Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 28, 1894, Image 11

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    :in panft.
l'cn Vf.mii) ta"5Ji-jsr
Auf da, Piaster von Pa-i, gtVf die
Julisvnne de Jahre, H94. l.t tnil
den Perurlheilien angefüllten kzxxtn.
die .rollenden Särq' genannt, pplfcr
Un nicht mehr nach dem Revolution?
xlatz. wo der Tuiletunqarten und die
Slttktisch' Felder im schlaffen Sommer,
orün ruhten, denn di, nmohner der
Gegend waren der Schlächtereien L.Üfc
worden und klagten virSber. lonrern
F. snbren binaul über en Pont N:uf
durch die Sirafc Tt Honore nach dem
Osten, der Lmsiadl Taint Anleine, an
die Barriere du Trone. Dort raste jetzt
die Guillotin! und achtziz Köpf fielen
täglich In den Korb, der au der
Pöbel in St. Anleine, bisher die brlll
lende Gesolqschast der bluttriefenden
Männer de SicherbeitZauisiöufic.
nude de Anblick müde. D Opfer
aus den Karren waren weder vornehm
noch reich und der Pöbel murrte.
.Die Haux'iiadt verweichlicht." sagte
Lädier, eil Milgli'd de AuSschuffe?.
.wir mlssn eine JJloatt von Köxsen
zwischen un und da Volk stellen.'
.So laßt un die ahl der Köpfe ver
doppeln erwiderte Varenne.
Im Sonvent stand aus der Redner
buhne Robe?perre. Die Parteien, selbst
der Berg, itterten feige vordem düsteren
Blick de Dictatcr. Niemand ahnte,
daß der Tvnt or seinem knalle stand.
Die Ge'Lngniffe Frankreich waren
SberfZIt. Dimalhunderttarsend Ver
basete und Vkrurtbeilte schmachteten
hinter verschlossenen Mauerr. Zehn,
tausend davon ii den Kerkern voi Part.
Auch di ?onciergerie war dicht besetzt.
Sine erstickende verpestete Luft füllte die
Zellen mit den feuchten Wänden, die seit
Jahrhunderten faulten. Faul war auch
da Stroh, auf dem die Gefangenen
ruhten, und die Nahrung, die ihnn at-
reicht wurde. Am Tage scholl durch die
engen vergitterten Fenster der Trommel
wirbel der Nltionalmache, am Abend die
Stimme der öffentlichen Ausrufer, die
brüllend die Namen der Hingerichteten
auf den Straßen verkündigten, und
Nacht kläfften auf den Corridoren die
riesigen WLchterhunde. die R.egel klirr
ien und die Thore krähten.
In einer rfell waren, mit einigen
anderen Gefangenen zusammen, zwei
Männer einaefxerrt. ein alter inovilW,
Morence Graf von Billeroi, und der
ffechtmeister Jean Luden Roaer, früher
ein Anbänaer Danton. Beide MZnner
waren der Feindschaft und V rschmörung
gegen die Republik beschuldigt, er
geben wie Gras Billeroi auf sein Alter,
denn er war über die Siebzig, vergeben
wie er auch auf seine Kran'heit. denn er
hatte die Gicht; beide verbot ihm eine
thätige Betheiligung an einer Berschmo
rung von selbst. Da Revolution
tribunal verurtheilte ihn dennoch. Jean
Lucien Roger dagegm war überführt,
Briefe von Pitt au England erhalten
uid beantwortet zu haben. .Kloxffech
ler," sagte Duma, der Präsident de
Tribunal, hohnlachend nach der Per
kündiaung de Urtheil, .wie wirft Du
diese Quinte xariren?-
Gras Tilleroi trug sein Geschick mit
Ergebung. Seine Familie, seine Wür
den, sein Vermögen waren in den allge
meinen Abgrund gesunken, der Tod
brachte ihm Erlösung. Ander sein
Genosse. Er war erst dreißig Jahre alt
und er besaß eine Braut, die er sehr
liebte. Sie war die Tochter eine ehe-,
maligen königlichen Beamten. Der Vater
bitte vor einigen Tagen in dieser Zeit
' der vermehrten Hinrichtungen da Schaf.
fot bestiegen: nun war ihr auch der Bräu
tigam entrissen. Nicht nur da eigene
Loo, auch da de geliebten Mädchen?
nagte an Roier. Seit Monaten beher
bergte derselbe Raum schon die beiden
Gefangenen, da gemeinsame Unglück
hob die Unterschiede de Stande und der
politischen Gesinnung auf, iiiri beide
MZnner waren Freunde geworden. Der
erwartete Tag wir gekommen. Noch
heute, noch an diesem Nachmittage wird
der CommifsZr ihre Namen durch die
Corridore rufen, während der Karren
-draußen steht, noch heute werden ihre
Kopse fallen uid Alle ist vorüber.
Geräuschooll öffnete sich die Thür.
Der Schließer schob einen neuen Gefan
genen ein. Er war am Morgen vkrhzf,
tet worden. Die Wagen mit den 93er
hlfteten kamen auf ih'r Rundfahrt durch
die Gefängnisse nach der Conciergerie zu,
letzt. Der neue Genosse brachte Kunde
von der Außenwelt.
Am Margen, so berichtete er, hatte
Henriot, der Befehlshaber der Genbar
merie, im Garten de Luremdourg.
xalafte. der nun zu einem G:fängniß
ingerichtet war. feine Truppen gemustert
und gesagt: .Man muß die Gesängnisse
reinigen!' Die Kerker waren zum Bersten
voll. Auch hatte sich im Conoent ein
Ereigniß vollzogen. Tallien hatte gegen
RobeSpierre eine donnernde R:de gehal
ten. Ein neuer Schrecken, die bedrohte
Despotie zu stürzen, stand also bevor.
Die Gefängnisse reinigen! So hatte e
auch im September 1792 geheißen und
die Gefangenen wurden niedergemacht
wie ein Haufen Ungeziefer. Ein neuer
September war in Sicht. Der Erzähler
wurde unterbrochen. Wieder öffnete sich
die Thür und der Schließer erschien,
.Alle Taschenmesser und Echteren ab
liesern! Die Taschen umkehren!' sagte
er. Wa die Gefangenen noch irgend
wie von schsrfen Werkzeugen besaßen,
nahm ihnen der Beamte fort. AIS er
gegangen war, lagerte auf den Eefan:
genen Bestürzung und Entsetzen. Ganz
so hatten im September 1793 die Auf
seher den Gefangenen die Waffen fort
genommen und wehrlo wurden sie nun
von den eindringenden Mördern getöZtet.
.Ob man unter der Guillotine stirbt
:'er durch die Pike, wa thut' !' sagte'
raf V?eroi. (V.crj rhae zu blattn,
I?5 r der 5?el rankreich den Kopf unter
da Beil,...
Von einem nihm Thurme schlug ti
vier Uhr. AI der letzte Schlag verhallte,
rasselten RZüer über da Pflaster. Mn
kannte dieke Geräusch. Jeden Nach
miiiaz um diese Stunde wurde ei hörbar.
Da waren die Kuren.
Durch die Errridore klimperten die
Schlüssel. Alle Zellenthüren wurden
aufgerissen Gleich darauf ertönte die
stimme de Gendarmerien Eommissar,
erst dunixs und fern, dann immer näher
und d:uilicher.
,Anze!e Montmoienco !'
Da war die letzte Aedtissia de auft
gehobenen Kloster Montmartre.
,n,i?re Eyenier!'
Da wir der berühmte Schriftsteller
und der furchtlose Verächter der Tl)ran
nen.
.Henri BuffonI'
Da war der Sohn de großen Natur
forscher.
.Julien d Hormiflon l'
Da war die bekannte achtzehnjährige
Schönheit. Wie nach großen Geistern,
so lechzte die Guillotine auch nach schö
nen Leibern. Der Gendarm trat vor
die Zelle der beiden Genossen. Er ver
la die Namen von einem Zettel:
.Jean Lucien Roger '
Au der Zelle kam ein Geräusch.
Aber ohne eine Pause zu machen, fuhr
der Gendarme soit:
.Marence, gewesener Graf Vtlleroil'
Die beiden Genossen blickten sich an.
.Jean Lucien Roger Mirence, geme
sener Graf Villeroil' wiederholte noch
einmal der Gendarm.
.Hier!' antwortete nun eine feste
Stimme Ein alter Mann trat vor.
Die Zellenthüren krachten wieder zu.
Andre Lucien Roger war zurück geblie
den. Er wußte nicht, wie da geschehen
war. Die Wagen draußen rasselten
davon.
Eine Stunde später schollen die
Stuimglecken und die Trommeln de
GeneralMarsche. .Sie kommen!'
schrien die Gesangenen in der Concier
grie und erwarteten die Mörder. Vor
den Fenstern wurde die Stimme eine
uörufer laut. Doch meinten die Ge
fangenen nicht recht zu hören. Der
Ausrufer verlas ein Anglagedekret de
ConventS gegen RobeSpierre, Couthon
und St. Just. Dem Ausrufer fo'.gte
ein wüster Lärm. Jauchzend erhob sich
unier den Gefangenen der Pariser Ker
ker eine tolle Hoffnung, aber bleiern
drückte die Furcht sie wieder nieder.
Um dieselbe Stunde fuhren die Kar
ren mit achtz!a Verurtheilten über den
Pont Neuf. Durch Pari scholl die
Nachricht: RobeSpierre gefangen! To
bend stellte sich ein VolkShaufen dem
Karren in den Weg, .Nieder mit
RobeSpierre ! ' schrie die Menge und trieb
die Gendarmen, die die Karren begleite
ten, davon. Da klapperten Hufe und
mit geschwungerea? Säbe stürzte
Henriot an der Spitze seine Stäbe
h:ran. Der Haufen entflieht : die Gen,
darmen geführt von ihrem Chef, geleiten
d e Wagen bis an' Schaffst und die
achtzig Köpfe fallen.
Durch die Fenster in der Conciergerie
drang die Dämmerung. Die Nacht kam
und der Morgen flieg ieüer auf, der
Margen des zehnten Thermidor. Die
Thore der Conciergerie öffneten sich
RobeSpierre lag mit zerschmetterter Kinn
lade im Gefängniß und für den Nachmit-
tag um 4 Uhr war seine Htirtchtung oe
stimmt Vor den Gefängnissen halten
lubelnde Menschen und sanken den Ge
retteten an die Brust. Auch Jean Lucien
Roaer und seine Braut hielten sich schluck
zend umfangen. An demselben Tage
verließ da Paar Pari. Roger ging
nach Flandern unter die Fahnen Mo
reau, dort für da Vaterland zu käm
xfen. Noch herrschte der Conoent und
nur daS Hier bot Scherheit. Bei einer
befreundeten Familie an der Grenze er.
wartete Cecile, nun seine Gattin, feine
Rückkunft.
Drei Jahre spater, unter der neuen
Ordnung, begab sich das Piar zurück
nach Pari. Noch ruhten tn den AI'
cbioen deS Justizministerium die Pro
fkriptionSliften auS der blutigen Zeit.
Auch jene Zettel, die AuSzüze daraus,
die den Comriissnen der Gendarmerie
zur Erekution gegeben und nach Verrich
tung von ihnen an da Ministerium wie
der zurückacliefert wurden, waren noch
vorbanden. Durch einen Bekannten im
Ministerium gelang eS Roger, den Zettel
vom 9. Thermidor, der für die Concler
qerie bestimmt war, zu sehen. E war
gleich den andern ein länglich :r Streifen.
Die Namen standen dicht neheneinandir.
Hinter dem Namen Roaer' stand der
Name des Grafen Villeroi, aber hinter
dem Namen Roger' fehlte der Punkt.
Der nachfolgende Buchstabe M., der An,
fangsbuchstabe des Vornamens Marence,
begann mit einem kleinen Schnörkel,
Vermuthlich war mit diesem der Punkt
zusammengeflossen. Der Name Roger
war auch als Vorname gebräuchlich und
der Commissar der Gendarmerie hatte
gelesen: Jean Lucien Rozer Marence,
gewesener Graf Villeroi.
Einem Dinge, geringer als ein Sand
korn, dankte er sein Leben.
Elektrizität und pflanzenwachs-
tkzum.
So wenig wir noch in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts überhaupt von der
Elektrizität wußten, so wenig vermögen
mir heute all die Fortschritte nur zu
ahnen, zu denen wir mit Hilfe dieser ge
hetmnttzoouen Kraft tn Zukunst noch ge
langen dürften. Ist eS dem menschlichen
Geiste bereits gelungen, mittelst dersel.
ben seinen Gedanken, sowie daS laut ge
sx-echer:k Wort pfeilschnell in weite Ent I
firrung zu übertragen, ficb derselben ,ur
theilmeisen Beleuchtung seiner Städte ,
und freien Plätze, zur Bewegung seiner j
Maschinen, sowie zu rascher Foriireibung j
seiner Fahrzeuge iu bedienen und ihren !
wohlthätigen Cirfluß selbst im kranken
Köixer zur Gellung zu bringen, so wun j
dern wir ur. nicht, wenn man auch ihre f
Wirkung aus die Pflanzenwelt zu erfor ;
schen sucht.
Nach einer überlieferten und fast be :
wiesenen Annahme beschleunigen die Ge j
milter und der e!ek:rilche Zustand ter;
Atmosphäre die Entwicklung der Lege
tation. Um sich von rlesem iKinstug Der
Elektrizität zu überzeugen, setzten ver,
schiedene Physiker junge Pflanzen der
Einwirkung elektrischer Apparate aus
und bestätigten sodann, daß die eleklri
strten Pflinun ein schnelleres Wachs
thum entwickelten. Andere Versuche
jedoch, die im Jahre 1S46 von englischen
und deutschen Gelehrten angestellt wur
den, zeigten sich erfolglos. Man führte
dzher das beschleunigte Wachsthum der
Pflinzen auf Umstände zurück, die mit
Anwesenheit der Elektrizität durchaus
nicht zu schassen haben, und rieth von
der Anwendung derselben auf die Pflin
zenkultur ab.
Erst viele Jahre spater stellte gechner
neue versuche an, incem er in feinem
Garten eine galvanische Säule aufstellte
und an deren Polen je einen Draht be
festigte, die beide durch ein Beet hindurch
liefen und dann ihre Enden in den Boden
senkten. Auf dleem Beet nun wurdeu
Erbsen, Gerste und GraS ausgesät, wäh
rend man auf einem andern Beet, das
außerhalb des Bereiches der elektrischen
Strömung lag, zur Kontrollirung die
selben Pflanzen kultivirte. AIS man
nach einigen Monaten die aus beiden
Beeten gemachte Ausbeute wog, ergaben
die Pflanzen von dem elektristrten Beete
ei Mehrgewicht von 15 bl 27 Prozent.
Und auf Grund dieser erfreulichen Wahr,
nehmung empfahl Fechner ouf'S Neue
die Benützung der Elektrizität für Acker
und Gartenbau.
Auf dieses günstige Ergebniß auf,
merksam gemacht, beschloß der russische
landwirth chaslliche Schriftsteller N.
Spechnew sich durch eigene Versuche über
die interessanten Erfolge Fechner'
Rechenschaft zu geben. Er entwarf deS
halb für seine Studien einen methodischen
Plan, um sich durch lange fortgesetzte
Erpenmenle zu überzeugen, ob die EIek
ttizilät thatsächlich auf die Pflanzen in
allen Phasen ihre Wachsthums irgend
welchen Einfluß ausübe und wenn ja, ob
sie aus den Pflanzenbau im Großen prar
tisch anwendbar und schließlich lohnend
sei. In sechsjährigen Forschungen hat
er sein Programm erledigt und der
Freund jedes gewerblichen Fortschritts
wird sich für die Ergebnisse derselben in.
teressiren.
Spechnew prüfte zunächst die Wirkung
ver tötertriztlat aus verschiedene vamen
körner, indem er von Bohnen, Erbsen,
Sonnenblumen und Roggen je 120 Kör
ner nach ihrem Ausquellen in einer durch
kupferne Platten geschlossenen Glasröhre
einige Minuten lang dem elektrischen
Strome aussetzte und unmittelbar darauf
aussäte. Zugleich aber übergab er dem
Loden unter den gleichen Bedingungen
nicht elektrisirte Samenkörner derselben
orten und ließ dann beide bei einer
Temperatur von 6 bis 8 Grad Reaumur
sich bis zum Erscheinen der Wurzelspros
sen entwickeln. Zehnmal wurde dieser
Versuch wiederholt und das jedesmalige
Trgevnig vesseiven war ein doppelt ji
schnelles Wachsthum der elektrischen Sa
menkörner im Vergleich mit den anderen
Merkwürdiger noch waren Spechnew's
ersuche mit dem galvanischen Strome.
Er senkte nämlich an den beiden Enden
der Versuchsbeete 72 Centime! hohe
und 45 Centimeter breit Zink, und
Kupferplatten in den Boden in und ver
band sie über demselben durch Eisen
dröhte. Diese Experiment wurde zum
ersten Mal im botanischen Garten zu
,em vorgenommen und lieferte nament
lich bei der Kultur von Küchengewächsen
und Blumen höchst günstige Resultate,
Ein Rettich zum Beispiel maß 14 Centi
meter im Durchmesser und 44 Centimeter
in der Länge, während eine Mohrrübe
sogar emen Durchmesser von 27 Centi
meter besaß und 2 Kilogramm 863
Gramm wog. Beide hatten einen vor
trefflichen Geschmack und waren zart und
Is"g.
Bei diesem Versuche verhielt sich die
Gesammternte der elektrisirten Beete zur
Ernte der nicht elektristrten wie 4:1 für
die Wurzelgewächse und wie 3:2 für die
Getreidearten.
Wie soll man d'ese seltsame Thatsache
erklären? Wie vermag ein schwacher elek
irischer Strom, der sich in der Erde ver
theilt, so ansehnlichen Einfluß auf das
Wachsthum zu gewinnen? Spechnew
unterwarf die beiden Bodenarten einer
sorgfältigen Untersuchung, woraus her,
omging, daß 100 Gramm elektrisir!
Erde 16 Centizramm lösbare Stoffe, die
gleiche Menge nicht elcktrisirter Erde da
gegen nur 8 Centigramm enthielten.
Durch diese theilweise Zersetzung deS
Bodens erleichtert demnach die elektrische
Strömung den Pflanzen die Aufnabme
der ihr nützlichen Stoffe.
Die bekannte Thatsache, daß die lang,
same Entladung statischer Elektrizität der
Pflanzen, die Aneignung deS Stickstoffs
dir atmosphärischen Lust bedeutend ei,
leichtert, ließ eine merkliche Steigerung
des Wachsthums fast vorausseben.
Spechnew steckte daher an verschiedenen
Stellen eine besäeten AckerS eimeln
stehende Stangen, auf deren Spitzen er
Sammler von atmosphärischer Elektriii-
tät anbrachte. Diese Sammler ver-
einigle er durch Leitungsdrähte, so daß
in Netz zur Verkeilung der Elektrizität
entstand. .Auf diese Weife,' sagt
Spechnew in seinem Bericht, .verdichtet
sich d:e E!ek:ri,i:!t der Zlüno'rhärk über
dem Leit'elde. und die '"lirun er-.!,
wickln iich in einer Umgebung rcn hoher
elektrischer Spannung,'
Die unter tiefen LcdiiigU'.en fZ.is
Jzhre lang wiederholter! Versuche lies er
ten i rgtfcnifff, die wohl zur Nachahmung
einladen dürften. Denn nach den un
vorliegenden Angaben wurden von einer
Auksaat ven 215 Kilogramm Rcagen
bei gewöbnlichem Anbau 12t-2 Kilo
aiamm Kerner und 44S3 ilrzramm
Stroh geernlet. Weizen und Ger'te
gaben fast denselben turchschni:t!ichen
Ertrag, während er sich beim Hzser noch
erhöh!.
Diese DurchschnittSzisiern scheinen in
der That den Beweis zu liefern, daß die
Elektrizität doch nicht ohne Einguß auf
da P.anzenwachelhum ist und den Er
trag der Ernte recht ansehnlich zu steigern
vermag. Außerdem soll sie die Reise
beschleunigen, und Spechnew versichert,
daß seine Kartoffeln selten krank gewesen
seien, wölzrend die außerhalb des elek
irischen Netze häung an parasitischen
Krankheiten litten, und da sogar Zucker,
rüben bei elektrischer Kultur von jeder
Ansteckung befreit blieben.
Alle diese Ergebnisse haben eine große
Ueberraschung hervorgerufen, so daß man
schon hier unv da begonnen hat, die Ver
suche Spechnew' zu kontrolliren. Lie,
fern dieselben auch anderwärts dieselben
Resultate, so tritt unser gesammte
Pflanzenkultur in eine neue Phase, die
von der ganzen Bevölkerung nur mit
Freuden begrüßt werden wird.
?as nde des ??ieuer unggescsse:
Vereines.
Da .Wiener Tageblatt' veröffent,
licht folgende amüsante Zuschrift: .Ich
mache Ihnen die ergebene Mittheilung,
daß der Junggesellenverein aufgehört
hat, zu bestehen. Der Verein, der einem
von den Damen schmerzlich gefühlten
Bedürfniß seine Entstehung verdankte,
war einfach nicht lebensfähig. Seien
wir ehrlich; jeder Einzelne von uns, das
unwürdige Alter nicht einmal auSgenom
men, hat die holde Weiblichkeit für feine
Person nicht entbehrt, denn wir haben
unS außerhalb de Verein ja nicht so
ängstlich von der Damenwelt abgeschlos
sen, aber un Allen, wenn wir versam,
melt waren, hat die Frau in den verschie
denen Gestalten: als junge Mädchen,
a'S unabhängige Wittwe :c. gefehlt.
Wenn an diesen Abenden wenigsten? für
weibliche Bedienung gesorgt worden
wäre! Aber immer nur Junggesellen
und eS waren nicht die jüngsten
um sich zu haben, da geht nicht aus
die Dauer, da war vorauszusehen.
Und so haben wir den Geist der rreiber
feindlichen Zusammengehörigkeit so lange
getartt, b:S w:r aukeinandernelen.
Der Fasching hat unS den Rest gegeben.
Einige Mitglieder, die prächtigsten und
der tolz de Verein, halten sich,
wahrscheinlich durch daS abschreckende
Beispiel, welche? greise Junggesellen
geben, bekehrt, schon im vergange.
nen Jahre grobe Verstöße gegen die
VereinSstatuten zu Schulden kommen
lassen und über Hal und Kopf um eine
Hand angehalten: das endete wie ge
wöhnlich mit einer Hochzeit. Andere
wurden gleichfalls durch Beziehungen zu
Personen des anderen Geschlechts miß
liebig und gewisse alleinstehende ältere
Herren, dle'kanm allein stehen konnten
und sich schon an gar nichts mehr er
innern können, vergaßen sich so weit, auf
den Maskenbällen im Softenfual ur,d
Kolosseum ihr Heil zu suchen. Ich selbst
habe die Fahne des Cölibalärs so lange
hoch gehalten, bis mir die Hand so wth
that, da ich sie einer lungen Dame an
bieten mußte, zu Schleuderpreisen, denn
auch ich habe gesehen, daß der Mensch
nur im Wannenbad allein sein soll und
daß dem Hagestolz ein furchtbares schick
sal winkt. Es thut mir leid, ober es
hat so kommen müssen, ich war mit Leib
und Seele Junggeselle, und wenn ein
lebensfähiger tüchtiger Hagestolzenverein
zu Stande gekommen wäre, würde ich
eS noch fein; aber als ich sah, wie es
kommen würde, nahm auch ich au
FreierSfüßen Reißaus. Trauriz, aber
wahr! Ergebenst ein gebrochener
Hagestolz nnd Mitglied des aufgelösten
Wiener JunggeiellenvereinS.
?oekc und Wunsch.
Folgende Goethe-Erinnerung wird im
Loten auS dem Riefegebirge mitge,
theilt: Im Jahre 1793 bezog des zur
Berliner Garnison gehörende Regiment
Alt-Psuhl für einige Wochen ein Kanto,
nirungkqrsrtier in der Festung Landshut
in Schlesien. Außerdem wurde ein Kü
rassierRegiment, dessen Chef der Herzog
von SachsenWeimar war, dahin ver
legt. Im Gefolge des Herzogs befand
sich auch Goethe, der bei dieser Gelegen,
h:it das Riefengebirge besuchen wollte
und eine Abends in Landshut eintraf.
Ein junger luftiger Offizier deS Regi
ment Alt,Pfuhl, welches am Markte
feine Hauptwache hatte, faß mit mehreren
Kameraden in der Wachtftuie bei der
Punschbowle, al von der Thorwache
gemeldet wurde, daß der herzoglich wei?
mansche Eeheimroth Goethe soeben in
LandShut angekommen sei. Der Ofstzier
war nun ein leidenschaftlicher Verehrer
deS Dichters. ES erregte ihn ungemein,
sich mit demselben in einer Stadt zu be
finden, und er hätte ihn gar zu gern ein
mal von Angesicht zu Angesicht gesehen;
allein er durfte seinen Posten nicht ver,
lassen und konnte daher keine Audienz
von dem Dichterfürsten sich erbitten. In
diesem Dilemma fand er indeß einen
Auöweg. ES hieß, daß Goethe noch am
selbigen Abend seine Reise fortsetzen
wolle und nur im Gafthofe abgestiegen
sei, um die Pferde zu wechseln; er mußte
also bald wieder an der Hauptsache vor.
deisayren. Nach kurzer Zeit rasselt in
ter That Z:n Wag.n hci und nun
stürzte unser O sezier, sc- seinen Käme j
raten gefolgt und n ß.cxeZ (la'
Punsch m der einen, in Lich! in der an !
dern Hand, rer di Thür. in.Halt'
donnerte dem Pestillen enigezen, der
ischrockkN oolgr Iti'tete. Dnn trat der
Osstzier an den Schlag und sxrcch. wZh
rend r da mitgebrachte Gellän? hin
reichte, di eben mühsam zusammerge
stoppelten Reime:
.Mein Gre:he, Dich zu seh'n war längst
mein heißer Wunsch,
Nimm rrn de glühenden Terehrei
Hand.
Ist's kein Gelehrier auch ur,d nur ein
Lieutenant,
Zur Labe aus den Weg dies Gläschen
warmen Punsch'.'
Goethe, der zuerst erschrocken war, er
faßt bald di Situation, lach:, nahm
da Ela, trank es auf einen Zug leer
und meint dann, zu dem Lieutenant ge
wendet, er habe zwar noch keine so seit
same Audiei ertheil!, doch freue er sich,
inen schmucken Ofstzier kennen gelernt
zuhaben. .Allein,' so setzte er noch im
Abfahren hinzu, .bleiben Sie künftig
lieber beim Punschbrauen und lassen
Sie da Veisemachen. denn Ihr Punsch
ist bei Wertem Ihren Versen vorzu
ziehen.'
Die patWl in der ekgi,rischkn Sahara.
Die Dattklxalme, in Algier kurzweg
.palmier" genannt, ist der .König der
.Saha-a'. Die Dattel bildet da
Hauptnahrung?, ja da Haux!eristenz
Mittel der Sahara, Bewohner; die Frucht
dient ihnen als Nahrung, das Holz als
Bau- und Brennmaterial. Ohne die
Dattelpalme könnten sie überhaupt gar
nicht leben. Ein arabisches Sprichwort
sagt von ihr: .DaS Haupt im Feuer,
der Fuß im Wasser.' In der That be
dars es zu deren Gedeihen reichlicher Be
Wässerung sowchl al auch der heißen
Wüftensonne. In den Oasen deS Oued
Rirh sind die Dattelpalmen linienmäßig
in den Gärten angepflanzt und diese sind
durch Erdwalle von einander getrennt
Nachtsrege von einigen Graden kann die
Palme chne Schaden aushalten, ebenso
wie e:ne Hitze von 50 Gr. Cels. und
darüber. Die Palme erreicht eine Höhe
von 12 big 10 vietern und trögt nach vier
bis fünf Jahren der Anpflanzung. Die
Palmen von Lagho iat sind schlanker und
ho'zer als di von Tuggrlh, Jeder
saum zahlt eine Steuer, valiirend zwi
schen 25 und 50 Centimes. Verkauft
erden die Datteln geaönllch per Re
gime (Hft) von I,i bis 2 kg. In Oua
Htät sollen die Datteln von Sous den er
ften Rang einnehmen, dann kommen die
von Metlili, einer Ortschaft südlich von
Gardaia, Quargla und Tugznrth, welche
erstere via Laghoua', letzter via BiSkra
nach Europa gelangen. Di BiLkra
Dalttln genießen eines besseren Rufe?
als die von Laghouat. Es sind jedoch
auf dem Markte von Biskra viele Dat
teln, welch: unter dm Namen datre
de Biskra' nach Europa versandt wer
den, die keineswegs aber in BiSkra ge
wachsen sind, sondern gerade die trefflichen
Tafel'Datteln kommen in der Regel auS
ven südlichen aharaOasen.
??ie alt ig die Speisekarte ?
Diese Frage wird im .Gasthaus' be,
antwort wie folgt: Auf einem 1489 zu
Regensburg abgehaltenen Reichstage er
regte Herzog Heinrich von Braunschwcig
Aussehen dadrcö, daß beimSchmauS
.ein langer z?del bei ihm uf der Taf,
liegen that, ven er oftmals besähe'
Graf Hang von Montsort sraqte t
Herzog schließlich, was er so eisrig lese.
.Also lieh ihn der Herzog den zedl
sehen. Darin hat ihm der kuchenmeist,?
alle sen und trachten in der ordnung us,
gezeichnet und kunnt sich demnach dir
Herzog mit finem esen danach richten u,,d
stnen opetilom uf die bestm trachten
sparen . Es wird nicht bestritten, daß
Herzog Heinrich die erste Speisekarte hat
anfertigen lassen, allerdings ohne Bei
gäbe von Wappen und Vignette. Die
Lp.'ifekarte ist also eine Einrichtung,
deren 400jähriges Jubiläum vor vier
Jahren fang? und klanglos an der Nach,
weit r?rbeipassir!e.
Die SärütZkn ?laucher der ?5ckt.
Havanna hat 250,000 Einwohner urd
ihr Verbrauch an Tabak wurde jihklich
auf 25 Millionen Pfund geschätzt. Alles
raucht, MZnner, Frauen und Kinder.
Die Strakeniunaen baben beständig ibre
Cigarre im Munde, selbst die Ammen
rauchen, wahren? sie dem Kinde die Brust
eben. Die avannesen raucben überall
und beständig, in den Salon, im Ge,
richtösaal, im Theater, auf den Bällen,
bei Begräbnissen, zwischen den Gerichten
und im Bett. Die Zahl der Cigarren
läden ist ungeheuer und die Produktion
der Fabriken kolossal. Eine Cigarrctten,
Fabrik liefert durcMcbniltlim drei bis
vier Millionen Cigairetten in einem
Tage. Im Uebrigen ziehen die Havan,
nesen mehr und mehr die selbstgemachten
den mit der Maschine hergestellten vor.
Die letzteren pflegen sie zu öffnen und
frisch zu rollen.
Derschnaxpt.
Schüchterner Freier : .Glauben Sie,
daß Ihre Frau Mama .ja' sagen wird?'
Weiteres Fräulein: .Mama hat bis
herbei jeder meiner Verlobungen .ja'
gesagt!'
Gkiähmt.
.Dein Mann ist jetzt so häuslich und
früher , war er doch der Löwe de: Gesell
schaftl'
.Nicht wahr, ein Wunder meiner
Dressur!'
J'nnier tvf! t'.
Junger Mann (zu einem cndeien
Hm, der am leUrchon feinen Hut in
der Hand häli) : ,ü3aitm Hollen Sie
de:.n ren Hut in der Hand?'
.Ich fpieche ja mit eine, Darre I'
Natzelieaendre Grund,
Erster Herr : Wa, die Tochter de
Millionöl N. verlobt mit dem Drago,
nerlieutenant von Habenichti?'
Zweiter Herr: .Da sir,de ich nun
llerding sehr vatüilich. Die .Fond'
und di ,Z?on's' gehö,ea ixn eiernd zu
sammen."
Gr?.ichtnitzkl,nsl.
.Ich bzbe mich erkundigt, die beiden
Liieren Damen wohnen No. 14, die bei
den reizenden jungen Mädchen No. 22.'
.Famv! LeiZit zu muUn : Zwei
leben und zwei Eisen I'
vhasl.
Herr (rn wem Bauern, der einen
Esel plügelt) : .Sie, ich werde Sie den
Thierschutzverein anzeigen, man darf
auch einen Esel nicht mißhandeln!'
Bauer: .Bits um Entschulrigung,
wenn ich Sie gelrossen habe.'
vvllcrei.
Köchin: .GnSvig Frau, di Wasch
srau tobt im Waschhaus rr'e eine Wilde,
weil sie blos ein Ei zum Flühstück be
kommen hat. Sie wate kein Canarien,
vogel sagte sie.'
Frau Rath : Geben Sie der nimmer
satten Person noch ein. Platzt se, so
platzt sei'
Großer Zortschr.it.
Tante: .Nun Eise, 'laß mal hören,
was Du schon französisch gelernt hast.
Rus' einmal die Gouvernant auf fran
zöflsch : sie soll herkommen I'
Elfe: .Pft!'
Besorgniß.
Junger Dichter (vor feinem Geburts,
hause stehen bleibend): .Jammerschade,
daß daS Gebäude so sehr mit Firmen
schildern bedeckt ist!'
Freund : .Wekhalb schade?'
.Weil ich nicht mal einen Platz she,
0 nach meinem Tode eine Tafel ange
bracht werden könnte I'
Zu gksährlicb.
Ehemann : .Du bist doch nicht bö?,
Schatz, wenn ich heute ausnahmsweise
'mal ein wenig ausgehe?'
Frau : .O, gewiß nicht, ich hole mir
dann zur Unteihaltung die neuen Mode,
journale herüber, die unsere Nachbarin
heute bekommen hat!'
Ehemann : ,Hm, weißt Du ich
werde doch lieber hier bleiben!'
Starfe Phantast.
Zwei Sonnenbrüder flehen vor den
Delikatessen de Borchardt'schen Schau,
senfterS. .Du, Lude,' sagte der Em,
.hier möcht' ich wieder mal essen!'
.Hast Du denn schon bei Borchardtem
mal gegessen?'
.Nee, det jrade nich, aber ick habe
schon 'mal g e m ö ch t !'
Verschiedenheit des Geschmacks.
Thieifreund: .Die Katze hat Hunger,
gebt ihr etwas zu essen.'
Schuljunge: ,N:e, Herr, bet hib'
ick ooch jedacht, aber det iS nich'. Wir
haben ihr schon 'n janzen Appel angebo,
ten, sie schnuppert dran herum, aber sres
sen duht se nich'.'
Ein gntcr Aerl.
A (einen Voruvergehenden für einen
Lekaniten hallend): .He, Maver, alter
Junge, wir haben uns j, schon ein Men
schenalicr nicht gesehen da müssen wir
gleich eine Flasche miteinander aus
stechen!'
B: .Sie en!schuldizen, ich bin zwar
nicht eer Mauer aber auf eine Fla
sche Wein gehe ich schon mit!' -
Vom Katheder.
Professor (nach langer Erklärung
eine anatomischen Beweise?): .Sie ver
stehen da doch, meire Herren?'
(Einstimmiges ,Ne!nl')
Professor : .Nun, dann können wir
ja weiterfahren I'
Zarter w,k.
Dichterling: .Welchen Titel rathen
Sie mir für meine neuesten Gedichte?'
Redakteur: .Nennen Sie sie .Letzte
Lieder'!'
yöflich.
Richter: .Ihre Un,chuld hat sich her,
ausgestellt Sie sind freigesprochen!'
Angeklagter: .Es thut mir herzlich
leid, meine Herren, daß ich Sie um
sonst bemüht habe!'
Beruhigend.
Kokette: ...Wenn ich in Ihren
Jahren wäre, Herr Major, würde ich
doch etwas vorsichtiger mit der Gesund
heit umgehen!'
Major: .Ja, danken Sie Gott, daß
Sie aus den Jahren schon herau
sind!'
Vorschlag zur Güte.
Herr: .Wenn Sie sich nicht äugen
blicklich entfernen, sz rufe ch einen
Dtenstmann und lasse Sie hinauswer,
sen 1"
Haustrer : .Geben Sie mir die Hälft'
von dem, wag der Dienstmann kost' und
ich g,h' selbst!' 1 '
Lrauenlogik.
Mann: .Ader, liebe Weibchen, wo
denkst Du bin iin ist w.
1- - 7 vua
sechste Kleid in vier Wochen 1
,rau : .Aber, da m,it hr. ijw 1
n. r hi nuyio 1
Je mehr Kleld.r ich habe, desto mehr
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