Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, October 18, 1894, Image 7

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KEBRASKA STAATS - ANZEIGER, Lincoln, Neb.
Unschuldig vrrmthrilt.
Uoiiiän vou ß. Mradoivs.
(Fortsktzunz.)
.err "'icy war heu! sreundl,,I:er
und licdervller mit mir denn je. ti
halb fcrnnen die Dinge niilit blcibeti
wie sie s,nd?ch langes nidit über
mid) dringen; es wäre zu unnaiurlie!i?
Mein Herz sträubt sich gegen die unze
heure Ziinde '
Mrlirere Inge später:
Die 5ersucbunq ist stärker als ich.
3ch liebe den Reichthum und kann den
bedanken nicht ertragen. Alles aus;u
geben. v)ch bin jung, mein Veben liegt
vor mir und wie schon könnte ich c
gestalten, wenn mein thörichtes syr
sich nicht dagegen auflehnte. Er ist alt,
Nein, nein, ich mag nicht daran den
ken. die Zmide schreckt mich juniil!'
Tie am Abend vor dein Mord nieder
geschriebene lelte Enitragung lautete:
Mein Entschluß ist gefasit. Es kann
keine Sünde sein, unsere Zukunft zu
sichern! Die iiMincl sind gesallen.
Zch vermag nicht dem Reichthum zu
entsagen, tott lreist. wie ich mit nur
sjekampst habe, das Rechte zu wählen!
i?enii ich eS genau be'.nke, ist die
Sünde doch nicht so groß! Mein Her;
pocht, die scbcr in meiner Hand zit'
tert, aber ich werde meinen Sinn nicht
ändern ! "
Mein Herz wurde schwer, als ich daö
las. denn ich sah ein, wie hofsnungslos
der Jvall war. ik-iire das Tagebuch nur
vor dem icrondeamten verlesen worden,
so wäre ihr die Möglichkeit geboten
gewesen, zu erklären, daß sich die alS
chuldbeweiS dienenden stellen nur
auf ihre Ehe mit dem alten Herrn be
zogen, daß die Zünde, vor der sie zu
rückschreckte, sich nur auf ihre Ehe mit
einem Manne, dem sie nicht ihre volle
i'iebe schenken konnte, bezog, während
der (Gerichtsverhandlung sind aber die
Kippen des (befangenen geschlossen und
auch den Anwälten ist eS fast unmöglich
gemacht, einen solch' verdammenden
ÄewriS aufzuklären. Je öfter ich die
Tagebuchslellen las, desto mehr zwei
feite ich daran, ob eS etwas genüht
hätte, wenn Miß Moore hätte reden
dürfen. DerSchein sprach zu sehr gegen
sie.
Ich freilich konnte mir nach Allem,
was ich bereits wußte, den Inhalt der
fehlenden Zeiten denken. Fünf Zahre
im Irrenhaus hatten wahrscheinlich
Miß Moore'S DenkungSweise geändert
und gereift. Als sie jene Eintragungen
gemacht, war sie ein junges, ideal cm
gelegtes, empfindsames Geschöpf, das
eS in seiner Uebertriebenheit für eine
Sünde erachtete, einen alteren Mann
zu heiralhen, für den sie wohl Hochach
tung und kindliche Zuneigung, aber
keine Vicbc empfand ; andererseits spie
gelte ihr ihre lebhafte Phantasie auch
die Folgen, die aus ihrer Weigerung,
seine Hand anzunehmen, entstehen
konnten, weit verhängnißvoller vor,
als sie wahrscheinlich gewesen wären.
Sie fürchtete, ihre angenehme Stellung
zu verlieren und in der Welt wieder
allein zu stehen. ' " "
Ich schnitt ein Stück Papier in
storin des Tagebuches und ergänzte im
Sinne der Angeklagten das in Verlust
gerathene Blatt wie folgt:
Herr (rey hat mir heute sein Herz
und seine Hand angeboten, er gestand
mir, daß er mich nicht liebe wie ein
Bater seine Tochter, sondern wie ein
Mann seine beliebte. Ich war wie
vorn Donner gerührt. An eine solche
Möglichkeit hatte ich nie gedacht.
Ich kann ihn nicht heiratheu. mein
ganzes Ich sträubt sich gegen eine
solche Sünde. Und doch, wenn ich ihn
zurückweise, richte ich mein Dasein zu
Grunde, indem ich meine Stellung ver
liere. Sein Herz wird sich gegen mich
wenden, ich werde sein Haus verlassen
müssen und wieder allein und verlassen
in der Welt stehen. Er hat mir drei
Tage Bedenkzeit gegeben. DieSündc.
eine Ehe ohne Viebe einzugehen, ist zu
groß ! "
Nachdem ich dieses Blakt an die seh
lende Stelle in'ö Tagebuch eingefügt,
las ich die Akten weiter.
Räch denselben soll Frau Towlinson
ihre Aussagen in sichtbarer Erregung
und nur widerstrebend gemacht haben,
namentlich denjenigen Theil, der die
Angeklagte belastete. Sie versicherte
immer wieder, daß sie trotz der gravi
rcndstcn Beweise an die Unschuld der
selben glaube; sie halte einen gewöhn
liehen Dieb, der sich, in der Hoffnung,
Wcrthsachcn zu finden, auf unerklärliche
Weise in'S Zimmer geschlichen, für den
Thäter. Mr. (Mici) mochte durch ein
Geräusch erwacht sein und der Dieb
habe, in der Angst entdeckt zu werden,
nach dem Dolche gegriffen, den Alten
getödtet und dann das Weite gesucht.
Auf die Frage, wie die Blutflecken auf
dem Morgcnrock der Angeklagten und
deren Ring auf dem Teppich zu erklären
seien, wußte sie keine Antwort. Sie
gab zu, daß das Tagebuch zum Bcrdacht
berechtige, ober nichts vermöge sie zu
dem Glauben zu veranlassen, daß ihre
HauSgcnossin schuldig sei; das seh
lende Blatt würde wohl, wenn eS sich
fände, ihre Ansicht bestätigen und Vicht
in daS geheimnißvollc Dunkel bringen.
Der nächste Zeuge, der Privatdiencr
Eroft, gab an, daß die Wirthschaften
ihn sofort nachdem sie ihren Herrn todt
vor dem aminsimS gefunden, herbei
gerufen habe. Gemeinsam schafften sie
ihn dann auf sein Lager und bei diese?
Gelegenheit habe er den Ring auf dem
Bctttcpvich erblickt. Herr Grc'., sei
bereits steif und kalt gewesen. Miß
Moore habe die Wirthschaftend
Mord" rufen gehört und fei in dem
Augenblick in'S Zimmer getreten, als
sie den Todten auf 's Bett gelegt. Sie
sei bei dem Anblick der Reiche erbleicht,
in Thränen ausgebrochen und fast ohn
mächtig geworden Ihm sowohl als
auch Frau Towlinson sei ihre verstört
heit und ihr seltsames Wesen aufgefal
len, es machte den Eindruck als ob sie
erwacht sei. Im klebrigen würde er
ein Sakrament darauf nehmen, daß
sie den Mord nicht begangen.
Die Hausmädchen wußten nichts
fctMiT a:u";m z .yn, zi dan sie siH cn
cr.:r. Mci -,e:i i:::t eine stunde rvr
ii!'l-':n ml Mrs. le'.ilir.na
in" ni.l't nie fli'ivil:::!!.!) mittels: der
Gle.tc ,;,n,i"!i b.e.
Mrs. Tenlimen wurde ubi'rcv.ls
rerhort und iagte üuS, sie kenne s,i;
nicht erüaren. weshalb sie sich gerade an
jenen: Meigen um eine c innre rei
schlafen luh. da dies bei ihr r.cch nie
mals vei gekommen. Zie habe, ehe sie
der Angeklagten den Thee gebra.1t.
selbst davon eine kleine Toste
getrunken; eS sei möglich, daß irgend
ein Schlaftrunk darin gewesen, sie
selbst habe nichts in denselben gethan.
Befragt, cb sie Äuokunst über das seh
lende Testament und den Phonographen
geben könne, verneinte sie dies, auch
könne sie nicht mit Bestimmtheit onoc
den. cb der letztere schon gefehlt habe,
alö sie am Morgen in das Zchlafge
mach des Ennordcten getreten sei. Das
Instrument habe auch keinen beson
deren Werth besessen ; aber ein Diev.
der nicht wußte, was es sei, mochte eS
wohl fiir werthvoll gehalten und mit
genommen haben.
Eroft zögerte beim zweiten Bcrhör,
Auskunft über den Phonographen zu
geben und schien sehr erregt, als man
in ihn drang. Doch legte er den Eid
b, nichts über dessen Bcrbleib zu wis
sen und wurde entlassen.
Die Beweise der StaatSanwalt
sche.st häuften sich gegen Miß Moore
und alle Welt war auf ihre Bertheidi
gung gespannt.
Die nächsten Zeugen ließen bereits
vermuthen, daß ihre Vertheidiger Gei
stesst'rung als mildernden Umstand
unsichren würden.
Zwei VciUwiiutCit der Waisenan
statt, in wel.,' er die Angeklagte ergen
worden r..., sagten aus, daß diese ein
merkwin.igeS und außergewöhnliches
Madch. ,'. gewesen sei ; sehr leicht erreg
bar, i.i hohem Grade nervös und jäh
zornig, dabei eine überaus fleißige
Schälet!::, ein förmlicher Bücherwurm.
Sie hat:.:: sich oft gesagt, daß sie zu
viel Berstand habe, wohl nicht verrückt,
aber doch ganz merkwürdig und anders
als alle ankere!, Zöglinge sei.
Zwei vorgeladene Schulkolleginnen
bestätigten ebenfalls, daß Miß Moore
ein eigenartiges Geschöpf gewesen sei ;
sie habe sich nie an einem Spiel be
theiligt, keinem Mädchen angeschlossen,
dagegen Spatzen und Mäuse zu ihren
Lieblingen erkoren, mit denen sie oft
stundenlang plauderte. Man habe sie
stets für excentrisch und hochmüthig
gehalten, auch sei sie sehr leicht aus
dem Häuschen gerathen und wild gc
worden. Man lud Frau Towlinson ne.',mals
vor Gericht und auch sie mußte zngc
stehen, daß die Angeklagte ein außer
gewöhnlicher und schwer zugänglicher
Eharakter sei. Sie habe sie wohl sehr
lieb gewonnen, sei aber nicht im
Stande gewesen, ihre Freundin zu wer
den. Zufällig wisse sie, daß Miß
Moores Bater an der Börse gespielt
und sich, nachdem er große Berluslc er
litten, in einem Anfall von Geistes
slvrung erschossen habe.
Zivei Aerzte, welche die Angeklagte
wiederholt untersuchten und beobachte
tcn, gaben ihr Gutachten dahin ab, daß
diese für ihre That nicht verantwortlich
zu machen sei. Darauf basirte die Ber
theidigung iyr Plaidoycr. Miß Moor
wurde schuldig erklärt, den Mord in
einem Anfäll von Wahnsinn begangen
zu haben und zu lebenslänglichem Auf
enthalt in einerVandesverbrechcr-Irren
anflalt vcrurtheilt.
Ich muß gestehen, daß ich nach gc
naucm Studium der Akten weder die
Richter, noch die Geschworenen, noch
auch das Publikum verdammen konnte.
ES sprach nichts, rein nichts zu Gunsten
der Angeklagten und doch vermochte ich
nicht, sie für eine Mörderin zu halten.
Mein Glaube an ihre Unschuld blieb
uncrschüttert und ich ließ mich in nid'
nein Bvrsatz, sie zu retten, nicht irre
machen. Zwei Dinge in den Akten
machten mich stutzig und ich hoffte, daß
sie mir als Schlüssel dienen würden,
das Geheimniß zu losen. Erstens:
Weshalb Frau Towlinson sich gerade an
jenem verhängn! ßvollcn Mvrgen um
eine Stunde verschlafen hatte, was,
nach ihrer eigenen Aussage, noch nie
bei ihr vorgekommen war; zweitens:
ob, beziehungsweise wann und zu wel
chen! Zwecke der Phonograph von Eroft
gestohlen worden war.
oich nahm mir vor, der Reihe nach
die Bekanntschaft der Wirthschaften,
'. Dieners und der beiden Hausmäd-
r.'. zu machen, und zwar so, daß diese
t ahnen sollten, welche Mission ich
kerno.nmen und daß ich Miß Moore
:::r.c.
sicdm hatte sich diese Idee meiner
"-'.nächtigt, als ich auch keine Ruhe
:ehr fand. Ich sagte meinem Schrei
er, daß ich einen Tagcsausflug unter
lchmen wolle und machte mich sofort
:uf den Weg nach dem entfernten Wood
rccii, wo Eroft derzeit wohnte.
3. Kapitel.
AlS ich nach Wood Green aufbrach,
war eS bitterkalt und der Schnee fiel
in dichten Flocken zur Erde; aber da
ich einmal meinen Plan gefaßt hatte,
mußte derselbe auch ausgeführt werden.
Je mehr ich an Hilda dachte, desto
mehr liebte ich sie, desto mehr war ich
von ihrer Unschuld überzeugt und desto
mehr schmerzte eö mich, daß das Schick
sal sie ungcrcchterweisc in den Augen
der Welt zur wahnsinnigen Mörderin
gestempelt.
Während der Eiscnbahnfahrt er
starrte ich ror .Stalte bis an's Mark;
auch hatte ich seit dem Frühstück nichtö
genossen und jetzt dämmerte eS bereits.
ES schneite m'.) immer, ein kalter
Nordwind pfiff und ich fühlte mich
nichts weniger als behaglich, während
ich in einer mir unbekannten Gegend
durch den fußhohen Schncc watctc. Zu
nicincr Freude traf ich einen Herrn,
den ich nach dein Weg zum Mcierhof"
fragte so heißt nämlich das Haus, in
wckcliem Eroft wohnt er war so
freundlich, mich dahin zu begleiten.
Zweifellos sind Sie mit Herrn
Eroft bekannt?" begann er das Gc
sprach.
Ich mußte vcntcincn.
Tann, mein lieber Herr, furchte
ich, d.'ß Sie ibn nicht zu O'eiichte tc
kommen weiden, denn Sie nnnsen wis
sen. d.',ß er ein Einsiedlerleben fuhrt
und mit .',ieniandei:i verkehrt.''
,?lu wel.l'cm Grund thut er cas?"
sorichte ich. .Ich kenne ihn nicht und
auch heilte iubik mich nur eine geschäft
liche Angelegenheit zu ihm.'
Das weiß ich nicht." enkgrgnete
mein Fahrer. ,5ie erinnern sich doch
an den Bromley Hall-Mord? Eroft
war der rettrauke Tiener des Ermorde
ten. Räch Beendigung des Prozesses
übersiedelte er in den Meierhos' und
in diesen fünf Jahren Hat er noch nicht
ein einziges Mal das HauS verlassen.
Eine Schwester soll bei ihm leben,
ihn pflegen und die Wirthschaft leiten.
Er ist. wie gesagt, zum Einsiedler ge
worden und gestaltet nur seiner ehema
ligen Hausgenossin, der Wirthschafte
rin seines verstorbenen Herrn, ihn zeit
weise zu besuchen. Hossentlich ist eS
nicht von großer Wichtigkeit für Sie,
von dem Sonderling empfangen zu
werden, denn Sie dürsten unverrichte
ter Dinge heimkehren müssen! Doch
hier ist das Hauö und ich wünsche
Ihnen viel Erfolg und gute Rächt!'
Unschlüssig stand ich einen Moment
vor der versperrten Gitkerkhüre. Unter
welchem Borwand sollte ich Einlaß be
gehreu? Endlich zog ich schüchtern die
Glocke und verließ mich auf meinen
guten Stern. Bald vernahm ich schlür
sende Schritte auf dem Kiesweg, die
Thüre wurde geöffnet, und eine ält
liche Dame sah mich fragend an. Ich
lüftete meinen Hut und versuchte so
gewinnend als möglich zu lächeln.
Was wünschen Sie?' fragte sie
freundlich.
Entschuldigen Sie, meine Dame,
aber ich habe mich in dieser bitterkalten
Rächt verirrt, der Schnee ist so blendend
und der scharfe Wind verweht die Wege.
Ich bin auf'S Mark erstarrt und habe
mir die Freiheit genommen, anzuläu
ten, um mir eine Tasse Thee zu erbit
ten.'
Die meisten Frauen wären beim An
blick eines wildfremden, großen und
starken Mannes, der an einem düsteren
Winterabend ein solches Ansuchen
stellte, erschrocken, und die Klugheit
hätte ihnen gerathen, ihm die Thüre
vor der Rase zuzuschlagen. Richt so die
Schwester Mr. EroftS.' Ich weiß nicht,
halte eS ihr mein AeußereS angethan,
oder mein gewinnendes Lächeln, oder
der Ton der Ehrlichkeit in meiner
Stimme Thatsache ist, daß sie mein
Lächeln erwiderte und mich aufforderte,
einzutreten.
Ja, eö ist eine sehr unfreundliche
Nacht und ein Fremder kann leicht fehl
gehen," meinte sie, aber ich glaube
kaum, daß eine Tasse Thee genügen
wird, uin Sie zu erwärmen. Ich kann
Sie nicht in'ö Zimmer bitten, denn
ich bin nicht die Herrin dieses Haufes.
Treten Sie dort unter die Borhnlle
Sie werden wenigstens vor Wind und
Schnee geschützt sein und ich will sehen,
was ich für Sie thun kann. Ruhig,
Phono, ruhig!"
Dieser Ruf galt einem riesigen
Hunde, der durch den Hof gesprungen
kam und mich aus Leibeskräften an
bellte. Ich rief ihn beim Rainen und
streichelte seinen großen jiopf, während
ich der Frau in die Borhalle folgte.
Phono! Welch' seltsamer Rame
für einen Hund! Wahrscheinlich die
Abkürzung für Phonograph !" sagte ich
mir.
Die Zimmerthüre war halb geöffnet
und ein breiter, Heller Lichtstrahl drang
heraus.
Gedulden Sie sich einen Augen
blick," bat die Frau. Cb sie dein Hunde
ein Zeichen gegeben oder ob er es aus
persönlicher Sympathie that, weiß ich
nicht, aber ee legte sich schweifwedelnd
zu meinen Füßen nieder.
Die Frau verschwand hinter einer
Seitenthttre. jcurz darauf ward diese
weit aufgerissen und eine angenehme,
männliche Stimme fragte:
Wo ist der Herr? Hoffentlich nicht
draußen? Mary, Mary, wo ist Deine
Gastfreundschaft geblieben?"
Ein kleines, altes, gebeugtes Männ
chen mit schneeweißen, flatternden
Haaren und langem Bart trat zu mir
auf den Flur.
Treten Sie ein, mein Herr. Tre
ten Sie ein. Ich erwarte Sie schon
seit langer Zeit; nur hätte ich nicht
gedacht, daß Sie im Winter bei Wind
und Schnee kommen würden. Ich habe
Sie im Sommer erwartet. Bald sah
ich Sie im Geiste, wie Sie auf stolzem
Roß die Landstraße hinansprengten,
um dann unter mein bescheidenes Dach
zu treten, ein anderes Mal wieder
krank und aus schweren Wunden blu
tend, und ich stellte es mir lebhaft vor,
wie wir Sie wochenlang pflegten, bis
Sie gesundeten, und ich wünschte mir
eine schöne Richte, in die Sie sich ver
lieben könnten. Sie haben lange auf
sich warten lassen, aber ich wußte mit
Bestimmtheit, daß Sie früher oder
später kommen würden. Treten Sie
ein, mein Herr, Sie sind herzlich will
kommen ! "
Ich richtete meinen Blick frägend
auf seine Schwester, und ihr Gesichts
ausdruck sagte mir: Gehen Sie aus
seine Ideen ein." So folgte ich denn
dem alten Mann in'S Haus. Der
Hund wich nicht von meiner Seite.
Phono hat Sie schon lieb gcwon
nen, cr geht nicht mehr von Ihrer
Seite. Sie werden sich wohl über sei
neu seltsamen Rainen wundern? Aber
das ist ein Geheimniß. Wollen Sie
nicht Ihren Ueberrock ablegen? Er itt
ganz naß. Man,, dieser Herr wird
heute mir uns speisen!"
Wieder sah ich zu der Frau hinüber.
Leise kam eö von ihren Lippen : Blei
ben Sie." Ich war da in eine merk
würdige Geselischast gerathen U',:d be
zweifelte nicht mehr, das; der Ane nicht
ganz klar im Mopse war. Reugierig
betrat ich mit meinem Gnstfrcitub ein
behaglich eingerichtetes Empfaugszim
in er.
Ein helles Fener brannte im ,'iamin :
ein großer karmesinrolhcr Lehnsessel
und ein zierlicher niedriger F.iuteuii
waren dicht an dasselbe gerückt.
Der ?!t; i.rnt seien in den Lehn-
stuhl und schien Nlich im r.achiutj i
lnent rerae'ien zu haben. cn'r kö ich
mich in den eleganten Faukeuil nieder
laiicn wellte, srranz er aus und lies
laut:
Richt d:i ibin ! Hierher, mein lieber
Herr!" und dabei druckte cr mich mit
einer ran. die ich ihm nicht zuge
mulbet hatte, in seinen Vehnslubl.
Dieser gehört snr einen Engel!'
sagte er, auf das zierliche Stuhlchcn
deutend. ,Fr eine Marlnrerin? Ent
schuldigen Sie meine Barschheit, aber
Riemand darf dort Play nehmen, als
mein Engel!'
Er brachte für sich einen anderen
Sessel herbei, wandte jedoch keinen
Blick von dem Faukeuil.
Ich sehe sie es t darin sitzen,'
sprach er zu sich selbst, ich sehe ihre
wundervollen Augen, ibre Märchen
äugen, ich höre ihre Silbcrstimme!
Sie wird vielleicht doch noch eines
Tages da sitzen! Sie muß kommen!'
Während cr mit sich selbst Zwie
spräche hielt, sah ich mich neugierig in
dem Gratich um. ES machte fast drt:
Eindruck einer Musikinstrumentcnhand
lung. dcnn an einer Wand stand ein
Flügel, an der entgegengesetzten eine
große Zimmcrorgcl; Biolincn, Man
dolinen, Guitarren und sonstige In
strumcnke waren in allen Winkeln auf
gestellt.
Sind Sie Musiker von Beruf?'
wagte ich zu fragen.
Rein, nein!' wehrte cr ab. Diese
Instrumente sind noch von Ricmandcm
berührt worden; sie sind für meinen
Engel bestimmt, für das schönste Weib
aus Erben!"
Ich streckte meine Hand nach einer
Bioline auS; cr machte eine Bcwc
gung, als ob cr mir sie entreißen
wollte, doch überlegte er sich'S offenbar
und lehnte sich matt in seinem Sessel
zurück.
Uönnen Sie spielen?" fragte cr
leise.
Ja!" antwortete ich und fuhr mit
dein Bogen über die Saiten. Sie
waren verstimmt. Nachdem ich sie gc
stimmt, spielte ich McndclsohnS Lic
der ohne Worte."
Die Wirkung, welche mein Spiel
auf den Alten ausübte, überraschte mich.
Zuerst schien cö ihm unsagbare Pein zu
bereiten, seine Glieder zuckten, sein
Gesicht verzerrte sich wie unter einem
großen Scclenschmerz, Schweißperlen
traten auf seine Stirne und cr wurde
leichenblaß. Räch und nach jcdoch kam
wieder Farbe und Leben in seine Wan
gen, seine Augen funkelten wie Sterne,
cr richtete seine zusammengebrochene
Gestalt auf, sein ganzes Wesen drückte
Bcrzücknng ans.
Fünf Jahre, fünf lange Jahre
habe ich die göttliche Musik vermißt!
Meinen Ton gehört. O, wie schön, wie
erhebend das klingt und doch nicht so
seelcnvoll wie von ihr. Es ist nicht ihr
weicher Strich! Singen Sie auch,
mein Herr?"
Ich bejahte es.
Singen Sie etwas, ich bitte Sie
darum. Sie machen einem alten
Manne, der feit fünf Jahren kein Lied
aus einer menschlichen jiehle gehört
hat, eine große Freude. Ich hätte nicht
gedacht, daß ich einer anderen Hand
als der meines Engels gestatten würde,
das iclavicr zu berühren. Bitte, bitte,
singen Sie etwas."
Ich nahm vor dem Flügel Platz und
sang das alte, schöne Lied Annnbcl
Lee." Als ich schwieg, bemerkte ich,
daß mein Gasifremid sein Gesicht mit
beiden Händen bedeckt hatte und still
vor sich hinweinte.
Räch einer Weile begann er mit
trostloser Stimme:
Man hat mir sie entrissen und sie
an einen Crt gebracht, der schlimmer
ist als das Grab! mein Gott, wie
konntest Du ein so herrliches Geschöpf
crschassen und das zugeben? Das
schönste Weib der Erde eingeschlossen
an einem Ort, der schlin,mer ist als
das rab!"
Wie ein Blitz durchzuckte mich jetzt
der Gedanke, daß er von meinem Lieb
ling sprach, daß der elegante Fautcuil
vor dem Uamin und die unbenutzten
Instrnmente ihrer harrten, daß der
Alte sie geliebt habe wie einst sein
Herr sie geliebt und daß er sein Ein
siedlerleben führte, seitdem das Gesetz
sie verurtheilt hatte.
Sie singen sehr schön," sagte er,
seine Bewegung bemeisternd, aber
ihrer Stimme gleicht nichts! Haben
Sie schon einmal die berühmteste Sän
gerin der Welt singen hören?"
Ja, die Adeline Patti."
Eine Sängerin, die sich für Gold
hören läßt und nach dem Beifall der
Menge geizt!" meinte er verächtlich.
Ach, Sie müßten die Sängerin hören,
die mir den Sinn berückt hat, ihre
Stimme macht lachen und weinen zu
gleich; wer sie einmal gehört hat,
wird sie nie wieder vergessen und dabei
ist sie schön wie keine! Warten Sie,
bis Sie eimal Miß Moore fingen ge
hört, dann erst werden Sie wissen,
welche Wirkung ein Lied auszuüben
vermag, und Sie werden alle Prima
donnen der Welt verlachen!"
Mein Herz pochte zum Zerspringen
bei dem Gedanken, daß mir dieser alte,
halbverrückte Mann bei meinem schwie
rigen Unternehmen helfen könnte. Ich
beherrschte mich und fragte ganz unbe
fangen :
Und wann kann ich sie hören?'
Er erbleichte.
.Stille!" flüsterte er. BicleBögcl
sterben in der Gefangenschaft vor
Sehnsucht nach Freiheit, andere ver
liercn ihre Stimme, sobald sie in
einen engen .Käsig gesperrt werden,
wieder andere schlagen sich die Flügel
wund Sie können Hilda jetzt nicht
fingen hören, aber," dabei erhob er sich
von seinem Sitz, trat ganz dicht an
mich heran, legte seine Hände auf
meine Schultern und flüsterte mir in'S
Chr: Sie, werden eines Tages ihr?
Stimme hören und dieser Tag wird der
sein, an welchem ich alles Irdische von
mix werfe. Wenn sie auch nicht mehr
ui mir kommt, ihre Stimme sollen
Sie dennoch hören!"
Erwarten Sie ihren Besuch?"
fragte ich seltsam erregt.
Ein sch"!".!iches dicken huschte über
Kin cuic- u.ib tilät-fttc eine Weile.
tVc cr sut ;meien tmvtn antwor
tete :
.Ich was; nicht, rb t-j mir noch in
liefern Leben trrgnmt sein wird, sie
zu sehen, aber ca-j weiß ich, da': ,ch unk
dem lang ihrer k ur.h-rbarni Slkmme
m Chr r::i dieser Wett in die jen
f eilige himibcrgel'cn werde.'
Er verfiel nach die'en Werken in
ein stumpfes Hinbrnicik und ich baue
Zeit, meinen Gcdanlen Audienz zu
ertheilen.
Ich war nunmehr überzeugt, daß
der fehlende Phonograph sich in seinem
Besitze befand, vb mir das aber auch
auf die Spur des wahren Mörders ver
helfen konnte, war freilich eine andere
Frage. Eroft hatte zu Lebzeilen seines
GcbielcrS wahrscheinlich seine Leiden
schaft für dessen Sekretärin niederge
kämpft, und, als er ihn todt sah. war
sein erster Gedanke, sich des Instnl
mentes zu bemächtigen, das die
Stimme seines Idols wiederzugeben
venuochtc. Aus seinen Reden ging
deutlich hervor, daß er eö bislang lci
nen Ton hatte reproduzircn lassen und
damit bis zu feime Todesstunde war
tcn wollte.
Wir wcchsclten kein Wort mchr.
bis Mary uns zum Speisen rief. Ich
versuchte es, mich damit zu entschuld!
gen, daß Herr Erost mich noch zu
wenig kenne. Er ließ mich jedoch nicht
ausreden und sagte vorwurfsvoll :
Ich habe Sie feit Jahren erwartet
und jetzt wollen Sie nicht einmal
meine Einladung zum Speisen aaneh
men? Daraus wird nichts, nennen Sie
mir Ihren Ramcn, ich habe ihn verges
sen."
Ich stellte mich vor.
Lionel Dickcnson," wiederholte er
lächelnd. Richt wahr, Mary, ich habe
Dir oft genug erzählt, daß ich Lionel
Dickcnson erwarte? Und Du wolltest
mir nicht glauben, daß er kommen
werde. Ich muß vom Ueller eine
Flasche guten Weines herausholen; feit
fünf Iahren habe ich keinen Tropfen
getrunken."
Er eilte aus dem Zimmer und ich
wandte mich an seine Schwester:
Was soll ich thun?"
Bleiben Sie," bat diese. Wenn
Sie einen Funken Gefühl in Ihrem
Herzen haben, opfern Sie einem
schwergeprüften, alten, schwachsinnigen
Mann einen Abend. Bor fünf Jahren
schickte er um mich ich lebte bis dahin
in meinem kleinen Häuschen auf dem
Lande damit ich ihm die Wirthschaft
führe. Sie haben doch sicherlich vv
dem Bromlcy Hall Mord gehört?
Mein unglücklicher Bruder liebte die
wegen vorsätzlichen Mordes vcrurtheilte
Sekretärin seines verstorbenen Gcbie
tcrs und seitdem diese nach WidelandS,
dem LandeSverbrecher-Jrrenhause, ge
bracht wurde, zog er sich von der Welt
zurück und führt hier ein einsames
Leben. Wenn Sie ihm den Abend
schenken können, so bleiben Sie, viel
leicht wird ihm ein neues Gesicht wie
der Jntensse am Leben einflößen."
War er immer so so eigenartig?"
fragte ich.
Rein; sein Sinn hat sich so um
nebelt, seit Miß Moore des Mordes
schuldig erklärt wurde. Wollen Sie
hier bleiben?"
Sehr gerne!"
Ich speiste mit dem alten Mann
und seiner Schwester, aber das'Gespräch
acrielh bald in's Stocken, denn keines
von den Beiden wußte, was in der
Welt vorging und der Alte interesfirte
sich auch gar nicht dafür.
1 Da ich hungrig war, schmeckte mir
da? einfache, aber gute Mahl vortrcff
lich und ich beglückwünschte mich zu der
Idee, hierhergekommen zu fein. Ich
war auf der richtigen Fährte und nahm
mir vor, diese gcdudlig und energisch
wie ein Jäger zu verfolgen. Während
mich diese Gedanken erfüllten, wurde
an der Gittcrthüre die Klingel gczo
gen. Mary sprang auf, eilte hinaus,
und kam bald darauf mit einer fchlan
ken, eleganten und schönen Dame zu
rück, die sie mir als Frau Towlinson
vorstellte.
Die Genannte verneigte sich tadcl
los, schien icdoch durch meinen Anblick
überrascht. Sie trat sofort auf den
Alten zu, legte ihre beiden weißen
Hände auf seine Schultern und sagte:
; Heute bin ich zufrieden mit Ihnen,
Steoe; jetzt ist daö Eis gebrochen und
Sie haben einen Freund zu Tisch gc
beten. Ich hoffe, daß dies in Zukunft
jeden Abend geschehen wird und daß
Sie bald wieder der Alte sein werden!"
Ihre Stimme und ihr Wesen waren
bestrickend, während sie sprach.
Rein, nein, Julia," cntgegucte
er, ihr: Hand streichelnd, ich mag von
der Welt nichts mehr wissen, sie ist
falsch! Diesen Herrn habe ich seit
fünf Jahren erwartet.'
Fünf Jahre?" rief sie und sah mich
dabei veritändnißvoll lächelnd an. Das
ist eine lange Zeit! Ei, Herr Dicken
son, welche Entschuldigung können Sie
dasiir angeben, meinen Freund so lange
roartcn gelassen zu haben?"
Die beste von der Welt: Ich wußte
nicht, daß cr mich erwartete, sonst wäre
ich schon längst gekommen."
Sie war wirklich ein reizendes
Weib, und ich machte meinem Liebling
im Stillen Borwürfc, sie der schreck
lichcn That verdächtigt zu haben. Rein,
Mrs. Towlinson würde unter keinen
Umständen einen Mord begehen, dazu
müßte man aus anderem Stoff gemacht
sein. Diese schlanken, weißen Hände
waren nicht mit Blut befleckt !
Wissen Sie, Julia, ich dachte mir
immer, ein Unfall würde ihn unter
mein Dach bringen," begann jetzt der
Alte und schien ärgerlich, daß dies nicht
der Fall gewesen. Er hat mir vorhin
ein Lied gesungen."
Sie verfärbte sich ein wenig und
blickte besorgt ans ihren Freund:
War es klug von Ihnen. Musik zu
hören?" fragte sie vorwurfsvoll und
streichelte dabei feine Schulter. Hak
Sie das nicht noch trauriger gestimmt,
Stevc?"
Rein," cntgegucte cr leise. Es
war wie ein iilang aus der Vergangen
heit, aber nicht so süß; nichts ans der
Welt kann so süß sein wie ihre
Stimme. Setzen Sie sich, Julia, und
tnai Sie tnik kr.$, fcd itl tlnc kalte
Rad t und Si' baun: hcuie nicht kein
txtn sotten.'
Sie nahm ibre Hut ab, warf ihn
auf da nächsten S lub.1. fit ick, sich m,t
der Hand über ihr olles Haar und
nicktca:ni au den Tifek heran.
.Die Richt hatte noch viel kalter
und siiinnischer sein müsse, um mich
daran zu verhindern, Sie heule zu lc
suchen. Wissen Sie, xvai für ein Tag
heule ist, Steve?"
Rein," entgegncte er barsch. Für
mich sind jetzt alle Tage gleich. Rur
wenn der Wind manchmal den lang
deö Glockenspiels zu uns hcrübcrlreibk,
weiß ich. daß ein Tag ist, den die Leute
Sabbath nennen. Ich verstopfe mir
dann in der Regel die Chren. damit
ich das Geläute nickt höre. Wozu ist
der Sabbath gut? Eö kann ja keinen
Gott geben, sonst hätte er nicht zulas
sen können, daß mein Engel von der
Welt abgeschlossen werde'.
Still, still, Steve! ES gibt einen
Gott, und cr ist sehr gut und gerecht!
Sie sollten sich nicht die Chren ver
stopfen, wenn Sie die Glocken hören,
die zu seinem Lobe ertönen. Soll ich
Ihnen sagen, welcher Tag heute ist?
Ihr Geburtstag!" So suchte sie ihn
von seinen düsteren Gedanken abzulcn
ken. Ein schrecklicher, ein unglücklicher
Tag!" jammerte cr.
Rein, nein, ein glücklicher!" rief
sie voll Erbarmen. Sie sah in diesem
Augenblick wie ein Sinnbild der Weib
lichkeit aus. Das Eis ist heute gebro
chcn und Sie haben sich endlich ent
schlössen, einen Ihres Geschlechtes zu
empfangen. Sie sollen sehen, wie bald
Sie wieder Freude am Leben finden
werden! Ich habe Ihnen ein Geschenk
mitgebracht, Steve."
Das ist sehr freundlich von Ihnen,
Julia, aber Geschenke können mich
nicht mehr erfreuen. Wissen Sie,
welche Gedanken mich heute beschäftig
teu?'
Wie soll ich daö?"
Ich habe mir gesagt, daß ich sie
hätte retten können. Neulich las ich
eine Geschichte und in dieser beging
die Heldin irgend ein Berbrechen,
wenigstens wurde sie dessen beschuldigt.
Ein Jüngling, der sie liebte, nahm
alle Schuld aus sich, stellte sich dem
Gericht und büßte die Strafe für sie.
Weshalb habe ich da nicht gethan? In
dem Buche endet Alles sehr gut, die
Unschuld beider kommt an den Tag und
der Berurtheilte heirathet das Mäd
chen. Jemand anders hatte das Ber
brechen verübt, Jemand, an den Nie
mand gedacht. Warum habe ich mich
nicht für Miß Moore geopfert?"
DaS hätte nichts genützt," sagte sie
traurig. Die einzige Möglichkeit, ihr
Leben zu retten, war, sie für unzurech
nungSfähig ZU erklären. Doch hier ist
mein Geburtstagsgeschenk, Steve."
Sie reichte ihm ein winziges Päck
chcn. Er streifte daö Papier ab, jede
Farbe wich aus seinem Gesicht, dann
druckte cr seine Lippen auf den kleinen
Gegenstand in seiner Hand.
Mein Liebling!" slüsterte cr zärt
lich. Mein Liebling! Julia, Sie
brechen mein Herz mit dieser Gabc!
C, mein Engel, niein armer, geopfer
ter Engel, was können wir für Dich
thun?"
Er legte ein kleines, vorzüglich aus
geführtes Miniaturbild Miß Moore'S
auf den Tisch, neigte sich darüber und
küßte es wiederholt. Mir kochte das
Blut bei diesem Anblick und ich mußte
meine Selbstbeherrschung aufbieten,
um mich nicht zu verrathen.
Ich werde den ganzen Prozeß noch
einmal studiren, ich muß auf den wirk
lichcn ThÄcr kommen," fuhr der Alte
klagend fort. Ich und mein Herr,
wir Beide waren in Sie verliebt,
Julia, ehe der Engel zu uns kam. Er
hätte Sie anch sicherlich zu seinem
Weibe gemacht; er sagte es mir an
demselben Tage, an welchem Hilda bei
uns einzog. Als cr jcdoch dicse kennen
lernte, dachte cr nicht mehr daran, Sie
zu hcirathcn. Hätte Hilda nicht Ihren
Lebensweg gckrcuzt, vieles wäre anders
geworden. Cft wunderte ich mich dar
über, daß Sie so gar nicht eifersüchtig
waren, Julia!"
Rein, ich war es wirklich nicht,"
entgegncte sie mit treuherzigcmLächeln,
denn ich liebte das Mädchen vom ersten
Augenblick, wie jeder, der cs kannte,
eö licbcn mußte!"
Herr Grcy hätte Sie zu seiner Uni
Versalerbin gemacht," fuhr cr, seinen
Gedanken weiterspinnend, fort, er
sagte cs mir selbst."
Ich bin keine Mammonsanbctcrin."
entgegncte sie in dem weichen, mit
leidigen Tonc, den sie anschlug, wenn
sie mit dem Alten sprach. Tie wissen,
Steve, daß ich bei Lebzeiten unseres
braven Herrn mehr Geld hatte, als ich
verbrauchen konnte. Sie müssen die
Mörderin schon in jemand Anderem
suchen als in mir!"
Ich mußte die Sanftmuth und Ge
duld dieser Frau bewundern; jede An
dcrc an ihrer Stelle wäre zum Mindc
stcn ärgerlich geworden über die nicht
mißzuvcrstchcnden Anspielungen dcö
Alten. Freilich war es ein Halbvcr
rücktcr, dcr dcn Berdacht aussprach, abcr
kränkend blieb dieser dennoch.
In Ihnen?" wiederholte cr ganz
verwirrt. Was füllt Ihnen ein,
Julia, Sie habe ich keinen Augenblick
verdächtigt! Frauen sind manchmal
eifersüchtig und liebenden Reichthum."
Wahr gesprochen, alter Freund:
studiren Sie nur dcn Prozeß recht,
recht nufmcrksam und wcnn Sie etwas
entdecken, was zur Befreiung des armen
Mädchens führen könnte, werden Sie
mich zu einem glücklicheren Wcibe
machen als ich es heute bin!"
' (Fortsetzung folgt.)
Z?i i t eine m g c s ii l s ch t c n
Univcrsitätssiegcl hatte der
seil acht Iahren in Bologna, Italien,
ctablirtc Schneider Rote massenhaft
Zeugnisse non dcr dortigen Universität
gefälscht und sich dadurch ein reich
liches Einlvmmcn verschafft, bevor
letzthin die Polizei den Schwindel ent
deckte.
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Sie hatte ein Herzleiden,
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