Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, February 01, 1894, Image 11

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    Aus dunkler Tiefe.
t,n ?k,lrag IHM ei bc llimr.t'.lichw.
Bon Cnaib !'eign.
Dn SanilSlra!h Hartmeg jw allge
mt in als (in Freidenker bekannt.
Wer ihn an dem mannen Apriltage
auf dem schatkigen Balkon seiner Hoch
xarterreaohaung hätte sehe können, wie
er da nachdenklich mit seinen klaren Au
gen über die unten liegend Stadt hin
weg zu den jenseitigen Hügeln hinüber
"blickt, wer diese offene, kluge Gesicht
mit dem grauen Backenbart, den durch
sichtigen Augen, den ernsten Zügen sor
schend hätte beobachten können, der hätte
sicherlich dem Urtheile der Welt beige,
pflichtet. Der alte Herr besah sicherlich
ineo klaren Kopf, ein unbefangene
Herz. Da Verftavdeleben war so stark
in ihm entwickelt, daß er sicherlich nie
mal einer Phantasie, einer Selbfltäu
schung zum Opfer siel.
Und gerade ihn, den ruhigen Denker,
bewegte um so lebhafter auch heute wie
der die Erinnerung an ein unerklärliche
Erlebniß.
Ihm gegenüber saß ein Gast. C
war der einstige Verlobte seiner verflor
denen Tochter Edith.
E war gerade ein Jahr heute, daß der
Tod ihr junge Menschenleben knickte.
Schweigend saßen die Männer einander
gegcnber und gedachten der Todten.
Räch langer Stille brach der Jüngere
da Schweigen:
Erzähle mir noch einmal von ihrer
letzten Stunde, Vater, ich kann e
nicht oft genug hören, ich muß immer
und immer wieder au deinem Munde
die Bestätigung hören, daß e wirklich so
war.-
Der alte Herr richiete den klaren Blick
durch den goldenen Zwicker auf seinen
jungen Freund. Dann schüttelte er den
grauen Kopf und sagte ernst:
.Wozu da? du bist ein junger Mann.
Reiße deine Gedanken von dem Trauri
gen lo, und da Unerklärliche, da da,
mit verknüpft ist, sollte dich nicht mehr
beschäftigen '
.Du weißt, daß ich nicht vergessen
kann!'
.Aber du hast bei deiner Jugend da
Recht, dir ein andere Glück zu suchen
und da alte, da dir, entrissen wurde, zu
vergessen.
.Ich kann S nicht vergessen. '
.Verschmerzen wirft du' sicherlich,
mein Junge, ich bin zu alt, für mich
giebt' keine Hoffnung und seine Freude
mehr.-
Der Jüngere schmie, eine Weile.
Dann sagte er:
.Ich bitte dich noch einmal, erzähle
mir von ihren letzte Stunden, in denen
ich. Gott fei' geklagt, nicht an ihrer
Seite sein konnte."
Der alte Herr sah grübelnd über die D8
eher und die Thürme der weiten sonnigen
Stadt hinweg. Ja den Gärten blühten
in schimmernder Pracht die Obftbäume.
Drüben an den Hügelhingen zeigte sich
noch die frische braune Erde der eben erst
erwachenden Weinberge, und da junge
Grün de Laubwaldes blickte vom Berg
kämm auf die beiden Männer herüber,
dort überall Frühlings freude hier die
Schatten einsamer Trauer.
.Die Stadt breitet sich so schön, so
sonnig vor UN au. Und so sonnenhell
war Alle damals um uns her. Auf
diesem Balkon haben wir Vier oft mit
kinüiider gesessen, du, teme Braut und
ihre Herzensfreundin, und ich, und haben
goldene Luftschlösser gebaut und uns der
herrlichen Gegenwart und der herrlichen
Zukunft mit hoffnungsvoller Begeifte
rung gefreut.
.Hatten wir nicht da Recht dazu?
Wo gab e ein entzückendere Mädchen
paar, al diese beide Freundinnen?
Waren nicht Edith und Klara die
schönsten Mädchen der ganzen Stadt?
Wurden sie nicht gefeiert im Ballsaal.
bewundert, wo sie sich nur sehen ließen?
Und du. ein kraftvoller, schönheitödursti
ger Mann, du, der du vor Allen fähig
warst, mein einzige Kind dem Glück
entgegenzuführen 1 Wahrlich, wir
waren froh, wir waren zu froh, zu über
wüthig!
.Weißt du noch, wie wir, die Edith,
du und ich, unsere Freundin Klara zum
Bahnhof geleiteten? ES war ein Tag
im ersten Frühling? Der Sonnenschein
floß un warm bis in'S innerste Herz!'
.Wie dann da herzige Mädchen von
un, von der Edith Abschied nahm, so
fröhlich und leichten SinneS! Man
würde ja in wenigen Wochen wieder bei
sammen sein, dann würden wir Eure
Hochzeit feiern, dich und Edith, das
glückstrunkene Brautpaar, würden wir
für immer miteinander verbinden!
,WaS wurden für Pläne und Hoff
nungen laut! Und wie die lieben Mäd
chen dann mit einander tuschelten, so
lieb, so herzig ! Meine Edith ward über
und über roth bei den leisen Neckereien.
' .Alle sah sich nach den beiden reizen
den, lichten Gestalten um, Jedermann
betrachtete sie mit Wohlgefallen, und ich
Graukopf stand dabei, stolz auf mein
unerschütterliches Glück.
' .Und schon wenige Tage nach Klara'S
Abreise wurde unser sonnige Mädchen
auf Krankenlager geworfen, daS Ner
venfiebtr erschütterte ihren zarten Körper
bis in Innerste.
' .So legt der Frost der Nacht seinen
Reif auf die sonnendurflige Blume, daß
sie da Köpfchen matt zum Tode senkt,
daß sie welkt und klaglos stirbt, noch ehe
die warme Morgensonne ihr den retten,
den Strahl in den Kelch tauchen kann.
,O meine Edith I
.ES war Nacht. Ich saß allein am
Lager meines Kinde, an seinem Sterbe
lag. ES brannte da trübe Nacht
lämpchen , auf dem Tisch. Der Licht
schirm warf seinen Dämmerschltten aus
da blaffe, süße Gefichlchen. Vorüber
waren die furchtbaren Phantast,
vorüber daS entsetzliche Ringen de
siebeinden Körper! mit dem heran
schleichenden Tode. Mait und ruhig,
todeSmatt lag sie da, mit geschlossenen
Augen, ohne Regung. Ich beugte mich
vor. Ich lauschie mit Todesangst auf
ihren Athemzug, leise, ganz leise hob
sich noch die Brust, immer leiser, e
ging zu End.
.Ich hörte e draußen in der stillen
Stadt Mitternacht schlagen. Und dann
verstummten die Glocken. Ich lauschte
der Tod ging leise durch da
Zimmer.
.Da kam da Unfaßbare ich starrte
thr wie gebannt in Gesicht. Sie -die
ich für todt hielt, die noch eben still und
entseelt in den weihen Kiffen lag - sie er
wacht-sie richtet sich plötzlich aus -sie
öffnet noch einmal den Blick und schaut
mit überirdisch glänzenden Augen gerade
auk wie in weite Ferne die tobe
blassen Lippen bewegen sich noch einmal
.Rufst Du mich?' spricht sie laut und
deutlich mit der Stimme, die einst mein
Entzücken war, die ich mit Grauen noch
einmal wie au dem Grabe herauf klin
!tn höre und dann horcht sie und
auscht und schaut wieder mit dem
glänzenden Blick in Leere und er
schauert leise und spricht traurig, so
daß mir keine Silbe verloren geht, daß
sich mir Wort für Wort tief in Gedächt
niß gräbt: .Warum bist Du so blutig
arme Herz?" Und alöbald legt sich
ein Schimmer der Freude über ihr Ge
sicht. .Ich komme!' haucht sie mit
einem verklärten Lächeln und dann sinkt
sie zurück in die Kissen, die Lippen,
die Augen schließen sich schließen sich
für immerl
.E n Grauen beschlich mich vor dem
Räihselhaften, und die Begier, die
Ursache diese letzten Aufflackern der
schon erloschenen LebevSflamme zu er
fahren.
.Ich zog die Uhr. Ich habe mir dann
die Stunde genau aufgeschrieben, eS war
zehn Minuten nach Mitternacht.
.Du weißt, daß schon am nächsten
Tage jene Unglückskunde von dem Gute
eintraf, wo Klärchen zum Besuche weilte,
.Sie war mit ihrem Onkel und ihrem
Vetter spazieren geritten. Wie wird sie
bei dem Ritt gelacht, gescherzt, gejauchzt
haben in ihrer fieudelustigen Lebenslust!
Ein glückliche, schöne, begehren
the Mädchen!
Da scheut ihr Pferd vor irgend etwa
Beunruhigendem. Sie ist eine kecke,
sichere Reiterin. Sie nimmt die Zügel
fester. Aber sie vermag da feurige Thier
nicht zu bändigen, und ehe och einer der
Begleiter helfen kann, geht e durch in
totler Flucht. Man jagt hinterdrein.
Da kommt da Unheil, Klärchen wankt
im Sattel, sie stürzt herab, sie bleibt mit
dem Fuß am Steigbügel hängen, sie wird
schrecklich geschleift. Al man sie endlich
erreicht, ist sie freilich befreit von dem
Steigbügel, aber aus' Grausigste zuge
richtet, in einer Blutlache liegt sie zur
Seile der Waldstraße im Grase, ohn
mächtig, ein Bild de Jammer, da
schöne, blähende Mädchen in wenigen
Minuten entstellt, verwüstet, und zum
Tode verwundet.
Da geschah an demselben Tage, an
dem mein Kind, von der furchtbaren Ner
venkrankheit gebrochen, feinem Ende ent
gegenging.
Man hat dann da unglückliche
Klärchen auf da Gut geschafft. Dort
ist e bald au dem Leben geschieden, kurz
nach Mitternacht; gestorben in derselben
Viertelstunde mit meiner Edith, sein
letzter Athemzug verhaucht fast in dem
selben Augenblick, al meinem Kinde der
letzte Seufzer entfloh.
.Ist e nicht, als wäre da vom Fieber
überreizte Hirn des Menschen in dem
Augenblick, wo eS seine geheimnißoolle
Thätigkeit für immer einstellen soll, sähig,
die Schranken des Raumes zu durch
brechen, nicht nur zu ahnen, sondern zu
sehen und zu wissen, was in weiter Ferne
Schmerzliche? geschieht? AIS ob sich zwi
schen den beiden Seelen, die im Leben so
innig verknüpft waren, im Hauch des
Todes trotz räumlicher Trennung ein ge
heimnißvoller Verkehr angesponnen hätte?
AIS ob sie noch einmal Gedanken der
Liebe, des Mitleids, der Freude mit ein.
ander gewechselt hätten?
.Wie erbärmlich erscheint mir meine
ganze Wissenschaft, wenn ich über dieseS
Seelengeheimniß grüble und den Schleier
nicht zu lüften vermag, der mir wehrt,
die Vorgänge in der dunklen Tiefe der
Menschenseele zu erspähen, ihren Kröf
ten, ihren Fähigkeiten nachzuspüren. Wie
traurig, wie bedrückend ist eS mir, daß
ich für die letzten Augenblicke meine
Kindes bar alles Verständnisse bin.
,?m zweiten Tag darauf traf der
Sarg mit Klärchen Leiche ein.
.Wir standen an Edith Sarge, Hand
in Hand. Die Kerzen flammten. E
duftete um uni her von Todtenkränzen.
Eine erdrückende Blumenfülle war in
dem flerverhüllten Zimmer um den Sarg
aufgethürmt.
.E war ein bange Stille im Haufe.
.Wir rangen wortlos mit unserm
Schmerz.
.Wie lag sie da, so sein, so blaß, in
den weißen Kissen. Wenn ich daran
denke, droht mich der Schmerz zu über
mannen. DaS Wehe zerreißt mir da
Hkrz. Ich. der ich in meinem Beruf
da Entsetzlichste schon gesehen und er
lebt habe, der ich bei meiner Thätigkeit
hart und gefühllos geworden bin, ich
möchte weinen wie in Kind, wenn mir
jenes Bild vor di Seele tritt, so fein,
so blaß im Schmuck des Todes.
,O Edith, Edith!'
.Sie wurden beide an dem nämlichen
Tag miteinander bestattet.
,E war ein Leichenzug, wie ich ihn
nie gesehen habe. Die ganze Stadt
schien zu trauern um da bejammern,
werthe Geschick, da so jäh über die
beiden Menschenblumen hereingebrochen
war.
.Fast die ganze Stadt erwie ihnen die
letzten Ehren.
, Selbst der Fernstehende war erschüt
tert von dem tragischen Ende, erschüttert
von dem furchtbaren Wirken de Zufall,
der zwei fest verbundene Menschevherzen
im gleichen Augenblick zum Stillstehen
brachte.
.Ein Toppelgrab schließt sich nun
über den Entschlafenen. Der Tod hat
sie räumlich sür immer vereint.
.Wir legen Blumen auf da Grab.
.Wir klagen nicht aber wir er
mögen nicht zu vergessen.
.Wir treten immer und immer wie
der an den Grabhügel und sinnen
trauernd nach über die Räthsel de
Tode .'
E trat wieder tiefe Schweigen ein.
Der FrühlingSwind strich durch den
Balkon und trug den Duft der blühen
den Bäume herein.
Da Haupt in die Hand stützend, hatte
der junge Mann gelauscht.
Tief ausathmend erhob er sich nun
und reckte sich auf, al wollte er sich
mannhast aufrichten unter der Last de
Leide.
.Ich danke Dir, Bater,' sprach er
ernst.
Dann streckte sich seine Rechte dem
alten Herrn entgegen, und die beiden
Männer sahen sich unter langem, festen
Händedruck mit einem Blick trauernder
Liebe in die Augen.
Di Stt II Mörderin.
Die überraschenden Resultate, welche
der bekannt Naturforscher Raoul Picket
dadurch erhielt, daß er komprimkte Gas
zur Erzugung srhr niedriger Tempera
tuten benützte und mit Hilfe der künstlich
erzeugten großen Kälte wiederum die
Kondensation aller bisher für permanent
gehaltenen Gase erzielte und auf diese
Weise Luft, Sauerstoff und Stickstoff
nicht allein flüssig, sondern sogar im
festen Zustande herstellte, lassen die Hoff
nung gerechtfertigt erscheinen, daß eS dem
berühmten Phvftker auch noch gelingen
wird, den theoretisch ermittelten, söge
nannten absoluten Nullpunkt, d. h. eine
Kälte von 273 Grab zu erzeugen, unter
welcher chemische Einwirkungen der Kör
per auf einander nicht mehr statt sinken
sollen, eine Behauptung, welche daS
Resultat wissenschaftlich theoretischer
Bettachtungen ist und deren experimen
teile Bestätigung einen Triumph der
modernen Naturwissenschaft darstellen
würde.
Wie sich Pictei fortwährend begreif,
licherweise mit derartigen Versuchen be
schästigt, hat er neuerding auch das
Verhalten organischer Wesen bei sehr
niedrigen Temperaturen ftudirt und in
einem kürzlich zu Lausanne gehaltenen
Vortrage seine Resultate mitgetheilt.
Wie immer bei solchen Versuchen, mußte
auch hier ein Hund al Versuchsobjekt
dienen, der in einem Gefäß der enormen
Kälte von 90 Celsius ausgesetzt
wurde.
! Zehn Minuten lang sah man da arme
Thier im schrecklichsten Kau pf mit der
enormen Kälte, indem e instinktmäßig
feine ganze Kraft anwandte, um durch
Bewegungen aller Art die zur Erhaltung
des Lebens nöthige Wärme zu erzeuge.
Zuerst starben di Beine ab, mährend der
Rumpf noch ziemlich eine Stunde lebte,
bis durch den Kreislauf des Blute der
Wärmeoerluft im ganzen Körper so groß
wurde, daß der Tod eintrat. Trotz der
schrecklichen Kälte betrug die Tempera
tur'Erniedrigung de Körper bei ringe
rretenem Tode nicht mehr wie einen
Grad eine Bestätigung der bekannten
Thatsache, daß eine Verminderung der
Körperwärme um nur einen Grad schon
den Tod zur Folge hat.
Pictet hatte die Kühnheit, seinen eige,
nen rechten Arm in entblößtem Zustande
dieser Kälte auszusetzen, nach drei Minu
ten empfand er einen heftigen Schmer;
in der Knochenhaut, während sich ein in
tenflocr brennender Schmerz nach Ent.
fernung de Armes aus dem kalten Raume
bemerkbar machte, daher rührend, daß der
gestörte Blutlauf plötzlich feine Thätig
keit wieder begann.
Fisch ertragen nach Pictet sehr niedrige
Temperaturen. Er ließ sie bei 1 5
Grad einsrieren, so daß einige wie Stahl
in Stücke geschlagen werden konnten;
'andere, die derselben Temperatur auöge
setzt waren und nachher allmählich wieder
durch Aufthauen aus ihrer Hülle befreit
wurden, ließen keine Schädigung ihre
Wohlsein erkennen.
Frösche und Kröten hielten eine solche
Behandlung noch bei L8 Grad aus,
mährend bei 35 Grad stets der Tod
intrat, ebenso verhielten sich Schlangen,
während Tausendsüße noch bei 50
Grad lebten; die .größte Unoerfroren,
heit' zeigten jedoch Gehäuseschnecken,
welche erst eine Kälte von 120 Grad
tödtet.
elbstoerftSndlich wurden such die Mi,
Koben, die heut ja eine so groß Rolle
spielen, nicht unbehelligt gelassen, doch
trotzten sie der niedrigsten von Pictet er,
reichten Temperatur, da sie in gefrorenem
Sauerstoff längere Zeit eingeschlossen
eS gehört eine Kälte von 213 Grad
dazu, um dieses GaS in gefrorenem, eis
ähnlichen festem Zustand zu erhalten
nach feiner Ueberführung in den gaSför
migen Zustand sich noch als lebend und
vermehrungsfähig erwiesen.
Hochitgebräue dei de Viata.
delen.
Die in letzter Zeit vielfach genannten
Matabelen zeigen sich in den Kämpfen,
die sie unter ihrem König Lobengula
gegen England führen so wild und krie
gerisch, daß man die sanften und fried
lichen Gefühle der Liebe kaum in der
Stärke bei ihnen suchen möchte, in der sie
wirklich vorkommen. König Lobengula
hat 84 Frauen und auch bei seinen Unter
gebenen besteht die Vielweiberei. Bewirbt
sich ein Matcbelt um ein junge Mäd
chen, so schlachiet er ein Rind oder Schaf,
begiebt sich mit dem Fleisch vor die Hütte
seiner Erkorenen und ruft: .Hier ist
Speise für Euer Kind!' Die jungen
Leute aus dem Dorfe treiben den Bewer
der schleunigst zu seiner Hütte zurück und
theilen das Fleisch unter sich, da jener
zurückgelassen hat. Wird nun die Wer
bung angenommen, so begiebt sich die
Braut mit ihren Gespielinnen vor die
Hütte de Bräutigams, und gewöhnlich
giebt ihr Vater ihr ein oder mehrere
Stück Rindvieh, entsprechend der Größe
seine Vermögens, mit auf den Weg.
Vor der Hütte angekommen, reicht die
Braut dem Bräutigam etwa von dem
Dung de Viehe, da sie mitgebracht
hat, und der Bräutigam wäscht sich damit
die Hände. Außerdem hat die Braut
eine Flasche mit Wasser mitgebracht; da
Wasser gießt sie über den Kopf de Bräu
tigam au, die Flasche stellt sie vor seine
Hütte und zerschmettert sie mit einem
gußftoß ; die Zerschmetterung gilt al
Siegel der Vermählung, etwa wie bei
un da Wechseln der Ringe. Eigen
thümlich ist, daß die Matabele dem
Schwiegervater kein Kausgcld für feine
Tochter zahlen, wa sonst im Innern
Afrika allgemein vorkommt. Ist da,
gegen dem jungen Ehemann ein Kind ge
boren, so gehört die dem Vater der Frau,
und der Vater muß sein Kind von dem
Schwiegervater durch eine seinem Ver
mögen angemessene Zahl von Rindern
zurückkaufen. Bleibt die Ehe kinderlos,
so hat der Ehemann das Recht, die
Schwester seiner Frau zu heirathen.
Wenn einem Matabele seine Frau nicht
mehr gefällt, so hat er da Recht, sie
ohne Weitere zn entlassen, sie kann in
di Hülle ihre VaterS zurückkehren, darf
aber auch eben so gut in die Hütte irgend
eine anderen Matabele gehen, der nun
ihr Ehemann ist.
Eine Mumie.
Die schönste, oder am wenigsten häß
liche Mumie, welche bis jetzt an' Tages,
licht befördert worden, und welche seit
über 100 Jahren vollständig in Berges,
senheit gerathen war, ist kürzlich in der
St. Fides'Kirche in Schletlftadt, im El,
saß, aufgefunden worden. Die Kirche
wurde im elften Jahrhundert von den
Hohenstaufen erbaut. Die Crvpta war
als Beisetzungsort sür die Mitglieder de
königlichen HauseS bestimmt. Im zwölf
ten Jahrhundert brach eine Pest in der
Siadt aus, worauf die Crvpta vermauert
wurde. Im Anfange diese Jahrhun
dertS machte man eine Oeffnung, gerade
groß genug, um einem Menschen Einlaß
in da Gewölbe zu gewähren, doch blie
den damals die Nachforschungen erfolg,
los. In neuester Zeit jedoch haben sich
hervorragend Archäologen daran ge
macht, auf' neue zu untersuchen und da
Resultat war, daß sie die schönste Mumie
entdeckten, welch je aufgefunden worden
ist. Die Art und Weise der Einsargung
läßt darauf schließen, daß die Mumie
eine Frau au edlem Geschlecht gewesen,
welche von der Pest dahin gerafft worden.
Leider konnte nur der vordere Theil de
Kopfe und der Brust au der Um,
gvpsung, in gutem Zustand losgelöst
werden.
Der übrige Körper zerbrach in viele
Stücke und konnte nicht wieder zufam
mengesetzt werden. Das Gesicht gehörte
offenbar einer Frau ovn etwa 35 Jahren
an, deren Züge fchön .und edel gewesen
sein müssen. DaS Haar am Hivlerkopfe
war aufgesteckt. Gekleidet war dr Kör
per allem Anschein nach in ein seine,
leinenes Gewand und einer gestrickten
Jacke. Ueber diesen Unterkleidern waren
noch die schweren Falten eine kostbaren
Mantel erkenntlich. Diejenigen, welche
den Körper berachteten, al er anS Licht
besördert würd, behaupten, daß er den
Eindruck einer Erscheinung au der an
dern Welt auf sie gemacht.
Man glaubt, daß man es hirr mit
dem Körper der Prinzessin Hildegard,
der Tochter der Herzogin Adelheid von
Schwaben, zu thun habe, nämlich der
Urgroßmutter des Kaisers Barbarossa,
von dem die Legende rzählt, daß er im
Kvffhäufer schläft. Prinzessin Hilde
gard starb in Echlettftadt zu Anfang des
12. Jahrhunderts, nachdem sie ihre Mut
ter währknd der Pest verpflegt hatte.
Dt Macht der chmichlt.
Der Vater des großen Schauspielers
Unzelmann war Schweinefchlächter ge,
wesen. Er war überaus stolz auf seinen
Sohn, der Mime gkworden, und wenn er
ein Lob über seines Sohne Talent hörte,
zerfloß er sast vor Rührung, Freude und
Glück. Einst trat eine alle Frau in sei.
nen Laden. .Bitte, Herr Unzelmann.
geben Sie mir doch ein halbe Viertel
Leberwurft." UnzelmannBater holt die
Wurst vom Haktn und will davon ab,
schnkidtn. Wissen Sie auch, lieber
Meister, daß ich gestern Ihren Sohn
habe Komödie spielen sehen? Meiner
Seel', er spielt ganz hübsch, und ich hätte
ihm .So, so? Sie haben meinen
Jungen spielen sehen?' (Das Messer
rückt einen Zoll .über' das halbe Vir
tel.) .Natürlich I Ach, uvdwikhimm
lisch er aussah! Die hohe Figur, und der
weiße Federhut und die breite Spitzen,
krause na, und diese edle Sprache,
die freien, noblen Bewegungen, so mit
Schwung!' (Das Messer rückt drei
Zoll weiter an der Wurst.) Unzelmann.
Bater lächelt beseligt vor sich hin: Hm!
Hm! Na ja! Er ist ein recht tüchtiger
Mensch und kann wag Die Frau
hat da Rücken des Messer wohl bemerkt
und schwärmt weiter: .Und gespielt hat
er, nein, ich kann Ihnen gar nicht sagen
wie alle Anderen in Grund und Bo
den!' .Nicht wahr? Da sagte ich ja
auch immer, gespielt hat er ' (Er rückt
eine Handbreit weiier an der Wurst.)
Die Frau: ,Na ob! Solchen Augdruck in
der Stimme, und dieses Talent; über
Haupt habe ich noch keinen zweiten Schau,
fpteler gesehen, der ihm gleichkäme.'
Messer macht Riesenschritte, und die Frau
fährt in ihrem Lobe fort: .Wissen Sie
Herr Meister, daS ist 'mal sicher: Ihr
ohn muß mal an'S Hoflheater kommen
und wird dort Alle übeiflügeln o, er
ist ein Genie!' Unzelmann Dater
preßt die Wurst an'S Herz und sagt:
.Mein Sohn ein Genie! Da, hier
haben Sit die ganze Wurst, liebe Frau
Mehr will die Alle nicht ur,d
trollt sich endlich.
Berliner igerl im Miltelaltex.
Die Einfachheit der Berliner unserer
Tage ist zwar keineswegs auffallend,
aber doch gegen den Lurus und die Vr
schmendung, welch der Reichthum deS
MittelalterS in der damaligen Haupt
ftadt Brandenburgs zur Schau trug,
hervorragend bemerkbar. Namentlich
waren die Kleider über alle Maßen
prächtig, und wenn heutzutage Sammet
und Seide, Pelzwerk und goldener
Schmuck immerhin noch als Ausnahme
von der Regel gelten, so war da früher
etwa ganz Gewöhnliche. Gehörten
doch beispielsweise unter der Regierung
Joachim'S II. zu den großen Pluder
hosen oft mehr als 60 Ellen der kost
barsten Stoffe ! Freilich artete die Ver
schwendung oft so sehr auö, daß von den
Kanzeln dagegen geeifert wurde und der
Hofprediger MuSculus sich veranlaßt
sah, gegen die Pluderhosen feine be
rühmte Abhandlung über den .Hosen
teufel' loszulassen. Auch der Kurfürst
selbst gab seinen Unwillen über den
LuruS in höchst origineller Weise zu er
kennen. So ließ er mehrere Söhne an
gesehener Handelsleute, welche, um sich
mit ihren prächtigen Pluderhosen recht
bemerkbar zu machen, Musikanten vor
sich her siedeln liehen, auf offener Straße
ergreifen und in das vergitterte Narren
häuölein sperren. Hier saßen sie volle
24 Stunden, dem Spotte de PöbklS
preisgegeben, wahrend die Musikanten
ununterbrochen spielen mußten. Einem
Anderen ließ er vor der ehemaligen
Dominikanerkirche auf dem Schloßplatz
die Hosenträger durchschneiden, so daß
die Hosen ihm vom Leibe sielen. DaS
Gigerl erregte durch sein jämmerliches
Aussehen natürlich die größte Heiterkeit.
Npoteon' Aernroyr.
Napoleon ehrte Künstler und Männer
der Wissenschaft. AIS er sich im Jahre
1809 in Bavnn aushielt, hörte r auch
von der Berühmtheit deS um die Optik
so hoch verdienten Fraunhofer und ließ
ihn zu sich laden. Derselbe, ein Mann
von innehmender Persönlichkeit und
gutem Rednertalent, erschien in ganz
einfacher Kleidung vor dem Kaiser, der
auch in ihm gleich seinen Mann erkannte.
Napoleon begrüßte ihn: .Sind Sie es,
mein Herr, von dem die so trkfflich ge
fertigten Fernröhre herrühren, welche
durch ihre Klarheit einen europäischen
Ruf erlangt haben?' Fraunhofer sah
in dieser Frage die Hochachtung und zu
gleich den Wunsch des Kaiser ausge
drückt, ein derartiges Fernrohr zu besitzen.
Er überreichte ihm später eine mit der
Aufschrift: .Fraunhofer dem Kaiser Ns,
poleon.' Napoleon, erfreut über die
Vortrefflichkeit deS Instrumente, schenkte
als Zeichen seiner Anerkennung dem ver
dienftoollen Manne eine goldene Dose
und 800 Naxoleond'orS, welche letzteren
Fraunhofer jedoch mit den Worten auS,
schlug: .E ist mein größter Lohn, wenn
Ew. Majestät besagtes Fernrohr als ein
Andenken betrachten und mit Glück und
Klarheit benutzen wollen!' Bei dem
Brande von Moskau im Jahre 1812 erst
büßte Napoleon daS Fraunhofer'sche In
ftrument ein, und er soll AlleS zur Wie
dererlangung desselben aufgeboten haben,
allein vergebens. Der Kaiser, dem von
dieser Zeit ab der Stern des Glück ge
wichen, soll sich mehrmals der Worte
Fraunhofer' erinnert haben. Und in
der That war mit dem Verluste jenes
Fernrohr auch Glück und Klarheit von
Napoleon gewichen.
Bom attenspiel.
Manchem Kartensxieler ist e vielleicht
schon aufgefallen, daß ein Spiel gerade
aus 52 Blättern besteht. Warum hat
man nicht eine runde Zahl gewählt, etwa
40 oder 60? Die 52 Blätter, die 13
jeder Farbe, scheint willkürlich gewählt.
Aufschluß darüber giebt Dr. H. Schröder
in seinem Buche: .Der Bilderschmuck der
deutschen Sprache', Seite 343. Die
52 Kartenblätter bilden die Zahl der
Wochen eines JahreS ab. D3 Jahr hat
vier Jahreszeiten, daher die (wir man
sagt) vier Farben (eigentlich nur zwei
Farben mit je zwei verschiedenen Bil,
dern). Jede Jahreszeit hat 13 Wochen,
daher die 13 Blätter jeder Farbe. Die
einzelnen Blätter tragen die Zahlen von
1 bis 10. und dann die Bilder, Bube,
Dame. König. Gibt man diesen Bil,
dern die folgenden Zahlen, also 11, 12,
13, und addirt die sämmtlichen Zahlen
einer Farbe zufamnikn, so ergibt daS die
Summe 91. Das ist die Zahl der Tage
eines Vierteljahres. Folglich ergeben
die vier Farben oder die vier JahreSzei
ten die Summe von 364 Tagen, also
soweit eS bei der Verkeilung möglich ist
fast genau die Zahl der Tage des
ganzen Jahres. So löst sich die anfchei
nend sonderbare Wahl der Zahlen in
einem guten Sinne auf.
Eine edurtstagefreude.
Eine heitere Scene spielte sich dieser
Tage in einer Kölner Kegelgesellschast
ab. Einem verdienten Mitglied?, dem
Inhaber emeS großen Her, enkonsekiionS
gejchäske, wurde anläßlich seine Ge
burtSlage ein prachtvoller Schlafrock
überreicht. Gerne enlsprach da Ge
bmtStagSklnd dem Wunsche seiner Kegel,
brüder, daS neue Gewand anzuziehen.
AI der Beschenkte sich in seiner neuen
Bekleidung so recht wohlig fühlte, fand
er plötzlich ein Papier in einer Tasche; e
war die unquiktirte Rechnung über den
Schlafrock, ausgestellt von seinem eigene
Buchhalter.
.Watt!' sagt er, .dl Rock e u
mingem eigene Geschäft?'
.Jo, geweß !' war die Antwort,
.mein do dann, mer wollten Dir jelt
schenke, mer wollten Dir blo en Freud
maache.'
Eine mächtige Bowle folgte dem ge
lungenen Scherz.
veränderte Situation.
.Ihr Portrait, Herr Bankier, werd
ich in einigen Tagen fertig haben!'
.Werfen Se'S weg und machen S '
neu'S! Ich bin heute geworden Baron l'
höchste Eifersucht.
.Haben Sie schon so etwa von Eifer,
sucht gehört? Der Romanschriftsteller
Tajetti hat sich derart in die Heldin sei,
nc letzten Roman verliebt, daß er
sich 's Leben genommen weil der Held
sie kriegte !'
Boshaft.
.Ihr Kasstrer ist Ihnen durchge
brannt, wie ich höre; hat er ma miige
nommen?'
.Gewiß hat er etwa mitgenommen,
meine Frau hat er mitgenommen I'
.Nicht doch! Ich meine, etwa von
Werth?'
Abschreckend.
Seine Mutter: ,Wa bringt Dich
denn aus den Gedanken, daß Deine
Braut Dich zu entmuthigen wünscht?'
.Sie sagte mir, daß sie ein Zwilling,
daß ihre Mutter ein Zwilling und auch
die Großmutter ein Zwilling gewesen
sei.'
Dachk?asenbraten.
Gast: .E giebt wohl heute Hasen,
braten, Herr Wirth?'
Wirth: .Allerdings; haben Sie'S schon
gerochen?'
Gast: .Nein, daS gerade nicht aber
Sie sehen so zerkratzt aus.'
, Da kann er recht haben.
Sie .Aber Eduard, heut am Begrab,
nißtage der alten Tante wirst Du doch
nicht in das Weinhaus gehen?'
Er: .Warum nicht? Ich finde, da
mkint sich'S am schönst!'
Naiver Vorschlag.
Richt: ,Si sind zu drei Tagen Hast
oder zehn Mark verurtheilt! Wag wolle
Sie nun?'
Angeklagter: .Dann geben S' mir
lieber die zehn Mark!'
Schuldig.
Im Theater einer kleinen Stadt gab
man .Die H?re von GäbiStors'. Al
die Darstellerin der Her: vor der Vhme
stand und diese ihr Verdick: .Schuldig!'
gab, rief im Parterre ein dicker Kuchen
bäcker: .Jawohl, st ist schuldig! M
allein noch vier Mark für Apfklkuch!
Die erste Empfindung.
Tagelöhner: .Sie suchen einen Im
ber. Herr Baron, ich war schon im vori,
gen Jahr mal bei Jhkien!'
Baron: .So und schon wieder ge
fund?'
Abwarten.
.Ich habt sagen hören, Fräulein
Emma, daß in Kuß ohne Lieb schmeckt,
wie ein Ei ohne Salz.'
.Ich weiß nicht. Da kann ich nicht
mitreden. Ich hab' in meinem ganzen
Leben noch nicht'
.Na, na. Fräulein Emma!'
ein Ei ohne Salz gegessen!'
prompte Auskunft.
Ist denn der Wein noch immer nicht
da, den meine Söhne holen sollten?'
.Doch. Herr Rath. daS leer Fäßchen
steht im Keller, die Herren Söhne liege
oben im Bett.'
Sureden hilft.
Bauernbursche (zum Photographen):
.Machen Sie mich nur in bischen
hübsch. Sie kriegen auch ein paar Mark
mehr!'
lvas ist der Gipfel der Ungenirthcit?
Wenn man auf einem Balle, die
Zigarre im Mund, in junge Mädchen
zum Tanze auffordert und die Cigarre
der Mutier dieses jungen Mädchen mit
ter Mahnung anvertraut, st nöge st
nicht ausgehen lassen.'
Auf Umwegen.
Sachse: .Söhn Se. mei scheene
Frailein, ich bin Se nämlich fähre gut in
Sachsen bekannt. In Meißen hab' 'ch
d'n besten Wein getrunken, im Voigt
lande de besten Kleese gegessen, in Puls
nitz d'n besten Pfefferkuchen schnabelirt,
in der säck'schen Schweiz de scheenste
Berge gesähn. in Dresden aber de fein
sten Mädchen angetroffen. Ich bin des
halb so frei, mei liebes Frailein, um
Ihre Hand anzuhalten.'
Iin lvurslladen.
.Wag wünschest Du denn, Kleiner?'
.Für eenen Jroschen Wurscht, aber recht
viel, e ist für 'ne Kranke! '
Und wa willst Du. mein Kind?'
.Ooch für eenen Jrofchcn Wurscht,
aber recht dünne aufgeschnitten; wie habe
heut die Waschfrau!'