Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, September 13, 1894, Image 9

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    Unter der Lank.
Öine kegkgnung au einer Seife, i'on
.Hoch.
Mr. Portmz Dibbl war ia wohl
habender, älterer Herr, durch und durch
Pedant und an eine regelarißege LesenB
sührung seit viele Iahren gewöhnt.
Ein kleiner, vertrauter Freundeskreis
befriedigte seine gesellschaftliche Ve
duifaiffe. Um den lieben Nichten ie
kümmert er sich möglichst wenig; er
zählte zu jener seltenen lasse von Wen
schen, die ihr Lebelang mit dem Nachbar
Hau aa Hau zu wohnen im Stande
find, ohne diesen auch nur dem Aussehen
nach zu kennen! Zu Mr. Didi fest,
stehenden Gepflogenheiten gehört eine
jährliche groß Reise nach dem Konti,
nmt, di er jedoch nicht, wie die meisten
Leute, in den Sommermonaten, fondern
in jedem Frühjahr zu unternehmen
liebte.
So traf er denn auch im März 18
die üblichen Vorbereitungen für den
Aulflug und sah am Tage vor der Ab
reise seinen Freund Mr. Goldsmith noch
Inmal als Gaft an seinem MittagStisch.
Kurz vor dem Ausbruch zog Mr. Gold
smith ein Kästchen au der Brustlasche
und sagte:
Höre, lieber Freund, da Du diesmal
auch Luzern berührst, würdest Du mir
einen großen Gefallen erweisen, wenn
Du die? Kistchen meinem dort wohnen
den Bruder überbringen möchtest. Der
darin enthaltene Brillant besitzt, wie Du
wohl stehst, inen so hohen Werth, daß
ich für ihn die sicherste Beförderung
suchen muß. Dir macht daS klein PSck,
chen kein Müh und Du bist dadurch
auch nicht dem geringsten Risiko auSge
setzt, da ja Niemand weiß, daß Du eine
solche Kostbarkeit bei Dir haft.'
.Mit Vergnügen,' entgegnete Dibb,
.ich würde Dir zu Liebe sogar den
Kohlnoor als Reisebegleiter mit mir
nehmen!'
Während diese Gespräch standen die
beiden Männer an dem nur angelehnten
Fenster, dessen Vorhang nicht herunter
gelassen war. Im Begriff, da Kästchen
einzustecken, wars Dibb zusällig inen
Blick auf die Straße und schaut direkt
in da von der Laterne hellbeleuchtete
Gesicht eine Manne, der eben vorüber
ging oder hatte er schon längere Zeit
unter dem Fenster gestanden? in ein
auffallende, dunkelgefärbte Gesicht mit
langem, schwarzen Schnurrbart. Der
Fremde fetzte seinen Weg anscheinend
ruhig fort, während Dibb sich hastig an
Goldsmith wandte:
Weiß Jemand au Deinem Personal
von dem Auftrag?' fragt er.
.Keine Seele, Alterchen, außer Dir
und mir. Mein Buchhalter ist der Ein
zige, der von dem Vorhandensein de
Brillanten überhaupt Kenntniß hat.'
.Du haft den Mann noch nicht lange;
wie steht er au?'
.Wie Du, wie ich, jedenfalls sehr
respektabel, wa machst Du Dir für
Gedanken?'
.Trägt er einen schwarzen Schnurr,
bart?'
.Schwarz? Bewahre, sein Bart ist
grau, fast weiß, aber wag haft Du, sahst
Du eben Jemand?'
,Al Du mir das Kästchen reichtest,
stand ein Mann dicht unter diesem Fen
ster; ich glaube, er hat uns beobachtet,
und e ist nicht undenkbar, daß er uns
auch sprechen Härte.'
.Dann müßt er noch zu sehen sein,'
meint Goldsmith, da Fenster öffnend
und hinausschauend. Dibb lehnt sich
gleichfalls heraus, allein die Straße war
menschenleer und keine Seele zu er
blicken.
.Wahrscheinlich in Nachbar oder ein
Diener, der in ein Hau ging,' be
ruhigte Goldsmith den Freund. ,Kei,
nenfall kann er uv gehört und, wie ich
bestimmt glaube, auch nicht gesehen
haben.'
Am anderen Tage trat Portman
Dibb via Brüssel seine Schweizerreise
an und hielt sich zunächst wie üblich
einige Tage in Ostende auf. Dann
löst er ei Billet für den Erpreßzug
nach Brüssel und nahm zufriedenen Her
zen in einem luxuriösen Wagen 1. Klaffe
Platz. Fast eine Stunde mochte ver
gangen sein, ehe Dibb die Zeitungen
zusammenfaltete und in flüchtiger Mufte
rung die Jnsaffen de CoupeeS streifte.
Seine Gedanken verweilten mehr bei den
bin gelesenen ParlamentSoerhandlungen
als bet seinen Mitreisenden, als sein
Blick den aufmerksam ihn betrachtenden
Augen eines gegenüber sitzende Herrn
begegneten. Jeder der Beiden wurde
gleichzeitig die Beobachtung des Anderen
gewahr und wandte sich seitwärts; allein
Dibb' Interesse war gefesselt. Hatte
er die Gesicht nicht schon früher einmal
bemerkt, war ihm der Reisende irklich
fremd, wie r zuerst dachte? Halte er
ihn nicht irgendwo gesehen? Und wenn!
Wo? Plötzlich kehrte ihm blitzgeschwind
die Erinnerung zurück: daS Gestcht seines
Gegenübers war da des Manne, den
r am Abend vor seiner Abreise in Har
lev Street unter dem Fenster erblickt
hattel Kein Zweifel blieb möglich, dazu
waren Züge, Färbung und der schwarze
Bart zu . auffallend. Unwillkürlich
tastete Dibb nach der Brufttssche, die
da Schmuckkästchen barg; dabei traf
fein Blick noch einmal da mit gespann
tem Ausdruck ihn sirirende Auge de Un
bekannte und die Beschauen verursachte
ihm in unheimliche Gefühl der Angst
und Besorgniß. Unter diesem Eindruck
beschloß er nach reiflicher Ueberlegung
und, obgleich er sich seiner Furcht vor sich
selbst schämte, in Brüssel sein altgewohn
te Absteige zartier Hotel Belleoue mit
dem weniger bekannten Hotel Nassau zu
vertauschen. Im Gedränge der An
kunft verlor Dibb feinen Reisegefährten
au? den Augen und, um Vieles ruhiger
Der Sonntagsgast.
Jahrgang 15,.
geworden, ließ er sich nach tem Hotel
Nassau fahren.
Allein festgewurzelte Gewohnheiten
werden nicht ohne Weitere vernachläf
figt. Der Retsende fühlte sich in dem
fremden Gafthau ungemüthltch, schon
allein deshalb, weil e Hotel Nassau und
nicht Hztel Belleoue hieß, und Unzufrie
denhett mit sich und feiner gesammteo
Umgebung waren die Folge. .Wie konnte
ich mich nur de Menschen wegen ängfti
gen', dacht er beim Genuß seiner Nach
mittagkcigarre; ;dafj r sich im selben
Zeuge befand, war sicher nur Zufall, ich
muß mir den Unsinn au dem Kops lau
fen!' Ja dieser Absicht verließ er da
Zimmer und streifte in der Thür eine
verspäteten Mittagsgast, in welchem er
mit geheimem Grauen den Gegenstand
seine Nachdenken erkannt.
Am nächste Morgen entführt der
erst Zug nach öl Mr. Dibb au
Brüssel. E war die wiederum in
Aenderung seine Programm, da regel
mäßig ein bi zwei Tag Aufenthalt in
der herrlichen Hauptstadt Belgien ein
schloß. Trotz der größten Aufmerksam
kett konnte er im Zuge keine Spur seine
Popanze entdecken, der auch in Köln
nicht wieder auftauchte.
Eine ruhige Nacht in altbekannter Um
gebung gab Dibb sei gewohnte geiftt
ge Gleichgewicht wieder. Dem Ursprung
lichen Reiseplaa folgend, fuhr er mit dem
Dampsboot den Rhein hinauf, verbrachte
kurze Zeit in Mainz und befand sich bald
daraus in den .Drei Königen' zu Basel,
dem letzten Ruhepunkt vor Luzern.
Allein auf der Terrasse de Hotel
sitzend, da die Aussicht über den Rhein
gemährt, freut er sich an dem berrltchen
Bilde der im hellen Mondschein auSge
breiteten Landschaft. Plötzlich kam ihm
die Anwesenheit eines anderen Men
schen zum Bewußtsein. Dicht neben ihm
leuchteten Gestcht und Gestalt deS Man
neS mit dem schwarzen Schnmrbart auf,
und seine kaum zur Ruhe gekommenen
Befürchtungen wurden durch dies erneute
Zusammentreffen in erhöhtem Maße
mach. Daß der Fremd ihn verfolgte,
stand nun fest, und wer S auch fein
mochte, r wußt um dak. Geheimniß de
Diamanten, das durch Zufall oder Ab
stcht an jenem Abend in Harley Str. zu
setner Kenntniß gelangt war.
Ohne lange zu zaudern, entschloß sich
DibbS, Basel so schleunig wie Brüssel
zu verlassen, um nur der Sorge für den
kostbaren Brillanten entledigt zu werden.
Er fühlte sich nicht eher einigermaßen be
ruhigt, bi der Moment der Abreise am
anderen Morgen gekommen und keine
Spur seine Verfolger auf der Station
zu erspähen war. Bi zur letzten Minute
verweilte er auf dem Perron und nahm
erst, al da Abfahrtssignal gegen
wurde, als einziger Reisender mit einem
Seufzer der Erleichterung seinen Platz
ein.
Langsam setzte sich der Zug in Be,
wegung; da wurde die Thür deS Wag
gonS noch einmal aufgerissen, ein athem
loser Dtenftmann warf heftig Decken und
Gepäck hinein und half einem och
atemloseren Herrn beim Einsteigen.
Di Thür fiel zu. in schrill? Pstff der
Lokomotive, und der Zug verließ die
Station Basel. In der einen Ecke deS
CoupeeS faß DibbS, in der anderen, ent
ferntefteg lehnte der Mann mit dem
schwarzen Bart.
Eine lange Fahrt lag vor den Beiden,
und Portman Dibb besaß keinerlei
Waffe. Sein Muth sank unter Null;
instinktiv zog er sich so tief wie möglich
in seine Ecke zurück und versenkte sich an
scheinend in das Studium des Bädeker.
Sein Reisegefährte that dasselbe; trotzdem
war die Spannung für DibbS furchtbar
und die gezwungene Unthätigkeit kaum
zu ertragen.' Wie eine Eingebung kam
ihm der Gedanke, obgleich er nicht be
waffnet war, wenigstens so zu scheinen.
DaS Manöver konnte wirkungsvoll sein,
Zögern oder mindestens Aufschub bei
feinem Verfolger veranlassen. Dem
gemäß nahm DibbS eine kaltblütige,
herausfordernde Miene an, rollte die
Augen, warf drohende Blicke auf feinen
Nachbar und fuhr mit der Hand in die
Tasche, al beabsichtige er, ine Waffe
hervorzuziehen. Mit unaussprechlichem
Entzücken gemährte er, daß seine Lift so
gleich Erfolg hatte; der Mitreisende
wurde unruhig und atch bis dicht an das
Wagenfenster zurück. Wie konnte der
Schein aber aufrecht erhalten werden?
Wa mußte zunächst geschehen? DaS
Pfeifen der Maschine schreckte DibbS aus
seinem Grübeln. Großer Gott, er hatte
nicht mit dem langen Tunnel gerechnet,
dem sie sich jetzt näherten, und unwill
kurlich schaute er nach der Lampe. Sie
war nicht angezündet. Gefangen! Ver
lorenl Die wildesten Vorstellungen
jagten durch sein Hirn, als mit einem
letzten, gellenden Pstff die Lokomotive
nun in den Tunnel einbog, und alle
Eisenbahnattentate, von denen er jemals
gehört, zogen blitzschnell in ihren gräß
lichen Einzelheiten an seinem Geiste
vorüber. Ein furchtbare Angst ergriff
ihn, und halb bewußtlos, kaum wissend,
was er damit bezwecken wollte, versuchte
er behutsam die Thür des Wagens zu
öffnen. Vergebens! Sie widerstand
Beilage zum Nebraska Ttaats-Tlnzeiger.
seine Anstrengungen. DaS damit ver
bundene Geräusch war aber auch dem Un
bekannten nicht entgangen ; denn DibbS
vernahm ein vorsichtige Bewegung aus
der andere Seite de CoupeeS. Der
oerhängnißoolle Augenblick war ge
kommen, sicherlich bereitete sich der Mann
zum Angriff vor, und in seiner TodeS
angst ließ Dibb sich leise zur Erde
nieder und verkroch sich unter seinem Sitz.
Wie lange er in dieser Stellung zu
gebracht, halb erstickt und keine Be
weguvg wagend, wußte der Aermfte
späterhin nicht anzugeben; derartige Lagen
kennen keine Zeitrechnung. Ei uver
marteter frischer Luftzug ließ fein Herz
erst stillstehe und sandte dann da Blut
siedend durch alle Adern. Die zweite
Thür war jedenfalll geöffnet worden,
irgend etwa mußt sich ereignet haben,
aber wa? Sein gespannt horchende
Ohre vernähme keinen anderen Ton
all da Rassel de Zuge im Tunnel;
im Wage selbst herrschte Grabesstille.
In unbeschreiblicher Aufregung und
maßlosem Staune verharrte er iu seiner
Lage, bi di Hoffnung, di sich in seiner
Brust kaum zu regen gewagt hatte, 'zu
neuem Leben erwacht war. Er befand
sich wirklich allein, er war gerettet. Wie
und wodurch ihm diese wunderbar Rt
tung geworden, er ahnte e nicht!
Da Ende de Tunnel war fast er
reicht, schwache Licht brach durch die
Scheiben, und vorsichtig wagte DibbS
sich unter dem Sitz hervor. Der Fremde
hatte da Coupee verlassen.
Auf der unmittelbar am AuSgang des
Tunnels belegenen Station Ollen ver,
tauschte DibbS seinen Platz mit einem
voll besetzten Wagen S. Klasse, und einige
Stunden darauf befand sich der Brillant
in den Händen von Goldsmith'S Bruder
in Luzern.
DaS Abenteuer DibbS' erregte bei
Portman DibbS' Rückkehr nach London
großes Aussehen in seinem Freundeskreise
und machte ihn zum Helden deS Tages.
Ob er die begleitenden Umstände in der
selben Weise, wie hier erzählt ist, immer
wieder gab, ist gleichgtltig; jedenfalls
veranstaltete unter Anderem auch fein
Freund Bodkin eine MittagSgefellschaft
ihm zu Ehren, und mit gewohnter Pünkt
ltchkeit stellte sich DibbS als erster Gaft
ein.
.Höre mal,' meinte Bodkin scherzend,
al die beiden Freunde plaudetnd am
Kamin standen, .sieh' Dich vor, daß
Dir Dein Lorbeeren heute nicht streitig
gemacht erden. Kennst Du Leroy,
Dkinen Nachbarn in Harle Street?'
.Behüte Gott, sah den Menschen im
ganzen Leben nicht. Was ist denn mit
ihm los?'
.Er will ein ähnliches Abenteuer er,
lebt haben, ie Du; di Sache spielt
auch in der Schweiz und erreicht in einem
Tunnel ihren Höhepunkt. S'ift mir
gerade so, als wär'S der Tunnel von
Ölten.'
.Tausend! ein komischer Zufall,' lachte
DibbS.
.In Lerov'S Geschichte ist'S aber kein
Räuber, sondern in Wahnsinniger,'
erzählt Bodkin. .Lerov wurde von
einem Menschen im Hotel und auf Eisen
bahnen verfolgt, Du hörst e am besten
jedoch von ihm selbst, er speist ja heute
mit unS. Der Schluß ist furchtbar: In
einem Wagen befindet er sich ganz allein
mit dem Verrückten, der Irr führt an,
scheinend einen Revolver bet sich, ein
langer Tunnel nimmt die Beiden auf,
und die Lampe hat man vergessen, anzu,
stecken. Leroy hört, ie der Wahnsinnige
in dem gradeStiefen Dunkel auf ihn zu
schleicht; er besitzt so viel GeisteSgegen.
mart, die Thür de CoupeeS zu öffnen,
scheinbar um herauszuspringen, in Wahr
heit verbirgt er sich aber unter dem Sitz.
Seine Lift rettet ihm da Leben. Er
vermuthet, daß er in seiner bedrängten
Lage ohnmächtig geworden ist; denn als
er wieder klar zu denken vermag, hat der
Zug die Station Ölten schon wieder ver
lassen und er ist allein im Wagen. Der
Wahnsinnige war spurlos verschwunden.'
Bodkin hatt sich so in Eifer geredet,
baß ihm der Eindruck völlig entging, den
seine Erzählung auf DibbS machte. Da
erschien der Diener und meldete .Mr.
Leroy'. Bodkin begrüßte den Ankömm
ltng mit größter Lebhaftigkeit und führte
ihn freudestrahlend seinem Freunde zu:
.Sie Beide müssen sich kennen lernen,'
sagt er. Und sie kannten sich, und ihr
Erkennen war gegenseitig! Fassungslos,
in sprachloser Verwunderung sah DibbS
den Mann mit dem schwarzen Bart vor
sich, indessen Leroy entsetzt in daS Antlitz
des Wahnsinnigen schaute.
Die perle.
Humoreske von Graf Günther Rosenhagen.
. Gesucht per sofort ein Mädchen. Nur
solche, die perfekt kochen und gute Zeug
nisse auszuweisen vermögen, werden auf,
gefordert, sich in den NachmittagSftunden
zwischen fünf und stehen Uhr zu melden.'
So inserirten wir in sämmtlichen, in
unserer Stadt erschkinenden Blättern.
Mein Frau hatt sich zuerst an eine Ver
mietherin wende wollen, aber die trau
rigen Erfahrungen, die wir da letzte
Mal mit einer derartigen Dame gemacht
hatten, bewogen sie doch endlich von dem
gewöhnlichen Wege bbzuweichen.
Also wir inserirten und kaum hatte
am nächsten Nachmittag die Uhr auf mei
nem Schreibtisch, di noch dazu vierzehn
und in halb Minute orgeht, fünf ge
schlagen, al sich da erste Mädchen mel
den ließ. Dieser Ersten folgten in einem
Zeitraum von, 30 Minuten fünfunddrei
ßig Andere und entsetzt ergriff ich Hut
und Stock, um dem Hause zu enteilen.
Mochte meine Frau sehen, wie sie mit den
in und durcheinander sprechende Jung
frauen fertig würde.
Al ich am Abend heimkehrte, eilte mir
mein Frau freudestrahlend entgegen:
.Denk' Dir nur, ich habe bereit in
Mädchen gemiethet. Morgen hält sie
bereit ihre Einzug, ich glaube, diese
Mal wirklich eine guten Griff gethan
zuhabe. Lie nur diese Zeugniß.'
Ich ergriff de Zettel, den sie mir
reichte:
.Nur mit schwerem Herzen trenne ich
mich von meinem Mädchen Met Ruckel.
Drei Jahr ist sie bei mir im Dienst ge.
weseu und hat sich stet zu meiner voll,
fte Zufriedenheit geführt. Sie ist ohne
Uebertreibung thatsächlich eine Perle.
Wenn ich sie gehen lasse, so geschieht e,
well ich in den nächsten Tage von hier
fortziehe und da Mädchen nicht zwin
gen will und kann, mich nach einer ande
ren Stadt zu begleiten.'
.Diese Einleitung bereitet mich auf
Vieles vor,' entgegnete ich, .darf ich
fragen, wie viel Lohn Du mit ihr verab
redet haft?'
Etwas verlegen sah meine Frau vor
sich hin und spielte mit de Fingern auf
dem Tisch: .Daß Ihr Männer auch All
so furchtbar prosaisch srid und immer nur
an da Geld denkt. Etwas mehr Lohn
mußte ich ihr natürlich geben, mit den 50
Thaler, die der ander Küchendragoner
erhielt, wäre sie selbstverständlich nicht
zufrieden gewesen.'
.Mach e kurz, bat ich, .wieviel er,
hält sie?'
.Nun, wenn Du e absolut wisse
willst hundertzwanzig Thaler fest, sech
zig Mark zu Weihnachten und ein Drit,
tel der Trinkgelder.'
Leise pfiff ich durch meine hohlen
Zahn: .Aber liebe Kind, da ist ja un.
erhört bedenke doch, da Mädchen hat
so gut wie nicht zu thun. Wir sind
drei Personen und haben eine Kinder
srau, einen. Diener und dann noch da
Mädchen
.Aber bedenke,' unterbrach mich mein
klein Frau, .sie ist doch eine Perle und
Perlen find immer theuer.'
Von ganzem Herzen stimmte ich inner,
lich bei, ich hatte meiner Frau zu ihrem
Geburtstag, der in den nächsten Tage
war, ein Perlenkollier gekauft und der
Hut war mir vom Kopfe gefallen, als ich
de Preis hörte. Wenn schon die todten
Perlen so theuer waren, durfte ich mich
nicht wundern, wenn die lebenden auch
angemessen bezahlt sein wollten.
Am nächsten Tag hielt Meta ihre
Einzug. Meine Erwartungen wäre
auf da Höchste gespannt, aber ich kann
wohl sagen, daß st noch übertreffen wor,
den. St war mittelgroß, schlank und
zierlich gebaut, hatte ein hübsches Ge
ficht, gute Manieren, war leise und ge
wandt, kurz und gut, ich konnte nicht
umhin, meiner Frau meine Anerkennung
über die Acquisttion, die sie gemacht, aus
zusprechen.
.Und denk Dir mal,' flüsterte meine
Frau mir zu, .wa mir am meisten an
ihr gefällt sie hat keinen Bräutigam.'
Ungläubig sah ich sie an! .Das kann
ich mir nicht denken, so hold, so schön, so
reinlich und bann keinen Bräutigam, das
glaub ein Anderer.'
.Aber wahr ist es doch,' bestätigte
meine Frau, .ich habe sie gestera gleich
darnach gefragt. Als Antwort rümpfte
sie die Nase und sagt schnippisch: .Mit
so twaS hielt sie sich nicht auf.'
.Nun, uns kann S nur recht fein,'
bemerkte ich, .nun wollen wir unS aber
Alle an die Arbeit begeben und die Perl
mag ihre glänzenden Eigenschaften be
weise.'
Die nächsten Tage gingen dahin wie
im Traum. Meta war wirklich vorzüg
lich, man hörte, sah und merkte über
Haupt nicht von ihr, stets war Alles sir
und fertig und doch sahen wir nie, daß
sie irgend etwa that. AIS meine Frau
eine? Morgens zu ihr sagte: .Heute
müssen wir wohl daS Tischzeug waschen,'
bemerkte st gekränkt: .Aber, gnädige
Frau, daS ist schon Alles besorgt, ich bin
um zwei Uhr aufgestanden, die Wäsche
trocknet schon im Garten.'
Sprachlos stürzte meine Frau zu mir
in das Zimmer: .Denk' Dir nur sie
hat schon gewaschen was meinst Du
sollen wir ihr nicht ihren Lohn er
höhen?'
Aber ich lehnte diesen Vorschlag ab,
obgleich auch ich mit Meta sehr zufrieden
war, denn sie kochte meisterhaft. Noch
nie hatte ich so gute Saucen, so gute
Braten gegessen und steig stand die
Suppe mit dem Glockenschlag auf dem
Tisch. St war wirklich eine Perle, von
No. 17.
allen Seiten wurde wir um den Schatz
beneidet und ei mit der Feder bewander
ter Freund, der ine Mittag von
Meta' Rehbratea nicht genug halte be
komme können, stierte mich in einem
längeren Epo al .Perlenbesttzer'.
So waren mehre Wochen vergangen,
ohne daß wir auch vur den geringsten
Fehler an ihr bemerkt hätten. Da rief
ich sie eine Abend zu mir in das Zim
mer: .Hören Sie 'mal. Meta, es ift ja
beinah unheimlich, daß Sie ni aus
gehe. Haben St den nicht irgend
Jemanden, de Si hier besuchen kön
oen? Ewig arbeiten muß der Mensch
auch nicht, ein Zerstreuung und in klei
neS Vergnügen ift zum Leben unbedingt
nothwendig.'
Ei hörte mir aufmerksam zu: .Ja,
ja, der Herr haben wohl Recht, ich habe
ur nicht dämm bitten mögen, da ich erst
so kurze Zeit hier bin. Allerdings, wa
mein Verlobter ist, der schrieb mir schon
manchmal, b ich mich nicht einmal frei
mache könnte.'
.Wa!' rief ich. innerlich erfreut, daß
meine Menschevkenntniß mich nicht ge
täuscht hatt. .St hatt inen Bräuti.
gam? Warum haben Sie da nicht
tnq ge,agr, loncern mein grau zuerst
eloaen?'
Mit Verachtung und Stolz blickte sie
mich a. .Ich lüge ni, und wenn ich
sage, daß ich keinen Bräutigam habe,
dann habe ich auch keinen. Wo werde
ich so dumm sein uud mich mit so 'wa
abgeben. Aber mit einem Verlobten ift
e ganz etwas Anderes, so Einer hat
wirklich reelle Absichten, da ist nicht
so'n unsicherer Kram al mit 'nem Bräu
tigam.'
Dieser Unterschied zwischen einem Ver,
lobten uud einem Bräutigam war mir
bi zur Stunde neu, aber ich hütet mich,
dies offen zuzugeben, denn ich bin der
Ansicht, daß man ni und nimmer ing,
stehen darf, daß man de Dienstboten an
Könne und Wissen nicht ebenbürtig ift.
So beeilt ich mich denn nur, di Wol,
ken von Meta's Stiru zu verscheuchen:
.Wenn Sie heute Abend ausgehen wol,
len, um Ihren Verlobten zu treffen, so
habe ich nicht da Geringste dagegen ein,
zuwenden. Wir find doch auf einem
Ball und erden schwerlich vor zwei
oder drei Uhr heimkehren. So lange
könne auch Sie meinetwegen fortblei,
ben, e ift Ihnen doch lange genug?'
Sie macht mir einen zierlichen Knir,
sagte .Danke schön' und verschwand.
Eine Stunde später machte mein Frau
Toilette für di Gesellschaft und auch bei
dieser Gelegenheit bemte Meta, daß sie
wirklich eine Perle war. Sie konnte
frisiren, bei dem Anziehen helfen, wußte
von selbst, wo noch eine Nadel nöthig
war, bewies sielen Geschmack bei dem
Feftftecken der Blumen und unterstützte
meine Frau bei der Auswahl de
Schmuckes.
.Nein, gnädige Frau, diese Perlen,
schnür dürfen Sie nicht anlegen, sie ift
für den Ball viel zu schade, denken
gnädige Frau nur 'mal, wenn die Kette
sich bei dem Tanzen löst, auf den Boden
fällt und zertreten wird?'
.Entsetzlich', stöhnte meine Frau, .ich
ürde sofort sterben'.
.Nun, nun,' tröstete Meta wohl,
meinend, .so schlimm würde eg wohl
nicht gleich werden. Aber hier, diese
goldene Kette einfach und geschmack,
voll, die müssen die gnädige Frau um,
legen.'
Als wir bald darauf im Wagen faßen
und dem Haufe unseres Gastgebers zu
fuhren, schmiegte sich meine kleine Frau
an mich: .Weißt Du warum ich Dich
schon immer bitten wollte kannst Du
nicht Meta'S Lohn erhöhen morgen ift
ihr Geburtstag thue eS morgen, sie
unterstützt ihre armen Eltern sie hat
eS wirklich um un verdient.'
Ich versprach, mein Möglichste zu
thun, wenn ich morgen gebacken See,
zunge und Trüffeln zu Tisch bekäme und
meine Frau wiederum versprach, auch ihr
Möglichstes zu thun und alle Geld, das
sich etwa noch in ihrer WirthschaftSkasse
vorfinden sollte, zusammenzukratzen.
.Ob Meta schon zu Hause ist?' fragte
meine Frau, als wir in später Stunde
heimkehrten, .sie könnte mir so schön bei
dem Auskleiden helfen.'
Aber die Perle war noch nicht da, sie
genoß, wie eS schien, die Freiheit i
vollen Zügen, und von Herzen gönnten
wir ihr die Erholung.
Aber auch am nächsten Morgen und am
nächsten Mittag war Meta immer noch
nicht zurück. Vergeben suchten wir nach
einer Lösung diese Räthsels, sollte die
Perle derartig ihre Fassung verloren
haben, daß sie darüber so ihr Pflicht
vergaß? Kreidebleich stürzte da plötzlich
meine Frau zu mir in daS Zimmer:
.Denl' Dir mein Perlen sind ver
schmunden st sind nirgends zu finden
ich wage den Verdacht nicht auSzu
sprechen, denn sie ist doch selbst eine
Perle.'
.Gleich und gleich gesellt sich gern,'
entgegnete ich. nachdem ich mich von dem
ersten Schrecken erholt, .nun will ich
aber gleich zur Polizei gehen.' Meine
Bemühungen waren erfolglos und ich er
fuhr ur, daß da Zeugniß, das meiner
Frau vorgelegen hatt, gefälscht war.
Die Perl und mit ihr die Perlenkette
waren und blieben verfchmunden. Letzte
habe ich mit schwerem Geld am letzte
Weihnachten erneuert aber ine Perle
wieder ia da Hau zu nehmen, bewegt
mich keine Macht auf Erden!
Zigerkitei.
Am Stammtische wurde von der Macht
der Gewohnheit gesprochen. Der Dok
tor hatt eben die Geschichte von dem
Leibarzt erzählt, der, al er einmal sei
nen Morphium vergaß, dem Fürsten
kurzgefaßt reine Wasser applicirte, a
dieselbe Wirkung that. Da wollte der
Förster auch nicht zurückbleiben und er
zählte ein merkwürdige Beispiel au
seinem Lebe.
.Ich war damal noch Herrschaft,
jäger und hatte täglich zwei Fasane ab,
zuliefern, deren e in Menge gab und di
ich jedesmal mit je einem Schuss r
legte. Da ging länger Zeit so fort.
Da hatt ich eine Tage viel im Bü
reau zu thun, und erst Abend, all
bereit dämmerte, fiel mir plötzlich ein:
Herrgott, du haft ja deine zwei Fasanen
noch nicht geschossen. Ich lud mein Ge
ehr, konnte aber den Schrotbeutel
nicht finde und vergaß schließlich iu
der Eile auch die Schrote. Erst al ich
zwei Fasanen nach einander aus' Kor
nahm und di beide Schüsse etwa we
iger laut al sonst krachten, fiel mir
ein: Donnerwetter, du haft ja nur blind
geladen! ,
Aber wa meinen di Herren, daß ge
schah? Di Fasan war bereit s
gewöhnt daran, daß jede Tag zwei von
ihnen geschossen wurde, daß nuu auch
die beiden, die ich aus' Korn genommen,
SewohnheitSgemäß herunterfielen. Ich
aunte aber nicht lang, sonder macht
mir di Sacht zu Nutzt, und spart seit
der Zkit, wtnn auch nicht da Pulver, so
doch da Blei.'
öin kleiner Wißgriff.
Der Redakteur eine westlichen Wochen
blatte verlor kürzlich durch eigene Sorg
lostgkeit zwei treue Abonnenten, und zwar
auf folgende Weise:
Di beiden Leute schrieben ihm und
baten um Mittelangabe gegen da, al
sie drückte. Nr. 1, ein glücklicher Vater
von Zwillingen, wünschte zu wissen, wie
er diese am Besten durch die Periode de
Zahnen bringe, und Nr. 2 bat um Au
kunft, wie er seinen Obstgarten von
Myriaden von Heuschrecken säubern könne'
Der Redakteur ließ seine Antwort in
der Rubrik .Briefwechsel' einsetzen, ver.
wechselt dabei aber leichtsinniger Weis
di Namen der Anfrager. So erhielt
Nr. 1, der gesegnete Besitzer von Zivil
lingen, die Antwort: Bedecken Sie sie
sorgfältig mit Stroh und zünden Sie
dasselbe an; so werden sie die kleine
Quälgeister, die noch ein paar Sekunde
in den Flammen mherhüpsen, schnell lol
fein.' Der mit Heuschrecken geplagte
Nr. 2 aber erhielt den Rath: .Reichen
Sie ihnen ein wenig Caftoröl und reiben
Sie die Kinnladen sanft mit einem Elfen
beinftäbchen.'
Sin galantes Keseh.
Im Jahre 1770 würd in England im
Parlament folgende ungalante Maßregel
eingebracht und dann einstimmig zum
Gesetz hoben: .Jedwede Frau, gleich
viel welchen Alter, welchen Range oder
Berufe, jedwede weibliche Person, ob
verheirathet, Wittwe oder Jungfrau, die
von dem Tage der Verkündigung diese
Gesetze mit Hilfe von Wohlgerüchen,
Schminken, Pomaden, falschen Zöpfen,
Hackenschuhen je. einen Unterthan Sr.
Majestät zur Heirath und falscher Vor
auSsetzung verführen wird, ist al Be
trügerin zu bestrafen, insbesondere aber
ift jeder HeirathSantrag, der von einem
Mann, dessen Sinn durch Wohlgerlch
betäubt worden, gestellt wurde, al un
gültig und nicht einklagöar zu betrachten.
Der Gebrauch von Parfüm ist überhaupt
fortan nur bei Begräbnissen gestattet,
von der Ueberzeugung geleitet, daß bei
so ernsten, traurigen Anlässen selbst hin
terliftige, gefährliche Frauen nicht ge
stimmt sein werden, sich au der Schaar
der Leidtragenden ein Opfer zu suchen.'
Die Bestürzung, welche die ungalante
Gesetz bei dem schönen Geschlecht her
vorrief, war eine sehr große.'
V o r ficht ift Rückstcht gegen sich selbst i
N a ch ficht ift Rückstcht gegen Ander.
ES gibt Grüße, die sich nicht wefent.
lich von Ohrfeigen unterscheiden.
Der Ungebildete wird dann am unge
müthlichften, wenn r gemüthlich werden
will.
Der wahre Pessimist freut sich im
Grunde über jedes Unglück, das ihn
trifft.
Ans der literaturftunde.
Lehrer : .Wa ift mit der Stelle in
Schillers Gedicht gemeint: Denn da
Auge de Gesetze wacht?'
Schüler : .Der Nachtwächter. '
Angewandtes Sprichwort.
Lieutenant A : .Höre, Kamerad wol
len heirathen. Sofort?'
Lieutenant B : .Natürlich, baar Geld
lacht!'
Nothwendige Einrichtung.
Freier (zu einer Dame, welche noch
sieben ledige Schwester hat):
....Mein Fräulein, ich, ich lie...'
.Fräulein: .Bitte, wenn Sie mit
Mama reden wollten. . si hat von 3 bi
4 Uhr Sprechstunde !
Gib einer Frau Recht und sie
sieht ihr U n r ch t in.