Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, August 16, 1894, Image 1

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Lincoln, Ncb., Donnerstag, UV tißiift 1894.
(Unabhängiges Organ für den Staat Ncbraöka.)
Jahrgang IS. Zlo. 13.
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Das Äicksal (5ascrio's
besi,gclt.
Ztt inlichlung aus ?5orge feft
g'scht. Strikt in Tüd'Omaha.
Äm viflosseiikn Mont.ig wulde in
ißaiis bitaniil gemacht, dah die Bcgna
digungS - (Kommission geschloffen habe
da über saio, dcn Mörder deS Prä
fit eilten Carnot, verbängle TodeSurlheil
bestehe zu lassen. Die Hinrichtung wird
morgen, Freitag, den 17. August, statt
finden. In welcher Gefahr Diejenigen
schweben, welch auf dcn Höhen der
Menschheit wandeln, zeigt uns die ach:
stehende Uebersicht der Personen, welche
berufen waren, die Geschicke der Böller
zu lenken:
Es ist eine bemerkenswerlhe Thatsache,
diisz unscr Jahrhundert bei Weitem mehr
Angrissr auf das Leben regierender Per
sone und anderer hoher Würdenträger
auszuweisen hat, als irgend eine vergan
gene weltgeschichtliche Periode. Zu olle
Zeilen aber war das Leben der Regenten
gefährdet und es hat nur wenige Monar-.
chen gegeben, deren 3"v& nicht von irgend
einem seiner Unter thauen, oder auch gar
von nächsten Angehörigen ersehnt wurde.
Nur dem Umstände, daß Kaiser und
Könige ihre Leibwache stets um sich
h.bc,i, ist es zuzuschreiben, daß die Er
imdungen regierender Persönlichkeiten
sich nicht häusige, wiederholen. Aber
nicht pur gekrönte Häupter, sondern auch
Präsidenten von Republiken und sogar
bloße Bürgermeister, schweben in der
Gefahr, von iigend einem Fanatiker
meuchlings tlmordet zu werden. Der
vor Kurzen, durch einen Dolchstich des
Anarchisten Santo getödlet Präsident
Carnvl von Frankreich, sowie unsere
eigene ermordeten Präsidenten Lincoln
und Garfirld und der vor kaum einem
sHahie in Chicago meuchelmörderisch ne-
tsdtelc Mayor Harriso liefern die Bc
weise hierfür. Die hervorragendste Rolle
in der Geschichte dr Königsmorde spielt
ohne Zweifel Frankreich. Dort sind
sogar Könige von ihren eigenen Bluts
verwandte heimlich bei Seite geschasst
worden. Louis der Neunte (1423
1483), welcher gegen seinen Pater rebel
lirle, stand auch im Berdacht, seinen e!ge
neu Bruder ermordet zu haben. Auch
ou er vei oer ooug oes Herzogs varr
von Burgund seine Hand mit im Spiele
gehabt haben. Der Herzog Franz von
Äuise wurde von einem Manne Namens
Pollrot ermordet, und sein Sohn, der
nachmalige König Heinrich der Erste von
Lothringen, wurde unter der Mitwissen
schuft von Heinrich von Balois meuch
lerisch ermordet. Heinrich von PaloiK
selbst erlitt später das gleiche Schicksal,
und zwar wurde er von einem Mönch
Namens Jacques Element erdolcht. Die
Ermordung Heinrich's des Vierten durch
dcn Mönch grancois Ravaillac (1010 ;
ist fast genau in derselben Weist vor sich
aecianae. wie diejenige des Präsidenten
Carnc. Heinrich fuhr durch die Stra
ßen von Paris, begleitet von dem Her
zog von Epcrnon, welcher dem Monar
chen einen Brief vorlas. Heinrich horchte
dem Borlcser aufmerksam zu, als er plol);
lieh von hinten her einen Dolchstich durch
den Rücken empfing. Ravaillac halte
sich, wahrend der Wagen rasch dahinsuhr,
plötzlich auf denselben geschwungen und
den Mord vollführt, ohne daran verhin
dert werden zu können. Der König
wurde sofort nach dem Louvre zurück
gebracht, wo er bald darauf verschied.
Der Mörder wurde übrigens von der
wüthenden Volk menge ergriffen und
mußte seine ruchlose That in der sürch
terlichste Weise büßen. Man heftete
ihn an ein Kreuz und setzte dasselbe in
Feuer, doch ließ man den Korper Ratnil
lac's nicht verbrennen, sondern es wu
den demselben nur schmerzliche Brand,
wunden beigebracht. Erst nachdem sich
die Menge lange genug an die ein arak
lichen Schauspiel geweidet hatte, wurde
der Mönch vollends aelodtet. Das
Leben Richelieu's war häufig genug
bedroht worden, doch gelang es dem ac
wandle Staatsmanne stets der drohen
den Gefahr zu entrinnen. Louis
der Fünfzehnte wurde von einem Manne
Nsmcns Tamines angegriffen, der für
seinen Mordveruch schwere Torturen zu
erleiden hatte. Louis der Sechszchnte
und Marie Anioineite wurden bekannt
lich zur Zeit der Schreckensherrschaft hin
oeuchlet. Auch Napoleon der Erste.
LouiS Pbilippe und Louis Napoleon
waren oft genug in der Gefahr, ibr Leben
durch Meuchelmord zu verlieren. Wen-
den wir nun den Blick von Frankreich
nach England, so begegnen uns auch
hier eine Anzahl von Fällen, in denen
die Regenten eines gemalt,amen Todes
starben. Tc Äet und Weise der Ermor
düng Edward's d s Zweiten im Jahre
1327 ist nie recht ausqeklart worden
Man weiß nur so viel, daß der König
eines Morgens todt in seinem Belle ge
funden wurde und daß alle Anzeichen
dafür sprachen, daß er erdrosselt morden
sei. Auf eine ähnlich unerkläibare Weise
ist im Jahre 1400 Richard der Zweite
beimlich getödlet worden. Das nächste
Opfer des Königsmordes war Heinrich
der Sechste, der im Jahre 1471 an dem
nämlichen Tage im Tomer sein Leben
endete, an welchem sein Rivale Edward
der Bierl' seinen Einzug in London hielt
Edward's eigene Kinder wurden schon
lange vorher auf Befehl des Herzogs
von Gloncester im Tomer ermordet, und
es scheint, als wenn von jener Zeit an
kein Monarch mehr auf dem englischen
Throne seines Lebens sicher gewesen
wäre. Selbst Elizabelh schwebte stets
,n der A:'gl, daß sie ernst durch Gift ih
Leben enden würde. George der Drille
imirre im yrr-r n:5 er i.:i Cjh
venr G'rden TheaUr in der Loge saß,
von möldenscher Hand bedroht, indem
ein Mann Namens James Hadsield eine
Piilole auf ihn abfeuerte, ohne icdoch zu
treffen. Der König ver'or seine cuye
nicht, sonder wandle sich an das erregte
Publikum mit den Weilen: ES hat
hier Jemand Pulver verbrannt." In
Rußland sino einzelne Inhaber deS Thro
neS ebenfalls ge,ordet morden, aber hier
geschah eS fast immer nur durch die An
Itisiung der eigenen Verwandten ; nur
Alezanlier der Zweite, der Bater des
jetzt regierenden Zaren, ist einer Nihilist,-
schen Verschwörung zum Opfer gefallen.
und c ist niemals genau bekannt gewor
den, ob die eigentlichen Hauplverschwö-
rer dieses FurflenmordeS nicht mit zu den
Hoskreisen gehörten. Iwan der Dritte
wurde im Gesängniffe erschlagen, lange
nachdem er allen Ansprüchen aus die
Kione entsagt halle, und Pcler der
Drt der Geinaht Eatharina s der
Zweiten, wurde mit Zustimmung der
Letzteren von ihrem Liebhaber Ehaf
Ortoff und dessen Genossen bei Nachtzeit
in seinem eigenen Schlafzin mer über
fallen und getödlet. Ehaiak.e, irisch bei
diesem Fürstenmord ist och der umstand,
daß der erwähnte Liebhaber der il aiserin,
ein Riese von Gestalt, den schwächlichen
Peter mit den Fingern erwürgte, o daß
er seiner kaisetliche Geliebten mit Ge
.vißheit zu belichten vermschke, oaß ihr
verhaßter Gemahl nicht mehr am Leben
sei. Dieser Gallcninord ist wohl der
schwärzeste Fleck, den die Regierung Ea
lharina'S auszuweisen bat. Ihr Sohn
und Nachfolger, der verrückte Zar Panl,
ist kurze Zeit nach seinem Regicrungs
anirilt ermordet worden ; ai.ch in diesem
Falle waren es hochgestellte Persönlich
keilen, welche die Blutthat vollführten,
und eS heißt, daß Paul'S Sohn Aleran
der mit der Tödlung feines BatcrS ein
verstanden gewesen wäre. Was den
gegenwärtige Zar aller Reußen betrifft,
so hängt sein Leben an einem dünnen
Faden, und unterliegt es keinem Zweifel,
daß er längst daS Loos seines gemordeten
Beters halte theilen müssen, wenn er
nicht allzusehr bewacht würde, so daß
sich keine verdächtige Persönlichkeiten ihm
nähern können. Zweimal war er bereits
nahe daran, von den Nihilisten in die
Lnft gesprengt zu werden, und er lebt
fortwährend in aufregender Todesfurcht.
Seine Freunde wolle zwar behaupten,
daß er mild und gutherzig fei, indeß hat
er sich durch seine bisherige Rcgierungs
akte als ei grausamer Despot gekcnn
zeichnet und die Zahl seiner Feinde mehrt
sich mit jedem neuen tyrannischen Ukas.
Von dcn sonstigen Attentaten auf gekrönte
Häupter der Neuzeit sollen hier nur noch
die folgenden in Erinnerung gebracht
werden. Im Jahre 1853 wurde ein
Angriff auf das Leben des Kaisers Franz
Joseph gemacht, wobei derselbe leicht
verwundet wurde. Ein Jahr spater er
suchte eilt Galgenvogel den König Victor
Emanuel zu todten, und int Zah'rc 1850
feuerte ein Mann Namens Fucnlcs einen
Schuß auf die Königin Isabella von
Spanien. In demselben Jahre wurde
der König Ferdinand von Italien von
einem Soldaten mit einem Schwerte vcr
mundet. Die Allentale ans den allen
Kaiser Wilhelm und seinen eisernen Kanz
ler Bismarck sind den meisten älteren
Lesern wchl noch in lebhafter Erinnerung
geblieben.
New York. Friedrich W. L. Elier,
welcher vor drei Monaten aus die An
klage hin verhaftet wurde, als Schatz
mcister in Frankfurt a. M. Fälschungen
und llnlcrschleife verübt zu haben,
wurde nach Deutschland zurückgesandt.
Omaha. In Süd-Omaha kam es
am verflossenen Mittwoch Abend zu einer
Krise, und wenn sich die Lage der Dinge
nicht bald ändert, werden mehrere Eom
pagnicn Miliz nach Süd-Omaha gesandt
und im Pökelhaus-Distrikt das Kriegs
recht proklamirt werden. Die Lage der
Dinge ist dort höchst bedenklich uno die
1,10 itreiker thun gerade, was ihnen
beliebt. Um 6 Uhr Abends drängte sich
ihre Poflenlinie, welche die Pokclhauser
umgiebt, bis unter die Mauern derselben
vor, und ihre Zahl vermehrte sich um
mehrere Hundert Mann.
Um 8 Uhr Abends erschien Mayor
Johnson von Süd-Omaha bei der Poli-
zeikommifsion von Omaha und bat um
eine Abtheilung Polizisten, da er dem
gefetzlosen Elemente gegenüber machtlos
sei. Er sagte, er sei durch die ganze
Stadt gefahren und traf überall Band,
von Strcikcrn, welche die Straßen durch
zogen, um Arbeiter, welche sich auf dem
Helmwege von der Arbeit befinden moch
ten, abzufangen. Banden von SV bis
75 Streikern, welche sämmtlich mit
Knüppeln bewaffnet waren, durchzogen
die Straßen. Die Polizei des Ortes
könne nichts gegen diese organisirten
uJiots ausrichten, und wenn nicht radi
kale Maßregeln zur Unterdrückung der
ungesetzlichen Banden ergriffen werden,
wülde es zu Mord und Todtichlag kom
wen und die Pökelhäuser würden in Asche
gelebt werden.
Aehnliche Vorstellungen machten die
Pö!ler dem Gouverneur, jedoch beschloß
derselbe, nichts zu thun, werde aber,
wenn sich die Lage nicht bessere, die Miliz
zu den Waffe rufen.
Sheriff Drerel schickte am nächsten
Tage 100 Deputies nach Süd-Omaha
un) in Folge dessen ereigneten sich keine
Ruhestörungen, als die Arbeiter sich nach
den Schlachthäusern begaben; die Dcpa
tics lösten die von den Streikern gebt
bete Postenkette aus und geleiteten die
Aibeiter m kleinen Truppen nach ihren
resp. Abtheilungen. Die Slretker stan
den umher und johllen, enthielten sich
icdoch jedes thätlichen Angriffs. Eine
Aizahl neuer Arbeiter kehrte untcr poli
zeilichem Schutz a die Arbeit zurück.
In sämmtlichen Schlachthäuser wurde
mit dem Schlachten des BieheS begon
i.cü, tivtz der Drohungen der Betriebs
leiter, daß sie die Arbeiten nicht wieder-
aufnehmen lassen würden, bis die Miliz
aufgeboten sei.
Am Freitag Morgen ge?n 4 llzr
wurde zwei liompngni.'ii Staalsmil,;,
die Thurstvn Ristes und die Omaha
Guards. nach sd-O naha g?andl und
in der Nähe der Pökelhäuser stalionnt
Nach den letzten Berichten ist alleS ruhig.
Der Tod L e d o ch o w S k i'S w i -
d e r I e g l.
Die Nachricht von dem Tode deS Car
dinal Ledachowöki ist eine Erdichtung.
Wir hoffen, daß ein so bedeutender
Mann, der sich der Achtung der Welt in
so hohem Grade zu erfreue hat, noch
recht lange in seiner einflußreichen Stel-
lung verbleibe werde.
Der Sohn des Herrn Oscar
Beuck, des Repiäfentanlen der Gund
schcn Brauerei, ist am Montaz in Oma
hi aus dem Lebea geschieden. Der
Staatg-Anzeiger" versichert die Fami
lie Beuck angesichts des schweren Verlu
stes des aufrichtigsten Beileides!
Herr Otto Glaser zeigte uns
am Montag ein Postkarte des Herrn H.
Veilh, welche von Deidesheim, Rhin
psalz, dalirt war. Die eiste Seile der
Karle war mit dem Bilde einer hübschen
Winzerin geschmückt, -während wir im
Hintergründe die rebenunkränztenH'igel
der gesegneten Pfalz erblickten. Herr
Veilh hat nämlich von Darnistadt aus
dem Verwandten des Herrn O. Glaser,
Bürgermeister Lchultz, einen Besuch ab
gestattet. 23f Wir werden an unserm San?
tum sog. Drahtthüre und Fenster a,i'
bringen lassen und somit unseren Fliegen
die goldene Freiheit rauben. Wir tön -ncn
es absolut nicht gestatten, daß unsere
Fliegen so mir nichts dir nichts ein: itiil
ausfliegen können; sie gerathen dadurch
in schlechte Gesellschaft, nehmen schlechte
Sitten an, treiben allerlei Alloiria auf
unserem Kahlkopf und verwöhnen sich
schließlich so den Geschmack, daß ihnen
der alte Kleister nicht mehr als Nah
nng genügt. Deshalb werden wir unsere
Fliegen einsperren lassen und hosfei',
daß es uns gelingen wird, ein anständi.
ges Fliegenvölkchcn heranzubilden.
$W Unser gegenwärtiger Postmei
ster. Herr Harley, hat in der Verhältniß
mäßig kurzen Zeit seiner Thätigkeit eine
wahre Musterwirthschast eingeführt, so
daß die Demokraten der Stadt sich we
nigstens ihres Postmeistere nicht zu schä
men brauchen. Das deutsche Element
wird Herr Harley, wie cr uns zu ver
schiedeiien Malen inittheilte, nach G'
bühr lei Besetzung der Posten berück sich
tigen. Wenn wir auch der Ansicht sind,
daß die Verwaltung 'der Post mit den
jeweiligen Partecz nichts zu thun haben
sollte, so freut es uns doch aufrichtig,
wenn ein Mann, wie Herr Harley, einen
solchen Grad von Diensteifer bekundet
und die Interessen der Handelsmclt in
so gewissenhafter Weise zu wahren be
strebt ist.
Ein großer Emvsang wurde dem
Prediger Towning und Gemahlin in
der Presbyteriancrlirchc zu Pawnee Ei!y
gegeben. Wenn öffentliche Empfänge
in einer Kirche veranstaltet werden, so
darf man sich fürwahr nicht wundern,
wenn die Atheisten sich über die moder
Ncn Kirchen lustig machen.
Frau Duff. die Mutter des N. A.
Dusf, von Syracnfe, ist im Aller von
79 Jahren aus dem Leben geschieden.
Ihre irdische Hülle ist nach Giant Eoun
ty, Wisconsin, wo sie ans Sifsineway
Mounds" beigesetzt werden wird, besör
dert worden. Die Todte war die erste
weiße Frau in .afayette Eounty. Wis
consin. Ihre zwei Söhne. N. Ä. Dusf
und M. A. Dusf, haben der Enlschla
feneu das Geleite gegeben.
Ein Versuch, das Eishaus' von
Swist & Eo. zu Ashland in Brau) zu
stecken, wurde am Donnerstag gemacht.
Die Flammen wurden zuerst im Maschi
nenraum wahrgenommen und hatten be
reitä ziemliche Fortschritte gemacht. Man
glaubt, daß Skrikers vom Swist'schen
Packinghaus zu Omaha das Feuer ange
legt hatten. Hätte das Feuer länger
gebrannt, so wäre das riesige Gebäude,
w.'lches 100.000 Toen Fleisch und
Fett birgt, ein Raub des entfesselten Ele
mentes geworden.
Der . Bemässeningssrage wird in
Bussalo Eounty große Aufmerksamkeit
gewidmet. Während der verwichenen
Woche wurde ein Ausschuß von den
Stadtverordneten ernannt, welcher sich
mit den Farmern der Tomnships Center,
Gibbon und Shelton in Verbindung
setzen soll, um einen Plan auszuarbeiten,
der es ermöglichen sollte, das Wasser
füi dem Kanal in östlicher Richtung
statt in südlicher lausen zu lassen. Die
angestellte Untersuchung hat ergaben, daß
die Hälfte von Vuffalo Coaniy ohne
große Mühe durch das Wasser des Platte
und Loup-Flusses berieselt werden kann.
Ferner beabsichtigen die Bürger von
Bufsalo County Bonds zu bewilligen
und zwar im Betrage von jÜ00,000, um
Landmirthe und Arbeiter, welche wäh
rend des Winters keine Subsistenzmitlel
besitzen, zu Wegearbeiten zu verwenden.
Lane's Medizinen sind ein gutes Ab'
führmittel. Um gesund u bleiben, sind
dieselben nothwendig.
Eine Kuh. welche Milch in reichster
uUe liefert, i,t zu verkaufen. Näheres
zu erfahren in der Expedition dieses
Blattes.
r
vielfache Millionär
Thcvde Havcmeycr spielt in seinen
Muscitirndct! mit Vorliebe Biolinc.
A ch t ; e h n M eilen in der Te
künde legt die Sonne ans ihrem Weg
durch dca iiiautn zuriil
2!utf dem Ari .ona Kieker."
T r a u r i g e r Selbstmord. Der
erste in dcn 'jimulcit dieser dock, schon
seit gründeten Stadt bekannt :
gewordene Selbstmord turn vergangene j
Woche ror. und da? Cpier hieß ;?olin
Wlsttc. i'i'r. Wliite war früher ein
Schrecker. in Montana, p iväqrcnb
langer Zeit pflegte cr jahrlich drei bis
vicr Meirichen zu begrabcn. Vor zwei
fahren cnlnickclte sich bei ihm dcr
graue Staar, und in den letzten sechs
Monaten konnte er fast gar nichts mehr
sehen. Als ihm nun neulich der Arzt
erflärte, er wixde nie mehr Fernanden
treffen kennen, es sei denn durch Zu
fall, nahm sich Mr. Whitc die Sache zn
Gemüth, ging hinter den Stall vom
Last 'if'falo"-S',lcen und knüpfte sich
auf. ?as Leben halle unter diesen
Umständen keinen Werth mehr für ihn.
Mr. White hatte manche gute-Eigen-schafkcn.
So unterbrach er niemals die
Geschäfte dadurch, daß er die Leute am
Tage gelobtet Hätte, und gewöhnlich
richtete cr die Dinge so ein, daß die
Begräbnisse ain Sonntag staltfinden
konnten und die Leidtragenden nach
Schluß der Zeremonien noch gerade
recht zum Rennen kanten. Er war fer
ner von außerordentlicher Wahrheits
liebe und Pünktlichkeit. Weint er
einem Mitbürger sagen ließ, cr würde
dann und dann koininen, um aus ihm
eine Bleimine zu rnichen, so war er
zur betreffenden Zeit an Ort und
Skclle, ob die Senne schien oder ob c?
regnete. Erläuterte er einem Würger,
daß einer trn ihnen Beiden eines
öttimawechsels bedürfe, falls sie am
Leben zit bleiben wünschten, drey cr
selbst aber, in Felge früherer Ab--nmchir.ti'en,
verhindert fei zn gehen, so
sah der Ändere die Sache in dein einzig
richtigen Lichte an und ging nach New
Meriko.
Gewisse Schrecken schießen die Leute
unterschiedoloo nieder, sechne irgend
welche Rücksicht auf daö Gemeinwohl.
Mr. White gehörte nicht zu dieser
Klasse. So viel wir erfahren haben,
entfernte er stets nur Leute, die man
entbehren konnte und deren Verschwin
den wesentlich zur Verbesserung der
Gesellschaft beitrug. Obwohl er gerade
kein Ereentriker war, so hatte cr doch
manchmal recht seltsame Methoden.
So hatte er, als cr hierherkam, einen
Ehcck auf die hiesige Bank. Der Ban
kicr verlangte nach einem JdcntitätS
Nachweis. l'r. White nahm aus seiner
Tasche das Pique Aß, steckte es in die
Mündung seines Sechsläuferö und, den
Arm auf das Brett ...Kassenschalter
stülpend, erbot er sich, seine Identität
dem Bankier durch den Leib zu schießen.
Das Anerbieten wurde mit höflichem
Dank abgelehnt und Mr. Whitc bekam
fein Geld. Auf der Süd.Pacifie-Bahn
passirtc eS ihm einmal, daß ihn ein
Kondukteur wegen eines abgelaufenen
aber unbenutzten Billets, auf wel
cheS er reiste, interpcllirte. Unser
Freund leg! nun so viele ökevolver,
Messer und andere Argumente auf den
Sitz neben sich, daß man ihn einlud,
auf sein Billet, das nur für 50 Mei
len gut gewesen war, die ganze Strecke
der Bahn zn fahren.
Wir waren nicht allein persönlich
bei seinem Begräbnis? ;nnegen, sondern
bezahlten auch die Hälste der kosten,
und wir hoffen, daß wir cö nie zu
bereuen haben werden.
Eine Dividendenfragc. Zn
der ;iedaktion des Kicker" ist ein
Brief von einer Wittwe aus St. Louis
eingelaufen, in welchem die Schrei
beriu erklärt, sie habe für K5ua Aktien
in der Deep Gulch"-Silbermine und
wünsche zn wissen weohalb ihr cigent
lich die Dividenden nicht zugeschickt
würden. Gerne theilen wir mit, waö
wir über die Sache wissen : Die Deep
Gnlch"-Minc wurde von einem Manne
eröffnet, der auch bei uns vorsprach und
uns durch fein seriöses Wesen und die
Aussicht auf '20 Prozent Dividenden
zu veranlassen wußte, $'.'000 in seinem
Unternehmen anzulegen. AIS wir
wenige Wochen später nach Deep
Gulch" hinüberritten und dort nur die
Schlucht vorfanden, so gingen wir nach
Tueson, um dem crrn einen Besuch
abzustatten. Er ließ uns sagen, cr fei
nicht zu Hause, entwischte gleichzeitig
durch die Hinterthür, und gewann einen
solchen Börsprung, daß wir ihn erst
nach zehn Meilen scharfen Galopps ein
holten. Nun zahlte er uns Kapital und
Dividenden so hastig aus, daß wir noch
S'i0 mehr erhielten, als uns zukam.
Da wir seither keine Geschäfte mehr
mit ihm hatten, so haben wir ihm
nichts weiter in den Weg gelegt.
Sollte die St, Louiscr Wittwe oder
irgend cinc andere Wittwe, welche An
thcilscheine an der Dcep Gulch "-Mine
besitzt, hierherkommen, so würde eS unS
großes Vergnügen bereiten, ihr die
obengenannte Schlucht zu zeigen, indeß,
w,iS die Mine, den Präsidenten, den
Tiietorenreith und die Dividenden
betrifft, so ist die Spur schon zu alt,
um sie zu verfolgen.
Wir selbst haben viel mit Minen zu
thun und haben schon Manches dabei
verdient, aber nur weil wir stets per
sönlick, an Ort nn"; Stelle waren, ehe
die betreffenden Unternehmer aufrissen.
Nur eine e i n z i g e N e d e ge
halten hat Senator Ransom von
'Nord Earolin während seiner lüjähri
gen K'ongreßzeit. (Er soll früher ein
ausgezeichneter Redner gewesen fein,
ober dieses Metier aus Anlage von
Herzschwäche ausgegeben haben.)
I h V c n höchsten W ei r m c g r a d
erreicht die Temperatur in den gemäßig
ten 2rnri i'ti'-n ,in,"i lli'ntiiit jiiirfi hrni
i länpitrr; 7 rat im Jahre.
(?in Mahnruf cii die Moschus
Menschen." Von arztlicher Seile wird der .Na
tional zeitung'' geschrieben: E wurde
schon dem Unwillen über die Men
schen. die sich mit Moschu?cinparfümi
reu, Auc-druck verlieben. Eo gibt in der
Thai Zaum etwas Widerwärtigeres, alo
einen derartig zudringlichen Geruch,
der den unschuldigen Wanderer aus
der Straße oder auf der Pferdebahn
meuchlings überfallt. Vielleicht trägt
es etwas zur Verringerung dieser Land
plage bei, wenn man sich der Beweg
gründe erinnert, die wohl zuerst und
zumeist zur Anwendung so starker Niech
Mittel geführt haben. Es war Zweifel
los nicht sowohl der Wunsch, einen
angenehmen Eindruck hervorzurufen,
als vielmehr der, einen noch garstige
ren Geruch zu übertäuben. Es gibt ja
Leute genug, welche eine übelriechende
Beschäftigung oder ein körperliches Lei
den gern verbergen möchten und es doch
zu mühsam finden, durch peinliche
Sauberkeit ihren Ziveck zn erreichen,
oder vielleicht auch nicht ahnen, wie
viel dieses anschuldige Mittel zn leisten
vermag. Sie wollen lieber, indem sie
zum Moschus ihre nflucht nehmen,
den Teufel durch Beelzebub auotrei
den. Was Hier aus Noth geschal,, Nar
reu finden sich, es nachzuäffen, ohne
eine besondere Veranlassung dazu zn
haben. Diese müssen es sieh dann aber
auch gefallen lassen, mit jenen in
denselben Tops gewersen zu werden.
Und das ist gut für die übrige Mensch
heit. So halt man jeden Moschus
Menschen für ein Wesen, welches außer
dem unausstehlichen M'schnsgeriich im
Geheimen noch andere nnauostehliche
Eigenschaften besitzt. Denn in Anleh
nung an das bekannte : Wer lacht,
macht sich verdächtig," heißt cd liier:
Wer riecht, macht sich verdächtig."
Wenn die Moschuö-Menschen die Sache
einmal von dieser Seite betrachten,
werden sie vielleicht aus andere Mittel
sinnen, wclche weniger Verdacht cr
rcgcnd bezüglich ihrer eigenen Person
und zugleich weniger beleidigend für
die Nasen ihrer Mitmenschen sein wär
den. Der Dol ch E a s c r i o S. Dieser
Tage erschien in einer renvmmirten
Wiener Wassenhandlung ein Mann in
mittleren Jahren und verlangte einen
Dolch, der ganz so beschaffen sein
müsse, wie der gewesen, mit dem Ea
serio den Präsidenten Earnot crmor
bete. Der Ehef deö Geschäftes, ein lie
benswiirdigcr, jcvialer, aber dech sehr
vorsichtiger Mann, richtete,, während
cr die gewünschten todtbringenden Was
seit zusammensuchte und ans den Tisch
legte, an den kauflustigen mehrere
Fragen. AIS jedoch der Mann mit der
Sprache nicht herauswollte, fragte der
Ehef mit so strengem Tone: Wozu
brauchen Sie den Dolch?" daß der Mau
scr endlich Farbe bekannte und klein
laut sagte : Wissen'S, i hab' a Wachs
figureukubinett und da will i die Er
mördung des Präsidenten darstellen.
Dazu, brauch' i halt so au Dolch, wie
der vom Easerio war." EHcf und Per
sonal, die schon schweren Verdacht g:
schöpft hatten, lachten herzlich und rie
thcn dem Manne, sich für seinen Zweck
einen Dolch aus Pappendeckel machen
zu lasset.
Fisch w n r st. Der sich immer leb
hafter entwickelnden Hochseefischerei
der deutschen Nordseestädte ist ein
Nahrungsmittel zn verdanken, die Fisch
wurst, welche sowohl durch ihren Wohl
geschmack, irie auch durch ihren 'Nähr
werth und durch ihre Wohlscilhcit sich
zur Verwendung in den Hausständen
vortrefflich eignet. Die Fischwurst
wird in Gcestemiinde nuS dem Fleische
des frischen Schellfisches oder eines an
deren Fisches, nachdem dasselbe sorg
fällig gekocht und entgrätet ist, her
gestellt und kommt frisch sowie geräu
chert in den Handel. In geräuchertem
Zustande hält die Fi schwurst sich min
bestens 11 Tage, dabei ist sie an Ge
wicht bedeutend leichter als Fleisch
wurst, so das; sie sich auch durch letzteren
Umstand außer durch den billigen Preis
von 45, bis 0 Pfennigen pro Pfund
empfiehlt.
H c i r a t h zwischen B c r st o r
denen. Bei einem Volksstamut int
Kaukasus besteht eine eigenthümliche
Sitte. Sobald einem Elternpaar ein
erwachsener Sohn, der Junggeselle ge
blieben, stirbt, findet sich Jemand bei
ihm ein, dem im Laufe des Jahres eine
heirathofähige Tochter gestorben und
sagt : Dein Sohn wird sicherlich einer
Gattin bedürfen; ich gebe Dir meine
Tochter und Du zahlst mir dafür daö
HeirathSgut. ' Ein derartiger freund
schaftlicher Vorschlag wird nie zurück
gewiesen, und wird man sich bald über
die Hohe deö Heirathsgtttes, wclche je
nach den Vorzügen, welche das lebende
Mädchen bc'aß, wechselt und manch
mal recht bedeutend ist, einig. ES sind
Fälle vorgekommen, in denen der Vater
des Mädchens bis 30 i'chc für diese
seltsame El'c zwischen Verstorbenen ge
zahlt hat.
Wenn in A b e s s i n i e n ein
Mann sich vrheirathet, so wird sein
Haus und Alles, was dasselbe enthält,
Eigenthum seines Weibes. Wen:: die
lel'tere ihren Gatten aus dem Hause
weist, so kann derselbe keinerlei An
spruch erheben.
Frühe Polizeistunde. Die
Abendglocko hat in Lhina noch sehr
große Bedeutung. Sie ertönt nm acht
Uhr, und jeder Eingeborene, der darnach
noch Cuts der Straße angetroffen wird,
der kriegt die Peitsche!
Zr neierrübrnkultkr.
Einem Berichte der Prefessoreii H.
W. Wilei) u..d W. Maxwell über die
im Jahre I ','.: angestellten Versuche
mit Zuckerrüben zufolge betrug die ge
sammle in den Ver. Staaten berge
stellte Menge von Ntibenzucker in ge
nanntem Jahre 4:i,v:..,'l':i Pf und.
hierzu wurden im Ganzen 'JuU.iuhi
Tonnen Nüben gebraucht, für welche
ic Farmer durchschnittlich S 1.5,0 per
Tonne oder zusammen $.'00,ihio er
hielten. Aus der VersuchSstalion in
Schnffler, Neb., bezifferte sich zur Zeit
der Ernte der durchschnittliche Zucker
gehalt der im Jahre 1S1KJ gebauten
Rüben aus 15.1 Prozent, zur Zeit
ihrer Aufbewahrung in durch Eis erkal
teten Silos auf 1'.' Prozent und in,
Frühjahre auf 11 Prozent. Die auf
bewahrten Nüben hielten sich vortrefs
lich und nahmen 11.5 Prozent an Ge
wicht zu. Es wurden durckischuiltlich
63 Pfund Nnbensamen vom Acker ge
erntet und der dafür bezahlte Preis
betrug $172.i;o per Acker, was einen
etwas höheren Gewinn abwarf, als
Weizen oder Heu. Selbstverständlich
würde der Preis des Samens sich nicht
aus der angegebenen Höbe halten,
wenn die Znckerriibenkultur eine grö
ßere Ausdehnung annehmen würde.
Aus der Versuchsstation wurden auf
bewässertem Lande 1 (..'' Tonnen Rüben
vom Acker geerntet. aus nicht bewässer
tem Boden nnr 1 3.4 Tonnen. Ange
nornnien, die aus gewöhnlichen Farm
ländercien gebauten Zuckerrüben wür
den nur 10 Tonnen vom Acker ergeben,
zum Durchschnittspreise von $4..ri() per
Tonne, so bietet die ckerriibenkullur
im Verhältnisse zu den niedrigen Prei
sen des Weizens und anderer Dörner
früchte einen ganz bedeutenden Vor
theil, den unsere Farmer wohl ins Auge
fassen sollten.
Ueber das sibirische Niiu
bert hum schreibt ein Reisender, der
die Gegend, die von der sibirischen
Eisenbahn durchschnitten wird, längst
besuchte, wie folgt: Sehr häufig trifft
man hier auf Grabhügel mit grünen
Kreuzen Gräber der hier beraubten
und ermordeten Reisenden. Der
Große Moskan'sche Trakt," die bis
herige Hauptstraße durch Sibirien,
deren Richtung auch von der Bahn ein
gehalten wird, steht mit Recht in sehr
iiblcin Rufe. Die Theckarawancn,
lange Züge von Wagen oder Schlitten,
haben besonders schwer zu leiden. Jede
Fuhre trägt sieben bis acht Ballen zu
sz Pud, und 0 bis 0 Wagen oder
Schlitten bilden eine solche Karawane,
die seitens dcr Räuber namentlich wäh
rend der Nächte stetigen Ueberfällen
unlerworsen sind. Die Räuber sowohl
als die Fuhrleute sind bewaffnet, und
es entspinnt sich dann regelmäßig ein
lebhaftes Fcncrgcfecht. Für jeden Bal
len üichee, der dein Fuhrmann geraubt
worden, muß er dem Versender 100
bis 150 Rubel Ersatz zahlen. Ohne
Verluste an Menschenleben geht es bei
diesen Ueberfällen nicht ab; fangen die
Fuhrleute einen Räuber ein, so wird
sofort kurzer Prozeß mit ihm gemacht.
Gelingt es den Wegelagerern. Waaren
ballen zu rauben, so sind sie für den
Eigenthümer verloren, da die Bauern
der Dörfer dieser Gcgcnden mit den
Räubern im Einverstäudniß sind und
systematisch Hehlerei treiben.
Bismarck über die deut
schen Rei chö färben. Als Fiiist
Bismarck kürzlich auf der Reise nach
Barzin Berlin passirtc. befand sich
unter den studentischen Korporationen,
die ihn auf dein Stettincr Bahnhöfe
begrüßten, auch die akademische Lieder
iafel, deren Farben Roth-Weiß-Schwarz
sind. Als der Fürst diese Farben be
merkte, äußerte er: Roth Weiß sind
die alten brandenburgischen Farben.
Als wir dann preußisch wurden, kam
Schwarz-Weiß dazu, und aus ihrer
Vereinigung entstanden die deutschen
Farben. DaS wußten Sie ivohl noch
nicht? (Große Heiterkeit.) Erst als ich
dem alten König Wilhelm seinerzeit
diese historische Genesis der deutschen
RcichSsarben auseinandersetzte und
damit an sein brandcnburgischcs Herz
ppellirte, befreundete er sich mit den
neuen Farben, von denen er vorher
nicht viel wissen wollte." Diese Er
klärung der Reichsfarben ist bekannt
lich nicht zutreffend. Die Reichsfarben
bilden eine Vereinigung der hanfeati
schcn und preußischen Farben und bilden
zuerst die Trikolore deS Norddeutschen
Bundes.
Industrie u n d B l i tz g e f a h r.
In dcr Monatsschrift Das Wcttcr"
wird ein Vortrag über die Zunahme der
Blitzgefahr veröffentlicht, den der Dirck
tor dcö k. statistische BnrcauS in Bcr
lin, E. Blciick, vor cinigen Monaten
gehalten hat. Als Grund für dic Zn
nähme jener Gefahr gibt Blenck n. A.
folgenden au: Es kann die Wahr
scheinlichkeit nicht geleugnet werden, daß
die Atmosphäre sich verschlechtert hat.
Tag für Tag verpuffen Millionen von
Eciitnern Steinkohlen, Kohlensäure,
Kohlenoxyd und Rauch dnrchwirbcln iu
fortwährend vergrößerte Mengen dic
Lust. Sie gesellen den ohiichi eine
Reibung eräugende Ungleichmäßigkci
ken der Atmosphäre an Wärme und
Wasserdunst ein sich, jährlich verstärken
des Element örtlicher Beimischungen,
die unbedingt die Reibung der Lust
schichten wider einander steigern müssen.
Und indem zugleich unvcrbiäuutc toffc
ober halbverbrannte Gase in der Lust
vcrbreuncn, wird die Besorgnis) rege,
daß cni so genährter Feuersirom auch
brcnnbare Gegenstände dcö Festen hält
ftger tit Flammen fetze, als früher g
schah."
Mahner,.
Ueber die ('fahren beim Tragen tnn
fiuülichcn i 'ebmen dielt P,oi.sor
üreulcin in ;uich einen intciei'.ümi,
Voitiag. 4 aS Vcifchü ckcn dieser N'e
bisse und das Sleelcbleibkii dcise'deu
in den Lust- oder Speiscwegen ist uiog
lich ,'nd nik gar selten wiend des
Seblases. in Narkose, bei cpnkptisckic
oder Hnslcrische Ziiinlicii ; dann abcr
(nid) im nad cii Zustande wähtcud der
Mahlzeit ,,. s. w. Von vicr jelbficr
lebte Fälle verliefen drei nach zweck
entsprechendem Eingriffe günstig, der
vierte ungünstig trotz aelungencr Opera
tion, weil die Diagnose ans den Sitz des
GcbisstückeS in der Speiseröhre von den
behandelnde Aerzte erst gemacht wov
den war, nachdci cineam sechsten Tage
eintretende arterielle Blutung Licht in
die Sache brachte. Versähen ifcher
weise war die tastende Schlnndsondt
anstandslos an dem Gebißstück vorbei
in den Magen gelitten, und ans die bv
stimmte subjektive Angabe dcö Kranken,
er fühle den Druckschmerz des cingclcil
tcn Frcmdkoi pcrS, war kein Gewicht ge
legt worden. Am fünfzehnten Tae
nach der Operation starb der Patient, als
Relonvaleszent, an citier Nachblutung.
Professor rünleiii schloß seinen Ver
trag mit folgender Mahnung: Da die
Ersahinng zur Genüge gelehrt hak. daß
künstliche Gebisse im Schlafe sich locker
und verschluckt werden können und mit
diesem Ereignis! eine ernste GesaHr für
daö Leben gesrtzt wird, wclchcr schon
eine Reihe von Mensche erlegen sind,
so ist es jeeni ein künstliches Gebiß
Tragende dringend anzniathen. das
Gcbi'ß regelmäßig vor dem Schlafen
gchc ans dcm Munde zn entfernen.
Diese Mahnung gilt für alle künstlichen
Gebisse jeglicher Konstruktion ;uud
Größe ; denn eine absolute Garantie,
daß ein Gebiß niemals int Schlase sich
lockere, besteht auch für die vollkom
teuften Erzeugnisse der modernen
Zahiitechnik nicht. Bei von vornherein
mangelhaft konstruirten oder bei schlecht
gewordene künstliche Gebissen ist die
Gefahr dcr Lockerung und dcs Ber
schlucktwerdcnS selbstverständlich eine
ganz bcsottdcrS große ; eö kann dieser
iinglückliche Zusall auch im wachen Zu
stände des Trägers, beim Essen. Tritt
kett. Gähnen it. s. w.. sich ereignen md
eö sollte daher derartigen ZaHninvalide
der weitere. Rath dringend ans Herz
gelegt weihn, schlechte und defekt ge
wordene künstliche Gebisse sofort zu
entfernen, respektive verbessern zu
lassen.
Giftige Fische gibt es nach
neueren eingehenden Untersuchungen i
der That, obgleich ihr Votkommcn viel
fach bezweifelt wurde. Diese Fische
sind im frischen uuvcrdorbcncn Zustande
schädlich, also wirkliche Gistträger. und
nicht mit Fischen zu verwechseln, die
durch Fäuluiß giftig werden, wie unter
Umständen auch Fleisch. Wurst und
Käse. Von den Süßwasscrfischcn ist
nur die Barbe (IJarbus vulgaris) zu
nennen , deren Roggen Erbrechen und
Durchfalle verursacht, dic jcdoch bei
entsprechender Behandlung ohne schwcrk
Folgen verlaufen. Dagegen find von
den Bewohnern europäischer Meere als
giftig bekannt : Die gemeine Muräne
(nur das Blut) ; der Drachenfifch. I'.
troinyzon, TrachiniiSartctt ; außereuro
päisch dcr Gistlfiuiug, dcr 'Zgclfisch und
namcutlich der japanische Stachcldauch,
Totrodon. - - Pctermäulchc(TrachiuS
arten) kommt häufig im Mätclineer
und Atlantischen Ozean vor; sie tra
gen an ihrem iicmendeckcl einen spitzen
Stachel, dcr wie ei Giftzahn wirkt.
Verlctzungc mit dicscm Stachcl sind
von den Fischern sehr gesiirchlct, und an
einign. Orten bestehen Pvlizcivorschrif
tctt, wonach diese als Nahrungsmittel
beliebte Fische erst nach Entfernung
des Stachels auf den Markt gebracht
werdeit dürfen. Die Stichwunde
schmerzt heftig und schwillt rasch an;
es entstehen Fieber, Irrereden, Ohn
machtsanwaudliingcn und häufig Brand
dcs verletzten Gliedes. Am giftigsten
ist dcr japanische Stachelbanch (Fugu in
der Landessprache), der zu Mord- und
elbstuiordzweckeu benutzt wird. Ein
kräftiger Javaner hatte Fugu mit Reis
gcgcfse. Eine halbe Stunde nach dcm
iÄcnuß traten Leibschmerzen, llebelkcit
und Kopfschmerzen ans, dann stürzte
der Man, wie vom Blitz getroffen, z
sammelt. Das Gesicht wurde bleich,
der Puls uusühlbar, die Athmung sctzte
aus. und der Man starb. Dic Be
Handlung ist in schweren Fällen crsolg
loS. Das Gift dcS Fisches wird durch
lochen nicht zerstört. Welchen Vor
theil das Gift diesen Fischen im Kampf
nm's Dasein gewählt, darüber sind noch
keinerlei Aufschlüsse gewonnen.
D i't r s e n A n g e st e 1 1 1 e iv ä h -rend
der Geschäftszeit Blu
men im Knopfloch tragen?
Diese wclleischütteinde," eigentlich
:twaS absurd klingende Frage wurde
vor Kurzem an Gcrichtsstclle entschic
dcn. In einem großen Mvdemaaren
zeschäst in Berlin bediente ein junger
Man eine Dame, als dcr Ehcs an ihn
herantrat mit der Aufforderung, die im
Knopfloch befindliche Blume zu entfer
reit. In der Geschäfts Ordnung sei
korgeschrieben, daß die Herren im
dnnklen Aiiznge zu erscheinen bat
reu, daß Blumen getragen wcr
jcii dürsten, sei nirgends erwähnt.
Der Angestellte befolgte trotz inelir
italiger Aussvrderung nicht den Wunsch
feines Ehcss. Die Folge war. daß er
zeranlaßt wurde, das Geschäft zu ver
lassen. Der junge 'Mann klagte aus
MiiilKi',,tfchilMirnni lür sechs Wiv'ien.
Fr ist mit seinen Ansprüchen abgewie
sen worden, weil der Angestellte im 'Ge
schäft sich dcn '.'kiordnnngcit dcö EhesS
;u sagen Hatte.
Präsident E c,s i m i r - P e i i e r
jat einen aU-ezeHalt von S2U,0uü.
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