Jahre 179S kennen und
schätzen gelernt und verkehrte sehr viel
mit ihm, alS der Prinz seinerseits 1803
oder 1804 in Wien weilte.
Damals veranstaltete eine alte, äußerst
adelSftolze österreichische Gräfin eine
Abendae ell cha t zu Ehren deS Prinzen,
wozu wegen der bekannten Musikfchwär
merei deS hohen Herrn auch der bürger
liche Musikant eine Einladung empfangen
hatte. AlS eS aber zu Tische ging.
waren die Gedecke an der Tafel deS
Prinzen nur für hohe Adlige bestimmt.
Beethoven sah daS, sagte einige Derb
heilen, nahm seinen Hut und ging. Ein
paar Tage darauf gab der Prinz ein
Essen, zu dem ein Theil dieser Gesell
schaft, darunter auch die alte Gräfin,
eingeladen war. Bei der Tafel wurde
die Gräfin aus die eine, Beethoven auf
die andere Seite des Prinzen gewiesen
eine ebenso seine als glänzende Genug
thuung, die Louis Ferdinand dem von
ihm hochverehrten Meister bereitete.
AIs Beethoven, wie vorhin erwähnt,
im Jahre 1796 längere Zeit in Berlin
weilte, war dort Friedrich Heinrich Him
mel, der Eomponist des damals viel ge.
gebenen LtederspieleS .Fanchon' und des
noch heute bekannten LiedeS .An AIeriS',
preußischer Hofkaxellmeister. Himmel
besaß .ein ganz artiges Talent', wie
Beethoven einmal über ihn äußerte, hielt
stch aber, da er ta spreeathen äußerer
deutlich gefeiert wurde, dem au Wien
kommenden Claviervirtuosen denn alS
(Komponisten kannte man Beethoven da
ma'S noch fast gar nicht für weit über
legen.
Da er auch ein eleganter Clavierspieler
war, so glaubte er eS mit Meister Lud
wig auch als musikalischer Improvisator
ausnehmen zu können und fordert ihn,
da sie emeS TsgeS .Unter den Ltnden
zusammen spazieren gingen, zu einem
Wettkampfe heraus. Sie traten in ein
Privatzimmer des Jagor'schen Lokales,
in dem sich ein Clavier befa,id, und hier
phantasierte zuerst Beethoven in seiner
ganz einzigen und unvergleichlichen
Weise. Nun setzte sich auch Himmel an
das Instrument und gab seine Jnspira,
tionen zum Besten. Nachdem aber d:r
Herr Hofkaxellmeister eine halbe Stunde
lang felne ganze musikalische Weiihcil
ausgekramt hatte, unterbrach ihn endlich
fein Zuhörer mit der ILchrlnd hingcwor
fenen Frage: .Nun, lieber Himmel,
ollen Sie denn nicht einmal ordentlich
anfangen?' Wüthend sprang dieser aus
uno wurde grob, aucin Beethoven blieb
ihm nichts schaldig und meinte nachher zu
seinem Ä?chu:er Nies: .Ich meinte wirk
l!ch, Himmel habe nur so ein bischen
prludirt.'
In jene Zeit fällt auch die Gründung
der später so berühmt gewordenen Ber
liner .Singakademie', die aus einem
von Fasch 1789 gegründeten Singverein
ron Dilettanten hervorging. Karl Frie
brich Zelter (1758-1332), der Freund
Goethes, schildert in seiner Seldstdio.
graphie zunächst das elende Uebungs,
lokal, dem sogar der Ofen fehlte. Eines
TageS im Winter berichtet er dann
weiter als die Kälte unerträglich war,
wellten die meisten Damen des ChoreS
wieder von bannen gehen. In ihrem
musikalischen Eifer legte aber Eine unter
ihn ihren Muff aus die Erde, kniete
darauf und wickelte die Füße in ihr lan
g'.S Kleid. Dies ahmten mehrere nach,
und zuletzt fang die ganze Versammlung
in dieser rührenden Stellung einen Cho
ral, daß Fasch darüber in Thränen auL
brach.
Eine lustige Theatergeschichte möge
den Schluß bilden, die sich an die genau
vor hundert Jahren zum ersten Male
aufgeführte und jetzt längst vergessene
Oper .Romeo und Julia' von Dao,
Steibell (1755 biS 1823) knüpft. Dieser
damals sehr geschätzte Clavierspieler und
Eomponist hielt sich im letzten Jahrzehnt
des vorigen Jahrhunderts in Paris auf,
ivo das FevdeauTeeater jenes W:rk mit
durchschlagendem Erfolge in Scene sctz'e
Lei einer der ersten Aufführungen ge
staltete sich jedoch durch eineu bösen Zu
fzll der fenfi so ergreifende Schluß zu
einer Posse.
Madame Deharme, welche die Juli
vorzüglich sang und sxiflle, lag in ihrem
Larkoxhag, während draußen ein Plotz
regen niederging. Da die Bedachung
de Theater aber nicht ganz dicht war,
so sickerte da, Wasser durch, und ein
Tropfen siel der Tochter Caxulel auf die
Nase, daß sie zusammensuhr. Ei
Troxsen nach dem andern folgte, und
jedesmal zuckle die Todte, die Romeo mit
leiser Stimme vergeben zum Stillllege
ermähnte. Inzwischen war man auch tn
dem Zuschauerraum längst aufmerksam
geworden. .Jetzt fällt ein Tropfen!'
rief eine Stimme. .Nun kommt wieder
einer!' eine zweite, und endlich stand in
Spaßvogel im Parterre auf und sagte:
.Madame, darf ich Ihnen vielleicht einen
Schirm anbieten?'
Nun war e auch mit der Fassung der
beiden unglücklichen Liebenden auf der
Bühne vorbei sie stimmten fröhlich in
da homerische Gelächter ein, da von
allen Seiten losbrach.
Was jede Hausfrau will foul,.
Gegen rauhe Hände gebrauche Cittv
nensast. Mit warmer Milch und
Wasser kann man Oeltuch ohn' Seife
reinigen. Eine heiße Schaufel über
Möbel gehalten, nimmt weiße uat va
von weg. Streue SafsasroSrinde unter
getrocknete Früchte, um Würmer davon
zu halten. Eine Hand voll Heu mit
Wasser in einen neuen Eimer gethan,
nimmt den Geruch der Farbe mit fort.
Tintenflecke auf Seiden, Woll und
Baumwvllstoffen lassen sich mit Terpentir
entfernen. Eine Mischung von Bienen
wach und Salz macht alte Bügeleisen so
glatt wie GlaS. Fische lassen sich viel
besser abschuppen, wenn man sie einen
Augenblick in heiße Wasser hält.
Zähe Fleisch kocht ebenso weich wie an
dereS, wenn man dem Wasser ei wenig
Eisig zufügt. Um daS Weiße von
Eiern schnell zu schlagen, thue eine Mes
serspitze voll Salz hinein; je kühler di
Eier sind, desto schneller geben sie
Schaum.
?er ßxyornis.
Die Eier dieses auSgestorbenen Riesen
vogelS von Madagaskar, waren etwa
S40 Mal so groß wie ein Hühnerei.
Der Vogel selbst muß, voll auSgeaach
fen, die Höhe von Sj bis 3 Metern er
reicht haben, und hielt sich, nach Angabe
der besten Forscher, gern an dem Rande
von Sümpfen auf. Von mehr als 60
Individuen sind Ueberreste, vermischt mit
Knochen von kleinen Flußpferden, Kro
kodilen und Schildkröten, aufgefunden
worden. Darunter befinden sich wohl
ein Dutzend Paritäten de Riesenvogels,
von denen eine viel Aehnlichkeit mit dem
Kasuare hat. Der Naturforscher Milia
Edwards hat auch auf die überraschenden
Analogien zwischen der sonstigen Thier
weit Madagaskar und der Neuseeland
hingewiesen wiederum ein Anzeichen
für einen früher vorhanden gewesenen
Continent.
Jür die Zwecke des Hrafen ßöam.
öord,
des legitirnistischen Thronprätendenten
Frankreich, war einst von seinen An
Hängern die Aufnahme einer Anleihe von
20 Millionen Franc vorgeschlagen wor
den. Unter andern hatte auch ein reicher,
doch recht knauseriger Edelmann von
jeher feine Theilnahme für den Präte,
denken bekannt gegeben. Als aber ein
Sammler zu ihm kam, und ihn auf jene
Anleihe um einen Beitrag anging, ant
ortete er: .Mein Blut steht dem Gra,
fen Charr.bord stets zur Verfügung!'
.Das ist zwar recht schön', erwiderte
der Sammler, .augenblicklich soll aber
keine Wurstfadrik angelegt werden'.
Dat dede Sei ok ich!"
Mal in'n Manöoer lett deUnt'roff'zier
Möller von de Wismer'schen FüselinS
sin Korporalschaft up den Passoroer
Schulren fir.en Hof antrcden, un a hei
nahdem bei Allen gründlich nach
seihn hett .Gewehr aewer' kumman
dirt, maken ok All' den Griff blot de
Letzt', de dicht an de Schün (Scheune)
steiht, nimmt sin Ftint nich hoch. ,Wat
Dunnerwettki!' fohrt de Unl'roff'zier
den Kirl an, .worum nimmst Du Din
Gewehr nich oewer?'
.Je, Herr Unl'roff'zier, dat beben Sei
ok nich.
.So? Worüm d:nn nich?'
.Je, min Kolben steiht in den Schul
ten stn Theerbütt!'
Sine eigenlljümNchkeit HiSraNars
bildet eS, daß eS der einzige Punkt Euro
pa' ist, wo noch Affen in der Freiheit
vorkommen. Von derselben Art wie die
in Marokko heimischen Vierhänder, zäh,
len sie kaum noch hundert Exemplare.
armio er Natur und durch strenge Polt,
zeigebote geschützt, sitht man sie an fchö
nen warmen Tagen oft herumspringen.
Wie srnv von der Große eine mittleren
Hundes und weichen, wenn stch Neugie
"ge ihnen nähern, kaum zurück, da sie je
oensallS wissen, da ihnen keiner etwa
zu Leide thut.
Aissiger Wodm.
Im Jahre 1789 wurde der größte
Theil des Boden, auf welchem jetzt die
Stadt Cincinnati steht und der jetzt einen
Werth von vielen Milliouen besitzt, von
dem Eigenthümer für ein Pseid hinge
gebcn.
Entschuldigt.
Hausfrau: .Ich muß Jnen sagen,
Sie werden von Tag zu Tag nachlässiger
im Kochen, Anna!'
Köchin: .Ich weiß, Madam?, wie fall
ich denn aber anders meinen Schatz leS
erden. Er gefällt mir nicht mehr.'
i