Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, August 30, 1894, Image 3

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    NEBRASKA STAATS - ANZEIGER, Lincoln, Neb.
!Mc sjnftlmr.c ürr .Kaiserin.
Znvsii'chrv V.oraaii ,01, X (1. J.lmmwn.
(oütticvsiiij.)
Tie l'miicn OVictbiicher f r.tl rrcr
.?,ci t jJiiiilifn hi der pciiUiiVu
Jraf.r," cl;a bei der '.liiifendtini der
Folter, ("irniiiiTiiiüfcn tiu "iüaivul,
die io.vr.annie lerrititni" oder Vtb
fdircdann, irr. JVmt litnn den cVfan
nenrn r.irllu!) Kltatc, snhtte tun i! :t
nnri; der ?,o'.witr.r,vrt, uns der,ettler
ntuf-tc ihm auf da? x'lusfiibrlidtsic alle
tisituiUlttl.' crfliircn. Trr rctifcr
Italic zu diesem m-ie sine Prabe ci
er :luKrliffcit abzulcani, und f eine
Vtufanbe u'nr es, dem reiirniuetiteu die
Crntlen, die ihm leiwftiuiben, otif tn-
Triitlirtiue V'i tMiildeni und ihn so
ängstlich als tuoiiliil) zu nmdicu. Tann
nuude der relitniuent gcniehnlidi i;t
feine ,e!le -nriidgcfiihrt tt::ö es nun--den
tlftii einige 2 ane bedeut zeit o.i'lii
fen; nail, diesen bCiUUin erst, tvenit er
rerstaelt blieb, die eigenltiä'c Folter,
besonders Frauen ficstcuiiLuT pendele
tun die Jerritirut" an. weil ir.r.n
nuiste, daß filtern der i'lnbluf mehrerer
iicnuil)i'.lii1) tiech Mulüefledter 1'iYatcr
inftvitiU'.Titc auf das Franengeinni!, "
wirlle. d.isi die tln-;! iu1i ithea und, der
Lebenszeit eb,i:c Weiteres (leftnndett,
in dett weiften Stilen tinge, die i;e
nie lieflst!ir,e'.'. Italien und an denen sie
amtlich tinschiUdiq waren.
Ter Heuler, der in Rußland stets
ein begnadigter Verbrecher urnr, der
sell'sl unter strenger prlizeilidicr ?tns
sucht slaild und sei Vebeii nur behielt,
weil er sich dazu Iieriinb, anderen Veu
tett auf det:; Rechtswege ba-s yebru zu
nehmen, glaubte, als er das bleiche
Wesidit l'arias betradttetc, leichte
'JJiiilic mit diesem Halden Kinde i
liaben, das jetzt schon mehr todt ali
lebendig schien.
;UH weis! nicht, luv? stctljan
habt," fna.!c er zn der Gefangenen,
was es aber auch fei, gesucht nur und
tintttt auch liitre yjiitsdjiilbigen. d,
kann lind) nicht scheuen, und was End,
beiwstrht, ist sdiredlich iininn,. d)
will nur die nnteistcu Grate der Feiln
zeigen, gewisseiinapen den Ansang der
Qualen, biciiudi bevorstehen ; und soll
tet hr die durd, irgend eine Hilfe des
TeuseK' ?dcr in Feige Eurer Verslvcll
heit aushallen, so weide id End, dann
tit anderen Graden der Tortur auf'
warten, gegen wcldc diese erste Grabe
End, vvrloinmetl sollen wie eine i-MU
that. Die ersten Grade sollen End,
dann Honig sein gegenüber den gallen
bitteren schmerzen, die Euch die niidi
slen Grade verursachen. Hierbei sehet
diese Sdiranbe. ;d werde sie lind, zu
erst anlegen und Eure Daumen dazwi
säten sleelen, und so lange diese Sdirnube
herumdrehen, bis Eure Datimett zer
quetfciit sind, bis das iL'uiif aus Euren
Knochen dringt und das Flcis'd) in
Feyen herunterhängt. Iä) stecke hier
dieses tückaien Holz zwischen die
Schrauben und drehe zu. So wie die
feS Holz knirsd)t, so werden Eure Kirn
chcnknirsdten. (Gleichzeitig werde id,
Euch aber eiserne Hülsen um Eure ,if.c
legen. hr sehet diese Spiyen im
nern der eisernen Hülsen. Hier sehet
die Säzraul'en, mit denen die Hülsen
zusamtneugesdimubt werden. Die Spi
t)cn dringen End, in das Fleisch, sie
reißen blntigc Stücke heraus, und je
mehr diese , Stiefel' znsantmenge
schraubt werden, desto mehr dringen sie
Eud) in die Mochet? hinein und zer
tnalmen Euch diese, so wie die Damit
schrauben Eure viiiacr. Glaubt nur ja
nicht, Schreien helfe Euch, oder Un-
geberdigthun; etmgeberdigerZhrEnch
zeigt, desto mehr werden diese Säirau
iicn hier zusantmcngezogen. eun Ihr
glaubt, das; Ihr durch Ohnmachten uns
zwingen tonnt, aufzuhören, so täuscht
Ihr End!. i.'ernt Ihr ohnmächtig wer
det, dann dreht man die Sdirauben noch
ein paar Mal herum, und dcr Schmerz
macht End) wieder lebendig, selbst wenn
Ihr schon beinahe todt wäret. Aber
Alles dieses ist nur der Anfang, uur der
beginn derÄlartern, denen Ihr unter
worfen weidet. Hier, sehet Ihr diese
Zauk. welche am" oberen und unteren
Ende 8käder hat? Auf diese Bank wer
det Ihr gelegt und Eure vii';c und Eure
Hände werden mit Vcdcrrietucn an die
obere und untere Üiklle befestigt, die
an den vütdern streit. Dann werden die
Räder, eins rcchtS, das andere linls her
umgedreht, bis Euer Körper ganz aus
einander gestreckt ist, alle Sehnen und
Muskeln bis zum Zerspringen ange
spannt find und Eure jcnochen knackend
und knicksend auvcinanderfahren. sktoni
Ihr dann frei schwebt, werde ich mit
dieser ledernen Peitstche, die mit Draht
dnrcbflochten ist, so lange auf Euren
Körper schlagen, bis dieser bricht oder
bis Ihr gesteht. Glaubet nur, wenn
Ihr auf der Streckbank liegt, und jedes
Stückchen Fleisch und jeder uodien ist
angespannt, so schmerzt eine Beruh
ruitii mit dem ffinger so. wie unter an-
deren Ui::s.ändeii die Berührung mit
glühende-Eisen. Denkt End,, welche
'i:!'.ue c: für Euch sein wird, wenn
diese in. ie ans Euren Rücken fällt und
aus E".".'!N bis zum Zerspringen ge
spannte''. Körper blutige Fetzen heraus
reißt! '.'todi immer aber sind wir beim
ersten 'rade dcr Folter lui, ini 2la
fange : noch immer zeige ich Euch den
Honieeim. Und wenn Ihr durch Bos-
. -T'iti-? IiiäTiim nllSitnfpn finde
11 i ..J "C.1.U4. 4-ll.4yVl 1.4 . V .. ,
gehr.'.le.i habt, so sollt Ihr mir doch
hier a,-.s dieser Bmtk gestehen. Hier
will i,! Emen Körper"
Der Henker wurde durd einen halb
laute',! Sdnvi unterbrochen, den Maria
au.eß, bever sie ohnmächtig zusam
iuc",..'acki. Der erste Auditor lächelte. Sie hat
fch; ::i genug," sagte er, .bringt sie nach
IIxt.r Zelle zurück, wir können morgen
fon'hren. Die Einsamkeit wird Ihr
wohl eine be'serc Neberlegung beibrin
gen. Üi.'er erst diese Jnstrumenle ge
sehen hat. i-r: vergeht das fiiger. und
01C 4'HJiuui.,. i.
Maria nun; von den Soldatc.: auf
gehoben und '..,.) ihrer Zelle zuriickge'
bracht.
10. ff a p i k k k.
Tie alle, ivn f ereicbürn nach j7si
prensen snb'.eiidc Heeisiiat e nahm fast
denselben eg. wie die lievlige eisen
bahn ven ,i,'dtu ber '-tlna g.1,
der rut'iisdeil Hti'lsiael. Zlt fiibnc
von Pele'sl'ü i u'.er ruga .ich i'cw,
wn dett uack, i üna.'uni und über Kowno
nach iumbimten und Königsberg. Dr
'eci i'.I'.T ivilna, (vrodno, äjarfck;a:j
war für den 'i.t'en Hordk weniger be
auetn. Er fuinte dnrcki das d.'.'.Nitls neckt
selbntkanige Polen, und dort konnten
für leine "Ji'oife nidit die Zl'eauetnlich
f eilen wie in Ruf Utrö geirctfen wer
den, iveuit er die preußische Grenze
erreidile, dinn konnte er als etandler
des Zaren an König Friedlich II. auf
die eifrigste ttutersliiyung aller Behör
den rechnen, wahrend es mit ott rann
Pferden in dem dmdt Kriege und HtcxK
itllivnen ausgefanglen Konigieick) Po
len sehr sckilecht stand.
Man reiste zu agen und zivar in
Nußland in besonderen Reiselibilken.
ES waren dies große tilgen mit Fe
dem. weldje indeß die Zloße, die man
int ?agen erhielt, bei der entfeliäten
Helpetie'eit des'.'eges nur zum gerin
gen Theil abfangen tonnten. Es befan
den sid, daher in diesen Fahrzeugen si. ts
Matrattn, auf welchen die Fahrgafie
in halb liegender Stellung richten. An
der Rückwand waren Haien befestigt,
an denen die für die Reife nothwen
digen legenstäiide, wie Waffen. Kod?'
npparate, Teil eltenzeng, auf ,zehane,'.
waren. Der Reisende führte Proviant
mit sid, and, ''eiii; denn in den ruf
fischen PostHäusern gab es nur Thee und
im günstigsten Falle ein paar Eier oder
ein Hub'!. Das Gepäck war hinten auf
der Ki bitte und auf deren Dad) liefe
siigt. i;oru auf dem Bock saß der Kut
sckier. der Iämtschik, und neben ihm
der Diener bei der Reise des (traten
Hrrdt der holsteinische Zoldat, der so
viel Russisdt gelernt hatte, um Hordt
während der ganzen Reise durch das
rusiisd',e Reich als Dolmeischcr dienen
zu können.
Der Aufbruch des trafen war ohi!e
Aussehen erfolgt. Der Kaiser hatte
dmdoiviksdi die Einriditiing der Reise
kibittc siir Hordt übertragen, und diese
fuhr bei der Datsche des Grafen wr.
Hordt eilte zum Kaiser, der trot? der
frühen Mörgettstunde ihn empfing, um
seine letzten Iiistruitionen und niidt die
Briefe für König Friedn ri) in Empfang
zu nehmen: dann vertauschte Hordt
leine russisckte (alaunisorm mit einem
Reiscanzng und mackitc sich auf den
lh?cg. Da sein Diener mitfuhr und um
den Zweck der .Reise nur der Kaiser und
Gndowitsch wnißten, war der Gras ans
Oraniendaum so plötzlich verschwunden,
als hätte ihn der Erdboden versd)luti
gen. Um die Geschwindigkeit der Weise
zn fordern, waren nicht die sonst iibli
chen drei Pferde, die Trvika." vor die
Kibitke gespannt, sondern eö waren
von Anfang der Reise an vier Pferde
vorgelegt, die bei schwierigen Stellen
des üt.'eges auf sechs vermehrt wurden.
Die beiden vordersten Pferde, die soge
nannten Spitzcnpfcrdc, wurden dann
von einem Reiter im Sattel, der auf
dem vordersten Sattelpfcrde saß, ge
lenkt. Alle zwei Stunden spätestens
wurden auf den Stationen die Pferde
gcwedifelt, die immer säon bereit stan
den. Das Wechseln gcsäiah binnen wc
nigen Minuten; der Postmeister, wel cher
wußte, daß ein Abgesandter des
Kaisers befördert wurde, erschien in
Galauniform an der Kibitke und fragte
mit Bücklingen und Verbeugungen nad
den Befehlen des hohen Gastes. Dann
ging es mit den frisch ausgeruhten Pfer
den im wildesten Galopp weiter.
Auf den Stationen, wo inan crwar
tcn konnte, daß Hordt übernachten
wurde, war Proviant bereit gestellt,
soweit der elende Eharaktcr der Ge
gend, in der man sich befand, es gcflat
iete. Hordt hatte dann die Wahl, ob
er die Rächt durch, während er so gut
es ging auf der Matratze in der
Kibilke schlief, weiterfahren wollte,
oder ob er es vorzog, Matratze und an
dcrc Polster ans seiner Kibitke in daö
Posthaus schaffen zu lassen und dort zu
übernachten. Sehr bald überzeugte sich
Hordt davon, daß es zwar unangenehm
sei, im Wagen zu schlafen, weil man
durch die Stoße an den schwierigen
Stellen des Weges immer aufgeschreckt
wurde; aber dafür war es im Wagen
luftiger und reinlicher, als in den Post
Häusern. Deshalb ging vorn dritten
Tage ab die Fahrt ohne klntcrbrcchnng
bei Tag und Rächt weiter.
Der Graf war wieder soweit gckräf
tiat, daß er die Strapazen dieser Reise
sehr wohl überstehen konnte. Das Wet
ter war meist schon; durck, die ausein
andergezogenen Vcdervorhängc konnte
der in der Kibitke liegende Reisende die
Gegend beobachten, in welcher der Früh-
linderst jetzt seinen Einzug hielt. Au
s,erdem blieb dem Grafen nock, sehr viel
Zeit zum Radidenken und zu Erinnerun
gen theils sehr trauriger, theils weh
wüthiger Art, besonders trenn er an
Maria Talizin dachte.
Je näher er aber der Gnnzc kam,
desto rnädiliger wurde das Gefühl in
ihm, das Vnd wieder zu sehen, das
seine zweite Hcimath geworden war.
Per Allem trat mehr und mehr der Ge
danke in den Berdergrund, daß cr nun
cndlidt aud seinen königlichen Herrn
wiedersehen sollte. Erst in Königsberg
aber konnte Hordt erfahren, wo sich
Friedrich angenblicklidi aufhielt.
Ant secktsten Tagc nach seiner Abreise
langte dcr Grof in Königsberg an. Der
letzte Reisetag war bereits durch pren
ßischcs Gebiet gangen ; aber es sah
recht traurig in Ostpreußen auS. Sechs
Jahre lang hatten als Feinde hier die
Russen gewüthet und das l'and in eine,
Wüstenei verwandelt. Städte und Dör
fer waren niedergebrannt, die Einwoh
ner zum größten Theil geflohcn.die Fei
der unbestellt und die Wälder vcrwii
stet. Immerfort kam mau durch Ruinen
von Ortsckjaftcn, in denen man höchst
selten einen Einwohner erblickte, rrr in
dem Schutt herutnsiichlc oder Ans , llcn
traf, sick) wieder darauf anzusie. eln.
In Königsberg fuuktionirten r,och :ie
russischen und preußischen Behc.- en
nebeneinander. Tic preußischen Bel." r-
W,- k, ,f. , fr.ft.-t , '(...-t-tti.-'f ini !
II il fh.t4.hil llt V4ilUillll U
P teilt.- ubern.'iuu.eit und dicri'infchen
ubeta.ben ibnen das Vand, das sie
jahrelaag fast i::',!!!iie!lreck,en wie eine
eroberte Pier, uz behandelt betten.
Graf Tidiernnick w mit dem Gros des
n:itck,e:t Hilfskeips war nacki Z:deu
in der Ricluitg nach Breslau Zb!e;o
gen. Trotzdeiit ir'i.ttnclte es nodt in
Cstire:ii;i-n t;n Ru'ten. von dem Troß
der r.ts'ifche Armee, die nach Däne
nie.!! ging, und ron zahlreiche Rach
Züglern.
'raf Hordk niste die Rotüe Kö
nigsberg Fcan.furt a. . und von dort
ad, Breslau eintdilagen, wollte er
nicbt och auf dem letzten Theile der
Reife quer durch polnisches Gebiet
gehen, das an meisten durch die riege
gelitten halte, und wo am allernvnig
sie u auf !!'eferderuug durch Poiipan:i
pferde zu rechnen war.
Am zwölf ich Tage feiner Reife langte
er entlieh in 'leslan an. in dort zn
erfahren, daß der Konig sick, hier nicht
mehr aushalle. Er war Tags zuvor
nach Heulern, einem kleinen rt an
der yrhe, einem liulen Rebenfluß der
Ceer, autgebrock'en, um dort feine Ar
mee zu len'.eutriren uttd den Feldzug ge
gen die Ceüerieid'rr zn beginnen. Hordt
hielt sid, nickt auf. sondern brach Hock,
in der Rächt ad, Bettlern auf, daS er
in fruheüer Morgenstunde erreichte.
Im dortigen Pfarrhof hakte der
König sein Quartier genommen. Hordt
meldete sich beim dienstthuenden Adju
kanten und gab seine Papiere ab. ins
besondere die Schriftstücke, die Kaiser
Peter III. für seinen königlichen
Freund ihm eingehändigt hatte. Hordt
umi'de darauf in der Rahe des Pfarrho
feS vorläufig untergebradit und hatte
hier Zeit, seine Gitlamiifonn anzule
gen, da cr ja wohl vom König pcrsön
lid empfangen werden mußte.
In der That erschien bald daraus ein
Adjutant, der ihn zum König befahl.
In deut Studirzitnnter des Pfarrers
von Bettlern hatte Friedrich fein Ar
beirskabiuelt eingerichtet, und von die
fein kleinen Zimmer ans wurden an
genblicklich die Gesdricke EnrepciS, we
nigstens des itvrdwestlidien Theiles von
Europa, gclenlt. Im Hausflur d in
den anderen Zimmern wimmelte es von
Generälen und anderen Offizieren,
vergeblich fuditc aber Gras Hotdt un
ter ihnen einen einzigen Bekannten.
Sehdlitz und Ziethen waren noch die
einzige, mit denen Hordt persönlich
bekannt war. Aber diese befanden sich
nicht in Bettlern, sondern draußen bei
der Kavallerie, die bereits im Porter
rain operirte.
Endlich stand Gras Hordt vor dem
König Friedrich. Er erschrak, als er
sah, wie sehr sich äußerlich der Mo
narch verändert hatte. Als der Feldzug
vor länger als sechs Iahren begann,
war Friedrich nodt eine kräftige Ge
statt, voll foldatifdcr Straffheit, die
ihren Kops so hock, und stolz trug, wie
dies ur ein König thun kann, kwd
jetzt sah cr vor sid, eine fast gebrochene
Greisengestalt, in der niclitS mehr
lebendig schien, olö die großen, leuch
teuden Augen. Bvllständig geknickt war
die königliche Haltung Friedrichs; sein
Racken gebengt, seine ganze Gestalt in
sich zusammengefallen. Deutlich sah
man selbst in dem Acußcren des Kö
nigS, daß cr zweimal in den letzten
fcd)s Iahren in der Verzweiflung did)t
vor dein Selbstmord gestanden, daß er
UebermeufchlidieS, Fürchterliches in
dieser Zeit erduldet hatte. Rnr die
Stimme des Königs klang och srisd),
wenn auch etwas rauher als früher.
Er begrüßte Hordt freundlich in fran
zösifcher Spracl,e, reichte ihm die Hand
und sagte ihm: ,?cicn Sie willkom
wen, besonders da Sie der Bringer gn
ter Radirichken find. Wir haben sie
nöthig, und wie ich sehe, ist Ihnen
Ihre Gefangensdjaft and nicht so
schlecht bekommen, wie mir die letzten
Jahre. Ich habe vergebliche Persudze
gemacht, Sie zn befreien und Sie aus
zuwechseln, aber die Kaiserin Elisabeth
mußte ein Dbfer für Zorndorf haben,
und das waren Sie. Ich bin Ihnen
eine Genugthuung dafür schuldig, denn
Sie haben Ihre traurige dreijährige
Haft um meinetwillen erlitten. Ich
habe dafür gesorgt, daß 2k im Avauec
meiit nicht Übergängen worden sind,
und es wird Ihnen hente noch das Pa-
tcnt als Cbcrft, voiläufig ohne Regi
ment, und als mein Adjutant ausgefer
tigt werden. Ich bleibe damit immer.
noch hinter meinem freunde Peter zu
rück, der, wie Sie mir geschrieben
haben, Sie bereits zum Genera beför
dert hat. Die Briefe, die Sie mir
iiberbracht haben, erfüllen mich mit
aufrichtiger Freude. Wie Sie wissen
werden, wünscht der Kaiser eine Unter
rednng in Danzig. und sie wird sich
vielleicht ermöglichen lassen. Ich hosfc
den !Desterrcichern schon in allerkur
zcstcr Frist zn zeigen, was die poli
tisthe Pcrändcrung der letzten Zeit zu
bedeuten hat. Dann werde ick, wohl auf
dem Kriegsschauplatz für einige Zeit
entbehrlich werden und kann nach Dan
zig gehen. Sonst muß der Kaiser sich
nach Breslau bemühen, wenn ick) mich
nicht weiter vom Kriegsschauplatz ent
fernen kann. Ich werde Ihnen dies
bezügliche schriftliche Miktheilur,en
an den Kaiser mitgeben und Sie außer
dem noch informircu. Run aber will ich
von Ihnen ausführliche Erklärungen
über die Perhältniffc am russischen
Hofe haben, denn Sie sind der Erste,
der direkt von dort zu mir kommt. Bis
her ,war ich auf die Berichte des von
der Goltz und auf Ihre Relationen an
gewiesen. Kommen Sie mit mir nach
dem Garten; wir wollen dort im Auf
und Abgehen uns unterhalten. Sie sind
mein Gast bei Tisch; aber natürlich
dürfen Sie nicht vergessen, daß Sie
nicht am Hofe von ranienbaum sind,
sondern im Feldlager eines armen Kö
nigs, dcr seit Iahren um sein !i.'and
und UM seine Existenz kämpft. Und nun
vorwärts, hinaus in den Garten!"
Ja, das war nach König Friedrich
II., wie ihn Graf Hordt gekannt halte;
daö war noch der stets bewegliche Geist,
der Mann der raschen Auffassung, der
nie rastende Denker. Wohl war die
äußere Gestalt des Königs gebrochen:
aber fein Gci.it wer uock immer frisch
Uf.d so lan.'r tiefer Ciü lebte, kennte
Friedlich d.r Große i.id.t untcracben,
kennten seine Gegner uict t iiii'.i.;pli:
reit!
Fair zwei stunden lang dauerte der
5paziergang deo Königs iil Ho.dk un
ter den blühenden Bauuten des Ptarr
garlens. Huudcrie von Fragen balle
der König zu stellen, die Graf Hordt so
gut als möglich beauiwotlete. Tcr Kö
nig schien außerordentlich befriedigt;
ebenso schienen die Rack'.richien. die er
erhallen h.::::, ihn zn erfreuen. Er war
bei Tiscki, bei lein es allerdings sebr
cinfack, berging. bciter, gespra.big, cr
sckicrzte und lackte wieweit langer Zeit
nicht, und sur Hordt hatte er n.d, eire
besondere Ueberrafckmng aufgesvatt.
AIs dieser die Serviette von seinem
Teller hob. fand er unter derselben b'C
Infignien des Ordens ,tr !c nariu-,
des bocknen ZapferleilSordeas, den
Friedrich der Große zn verleiben hatte.
Mehrere Tage hatte nun Hordl Zeit,
sid, zn überzeugen, welch' günstige Wen
düng durch den Tod der Kaiserin Eiisa
beth für das schon fast verlorene Preu
ßen gekommen war. Die. Dffiziere und
Mannschaften der Armee waren wieder
voll Muth, die strategischen herhält
nisfc für die Eröffnung des Feldznges
außerordentlich günstig. Radi allen
Rachrickilen, die man erhielt, waren die
ü?eierreider depriinirt und zum Frie
den geneigt. Audi von Franlreid, kamcn
günstige Rachridüen, wonach dort eben
falls die Harlnäckiakeit PeterS III.,
der fick, auf lein neues Bünduiß cinlaf
fen wollte, die Sehnsucht nach einem
Friedensschlüsse mit Preußen sehr ge
steigert hatte.
Täglick, mußte Gmf Hordt während
der freien Zeit des Königs diesem zur
Verfügung flehen. Immer wieder wur
den die russischen Verhältnisse erörtert
und Hordt hatte Gelegenheit, zu erstatt
neu, mit welcher Sicherheit dcr König
aus der Entfernung diese Verhältnisse
beurtheilte. Er äußerte sich selbst über
die Situation Peters III. mit einer
Präzision, die Hordt in Erstaunen
setzte. Ick, muß." sagte dcr König,
dafür sorgen, daß ich die augenblick
liche russische ,"reundschast ausnütze und
den Äelduig beendige. Die günstige
Konstellation dauert vielleicht nur
einige Moncite. Peter III. wüthet
gegt.ii sich selbst und thut alles Mög
iiciie, um sich seinem Brise zu entfrem
den. Dabei hat er eine Todseindin an
seiner eigenen Gattin, tiud nach dem.
was Sie mir mitgetheilt haben, Graf,
thut er alles Erdenkliche, um die Feind
fdiaft der Frau zu nähren. Ich muß
mir indirekt einen Borwurf machen;
ick, habe diese Ehe angestiftet. Ich
schlug der damaligen Kaiserin Elisa
bclh durd, teilten Gesandten vor, den
Thronfolger mit seiner jetzigen Gattin
zu vermählen. Das war lange vor dem
Kriege und mein Verhältniß zur Kai
fcrin Elisabeth nod, ein sehr gutes;
war ick, dod, von der verstorbenen Kai
scrin selbst in dieser Familiettangclc
gcnheit um Jcath gcfragt worden. Mah
nen Sie den Kaiser zur orsiäzt; ach
meiner Ueberzeugung bewegt er sich aus
einem Bulran. der eines Tages einen
gewaltsamen Ausbruch haben und ihn
vernidstcn kann. Id, heilte Sie länger
hier behalten, aber die Briefe, die id)
Ihnen an den Kaiser mitzugeben habe,
sind fertig geschrieben bis auf einen
eigenhändigen, den ich morgen unter
allen Umständen anfertigen muß. Sie
können dann die Rückreise nach Pctcrs
bttrg antreten, und wenn wir uns wie
dersehen. Gras, wird dies in Berlin
sein, in Fri. eenszciten, die hoffentlich
lange nicht gestört werden sollen. Ganz
Europa ist erschöpft und sehnt sick) nach
Ruhe; nur die Kaiserin Maria The
rcsia glaubt nod) vcrpflidikct zu sein,
den Krieg gegen mich zu führen. Der
Abfall ihrer Bundesgenossen wird sie
endlich wohl eines Besseren belehren.
Sie bleiben vorläufig der Person des
Zaren attaclnrt, suchen Sie uns aber
Freundschaft im !ager der Kaiserin zu
erwerben. Stecken Sie fiel, hinter die
Weiber, dann erreichen Sie etwas.
Der ganze Krieg ist Wcilcrweif und
ward von Weibern gegen mich ;,esührt.
Ihre Aufgabe, mein lieber Graf, ist
es, uns die Damen am russischen Hose
geneigt zu rnadjen."
AIS die Kaiserin jce.tharina erfuhr,
daß durd, den bodenlosen Leichtsinn
Alerei Orlows der Brief mit der
Sdnähfd)rift gegen den Kaiser und den
König van Preußen in die Hand des
Zaren gelangt war, erschrak sie fv hei
tig. wie noch nie während der Zeit, in
dcr sie sick, auf diese crsdnvörung
gegen ihren Galten cingclasscn halle.
Sie mußte sich sagen, daß die Toll
kühnheit und der Leichtsinn der Drlewö
und ihres Anhanges binnen Kurzem
dock) eine Entdeckung gewaltsam herbei
führen würde, ehe noch der ganze Plan
gereift war, und dann drohte auch ihr
ein sehr trauriges Sdiicksal.
Peter ging ja schon mit dem Plane
um, sie vom Throne zu verstoßen und
in ein Kloster zu sperren. Den Sohn
Paul Pctro'.oitsc!, wollte er von der
Thronfolge ausschließen, und jedenfalls
schonte er das Vcben von Mutter und
Sohn nickst, wenn er die Verschwörung
der Gattin entdeckte. Richt nur nach
russischen Bcgrisfen, sondern selbst nach
den Ansck)anu.,gen westeuropäischer Höfe
hatte er cuischieden das RVcht, seine
Gattin, wenn sie gegen seine Sicher
heit und fein Vekn konspirirtc, mit
dem Tode zn bestrafen. Katharina
mußte daraus gefaßt sein, daß, wenn
man ihren Plan entdeckte, sie in ein
Gefängniß gebracht iiiid dort binnen wc
nigen Stnndcn vergiftet oder erwürg:
wurde. Ein gleiches Schicksal stand
ihrem Sohne bevor. Ganz plötzlich, wie
die Pcrhnftung ihrer Hofdame, konnte
aud) für sie der Augenblick kommen, in
dem die Wackzen in ihr Zimmer traten
und sie zur Gefangenen erklärten.
Selbst wenn ihr Plan dann so weit ge
dichcn war, um ciue Revolution zu er
zeugen, so hätte diese dcr Kaiserin nicht
mehr geholfen; denn ehe die Revo
lution ausbrach, war Katharina eine
Reiche.
DicDafchlotvwar es, die mit einem
Vorschlag hcrauokant. der sofort die
Billio.una der Kaiserin fand. .,
.Jet, , .tilge eurer Maj.'itiii vor,"
faf.tr sie. ,Web::u:u in Pcierbof
nehmen. Das 2cAv; reu Pcleiliof 1 ,,t
Eurer Majestät frii! im Seminer im
ter als AuentHe,u gedient und Rie
tand kann sich wundern, wutn Sie jetzt
in der heißen ;eu an den Meeiesftrand
gehen. Es liegt so tta'.,e bet Cranien
daum, daß der Kaiser keinen Perdad t
schöpfen kann, da cr annehmen muß.
daß Peterbof re.i hier sehr gut über'
wadn werden kenn. Andererseits liegt
Peterbof aber aber au Peleisburii.
und. was das Wicknifne ist. tan kann
inPelerliof für die Sicherheit Eurer
Majestät viel bessere Perkehrungen
treffen, als hier. Man kaun in der
See. unmiUelbar ant Schlon, eine
ladit ankern lassen, welche Tag und
Rächt sur eine plötzliche Flucht bereit
ist. Wenn es fein muß, kamt Eure
Majestät aus dieser ackt ach Sdure
den hinüber fahren und sich dort in
Sicherheit bringen. Man kaun Pferde
und Wagen bereit hallen, mit denen
man zu jider Tages- und Raä.tzeit and,
nach Petersburg flüchten kaun : man
kamt endlidi zur ewadniug des Schi es
ses Eurer Majestät ergebene Soldaten
heranziehen. Jedenfalls ist es lc ichler,
dort n.it unseren Petersburger Ficun
den zn verhandeln, als hier, wo wir n
ter unmittelbarer Aufsicht des Kaisers
stehen, wo uns die holsteinischen Sol
daien bcwachcn, und wir jede unserer
Bewegungen, jedes Wort sorgfältig
abwögen minfen, wollen wir nicht bei
den hundert Augen, die uns beobachten,
irgend einen verdacht erregen."
Dein Vorschlag ist gut," erklärte
die Kaiserin; ..aber wie willst Du ihn
zur Ausführung bringen? Der Kaiser
wird es nimmermehr zugestehen, daß
id) mich von Dranienbaunt entferne;
ant wenigsten jetzt, nachdem cr Pitdacht
gegen Maria Talizin gcsdiöpft Hat. Er
wird fürchtcn, daß ich mich feiner Ans
sicht entziehen will, und mich vielleicht
in Folge dessen nod, strenger über
wachen lassen als bisher. Dann vergiß
aud, nicht, daß wir unsere unglückliche
Gefangene hier nicht int Stich lassen
können. Du hast mir selbst erzählt,
man wolle mit der Folter gegen sie vor
geben. Id, habe zn Maria volles Vcr
trauen, id) bin der Ueberzeugung, daß
sie lange allen Persuchen, ihr ein Ge
ständnis; zn entlocken, Stand hält ; was
wird sie aber thun, wenn die furcht
baren Qualen der Folter ihren Wider
stand bredzen und sie wehrlos machen?"
Auch daran habe ich gedacht. Ich
weiß, daß die Gefahr, die von dieser
Seite droht, sehr groß ist. Die Folter
ist ein gefährliches Ding; die stärksten
Männer haben ihr nicht widerstanden,
odglcid) das nichts sagen will, denn
schwache Frauen sind oft im Ertragen
von Sdnnerzcn standhafter als die
stärksten Männer. Ich glaube noch im
tncr nicht daran, daß man Maria wirk
kich foltern wird."
Wenn es nun aber doch geschieht?"
entgegnctc die Kaiserin, dann sind
wir Alle verloren!"
Die Dafchkow sah prüfend in das
Gesicht dcr Kaiserin. Die dunklen An
gen dcr Fürstin glänzten unheimlich, als
sie sagte: Majestät, ein Unternehmen
wie daö unscrige erfordert Qpfer.
Vielleicht ist es am besten, den Mund
Zer Maria Rikolajewna für immer zu
schließen. Es dürfte nicht sd)wcr sein,
ihr Gift beizubringen und ihr durd)
einen Zettel klar zu machen, daß sie
nichts Anderes thun kann, als dieses
Gift zu nehmen. Ich glaube, sie wird
nicht lange zögern, sich den Tod zu ge
den, wenn sie sieht, daß ihr die Folter
droht. Ich weiß, daß Eure Majestät
stets für alle Rothfällc mit Gift ver
sehen sind; ich weiß, daß Sie von den
Männern der Wissenschaft, mit denen
Sie verkehren, fick?angcblid) zn wissen
schasllichcn Zwecken die schwersten Gifte
haben anferli!! lassen. Geben mir
Eure Majestät eine Quantität davon
und id) bringe diese sidicr in die Hände
Maria Rikalojcwnas. Besser, sie stirbt
allein und schweigt, als daß wir Alle
unglücklich werden. Qhne Qpfcr geht
es nicht ab."
Rein, nein!" sagte abwehrend und
heftig die Kaiserin, darauf gehe ich
nicht ein. Rein, das darf nicht gesche
hen. Maria Rikalojewna hat sich als
meine beste, lreuestc Freundin gezeigt,
sie hat um meinetwillen vieles gelit
ten, und ick) will nicht, daß sie aud)
noch de.S Vcben für mich hingibt, bevor
dies vielleicht unabwendbar ist. Id)
weiß wohl, daß cö ohne Qpfer nicht ab
geht, besonders wenn wir entdeckt wer
den ; aber dann nehme id), wenn es sein
muß, im cntsdicidcnden Augenblick lic
her selbst Gift, als daß ich mich dem
Rarren, dcr jetzt mein Herr ist, nnslic
f cre. "
Die Fürstin trat entsetzt einen
Schritt zurück. Welche Gedanken,
Majestät!" rief sie; Sie erschrecken
mid, und ich bitte Sie, unsere Freunde
nichts davon hören zu lassen, sie wür
den Alle den Muth verlieren und nicht
mehr mit dem Eifer, wie bisher, unsere
Pläne verfolgen, willen sie erfahren,
daß Eure Majestät '.bsl tleininülhig
geworden sind und an Selbstmord den
ken. Was fiiil aus uns Allen werden,
wcnn Majestät zn citiern solchen ver
zweifelten Mittel greifen? So lange
Eure Majestät lebt, haben wir einen
Mittelpunkt, um den wir uns schnarrn
können. Die Persott Eurer Majestät ist
mehr werth als eine Armee. Ich möchte
meinen Kopf zum Pfande setzen, daß,
wenn Eure Majestät ohne alle Por
bcreitung nach Petersburg fahren, vor
die versammelten Soldaten treten,
selbst vor Diejenigen, die noch nicht
durd, unsere Freunde geivonnen sind,
und sie um ihren Schutz bitten, ihnen
mittheilen, der Kaiser tradttc Ihnen
und Ihrem Sohne nach dein Vcben, daß
Sie dann gewonnenes Spiel hätten.
Richt ein Mann würde zurücktreten ;
begeistert wiiroe Ihnen Alles huldigen.
Was soll aus uns werden, wenn Sie
selbst verzagen, wenn Sie selbst daran
denken, sich im entscheidenden Augen
blicke aller iefahr durch ein solches
Mittel zu entziehen?!"
Id, theile Dein Bertraucn auf
einen dcrar.igen Staatsstreich nickt."
erklärte die Kaiserin; Du brauchst
aber andererseits nick!t,zn furchten, daß
ich einen vo'",eilien Se.lbstmöcd beere-
hen will. Ebenso wenig aber will
das: wir voreilig gegen Maria Rikel.1
jeni'.a vorgehen und ihr Gut beibtin
aen. Du jagst, meine Freunde winden
von mir abfallen, wenn ich mich zag
hatt und kleittiiiuihig zeige. Was sollen
meine Freuiide und Freundinnen von
mir sagen, wenn sie sehen, daß id,
ihnen in der Roth ickit anders zn hel
fen weiß, Is indem ich ihnen dett Gift
decker rei.1,e? Rein. nein, wir müssen
andere Mittel finden, um Maria
Rikelajentta zu helfen. Du sagtest
inir. Du hättest einen Plan, mit Gi.do
wilfck, über die Saäie zu sprechen?"
Ich habe es gethan." erklärte die
Fiitftin DafdköN'. ..aber Gtiböir.tfch
ist metlw!!idig zuruilhallend, und wen
er midi and, geduldig anhert, so gibt
er mir doch keine Antwort. Er miß
kraut mir und ist der Sa.te seines lai
f eil i dien Herrn zu sehr ergeben, um mir
gegenüber aud, nur die geringste Klei'
iiigleit zu virralyen. Id, habe ihn dar
ans anfmer'sam gemadik, daß er es in
der Hand habe, seinen Herrn vor einem
großen Fehler zu bewahren: ich habe
ihm zn verstehen gegeben, daß i nc bc -sondere
Friedlich der Große, vor dessen
Urtheil der Kaiser doch einen so großen
Respekt bat, jedenfalls sehr sonderbar
von dem Kaiser denken würde, erführe
cr, dieser h.ibf die seebett abgeschaffte
Folter wieder zur Anwendung gebracht,
und noch d.in einem Weibe gegenüber.
Gttdowitsdi hat mid, darauf lange und
prüfend angesehen und geschwiegen.
Ich bin überzeugt, er unterbreitet dem
Kaiser diese Meinung, und vielleicht
geht der Kaiser auf den Grdan!'eitga;;g
ein. Andererseits soll aber der Kaiser,
wie ich erfahren habe, so empört über
die Beleidigungen sein, die gegen den
Prenßenlvnig im Pamphlet einhalten
sind, daß er vernünftigem zureden ganz
und gar unzugänglich ist. Ich will aber
Gudvwiifck, noch einmal aussuchen und
mit ihm die Angelegenheit bespreche.
Dann aber will ich ihm den Gedanken
an die klebesiedelung Eurer Majestät
nach Peterhos unterbreiten. Ich glaube.
Gudowilscl, geht daraus ein, da die
Anwesenheit Eurer Majestät dem Kai
ser in vieler Beziehung lästig ist."
Thue Dein Möglidistes," ent
gegueio die Kaiserin, aber vergiß
i'idt, daß ich gegen Maria Rikola
jewna keine Gewalt dulde, so lange
wir uns mit anderen Mitteln helfen
können."
Im Parke von Dranienbaum ging
in den Radnnilkagsstunden vor dem
Diner $nr Peter mit seinem Adjulan
teil Gndowilsch spazieren. Der Kaiser
hatte die Hände auf den Rücken gelegt,
den Kopf weit vornübergebeugt und,
mit ocu vtugen oen Boren musternd,
hörte er eifrig seinem Adjutanten zu,
der auch auf dein Spaziergange dem
Kaiser Porlräge halten mußte.
Seifen mag es einen Mann gegeben
haben, der mit außerordentlicher Ztwi
gung und Treue gegen den Monarchen
eine solche Arbeitskrast und Gcstijicklid;
keit verband, wie Guiiowitsd). Sein
Lortrag war beendet, und dcr Kaiser
klopfte ihm ancrkcnncnd aus die Schul
ter. Ich danke Dir," sagte er, wenn
ick) Dick) nicht hätte, würde ich wahrhaf
tig mit meinen Arbeiten nicht fertig.
Ricmand versteht mich außer Dir.
Ick wünschte, Gras Hordt ivärc wieder
hier; cr könnte Dir wenigstens bei dem
beginnenden Fcldzug einen Theil der
Arbeiten abnehmen. Nebenbei ist es
aud) Dein Verdienst, daß er aus allen
Stationen bis an die preußische Grenze
eine so gute Aufnahme gefunden hat.
DaS hast Du auf meinen beseht veran
laßt. Du weißt, cö ist gestern ein Brief
von ihm gekommen, den er vor dem
Uebcrfchreilcn der Grenze geschrieben
hat. und in dem er sid, bei mir aufrich
tig für alleorbercituiigeit und für die
Erleichterungen der Reife bedankt.
DaS Verdienst gebührt lediglid) Dir.
Du hast den Brief gelesen?"
Ja" erklärte Gndowilsch gedehnt.
Er zog dieses Ja" außerordentlich in
die tätige.
Der Kaiser sch ihn erstaunt an und
sagte: Was bedeutet dieses ,Ia'?
Hast Du etwas auf deut Herzen? Her
aus damit!"
Eure Majestät waren so gütig, mir
den Brief des Generals v. Hordt zur
Durchsicht zu geben, und id) habe da
eine eigenkhümlid;e Entdeckung ge
macht." Und die wäre?"
Die Handschrift des Grafen Hordt
erinnert mid) lebhaft an eine .mdcre
Handschrift, die uZtö vor einigen Tagen
vorlag, und welche Eure Majestät auch
sehr beschäftigt hat."
Welche Handschrift ist dies?"
Majestät, es ist dies die Handschrift
der Briefe, die man bei der verhafteten
Maria Qrlow gesunden hat ; die Briefe
in deutscher Sprache. Ich habe gleich
nach Empfang des Hordt 'scheu Briefes
diesen mit den bei Maria Qrlow vor
gefundenen Schriftstücken verglichen,
und die Handschrift stimmt ans daö Ge
naueste." Dcr Kaiser blieb überrascht stehen.
Das wäre doch sonderbar!" murmelte
cr. Hordt sollte derartige Briefe mit
jener Person gewechselt haben? Eö ist
doch anzunehmen, daß sie ihm geschrie
ben haben wird. Waö hältst Du von der
Sache?"
befehlen Eure Majestät, daß ich
rede?"
Ja, ich befehle es Dir, ich befclrlc
es ausdrücklich, mir offen zn sagen,
was Du von der Sache haltst."
Run. ich meine. Majestät, dcr Graf
Hordt hat sich durchaus nichts Schlim
mes dabei gedacht, als er in ein her
hältnist zuder jetzigen Gefangenen trat.
Jedenfalls hat sie ihn in ihre Retzc ge
zogen, und eine vortreffliche 5,'ehrmei
sterin hat sie ja in der intriganten Für
stin Dnschkow. Majestät wissen, daß
ich sonst nicht zu den beuten gehöre,
welche die Handlungsweise Ihrer Ma
jcstät unserer erhabenen icaiscrin ver
dächtigcn; aber cö scheint mir schon
lange so, als ob die Damcn in dcm Ge
folge dcr Kai scrin mit Porlicbe Ver
Haltnisse unter den Herren aus dcm Ge
folge des Kaisers anknüpften ; gewisser
maßen, um sie zn sich hinüberzuziehen.
So wird cs and, mit dem Grasen
ererbt der jvall gewesen sein." .
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SaustIun im 3aliri l'l un: IgM mm
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öffentliche und privat'Va'.iten.
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Deutsche .'
Wein- und Bier - Wirtbscöafl
127 sudl. 10. Strafe,
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Alle Freunde eineZ gnten 6!askS Äirx,
Wein usw., sowie einer vottreftlich
Cigarre werden diese? sielZ bei -::lx tot
finden. Freundliche Bedicnanz zugw
sichert.
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Teutscher Advokat,
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(in feinem eigenen Gebance )
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Änheiiser-Biisdi Bier, sowie die besten
Cigaiten stehen hier zi.r Zerfügt!g.
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wird hier vei abreiel'l
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Parlico"
sollten sich sosorl cn cl S,bislian,
G. T. A. . R. I. & R. :i'., Chi.
cago. wenden. li Cl. m neiinarkct,
per Pocket. Tyiir 1 weiht IH, porlo
frei zehn Packele eihallen. "11,.? We
stern Trail" trttd tuetteljohrlich durch
die Neck Island Pacisic öijcnblm vcr
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sandt werden. Sendet Z,'ame und
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