Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, September 14, 1893, Image 12

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    willems BrautfaKrt.
Eine cfiji au den stcirilchen f frjfn.
müden Schalte ftnft sich Ur
Abend nieder, frühzeitig. plötzlich fast,
Tenn wie die Sonne hinler da grünen
Berge versunken war, da flammte e nur
noch zum letzten Mal von drüben auf,
blendend hell mit scharfem, flüssigem
Gold durch die webende T-Ümmerung
gleitend, ein zerfließender Purxurmantel.
Und hoch begannen die grauschmarzen
Riesen in die Höhe zu wachsen, felsige
Colosse, die wie feingeschnittene Sil
hvuetien vom tiefblauen Himmel sich ob
hoben. Selbst die klare, ruhige Luft
schien ermattet u sein: kein Hauch be.
weote sie und alllt träufelnd, liebkosend
über den Spiegel de weiten Allausseer
See: das VlStschern der Rder war
Icbon längst verstummt.
itn denliche Bild, begann beern
dernd ein fremder Städter, der auf der
Terrasse des SeehotelS stand und zu
fnmmenhöjtelnd in einen weiten scholll
sie Plaid sich einwickelte. wund
bar, wiederholte er, wie in Gedanken
versunken, als wollte sein Auge daS
an,e berrliche Panorama in sich auf!
sauaen. Er wandte sich um und blickte
zum Loser empor, der drohend und starr
aus verschwommenem umergrunve sicy
emvorbob. ein kabler Felsen inmitten
einer Wenden Masse. Die nackten Kan
ten schienen zu erzittern, denn Werber
langten noch die schiesen ivtrahlenvünvel
der versinkinden Sonne sie spielte
da in zaubtrfüfzen Tonen, als wenn Ru,
bine bluligroth scheinen neben grünlichen,
leidenden Topasen. Ganz leicht nun,
schleie, flüchtig zog ein feiner, glitzernder
Nebel empor, iDunst noq Vpiun
gewebe, in daö sich einzelne Pfeile der
Tagverlünderin verfangen hatten, ohne
entgleiten zu rönnen. ,
Der fremde Städter sprach kein Wort
mehr. Er fühlte es, hter rönne man
1 nur stumm, mit der Seele bewundern
....wortlos, begeistert. Als wenn in
aemaltiaer Sprache die Natur ihr kost
ucbiies Lied singe? ihr heiligste. Er
blickte um sich.
Da stand neben ihm ein Bauer aus
dem Thale. ein alter, zerlumpter Geselle,
schlecht raflrt, mit müden, herabhängenden
Müllen m, faltigen, oelvarmten Ge tcyl.
Er hielt den breiten Strohhut in den
. gefalteten Händen; seine Augen waren
' starr auf den Schnee gerichtet, während
die welken, blutlosen Lippen sich zuckend
zu bewegen schienen, als wenn der Alte
bete.
Unwillkürlich entblößte auch der
Städter sein Haupt, vernahm er ii auch
das helle, klingende Glöckletn des nahen
KirchlburmS langge,ogene Töne, die
von den Bergen zurück echoten klagend,
in leisem Beben erstrebend.
Der Alte hatte den Mitbeter bemerkt.
VergeltS Gott, begann er leise, betenS
mit mir um a arme Seel'.
Der Städter deutete auf die See.
Ja, ja fuhr der Alte fort, hter war's.
Inmitten des Sees. Wir haben'S hier
vom Ufer genau sehen können, ohne
irgendwie helfen zu können. ES wär'
ja ohnehin zu spät g'aest. Mem Einzi,
ger!
Ihr Sohn ist hier verunglückt?
Verunglückt? Wann's so haben wol
len, ah recht! VergeltS Gott, daß mit,
bet' hab'n. Der Alte wandte sich um
und schlürfte langsamen, schweren Schrit
teS davon.
Auch der 'Städter verließ seinen Be
gbachtungSpunkt; eS war ohnehin schon
empfindlich kühl geworden. Alle Gäste
waren bereits auf der gedeckten Veranda,
wo die Lichter flackerten und die gefrack
ten Kellner geschäftig umherschoffen.
dorthin wandte er sich. Er fand bald
eben einigen Altausseern Honoratioren
Platz, die hier ihre Pfeife rauchten und
das braungelbe Bier tranken.
Ein gottvoll schöner Abend, begann
der Städter, seinen großkarrirten Regen
mantel und den Plaid einem herbeigeeil
ten Kellner übergebend, dieser tiefe
Friede....
Diese trügerische Ruhe, lachte der
Salinenarzt, Sie wissen ja, stille Wasser
sind tief.
Da gilt dem See?
Gewiß. Da konnten ihm die Wellen
so manche Geschichten erzählen....
O, da werden Sie ja wissen, wer die
ser alte Bauer war, der neben mir ge
standen und gebetet hat. . . .
Der Arme! Dem ist ein große Unglück
widerfahren. ES ist zwar nur eine alte
Geschichte.
Mit neuer Pointe?
Auch daS nicht. Eine einfache, alte
Geschichte. Na. ich will sie Ihnen er.
zählen. Wir sitzen hier so gemüthlich.
Die Gäste schoben zusammen, der
Städter macht es sich bequem, trank
vorher eine Schluck von seinem Bier,
rauchte sich eine lange Havannah an und
der Arzt begann:
Vor Jahren noch, ich war erst hierher
gekommen, war dieser Alte noch einer der
angesehensten, reichsten Bauern von Alt
auffee. Er hatte eine sehr hübsche Be
sitzung, eine Alm, auf der etwa 40 Kühe
weideten, ein recht niedliches, freund:
liches Haus, war mit einem Worte einer
der Bestbeneideten. Sein Unglück war
nur, daß ihm fein Weib viel zu früh ge
ftorben war und er sich feinem Einzigen,
dem Willem, keinen rechten Rath zu fchaf,
fen wußte. Wie es eben in solchen Kreis
fen öfters vorzukommen pflegt, hätte der
Willem weit über feinen Kreis hinaus
sollen, etwa ein g'studirter Mann ein
hochwürdiger Herr Pfarrer gar werden.
Aber zum Studken war der Einzige vom
reichsten Almbauer viel zu wenig aufge,
legt. Ihm behagte eS viel besser und
lieber, den ganzen lieben Tag in Nichts
thun zu verbringen, deS Alten Geld zu
verprassen und hinter jeder Schürze da
herzulaufen ,er durfte es jr thun, der
Slmbauer hatte in der Stadt genug Geld
auf der Bank liege. Wie lange so
etwa geht, können Sie sich ja leicht
denken; bald hatte der Almbcuer nichl
all eine Hpgihek aus seiner Besitzung,
und Willem kinnte nichl als zum
Militär gehen, um drei Jahre
Vfnve zu putze. Diese Soldaten, ahre
scheinen ihn gebelse-t zu haben. Denn
wie er all Urlauber, al Dragoner
korxoral nach Haus kam, da ließ er sich
reqr gut an, und iqo verlpraco man
sich, es werde leiden bald gelingen, da
Snw:sen wieder in die Höhe, schuldenfrei
legen. Mit doppeltem Elfer warf
sich der Alt auf dieArbit;'Willem stand
nicht nach. Da einmal Verpfusch
aber, das o viele leichtsinnige Jahre
langsam, stetig heruntergebracht, auf
einmal wieder emporrichten, geht auch
nicht. Mittlerweile begann man auch
im Dorfe schon davon zu reden, Willem
werde bald das Kreuzbaucrn Annerl hei
rathen, die säuberst Dirn im ganzen
Umkreis. Er war um dieses Mädchen
zu beneiden. Ich sehe sie noch deutlich
oor mir; rerngerave, wie eine lunge,
frische Tanne, erblühend im ron
gkm Leben. Ein runde S, volles Gesicht
mit in Haar blauen, lachenden Augen.
juS denen eine ganze Seele voll froher
schatrhafligkett, lugendllchen Ueber
Muths blickte. Immer hell and klar.
frohgemuth, wie ein süßer Frühling in
unseren Bergen, da hoch oben die (Itjcla
men erblühen, in den konnendurcbstrabl,
ten Himmel zu gucken. Schon um die
ser Augen willen mußte sich Willem in
sie veüieden. Der kleine Mund war
voll, üppig, wie die rundlichen, ein
wenig aufgeworfenen, kußsüchttgen Lip
pen. Und in runden, wzrm weichen
Linien war die halberblühle Büste ge
zeichnet eine Knospe noch, die deS
wärmenden SonnenkusseS wartet, um in
aßen Schauern dustig zu erblühen.
Wann wird Hochzeit gemacht? frug
ich mal Willem, da ich ihn grade in der
Schmiede traf, wo er seine Pensen schiel
fen wollt.
Er lachte mir mit vollem Munde ent
gegen, glückstrahlend oor Freude.
Hm! er kraute sich hinter den blon
den, struppigen Haaren i beuch, big
t von der nächsten Waffenubung ham
kum!
DaS war also eine ausgemachte That
fache, daß wir im Orte recht bald eine
solenne Hochzeit feiern würden. Ich
freute mich darauf, denn die Ver
schwägerung mit dem Kreuzbauer sollte
kem Almbauer endlich die Möglichkeit
bieten, die letzten kleinen Schulden aam
zu tilgen, sollte ihn wieder, wie man es
tu sagen pflegt, auf die rechten Füße
stellen.
Vorher hatte noch Willem seine Was
fenübungen durchzumachen. Er hätte
sich von derselben auch befreien können,
aber er zog e vor, lieber jetzt als Lediger
einzurücken und dafür dann mehrere
Jahre frei zu sein, denn später als jung
oerhetrtheter Mann, da feme Adwesen
heit in der Wirthschaft sich stark fühlbar
gemacht hätte.
Am 1. Juli rückte er ab, am 16. sollte
er schon zurück sein. Für den Teufel
sind aber auch fünfzehn Tage Zeit
genug, wenn er Unheil stiften will. Und
olch in Unheil erschien in der Person
eines Sommergastes, eines jungen Farit
aus Wien, eines lang emporgeschossenen,
blassen, verlebten Gesellen mit blau um
ränderten Augen. Eine wahrhaft schlot
lerige Gestalt, die bloß m einem letztmo
dernen Anzüge stak, den, weiß Gott
welcher englische Schneider componirt.
Am dritten Tage nach seiner Ankunft
sah man schon das Bürfchlein unter die
Sauern sich mengen, den Dirnen nach.
stellen, sie mit Geschenken überhäufen
mit einem Worte, den flotten Geist spie
len. Auch ließ er sich des Sonntags über
den See nach der Seewiefe rudern, wo
unsere Burschen' und Mädel beim Tanzen
und Singen sich jauchzend ein Gütliches
thun. Hier spielte er sich auf den gnädi,
gen Herrn hinaus, beschenkte die Must
kanten, tractirie die Burschen und
kniff die Mädel in die Wangen. Kaum
wurde er aber hier AnnerlS ansichtig,
WillemS Braut, da ließ er die übrigen
im Stich, machte sich nur an diese, und
wußte bald ihren Bruder, mit dem sie
hinausgekommen war, derart zu be
choatzen und zu verau chen, da er
sich um seine Schwester nicht mehr küm
merte.
Der Fremd wich nicht mehr von ihrer
Seite. Was seine Geschenke nicht er
mochten, feine Schwüre, seine Ver
prechirngen, das reichte des Bmdere
Zureden, der ganz in des Herrn Ge
walt stand. Wiuem bat leine Braut
mehr!
Gleich bei setner uructtunst erfuhr er
eS aus dem Munde seines Vaters.
Der herbe Schlag traf den men
Burschen tief, bis in die Seele, bis in
Mark. Er brach nur fo zusammen,
kraftlos, energielos, aU hätte ein wuch
tiger, betäubender Keulenschlag ihn nu
dergedonnert. .Verrathen! schrie er
auf, zähneknirschend, zornbebend; es
hätte nicht viel gefehlt, und er rothe fei
nem Vater davongelaufen, den Grafen,
sie und ihren Vater zu zermahlen. .
Mit schwerer Mühe konnte ihn der
Alte ein wenig beruhigen. Er lag auf
einen Knieen vor dem zermalmten Sohn
und beschwor ihn, sich zu sammeln.
Sie ist deiner nicht werth; wag willst
du von einer, die höh,r hinaus will?
Willem, du weißt eS, - der Bauer soll
nit über sein Stand hinauswollen ....
DaS wirkte. Willem warf sich zurück
in einen öden, dunklen Winkel der Stube
und brütete trostlos vor sich hin. Er
wußte, daß fein Leben ollen Halt ver
loren, es hatte keinen Werth mehr. Ihn
erfüllte jetzt nur ein wahnwitzig glühen
des Verlangen nach Rache, ein unseliger
urst na Rache erstickte tits anoere
Gefühl in ihm. WaS soll ihm die welle,
flöne. aroke Welt, wenn min daraus
mit rohen, brutalen Händen seine Zu
kunft gerissen, seine Hoffnungen mit
Küken treten, benlos. Aber er wird
sich räche, fürchterlich räche daß
man in Lussee vom Willem sich och er
lählea wird.
Offenbar hatte daS armselige Bursch
lein WlllemS Ankunft erfahr und un
ter sich den Boden heiß erden gefühlt,
er war plötzlich verschwunden, An
nerl in ihrer Noth und ihrem Elend
feige zurücklassend. Da trat jetzt Willem
oor!
AIS sei gar nicht! geschehen, kam er
zur Annerl, seiner Braut, als wußte
aar nicht. maS vorgefallen, brachte
ihr feine Geschenke auS der Stadt, lau
derte und lacht mit ihr, so sehr ihm
da Herz aucd schwer sein und fo viel
Mühe und Anftrenzung es ihm auch
kosten mochte, seinen fürchterlichen Zorn
m verbergen. Annerl ahnte gar nicht
äe war lustig und guter Dinge , die
kurzsichtige, falsche Dirn, die es doch
sonst häll bemerken müssen, daß Willem
an lbrem linken Mitteinnger emen ytau
tenrinz sah. Warum fragte er sie nicht,
ober sie ihn habe?
Der erste Sonntag seit Willem Rück
kehr war einer der schönsten Sommer-
tage, die ich ,e hier verlebt. Ich werde
ihn in meinem Leben nicht vergessen.
Das ganze All strahlte nur in Licht und
Wärme, über alles lag gebreitet ein
schimmerndes Meer.
In der süßen, lauenLu't strich ein harzr.
ger Duft auS den Tannenwäldern, da
zwischen den Geruch der Linden, deS Was,
serS...., nichts als bezaubernder,
wogender Glanz und wieder und wieder
Licht. Auf dem See herrscht rege?
Leben. Die Boote schössen nach allen
Richtungen herum, meister.S zur Seewiese
hm, wo wieder Muftr und Tanz war.
Da Ufer voller Leute; Bauern, geputzte
Burschen und Mädel, auch Sommergäste
aus fernen Städten.
Am Nachmittag erschien Willem mit
seiner Braut. Er stak merkwürdiger
weise in seiner MlIltärErtrallnlform,
und man muß es ihm lassen, er sah als
Dragoner-Coporal vom vierten Regiment
sehr fesch und gut auS. Nur schien er
mir sehr bleich und aufgeregt. Annerl
dagegen war sehr aufgeräumt, lustig und
uvermulytg wie immer.
Wohin gehtS? fragte ich, da mir 2311,
lern gar nicht gefiel.
Zur wiese, rres er hinüber. Un
sere letzte Brautfahrt, denn bald wird
Hochzeit gemacht. Seine Worte beruhig
ten mich, denn die Stimme klang klar
und ruhig.
Letzte Brautfahrt, wiederholten mecha
r,isch meine Lippen.
Ich sehe ihn noch vor mir, wie er mit
starkem Arm in den See hinauSrudert
ust in die Mitte. DaS Boot schießt
pfeilarade hin. . . ., die Braut deutet mit
den Armen in die Luft umher, offenbar
streiten st, sie winkt nach der Seewiese,
aver retner von uns am User denkt an
irgend übles. Di meisten übrigen Boote
tnd welter drüben, das nächste braucht
immerhin einige Minuten, um ihn zu
erreichen. Plötzlich hebt Willem ein Ru,
der in die Höhe, daß Wasser rieselt daran
nieder wie zerfließendes Gold, und
wir sehen, wie er eS mit Wucht weithin
von sich schleudert. Schon schießen zwei
lllen zu ihm bin. Doch zu spät..
sie sind ihm noch gut zwanzig Meter
weit, da erhebt sich Willem, seine Ge
stall zeichnet sich scharf vom grünen, dun
len Hintergrunde ab, er wird von der
Sonne beschienen, wahrhaft eine lichtum
flossene Gestalt Annerl beugt sich vor,
streckt flehend, in höchster Angst. - die
Händ vor sich hin und schon fällt ein
Schuß.
Donnernd und krachend tönt das Echo
von den Bergen zehnfach zurück, und
schon fällt der zweite Schuß Willem
dreht sich plötzlich um und sinkt über den
Rand des Bootes in den See, daß eS
umkippt. Er und Ännerl sind in den
Tiefen versunken ....
Am Ufer stand fein alter Vater und
sah händeringend, in die Knie zusammen
gebrochen, den Selbstmord mit an. Wir
trugen ihn mit schwerer Mühe fort
er wollte seinem Sohne folgen. Er ver
siel gleich darauf in in döseS Fieber,
doch gelang eS mir, ihn zu retten. Heute
lebt er von der Gnade der Gemeinde.
warum er kein Geld wollte
Eine
Autographen
Eduard
Geschichte.
Lantz.
Von
Es war wenige Monate vor dem Tode
deS großen Mimen. Alle die Verehrer
und Freunde Talma's bangten um fein
Leben; nur er wußte nicht, wie kritisch
es um ihn stand. Wenn r auf den
Brettern stand, die für ihn in des Worte
verwegenster Bedeutung di Welt bedeu
teten, dann suhlte er sich froh, gesund,
glücklich! Er spielte mit einem hin
reißenden Feuer. Seine Leistungen
waren vielleicht nie fo großartig, so ab.
gerundet, wie in der letzten Zeit seine
Lebens. Wenn er auftrat, dann war
das Auditorium hingerissen, um bei
feinem Abgange dann jedesmal um so
schmerzlicher an das nahe bevorstehende
Ende des Künstlers erinnert zu werden.
Der Schneider Talma's hate von
diesem sechs auf die Theaterkasse lautende
Quittungen erhalten, und schickte sich
gerade an, das Geld dasür zu erheben,
als die Thür zu feiner Wohnung aufging
und ein Engländer mit Namen Lord
Smith Clarke in's Zimmer trat.
.Sie Habens begann dieser, .mehrere
von Talma eigenhändig ausgeschriebene
Anweisungen in Händen.-
.So ist e.'
.Ich bin bereit, Ihnen in gutes Auf,
geld dafür zu geben, wenn Sie mir die
Schriftstücke überlassen.
Der Schneider wurde stutzig: Wenn
der Engländer ihm schon jetzt, bei Leb
zeiten Talma', einen solchen Verdienst
bot, was mußten di Quittungen erst
naCf dessen Tode werth fein; und sich
höflich verbeugend, schlug er eS ab, das
Angebot zu accepliren. Er wollte sein
Kapital dadurch vergrößern, daß er m
dem Verkauf der Papiere noch einige Zeit
wartet.
Aber, er hatte di Rechnung ohne
Talma gemacht. Wenige Tage nach
dieser eaebenbeit tdeilte deNen Sekretä
ihm mit, daß sechs Quittungen wunder,
barer Weis nicht ingelöft seien. Der
Künstle? sah in seinen Bücher nach
wem er die Anweisungen gegeben hall
und beaustragt seine ekretar, zu dem
Lchnelder zu gehen.
Bald hatte dieser seinen Auftrag aus
geführt und den Schneider aufgefordert,
sein ihm zukommendes Geld bei der
Theaterkasse zu erheben. Doch dieser
fand sich durchaus nicht bereit. .Sehen
sie antwortete der Schneider, .mir ist
oor einigen Tagen in sehr guter Prosit
sür die von Herrn Talma eigenhändig
ausgeschriebenen Anweisungen geboten
morden. Dieser Umstand hat mich jedoch
veranlaßt, die Papiere so lange auszube.
wahren, big nach Herrn Talma S Tode
Ich würde Ihnen rächen, ebenso zu ver
fahren: denn unzmeifelhaft sind Sie im
Besitz verschiedener Gegenstände von der
Hand deS großen Meisters, die nach dessen
Tode einen nicht zu unterschätzenden Werth
haben werden.
Der Sekretär war von diesen Worten
in hohem Grade unangenehm berührt.
Nicht allein, daß man in so herzloser
Weise auf den Tod seines Herrn speku
lirte, hatte man noch den Muth, ihm
ein ebensolches Thun anzuralhen. und
sich kühl verbeugend, verließ er das
Lokal. '
Am Nachmittag desselben TageS unter
hielt sich Talma mit seinem Sekretär
über die verschiedensten Dinge, bis er
plötzlich nach der Erledigung der Angele
genhett mit dem ischnetder fragte.
, O, entgeanete der Sekretär scheinbar
leichthin, .die Sache ist allerdings nicht
erledigt, aber ich glaube trotzdem, daß
Sie mit der Sachlage, wie sie jetzt ist,
einverstanden sein werden.
.Da bin ich neugierig; bitte, erzählen
Eie."
Der Schneider entgegnete mir auf
mein Aufforderung, sein Geld etnzu
kasstren, daß er dieses nicht thun werde,
da das Geld, welches er von der Theater
kasse auf eine Anweisung des großen
Talma bekommen werd, sich durchaus
nicht von anderem ' Geld unterscheide,
dagegen die Schriftstücke von der Hand
dieses Mannes sich ohne alle Frage sehr
vorthellhast unterscheiden. Deßhalb
werde er dieselben auch für sich und seine
Angehörigen aufbewahren.
Wayrenv vieler zvcittyeilunq war
Talma unruhig im Zimmer auf und
abgegangen: .Schreiben Sie dem Schnei
der, bitte, daß mich seine Pietät sehr
ehrt, dag ich ihn aber trotzdem bitten
muß, seine Forderung an mich dadurch
aufzuheben, daß er den Betrag dafür er
hebt. Ich wünsche ihm durchaus Nichts
chulvlg zu bleiben.
Man ist so gern bereit, die Schauspie-
ler, und zwar nicht mit Unrecht, schlechte
Zahler zu nennen. Leider sind so viele
meiner Kollegen eben nicht in der Lage.
ihren Verpflichtungen nachzukommen; da
cy aver nun ta ea:u m tande bin, so
mochte ich unter alle Unutanden. daß
meine Anmet ungen eingelöst werden.
Am anderen Tage war der Schneider
Mi Besitz eines BiitseS von der Hand des
TekretarS, dessen Inhalt stcy mit den An
gaben Talmas deckte.
Zwei, drei Tage verstrichen, ohne daß
eine Antwort erfolgte. Endlich schrieb
Talma dem Schneider selbst inen Brief.
Aber der Erfolg war gleich. ES kam
keine Antwort. Ein zweiter Brief Tal
mas hatte dasselbe Schicksal.
Ganz nervös geworden, eilte der Kunst
ler zu dem Gläubiger, der fo hartnäckig
die Annahme des ihm zukommenden
Geldes verweigerte, aber der Schneider
ließ sich verleugnen.
Empört über diese Behandlung eilte
Talma nach Hause, wo er dem Schnei
der einen Lrief schrieb, worin er
energisch um Abnahme des Geldes auf
orderte.
Als der sonderbare Kauz den Brief er
hielt, flog ein zufriedenes Lächeln über
sein Gesicht: .Ah, jetzt habe ich den drit
ten Brief; wenn eS mir nun gelingt,
noch einig Schreiben zu erhalten, dann
kann ich die Anweisungen auf Herrn
Talma ruhig einlösen, da es mir dann
möglich ist, seine Briefe statt der Ouit
tungen zu verkaufen. Hiermit fetzte er
sich hm und schrieb seinem Schuldner,
daß er ihm noch erlauben möge, dessen
Anweisungen uneingelöst für sich und
seine Familie, wie er bereits den Sekre
tär gebe en habe, aufzubewahren.
W der schlaue Schneider vsrausge
sehen, erhielt er hierauf einen Brief,
worin lhm seine Bitte rundweg abge
schlagen wurde. Im Gegentheil: Talma
ordert ihn enera. ch aus, itch endlich das
Geld auszahlen zu lassen.
Aber dieser Gläubiger war ausdauernd
in der Verweigerung der Annahme deS
hm zukommenden Geldes. Noch zwei
mal ließ r sich auffordern, endlich sein
Geld zu erheben; nur der Umstand, daß
das letzt Schreiben Talma's die Er
klärung enthielt, ihn auf gerichtlichem
Wege zur Annahme deS Geldes zu zmin
aen, veranlaßte ihn. dem Spiel ein End
zu machen, um der vielfachen Nufforde
rung nachzukommen.
ES waren ewige Wochen verstrlchev.
nachdem der hartnäckige Schneider sein
Geld erhalten hstte, da ging die Nach-
tcht durch die Blatter, da talma schwer
krank sei.
Jetzt hielt der Schneider die Zeit für
gekommen, dem Engländer, welcher ihm
cmer Zeit das Angtvot sur oie von
Talma's Hand ausgefertigten Schrift
stück gemacht hatte, von seinem Besitz ter
sechs eigenhändigen Briefe de Künstlers
Kenntniß zu geben, und mit diesen in der
lasche begab er sich zu dem Lord. Er
traf ihn gerade zum Ausgehen bereit,
Doch auf die Mittheilung, um was eS
sich handele, wurde er sofort zum Da
bleiben eingeladen.
,WaS verlangen Sie für die Brief
sragi ver rorv.
,zq oill Vik, mir ein Angebot zu
machen.
.Ich gebe Ihnen für diese sechs Briefe
itchssunveri grancs.
Der Schneider schüttelte verneinend
den Kopf.
.Nein, Mvlord, dafür gebe ich die
Briefe nicht fort. Bedenken Sie. die
Schriftstücke sind au der jüngsten Zeit;
und viele dürften bei der Krankheit deS
Meisters nicht ein ähiillcheö Datum tra
gen.
Der Engländer bot noch 200 Francs,
Aber der Schneider, wohl wissend, daß
cr einen Schatz im Besitze habe, ließ sich
. . r t i . e w mr . '
aus oie es je aiaj: nicht ein
Und wieder waren einige Wochen ver
uricoen. iuie arancoxye, v,e man so
ränge gesurcyiel yalie. war eingetreten.
Talma, der große herrliche Mime, war
gestorben, und tiefe ausrichtige Trauer
yaire seine ereyrer ersak.
In banger Erwartung saß unser
Schneider in seiner Werkstatt und spähte
die 'Straße hinunter. ES war dumm
von ihm gewesen, bis Gebot von 800
FrcS. seiner Zeit nicht angenommen xu
naven. 5va nayce nq ver rord seinem
Hause und aufalhmend begab sich der
Meister von Nadel und Scheere an die
Aroeir.
Gleich darauf öffnete sich die Tbür
und herein trat der Engländer, der dem
scheinbar emsig arbeitenden Schneider
plötzlicy mit der Frage gegenüber stand
Wollen mir die Briefe für 1100
grcs. überla en ? Ja oder Nein V
Und .Ja" kam S aus des Schneiders
Munve.
Still vergnügt legte der Schneider.
nachdem der Lord gegangen war, daZ
leicht verdiente Geld fort. Dann macht
er sich auf den Weg. um sich zu Talmas
Sekretär zu begeben.
.Mein Herr " begann er. bei diesem
angelangt; ,tch bin bereit, em gutes
Ge chaft mit Ihnen zu machen. Ueber,
lassen Sie mir sämmtliche entbehrlichen
chrntstücke von der nand des verstor
denen Talma, und ich gebe Ihnen ISO
Srcs. oasur."
Doch er war an den Falschen gekom,
men. , Kaum hatte er ausgesprochen,
als der Sekretär, empört über so viele
Taktlosigkeit, aussprang, den Schneider
an dem Kragen packte, und zur Thüre
ymauswars.
Schade sagte der Schneider, .sich
den Rücken reibend, .der Engländer hätte
noch mehr genommen.
Tienstbotc iu Brasilien.
In Folge der Aufhebung der Skla
vere tn Brastlien herrscht dort Mangel
an Dienstboten. Dieselben sind daher
im istanbe, ihre Bedingungen zu stellen,
ehe sie eine Stellung annehmen. Nicht
ein Prozent der männlichen und weib
lichen Dienstboten will im Haus der
Herrschaft schlafen. Sie bestehen dar
auf. das Haus des Abends spätestens um
7 llyr zu verlassen, und kehren am näch
sten Morgen nicht vor 7 oder S Uhr zu
rück. Eine Köchin findet es nicht ange
messen, daß ihre Herrschaft ihr Dinner
pater als S Uhr einnehme, sodaß sie die
Küche in Ordnung bringen und rechtzei
tig nach Hause gehen kann. Widersetzen
sich die Herrschaften diesem Gebahren,
o verlassen die Dienstboten sie sofort.
Eine gesetzliche Bestimmung, die zum
Bleiben zu zwingen, giebt es in Brasilien
nicht. Ein Dienstmädchen erhält durch
chnittlich 2 bis 3 Pfd. Sterl. monatlich,
owie Zehrung. Diese Dienstboten sind
alle Mulatten und fast alle befreite
Sklaven. Trotzdem sie keine Engel sind.
werden sie doch den weißen Dienern vor
gezogen, die in Brasilien noch viel schlim
mer sind. Einige italienische und deutsche
Kolonisten befinden sich daselbst im
Dienste; sie sind jedoch unabhängiger als
die Schwarzen. Ein Grund für den
Mangel an Dienstboten ist der Umstand,
daß seit Kurzem Fabriken in großer An
zahl enichtt worden sind, in denen
bessere Löhne bezahlt werden und in denen
die Arbeitsstunden kürzer sind als tn dem
Haushalt.
Etwa vom Pfau.
Ueber diesen Schmuckoogel sind zum
Theil ganz falsche Ansichten verbreitet.
Fragt man irgend Jemand, was am
Pfau das Schönste sei, so antwortet die
er unfehlbar: .dessen Schweif'. Die
Dichter huldigen bekanntlich derselben
Anschauung. Was wir aber den Schweif
deS Pfaues nennen, ist nicht der Schwanz.
fondcrn die Federn, die wir zusammen
als Pfauenfchweif bezeichnen; sie sind nur
vom Rücken ausgehende sogenannte
Schwanz-Deckfcdern, wie man solche, nur
weit kleiner, bei jedem Vogel wiederfin
det. Die wirklichen Schwanzfedern des
Pfaues sind kurz und stark, und wenn
der Vogel dies aufrichtet, nehmen sie die
chanen Decksedern nur mecyamscy mit.
SchneMg? des Tchwalbenflugö.
Eine Schwalbe, die ihr Nest in der
Nachbarschaft von Rubair halte, wurde
gefangen, nach Paris gebracht und dort
in Freiheit gesetzt. Vvsork reyrie sie,
und zwar binnen y2 Stunde, nach
hrem Neste zurück, und hatt damit di
Entfernung von 161 englischen Meilen
(Lusllinie) zurückgelegt, o. y. sie burct).
ilte in einer cmuke oie irecre von
?ö Meter oder die englische Meile in
noch nicht ganz 34 Sekunden. Die
Schwalbe bewegte sich also um doS Dop
pelle schneller als unsere Schnellzüge.
Unangenehm.
UnioersitZtprofe'ssor: .Meine Herren,
ich bitte einige Minute um Ihre Nach
sicht. Ich habe mein Manuskript zu
Hause gelassen, aber mein kleiner Sohn
wird e mir sogleich bringen!
Der kleine Sohn (eintretend): .Mama
konnte da Schriftstück nicht sinden; da,
für schickt sie aber da Buch, au, dem
Du' abgeschrieben haft!'
Line neue clhakze.
Rittmeister (einen ihm befreundeten
Maler in der Kunstausstellung be
grüßend): .Habe vorhin Ihr neues Bild
gesehen! Wirklich großartige Leistung
sind gewissermaßen zu einem Kameraden
von mir avancirt!
Maler: .Wieso?
Rittmeister: ,Na, meine: Colorit
meiste?!'
Der f'rvenü. . ,
Hast Du gelesen, Elsa, wie sich hat
ausgezeichnet unser Moritz in der Resi
denz? Gezogen hat 'r an' armen Dienst
boten heraus aus ter Donaul'
.Phül War nir Feineres
d'rinn?!'
vorsichtig.
Privatier (bei ter Abreise in'S Bad,
zu seinen tret Töchtern): .Pauline, Du
thust mir jeden Tag den Vogel füttern,
Du, Rosa, erinnerst die Pauline daran,
und Hermine sicht nach, ob der Vogel ae
füttert ist!' u
5xlhbuben-LiteIkeit.
Staa!Sanwalt(tei'mResume):,..Die
Schlauheit, ich möchte fast sagen Jntelli
genz, mit welcher der Einbruch, . '
Angeklagter (unterbrechend): .Sie.
nicht wahr, das kommt doch hoffentlich in
die Zeitung?'
Ein Zeitkind.
(Fritz liest eifrig in dem Buche:
Krone deS häuslichen Glücks. Eine
Anleitung zur guten Erziehung der Kin,
der bis zum 3. Lebensjahre.')
Mutter: .Ja. wie kommst denn Du
dazu, in diesem Buch zu lesen?'
rmqen: .Meldt Du. Mama, cb
hab' nur sehen wollen, ob ich bis jetzt
von Euch richtig erzogen worden bin!'
Grob.
Gast: .Herr Wirth. Ich habe .bnen
doch ausdrücklich gesagt, Sie sollen mir
ein mageres Schwei.nerneS bringen, und
das da ist trotzdem ganz fett I '
Wirlki: .Wenn's bnen nicbt reckt st.
brauchen Sie's ja nicht zu essen aber
Sie können nicht verlangen, daß ich
Ihretwegen meine SSu nach Marienbad
sch ','!'
ver umgekehrte Heine.
In einer Gesellschaft wird über einen
mosernen Dichter gesprochen, der kick
durch lange sentimentale Gedichte hervor
gethan. .Ich möchte ihn', bemerkt ein
Kritiker, .den umgekehrten Hein
nennen r
.Wieso?'
.Nun: aus seinen klonen Schmer,
zen macht er die großin Lieder!'
protzig.
Collecteur: ...Und dann möchte ich
noch um einen kleinen Beitrag für das
neu zu erbauende Waisenhaus bitten!'
Er: .Belaure. dafür gebe cd k e i.
nn Pfennig!'
Sie (.heimlich zu ihrem Manne :
.Was red'st De? Unsereins kann
doch höchstens geben keine Doppel
tone!"
ver falsche Wolf.
Hänschen hat in der Schule vom
Wolf gehört und erhält zu Hause, als er
von der Mama noch mehr darüber wissen
wollte, den entsprechenden Band des
ConversationslerikonS zur Lektüre.
Run', fragt sie nach längerer eit. da
er noch immer lieft, .bist Du denn noch
nicht fertig?'
.Nein', sagt HanS, .ich bin erst da,
wo er Gymnasialdirektor
wird!'
kzerzenswunsch.
In der Volksschule ist der Nachmittag
wegen großer Hitze freigegeben worden,
dagegen haben die jungen Lateiner Unter,
richt wie sonst. .Wetscht' sagt einer
von ihnen auf dem Schulweg. ,mer soll
ten halt au' an' dicke Direktor
habe, der ordentli' schwitzt' thät'
na' wär'S annerfch!'
Motivirt.
.Ader Lili, vor einer Stund hast Du
doch erst den Brief von Eduard bekom
men, und nun beantwortest Du ihn fcho
wieder! Warum eilt denn das immer aar
so sehr?'
O, Emma, Du weißt eben nicht, wie
leidenschaftlich er mich liebt! Er erschießt
sich ja immer gleich, wenn ich ihm nicht
sofort antworte!'
Lelbftzwang.
Süffel: .Aber hör' 'mal. Spund,
gestern bist Du nun auch beim Löwen
mirth hinausgeworfen worden! Du in
Deinen hohen Semestern solltest doch
nun endlich solider werden!'
Spund: .O, das ist Alles nur Poli.
tik von mir! Ich mache mich jctzt nach
und nach in sämmtlichen Kneipen unmög
lich. und dann sollst Du sehen, wag für
ein feines Eramen ich nächstes Semester
leiste!'
Echter latsch.
Erste Gevatterin: .Glauben Sie die
schreckliche Geschichte, die man sich von
Fräulein Schwarz erzählt?'
Zweite Gevatterin: .Ganz entschie
den!.... Was erzählt man denn von
ihr?!'